Ford Focus Turnier, Opel Astra Caravan, VW Golf Variant

Reisekasten

Foto: Seufert 30 Bilder

Sommerzeit ist Reisezeit. Da kommt der neue VW Golf Variant für die Urlaubsfahrt mit Kind und Kegel genau zur rechten Zeit. Kann er aber auch die etablierten Konkurrenten Ford Focus Turnier und Opel Astra Caravan ausstechen?

Ohne Kombi lässt sich wohl auch in der Kompaktklasse nur schwer leben. Wie sonst ist die Rolle rückwärts von Volkswagen beim Golf Variant zu verstehen? Wähnte man sich mit dem Kompaktvan Touran und dem höher bauenden Golf Plus lange Zeit gut aufgestellt, reifte dann irgendwann doch die Erkenntnis: Wir brauchen einen Variant.
Wer bis dato einen deutschen Kompakt-Kombi fahren wollte, landete nämlich automatisch beim Opel Astra Caravan oder beim Ford Focus Turnier – und damit direkt bei der Konkurrenz. Für jedes Jahr der Abstinenz scheint VW beim neuen Variant ein Zentimeterchen angehängt zu haben, so dass ein stattliches Auto entstanden ist. 4,56 Meter misst er nun in der Länge, präsentiert sich vorne Golf-typisch und hinten mit einem schräggestellten Heck sowie in die Kotflügel verpflanzten Rückleuchten.

Seine Attraktivität ergibt sich schon über die Preise. 23 215 Euro für die getestete Comfortline- Variante lassen ihn im Vergleich zur Konkurrenz günstiger dastehen. Denn tatsächlich sind der Ford Focus Turnier Titanium für 24 000 Euro und der Opel Astra Caravan Cosmo für 24 390 Euro teurer als der VW.
Beide sind zwar bereits seit Ende 2004 zu haben, aber der Opel wurde Anfang dieses Jahres modellgepflegt, und auch der Focus wirkt alles in allem unverbraucht. Während er mit 4,47 Meter den Kürzeren zieht, platziert sich der Astra mit seiner Länge (4,52 Meter) genau zwischen den Kontrahenten. Die großen Differenzen bleiben beim Raumgefühl dagegen aus, alle drei liegen in diesem Punkt auf gleichem Niveau.

Einzig bei den Vordersitzen gerät der Astra leicht ins Hintertreffen. Seine Möbel sind straffer gepolstert, mit weniger Seitenführung als die den Fahrer sanft aufnehmenden Polster in VW und Ford . Auch ist die Verstellung im Opel umständlicher. Was jedoch die Bein- und Kopffreiheit anbelangt, gibt es erneut kaum Unterschiede. Der Astra ist im Fond zwar etwas schmaler geschnitten, bietet aber die meiste Kopffreiheit.

Klassische Kombi-Tugenden bieten dafür alle drei.

Sitzflächen im Fond hoch, Rückenlehnen umklappen, fertig sind die topfebenen Ladeflächen. Nur beim Astra muss man dafür die hinteren Kopfstützen herauspflücken, wird danach aber mit dem größten Gepäckraum (500 bis 1590 Liter) belohnt, dem Golf (505 bis 1495 Liter) und Focus (482 bis 1525 Liter) aber zumindest voll besetzt das Wasser reichen können.
Ford zeigt im Heck ohnehin zwei Gesichter. Heimst der Turnier für das beste Quadermaß noch ungeteilte Bewunderung ein, verspielt er sie durch die geringste Zuladung (461 kg) gleich wieder. Schon der Astra Caravan bietet deutlich mehr (524 kg), wenngleich der Golf Variant das beste Verhältnis von Stauvolumen zu Zuladung (545 kg) aufweist.
Die Wahl zwischen Fahrrad und Bobby Car bleibt dem Nachwuchs vor Antritt der Urlaubsfahrt also mit jedem der drei Testkandidaten erspart. Es kann eben beides mit, nicht zuletzt auch deshalb, weil die knapp über 100 PS starken Vierzylinder-Dieselaggregate mit serienmäßigen Rußfiltern das Ausreizen des zulässigen Gesamtgewichts erlauben.

Nominell am schwächsten motorisiert ist der Golf Variant mit lediglich 105 PS, obwohl sein 1.9 TDI den größten Hub- raum hat. Ford holt aus nur 1,6 Liter Hubraum vier PS mehr. Und im 1.7 CDTi von Opel stecken 110 Pferdestärken. Beim Ampelstart ist mit dem Astra Caravan allerdings kein Blumentopf zu gewinnen.
Trotz 260 Newtonmeter Drehmoment – soviel wie kein anderer der Rivalen – kommt er nur gemütlich aus dem Startblock. Ist das Turboloch überwunden, bleibt der Opel in puncto Leistungsentfaltung weiter hinter den Erwartungen zurück – kein Vergleich zum gut ansprechenden Volkswagen oder zum drehwilligen Ford Focus.

Ein Problem des Astra ist schnell ausgemacht: sein unexakt zu schaltendes Sechsganggetriebe.

Es nimmt dem Motor mit seiner auf Sparsamkeit getrimmten Abstufung den Elan und erstickt jeglichen Fahrspaß im Keim. Um die Höchstgeschwindigkeit (185 km/h) zu erreichen, ist daher viel Geduld gefragt. Die jeweils fünf Gänge sind im aufdringlich rau klingenden Golf Variant und im Focus Turnier schließlich nicht nur präziser anzuwählen, beide können auch an Steigungen ohne einen Griff zum Schalthebel fast nach Belieben zulegen, wo der Astra Caravan im großen Gang schon längst in die Knie gegangen ist.
Nicht einmal im Verbrauch kommt Opel die sechste Stufe zugute. Mit 7,6 Liter/100 km gönnt er sich sogar mehr als der VW (7,2 L/100 km) und der Ford (7,3 L/100 km). Klar, dass sich der Verbrauch auch auf den CO2-Ausstoß auswirkt: 127 g/km sind es beim Focus, 137 g/km beim Golf, und 143 g/km werden für den Astra gemeldet.
Das gleiche Bild ergibt sich bei Handling und Lenkung. Vorne der Ford Focus. Er wirkt leichtfüßiger und direkter, wohingegen der Golf eher den schweren Wagen mimt. Die Astra-Lenkung ist um die Mittellage teigig und lässt für ein präzises Handling die nötige Rückmeldung vermissen.

Wiederum gemein haben alle drei Kandidaten eine hohe Fahrsicherheit: Sie untersteuern sanft, bevor das ESP größeren Eskapaden rechtzeitig einen Riegel vorschiebt. Und auch im Fahrkomfort trennen sie eher Nuancen. Der Volkswagen wirkt durch seine gänzlich unaufgeregte Art besonders angenehm.
Im Gegensatz dazu reagiert der Astra Caravan auf lange Wellen leicht katapultartig und der Focus Turnier auf kurz aufeinander folgende Unebenheiten vergleichsweise stößig und stuckernd. Dass der Golf Variant auch die besten Bremsen an Bord hat, spielt ihm schlussendlich ebenso in die Karten wie seine hervorragende Qualitätsanmutung und die einfache Bedienbarkeit.
Letztlich holt er aber vor allem im Antriebskapitel innerhalb der Eigenschaftswertung einen kleinen Vorsprung heraus, den er bis zum Schluss auch nicht mehr abgibt.

Von echter Dominanz kann freilich keine Rede sein.

Sicher, der Golf Variant verweist den Ford Focus Turnier und den Opel Astra Caravan auf die Plätze, doch der Vorsprung hält sich in Grenzen. Trotzdem bleibt die Erkenntnis, dass VW es offensichtlich nicht verlernt hat, einen ausgewogenen Kompakt- Kombi auf die Räder zu stellen.

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Opel Astra Caravan
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Fazit

1. VW Golf Variant 1.9 TDI Comfortline
499 Punkte

Den Golf macht die Ausgewogenheit zum Sieger. Mit ihr kaschiert er seinen rauen, aufdringlichen Motor und die hochpreisige Zusatzausstattung. Seine Verarbeitung ist top.

2. Ford Focus Turnier 1.6 TDCi Titanium
486 Punkte

Handling und Komfort sind eine Ford-Domäne. Dazu kommt ein ausgewogener Antrieb mit niedrigem Verbrauch. Kleine Schwächen offenbart er bei Qualität und Bedienbarkeit.

3. Opel Astra Caravan 1.7 CDTi Cosmo
477 Punkte

Der Astra sammelt fleißig Punkte im Karosseriekapitel, lässt aber ebenso viele bei Antrieb und Bremsen liegen. Auf Augenhöhe mit der Konkurrenz liegt er bei Komfort und Sicherheit.

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Technische Daten
Ford Focus Turnier 1.6 TDCi Titanium Opel Astra Caravan 1.7 CDTI Cosmo VW Golf Variant 1.9 TDI Comfortline
Grundpreis 24.000 € 24.910 € 23.600 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4472 x 1840 x 1501 mm 4515 x 1753 x 1500 mm 4556 x 1781 x 1504 mm
KofferraumvolumenVDA 482 bis 1525 l 540 bis 1590 l 505 bis 1495 l
Hubraum / Motor 1560 cm³ / 4-Zylinder 1686 cm³ / 4-Zylinder 1896 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 80 kW / 109 PS bei 4000 U/min 81 kW / 110 PS bei 3800 U/min 77 kW / 105 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 188 km/h 185 km/h 187 km/h
0-100 km/h 12,2 s 12,8 s 11,5 s
Verbrauch 4,8 l/100 km 5,3 l/100 km 5,2 l/100 km
Testverbrauch 7,3 l/100 km 7,6 l/100 km 7,2 l/100 km
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