VW Golf 1.9 TDI im Test

Einstiegsmodell für kräftigen Turbodiesel

Volkswagen ordnet mit dem VW Golf 1.9 TDI seine Dieselpalette neu. Der 100 PS starke Golf TDI mit Pumpe-Düse-Technik stellt künftig das Einstiegsmodell im Segment der kräftigen Turbodiesel. Die neue Hochdruckeinspritzung verspricht Fortschritte in Leistung, Verbrauch und Abgasqualität.

Am 20. September rollte der 20-millionste Golf von den Wolfsburger Bändern. Eine stolze Zahl für den Käfer-Nachfolger, die freilich ohne den schon 1976 erstmals eingesetzten Dieselmotor nicht realisierbar gewesen wäre. Rund ein Drittel beträgt heute der Dieselanteil beim Golf, der Variant wird sogar mehrheitlich (57%) mit dem sparsamen Selbstzünder ausgeliefert. Mit den jetzt in den Handel kommenden Pumpe-Düse-Motoren (100 und 150 PS) wurde die Diesel-Palette um zwei attraktive Modelle erweitert, die unterstützt von hohen Kraftstoffpreisen die Diesel-Fraktion zusätzlich stärken. So beginnt künftig mit dem neuen 100-PS-Pumpe-Düse-Diesel der Einstieg ins TDI-Revier, was sich auch an der Preisgestaltung ablesen lässt: Nicht ganz 500 Mark beträgt der Mehrpreis des 100-PS-PD-Motors gegenüber dem alten Basis-TDI mit 90 PS. Preiswerter sind PS kaum zu bekommen, zumal der Leis-tungszuwachs mit einer überproportionalen Durchzugsstärke einhergeht: Schon bei 1800 Umdrehungen wird ein Dreh-momentgipfel von 240 Newtonmetern (90-PS-TDI: 210 Nm) erreicht, der sogar die 235 Newtonmeter des 110-PS-TDI übertrifft. Da sollte die Wahl nicht schwer fallen. Auch der neue 100-PS-TDI ist wieder ein gutes Beispiel dafür, dass der subjektive Leistungseindruck weit mehr vom Drehmoment als von PS-Zahlen geprägt wird. Wie sich der Pumpe-Düse-Diesel ins Zeug legt, das ist beeindruckend. Insbesondere im mittleren Drehzahlbereich zwischen 2000 und 4000 Umdrehungen glänzt er mit hoher Durchzugskraft, die ohne hektische Schaltvorgänge Steigungen scheinbar einebnet und Überholvorgänge zur leichten Übung macht. Trotzdem ist der neue Turbodiesel nicht drehfaul und regelt erst jenseits von 4500 U/min spürbar ab.

Dort liegt auch die Schaltdrehzahl für optimale Beschleunigungswerte (null auf 100 km/h: 10,8 Sekunden), die im Falle des Testwagens mit der 115-PS-TDI-Variante praktisch identisch sind. Auch in der Höchstgeschwindigkeit (188 sowie 195 km/h) liegen die beiden nicht weit auseinander. So wird auch noch die Daseinsberechtigung des 115-PS-Modells, das zudem rund 2500 Mark teurer ist, vom neuen Basis-TDI in Frage gestellt. Eine Lösung dieses auch für VW unbefriedigenden Marketing-Problems wäre der Ersatz des 115- PS-Triebwerks durch den 130- PS-TDI, der ja schon im facegelifteten Audi A3 sein Debüt gab. Erst dann wäre die PS-Leiter mit 100, 130 und 150 PS wieder sinnvoll gestuft. Der abgesehen von den Dreizylindern schwächste Pumpe-Düse-TDI steht also gut im Futter. Dabei zeigt er dank seines kleinen Turboladers mit variabler Geometrie weder störende Anfahrschwächen noch ein Turboloch. Seine überzeugende Elastizität beschränkt Schaltvorgänge auf Autobahnen und gut ausgebauten Landstraßen in der Regel auf die oberen beiden Stufen des Fünfganggetriebes. Das nur mit der Allradversion lieferbare Sechsganggetriebe lässt sich daher ebenso leicht verschmerzen wie der für den Verbrauch kontraproduktive Vierradantrieb. Denn die Traktion auf den Vorderrädern ist gut genug, zumal sich die Leistung harmonisch entfaltet.

Sollte der Reibwert an einem Antriebsrad einmal nicht ausreichen, verhindert der im serienmäßigen ESP integrierte Bremseneingriff weitgehend einseitiges Durchdrehen. Sonst merkt man wenig von der elektronischen Fahrdynamikregelung, was für die bekannt gutartige Fahrwerksauslegung des deutschen Bestsellers spricht. Da macht sich auch positiv bemerkbar, dass der neue Golf-Jahrgang endgültig von der billigen 14-Zoll-Bereifung befreit wurde und nun serienmäßig auf zeitgemäßen Breitreifen vom Format 195/65 R 15 rollt. Sie leis-ten auch ihren Beitrag zu den ausgezeichneten Verzögerungswerten der mit vier Scheibenbremsen (vorne innenbelüftet) gut gerüsteten Bremsanlage. Auch der Verbrauch, der sich je nach Gasfußgewicht zwischen fünf und sieben Litern auf 100 Kilometer einpendelt, gibt Anlass zu Freude. Und die Ausstattung? Der Testwagen bot das Vergnügen, ein Basismodell kennen zu lernen. Man stellt erstaunt fest: Bei VW gibt es sie noch, die Fens-terkurbeln und die handbetätigten Außenspiegel, an die man sich aber gewöhnt. Beim Geräusch hingegen würde man gerne auf Reminiszenzen verzichten. Denn der Pumpe-Düse-TDI ist akustich immer als Diesel präsent und zudem mit Vibrationen behaftet, die im Lenkrad, im Schalthebel und in der Pedalerie spürbar sind. Das passt irgendwie nicht zum Anspruch der modernsten Diesel-Technologie, selbst wenn es sich wieder einmal nur um eine Sparmaßnahme beim Geräuschpaket handeln sollte.

Fazit

Wieder einmal überzeugen die Allround-Qualitäten des Golf. Der 100 PS starke Pumpe-Düse-Diesel im VW Golf 1.9 TDI verbindet hohe Fahrleistungen mit niedrigem Verbrauch. Aber seine Akustik entspricht nicht dem Stand der Technik. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist akzeptabel.

Technische Daten
VW Golf 1.9 TDI
Grundpreis 19.360 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4149 x 1735 x 1444 mm
KofferraumvolumenVDA 330 bis 1184 l
Hubraum / Motor 1896 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 74 kW / 100 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 188 km/h
0-100 km/h 10,8 s
Verbrauch 5,2 l/100 km
Testverbrauch 6,4 l/100 km
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