VW Golf 2.0 TDI im Test

Großes Golf

VW Golf 2.0 TDI

Die Partie ist beendet. Aus welcher Perspektive man sein Spiel auch betrachtet, der Golf mit Zweiliter-Dieselmotor hat sich großartig geschlagen.

Ist das nicht ein wenig übertrieben? Durchschnittlich alle drei Jahre veröffentlichte auto motor und sport einen Dauertest vom VW Golf. Gemessen an seiner Bedeutung hat der ewige Bestseller, von dem bisher weltweit über 24,8 Millionen Exemplare gebaut wurden, diese Beachtung sicher verdient. Ob er allerdings auch mit seiner Qualität und Zuverlässigkeit stets den riesigen Verkaufserfolg gerechtfertigt hat, das darf zumindest für gewisse Zeiträume bezweifelt werden. Denn das Ergebnis beim letzten Dauerlauf mit einem Golf 2.0 fiel ähnlich desaströs aus wie sechs Jahre zuvor der Bericht über den Golf III VR6. Und jetzt folgt als vorläufiges Finale die Abrechnung mit dem aktuellen Golf 2.0 TDI.

Die gute Nachricht gleich zu Beginn: Der Viertürer der fünften Golf-Generation hat die Prüfung mit Bravour gemeistert und damit die Scharten seiner direkten Vorgänger ausgewetzt. Das wichtigste Modell im VW-Programm, seit seinem Marktdebüt im Herbst 2003 häufig geschmäht wegen zu aufwendiger, teurer Technik und viel zu kostspieliger Herstellung, überzeugt im Alltagsbetrieb auf der ganzen Linie.

Dem Kunden kann es egal sein, ob VW am Golf viel oder wenig verdient, solange er ein ausgereiftes, zuverlässiges und kostengünstig zu betreibendes Produkt erwirbt wie beispielsweise den auto motor und sport-Dauerläufer. Denn dem sind die Strapazen der 21 Monate und 100.000 Kilometer im hektischen Redaktionsbetrieb kaum anzumerken. Seine Karosserie wirkt stabil und solide fast wie bei Dienstantritt, und auch die Lackierung macht einen widerstandsfähigen Eindruck. Dass der Golf V ausgezeichnet verarbeitet ist, unterstreicht die Innenausstattung, die so gut wie  keine Abnutzung zeigt. Die anfangs geäußerten Beanstandungen bezüglich Qualität und Haptik der Materialien relativieren sich angesichts ihrer Unverwüstlichkeit. Das Aufspüren von Verschleißspuren gleicht der Krümelsuche. Dezente Patina an den Leder-Sitzbezügen und abgegriffener Lack an einem Schaltpaddel sind kleine Hinweise auf die rege Nutzung des Wagens. Gleichwohl notiert das Fahrtenbuch einige Störungen im Ausstattungs-Bereich wie etwa geringen Durchsatz einer Luftdüse im Armaturenbrett und rhythmisches Klopfen in der Mittelkonsole. Die Beseitigung dieser Mängel durch Austausch eines Stellmotors und Neuprogrammierung des Steuergeräts für die ansonsten mustergültig arbeitende, kaum Nachjustierungen erfordernde Klimaanlage erfolgte jeweils auf Garantie.

Das gilt auch für die Erneuerung des CD-Wechslers, der in der zweiten Hälfte der Testdistanz mehrfach schwächelte. Weil der erste Austausch des Gerätes keinen dauerhaften Erfolg brachte, wurde wenig später gleich die komplette Radio-Navigationseinheit ersetzt, was VW normalerweise mit über 1500 Euro berechnet. Ohnehin hat sich das veraltete Navigationssystem mit langsamer und ungenauer Arbeitsweise keine Freunde gemacht.

Ganz im Gegensatz zu den Bedienungselementen, die fast alle ergonomisch angeordnet sind und sich blind handhaben lassen. Funktionalität ist eine Stärke des Golf, ebenso wie etwa sein gutes Raumangebot und der bei umgeklappten Rücksitzen üppige Laderaum – praktische Vorzüge, denen der Dauerläufer auch seine hohe Beliebtheit in der Redaktion verdankte.

Von seinen guten Fahrwerksqualitäten, die zu einem großen Teil auf das Konto der teuren Multilink-Hinterachse gehen, profitieren die Insassen bei jedem Meter Fahrt. Schließlich bietet der Golf eine gute Symbiose aus harmonischem Federungskomfort und hoher Fahrsicherheit. An der Güte dieser reizvollen Eigenschaften hat sich im Lauf des Tests nichts verändert. Einziger Service im Fahrwerksbereich: Bremsbeläge erneuert, nach 83 000 Kilometern.

Dabei wurde der Golf keineswegs zurückhaltend bewegt. Dafür sorgte schon sein kraftvoller Dieselmotor, der in Kombination mit dem ohne Zugkraft- unterbrechung blitzschnell und ruckarm schaltenden DSG-Getriebe zu forscher Fahrt animiert. Redakteur Marcus Peters notierte nach einer Pässe-Tour in der Schweiz: „Ducati Monster hat keine Chance, muss Ruß schnüffeln.“

Mit Ausnahme eines Marderschadens absolvierte der 140 PS starke Pumpedüse- Diesel den Dauerlauf völlig unbeeindruckt. Bei ihm handelt es sich um die mit Vierventiltechnik ausgerüstete Zweiliter-Maschine, die es leider nur ohne Partikelfilter gibt – ein unheilvolles Kapitel im VW-Konzern, der diese umweltfreundliche Technik generell erst viel später als die französische Konkurrenz eingeführt hat und ihn in dieser Leistungsklasse ausschließlich der älteren Zweiventil-Variante vorbehält, die ihn zur Erfüllung der Emissionsvorschriften auch benötigt. Im Abgastest fällt der filterfreie Dauertest-Golf auch noch durch, weil der Partikelausstoß den Grenzwert überschreitet.

Ansonsten bescheinigen die gegen Test-Ende ermittelten Fahrleistungen dem temperamentvollen, aber rau, laut und unkultiviert laufenden Vierventiler beste Gesundheit. Er beschleunigte den Golf hurtiger als im Neuzustand, die zurückhaltende Werksangabe unterbot er klar. Besonders erfreulich: der günstige Testverbrauch von 7,6 Liter/100 km über die gesamte Distanz.

Zuverlässig arbeitete das Doppelkupplungs-Getriebe. Hohem Tempo und Komfort beim Gangwechsel stehen gelegentlich zögerliche Rückschaltungen im Automatik-Modus gegenüber. Sportlicher Fahrweise kommt der Gangwechsel mit Hilfe der Paddel entgegen. Ähnlich schonend wie mit den Bremsbelägen ging der Dauertestwagen mit Reifen um. Zum Einsatz kamen zwei Sätze Winterpneus der Sorte Goodyear UltraGrip, die aber nicht abgefahren wurden. Die neuere Version mit der Nummer sieben unterscheidet sich vom ebenfalls gute Nässe- und Schnee-Eigenschaften bietenden, ruppigen Vorgänger durch besseren Komfort, aber auch höheren Abrieb. Im Sommer rollte der Golf auf Bridgestone Turanza und Pirelli P7, die beide durch ausgewogene Eigenschaften auf nasser und trockener Fahrbahn sowie geringen Verschleiß überzeugen konnten.

Einen zwiespältigen Eindruck hinterließ der Golf im Kostenkapitel. Zum einen war er in der Anschaffung sehr teuer, wobei viele Extras den Preis kräftig in die Höhe getrieben haben. Dieses Geld kommt beim Wiederverkauf nicht mehr rein: Die Schätzung weist erschütternde 51 Prozent Wertverlust aus. Andererseits drücken niedrige Ausgaben für Inspektionen die Kosten.

Mit nur einem außerplanmäßigen Werkstattaufenthalt stürmte der Dauertestwagen auf Platz eins der Mängelindex- Wertung. Ein Zufall? Wohl kaum: Leser und Dekra-Report bescheinigen dem aktuellen VW Golf allerbeste Noten in der Zuverlässigkeit. Bravo.

Vor- und Nachteile

  • Steife, gut verarbeitete Karosserie
  • Ansprechendes Platzangebot
  • Bequeme Sitze
  • Gute Klimatisierung
  • Einfache, funktionelle Bedienung
  • Ausgewogener Federungskomfort
  • Sehr kräftiger Motor
  • Günstiger Kraftstoffverbrauch
  • Großer Aktionsradius
  • DSG-Getriebe mit hervorragender Schaltqualität
  • Ausgezeichnete Fahreigenschaften
  • Sehr gute, zielgenaue Lenkung
  • Gute Handlichkeit
  • Standfeste, gut dosierbare Bremsen
  • Eingeschränkte Übersichtlichkeit
  • Heizung spricht relativ langsam an
  • Lautes Motorgeräusch
  • Rau und unkultiviert laufendes Dieseltriebwerk
  • Dieseltypische Anfahrschwäche
  • Kein Partikelfilter für 2.0 TDI mit Vierventiltechnik und 140 PS
  • DSG-Getriebe schaltet im Automatik-Modus zögerlich zurück
  • Hoher Anschaffungspreis
Übersicht: VW Golf 2.0 TDI im Dauertest
Technische Daten
VW Golf 2.0 TDI GT Sport
Grundpreis 25.850 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4204 x 1759 x 1485 mm
KofferraumvolumenVDA 350 bis 1305 l
Hubraum / Motor 1968 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 103 kW / 140 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 205 km/h
Verbrauch 5,4 l/100 km
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