VW Golf, Audi A3, BMW 116i

Otto-Gewinn

Foto: Hans-Dieter Seufert 52 Bilder

Ein kleiner 1,4-Liter-Turbomotor von VW beflügelt nicht nur den Golf, sondern auch den Audi A3. Dieses Duo ergänzt der zweitürige BMW 116i mit 1,6-Liter-Saugmotor.

Der aufgeladene Benzinmotor erlebt zurzeit eine Renaissance. Aber dieses Mal geht es nicht allein um schiere Leistungsausbeute, sondern – ganz zeitgemäß – um günstigeren Kraftstoffverbrauch und geringere Abgasemissionen. Clou der aktuellen Bewegung: Die Aufladung geht mit einer Verkleinerung des Hubraums einher – auf Neudeutsch Downsizing. Die VW-Techniker haben diese Masche schon mit ihren ersten 1,4-Liter-TSIVierzylindern auf die Spitze getrieben – mit Benzin-Direkteinspritzung und Doppelaufladung per Kompressor und Turbolader (siehe auch Spotlight auf Seite 28). Eine technisch sehr aufwendige und außerdem extrem teure Lösung. Jetzt hat VW eine weitere TSIVersion nachgeschoben, sozusagen eine Spar-Variante mit gleichem Hubraum, aber nur einem kleinen Turbolader und 122 PS Leistung. Audi bietet diesen Direkteinspritzer ebenfalls an, als TFSI mit 125 PS. Das Testfeld der Zweitürer komplettiert der kleinste BMW, der 116i mit konventionellem 1,6-Liter- Saugmotor und 122 PS. Geht das Downsizing-Konzept von VW auch auf, wenn auf den Kompressor und eine Portion Nennleistung verzichtet wird? Aber ja, und zwar in sehr überzeugender Weise. Zwischen 1500 und 4000 Kurbelwellenumdrehungen weist die Drehmomentkurve ein Hochplateau mit dem Maximalwert von 200 Newtonmetern aus – das macht nicht nur auf dem Papier was her, sondern prägt auch den Leistungseindruck. Weil zudem selbst im unteren Drehzahlbereich kein Turboloch zu spüren ist und Gaspedalbefehle fast immer spontan in Vortrieb umgesetzt werden, stellt sich rasch Fahrfreude ein. Die Drehwilligkeit des Vierzylinders, die über 6500 Touren reicht, kommt im Alltagsbetrieb kaum zur Geltung. Spätestens bei 5000/min spannt man fast automatisch den nächsthöheren Gang ein, weil dann schon längst wunderbarer Anschluss garantiert ist. Mit dem guten Temperament geht eine angenehme Kultiviertheit einher. Der 1,4- Liter läuft mechanisch sehr ruhig, vibrationsarm und leise, wobei auch der Turbolader zur Geräuschdämpfung beiträgt. Im Audi klingt der Motor wegen lauterer Ansauggeräusche kerniger und sportlicher, was wohl durchaus beabsichtigt ist.

Live Abstimmung 5 Mal abgestimmt
Saugmotor oder Turbo - Wer macht bei Ihnen das Rennen?
VW Golf 1.4 TSI
Audi A3 1.4 TFSI
BMW 116i

Auch die Fahrleistungen stellen den beiden Konzernbrüdern ein gutes Zeugnis aus: In Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit ergeben sich nur marginale Unterschiede, bei der Elastizität zieht der Golf auch dank seinem um rund 60 Kilogramm geringeren Gewicht leicht davon. Und wo bleibt der BMW? Er hat zwar in der Spitzengeschwindigkeit die Nase ganz knapp vorn, folgt aber in allen anderen Disziplinen deutlich abgeschlagen. Im sechsten Gang braucht er zwölf Sekunden länger als der VW, um von 80 km/h auf Tempo 120 zu ziehen. 160 Newtonmeter bei hohen 4250 Touren lassen schon vermuten, dass die BMW-Maschine sich im Drehzahlkeller ziemlich abmühen muss. Dass sie aber im Vergleich zu den beiden Turbomotoren so müde wirkt, nur zäh aufs Gas reagiert und unwillig hohe Drehzahlen erklimmt, die man für zügiges Fortkommen dringend braucht, bringt den Einser deutlich ins Hintertreffen. Mechanisch läuft der 1,6-Liter ruhig, aber trotzdem wirkt er stets angestrengt. Erschwerend hinzu kommt sein mit 10,7 Liter hoher Testverbrauch, der gut 1,5 Liter über dem der Konkurrenten liegt. Außerdem verlangt er nach kostspieligem Super-Plus-Kraftstoff. Bei allem Respekt – dem Namen seines Herstellers macht dieser Motor wahrlich keine Ehre. Da ist es nur ein kleiner Trost, dass die Start-Stopp-Einrichtung des Efficient- Dynamics-Systems bei Plus-Temperaturen tadellos funktioniert. Versöhnlicher stimmen da eher die sportlichen Tugenden des kleinen BMW, obgleich man nicht vergessen sollte: Fahrdynamik lässt sich im Alltagsverkehr nur selten unbeschwert genießen, der Motor aber ist beim Fahren immer präsent. Mit weitgehend neutralem Eigenlenkverhalten und hoher Agilität setzt der BMW im Fahrsicherheitskapitel klar die Maßstäbe. Das verdankt er zu einem großen Teil seinem Antriebskonzept mit Frontmotor und Hinterradantrieb, das sich dem Frontantrieb in dynamischen Belangen deutlich überlegen zeigt. Wie flink und leichtfüßig der 116i durch Wechselkurven flitzt, wie spontan er den Befehlen seiner direkten, guten Fahrbahnkontakt vermittelnden Lenkung folgt und wie spurtreu und fadingfrei seine mit straffem Pedaldruck agierenden Bremsen den Wagen verzögern, das macht einfach Laune. Audi und VW lassen mit ihren sicheren, gutmütigen Fahreigenschaften im Vergleich zu anderen Frontantriebs- Kollegen kaum Wünsche offen, erreichen jedoch nicht das spielerische Handling des BMW.

Vor allem der weicher abgestimmte Golf wirkt mit stärkerem Untersteuern und größerer Karosserieneigung bei schneller Kurvenfahrt deutlich behäbiger. Er leistet sich zudem die längsten Bremswege, nicht aber jene trockene Sportlichkeit des A3 Ambition, der serienmäßig auf üppigen 225/45 R 17-Pneus rollt. Wenn es also auf große Tour gehen soll, bietet der Golf dank ausgewogenen Federungsqualitäten, bequemen Sitzen, geringen Fahrgeräuschen und serienmäßiger Klimaanlage den besten Fahrkomfort. Bei Audi und BMW nerven die auf kleinen Unebenheiten holpriger wirkenden Fahrwerke, wozu beim A3 die straffe Abstimmung und das Poltern auf schlechter Straße, beim 116i die noch etwas steifbeinigen Runflat-Reifen beitragen. Karosserie und Bedienung der Testkandidaten wurden in früheren Vergleichen bereits hinlänglich beschrieben und bieten keine entscheidenden Weiterentwicklungen. Das neue, aufpreispflichtige Infotainment-System von VW macht mit seiner kombinierten Tasten- und Touchscreen-Steuerung einen funktionalen, praxisgerechten Eindruck. Für den Verzicht auf Fondtüren gilt das eher nicht. Aus der Seitenperspektive mögen die Zweitürer mit ihren coupéartig niedrigen hinteren Seitenfenstern eleganter wirken, und Geld spart man natürlich auch (750 bis 900 Euro). Sonst gibt es aber nur Nachteile: Die Übersichtlichkeit nach schräg hinten leidet, lange Türen erschweren den Einstieg in engen Parklücken, das Raumgefühl im Fond ist beengt, der Ausstieg von dort trotz vorrückender Sitze schwierig. Selbst als Ablage sind die Rücksitze über eine separate Tür besser nutzbar. Immerhin braucht es keinen Lotto- Gewinn, um sich einen der drei leisten zu können. Der Golf gewinnt diesen Vergleich, weil er günstig, sparsam und noch ausgewogener als der straffe A3 ist. Der 116i hingegen verliert – wer diese Ziffern ankreuzt, verpasst die Chance auf einen Hauptgewinn.

Fazit

1. VW Golf 1.4 TSI Comfortline
478 Punkte

Mit seinen ausgewogenen Eigenschaften holt sich der Golf auch diesen Sieg. Sein kleiner Turbomotor ist kräftig, temperamentvoll und kultiviert. Zudem dominiert der VW klar bei den Kosten.

2. Audi A3 1.4 TFSI Ambition
446 Punkte

Der Audi hat den gleichen Motor wie der Golf, er ist aber - wie das ganze Auto - kerniger und sportlicher abgestimmt. Gravierende Schwächen leistet sich der A3 nicht, seine harte Federung ist auf Dauer jedoch lästig.

3. BMW 116i
422 Punkte

Das Auto mit dem agilsten Handling und den besten Bremsen landet auf dem dritten Rang. Eine große Enttäuschung ist der kraftlose, durstige Motor. Der Komfort kann nicht überzeugen, und die Kosten sind zu hoch.

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Technische Daten
VW Golf 1.4 TSI Comfortline Audi A3 1.4 TFSI Ambition BMW 116i
Grundpreis 20.475 € 23.150 € 22.000 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4204 x 1759 x 1513 mm 4214 x 1765 x 1421 mm 4239 x 1748 x 1421 mm
KofferraumvolumenVDA 350 bis 1305 l 350 bis 1080 l 330 bis 1150 l
Hubraum / Motor 1390 cm³ / 4-Zylinder 1390 cm³ / 4-Zylinder 1597 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 90 kW / 122 PS bei 5000 U/min 92 kW / 125 PS bei 5000 U/min 90 kW / 122 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 197 km/h 203 km/h 204 km/h
0-100 km/h 9,7 s 9,8 s 11,1 s
Verbrauch 6,3 l/100 km 6,5 l/100 km 6,2 l/100 km
Testverbrauch 8,9 l/100 km 9,1 l/100 km 10,7 l/100 km
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