VW Golf gegen Skoda Octavia

High Tschech

Foto: Hans-Dieter Seufert

Der Golf soll unter der üppigen Octavia-Karosserie stecken? Der ist doch 37 Zentimeter länger. Ob der Skoda eine Alternative zum Konzernbruder Golf ist, muss er beweisen. Beide treten mit dem 102 PS starken 1,6-Liter-Vierzylindern an.

Es ist der Push-up-Effekt, der das eigene Urteilsvermögen auf die Probe stellt. Der kompakte VW Golf soll unter der üppigen Karosserie des Skoda Octavia stecken? Der ist doch viel größer. Ist er auch, genau genommen 37 Zentimeter länger – allerdings vorwiegend wegen des Kofferraums. Der sorgt für die optische Täuschung und gaukelt Cup D statt des echten Cup C vor. Doch der Octavia ist nicht auf Effekthascherei aus. Im Gegenteil – braver und reeller geht es kaum. Schon sein Vorgänger galt als best buy für sparsame Familienväter ohne Status- Dünkel. Und auch das aktuelle Modell pflegt das Mauerblümchen- Image weiter. Unauffälliger als im Octavia lässt es sich kaum über Deutschlands Straßen rollen. Der neue Skoda – eine echte Empfehlung für die Autobahnpolizei.

Ob er auch eine Alternative zum VW ist, muss der Skoda im Doppeltest beweisen. Beide treten mit dem 102 PS starken 1,6- Liter-Vierzylinder an. Damit kostet der Basis-Golf als Viertürer 17 795 Euro. Dafür gibt VW dem Kunden elektrische Fensterheber, in der Höhe verstellbaren Fahrersitz sowie elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel mit auf den Weg. Wer bis September bestellt, dem schenkt der Hersteller zudem die Klimaanlage. Eine nette Geste. Damit ist der Golf ausreichend präpariert, um seine Insassen kommod zu transportieren.

Doch um wie viel angenehmer eine gehobene Ausstattung das Reisen machen kann, beweist der Octavia Elegance. In Verbindung mit dem 1,6-Liter berechnet Skoda 19 890 Euro und liefert den Viertürer mit Klimaautomatik, Tempomat, Multifunktions-Anzeige, Nebelscheinwerfern, Einparkhilfe hinten, Alurädern sowie Regensensor. Wollte man den VW auf den Skoda-Stand bringen, würde er über 20 500 Euro kosten. Die nächstbessere Comfortline- Ausstattung zu wählen, würde da keinen Vorteil bringen: Um mit dem Octavia Elegance gleichzuziehen, käme man gar auf etwa 21 000 Euro. Das Ambiente rechtfertigt den Mehrpreis nicht – die Unterschiede sind marginal. War der Vorgänger-Octavia innen ein künstlich karg gestalteter Golf, so beschränken sich bei den aktuellen Modellen die Unterschiede fast auf die verschiedenen Wappen im Lenkrad.

VW hat Handlungsbedarf erkannt und verspricht Golf- Käufern ab sofort einen wertiger wirkenden Arbeitsplatz mit etwas mehr Chrom an ausgesuchten Stellen. Doch auch künftig wird man sich im Skoda wohl kaum wie in einem Arme-Leute-Golf fühlen. Im Gegenteil: Alleine schon der Anblick des riesigen Octavia- Kofferraumes zaubert Freizeit- Spediteuren ein überlegenes Lächeln ins Gesicht. Bei 560 bis 1350 Liter Volumen passen halbe Hausstände hinein – wahlweise auch das Urlaubsgepäck ganzer Großfamilien – und der Skoda geht dank enormer Zuladung von 579 Kilo nicht einmal in die Knie. Da hilft es auch wenig, wenn der Golf seine Heckklappe weit aufreißt. Wie man es dreht und wendet – es kann (350 bis 1305 Liter) und darf (483 Kilogramm) nur weniger transportiert werden. Allenfalls bei sperrigem Speditionsgut bietet der karstigere VW Vorteile. Im Fahrgastraum dagegen herrscht pari. Kein Wunder, bei gleichem Radstand.

Platz-Unterschiede fallen in den kaum wahrnehmbaren Millimeterbereich. Wo der Golf breiter ist, bietet der Octavia etwas mehr Sitzraum. Die Art der Unterkunft ist da schon entscheidender. Beim Golf steigt man vorne ein, nimmt Platz und ist zufrieden. So muss es sich wohl in Abrahams Schoß angefühlt haben. Wie auf einer unpassenden Hotelmatratze zwackt es manche Fahrer dagegen im Octavia. Sie rutschen umher auf der Suche nach einer angenehmen Sitzposition, schrauben hier, ratschen da, doch richtig bequem wird es nie. Schuld ist die Lordosenstütze: Sie drückt auch eingefahren in den unteren Rücken.

Feudaler lässt sich die Fahrt im Skoda-Fond genießen. Ausgeklappt unterteilt die serienmäßige Mittelarmlehne die Rücksitzbank in zwei Séparées. Platz gibt es genug, auch für die Beine. Nur den Oberschenkeln fehlt es an Auflage. Gleiches gilt für den Golf; bei ihm kostet allerdings die Mittelarmlehne Aufpreis. Da beide im Wesentlichen über die gleiche Bodengruppe verfügen, sind die Unterschiede bei Federung und Fahrverhalten naturgemäß gering. Was unangenehm auffällt: Beide Fahrwerke scheinen akustisch schlecht von der Karosserie entkoppelt, übertragen unangenehmes Rumoren, das lauter ist als die übrigen Fahrgeräusche.

Der Golf federt eine Nuance geschmeidiger als der Octavia, wirkt auf kurvigen Landstraßen aber entgegengesetzt zu seiner geringeren Leibesfülle behäbiger und untersteuert bei rasanter Fahrweise deutlicher. Sicher und berechenbar bleibt er dabei immer, ebenso wie der Octavia. Und für den Notfall steht in beiden Fällen ESP als serienmäßiger Rettungsanker bereit. Seine leichte Steifbeinigkeit macht der Octavia wett, sobald es etwas flotter vorwärts gehen soll. Für ein Auto seiner Größe lenkt er erfreulich zackig ein – ein Beitrag der serienmäßigen 205er-Bereifung. Sie sorgt auch mit ihrer breiteren Aufstandsfläche für den geringfügig kürzeren Bremsweg. Leicht beherrschbar bleiben sowohl VW als auch Skoda bei der Bremsprobe auf einseitig glatter Fahrbahn. Aber die Stabilität geht zu Lasten des Bremswegs – beide schießen über die 150 Meter lange Teststrecke hinaus.

Leichter zu zügeln ist das bescheidene Temperament auf der Autobahn. Bei Richtgeschwindigkeit fühlen sich Golf und Octavia wohl, brummen leise vor sich hin. Wer das Reisetempo deutlich erhöhen will, benötigt Gleichmut: Die Vierzylinder ziehen schwach durch und dröhnen ihren Insassen die Ohren zu. Zudem glänzen die Reihenvierer nicht gerade durch eisernen Sparwillen – auch, weil die Fahrer den schlappen Antritt durch einen höheren Vollgasanteil auszugleichen versuchen.

8,5 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer sind es im Testmittel beim Golf, einen halben Liter mehr benötigt der Octavia. Das sorgt bei ihm für geringfügig höhere Benzinkosten. Generell ist der Octavia einen Tick teurer zu unterhalten, er schneidet beim Wiederverkauf schlechter ab. Was allerdings kein Wunder ist: Besser verkäuflich als ein niedrig motorisierter Golf dürfte in Deutschland kein Auto sein. So plädiert die Ratio lautstark für den Golf. Schließlich ist er das Vernunftsauto schlechthin. Dass es allerdings noch vernünftiger geht, beweist am Ende der Octavia. Seine deutlich bessere Ausstattung, die humanere Aufpreisgestaltung, der riesige Laderaum und nicht zuletzt das Wissen, fast einen Mittelklassewagen zum Preis eines Kompakten zu erhalten, machen ihn vor allem für Familien zur ersten Wahl. Selten war der Pushup- Effekt wirkungsvoller.

Technische Daten
VW Golf 1.6 Trendline Skoda Octavia 1.6 Elegance
Grundpreis 18.350 € 20.990 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4204 x 1759 x 1485 mm 4572 x 1769 x 1462 mm
KofferraumvolumenVDA 350 bis 1305 l 560 bis 1430 l
Hubraum / Motor 1595 cm³ / 4-Zylinder 1595 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 75 kW / 102 PS bei 5600 U/min 75 kW / 102 PS bei 5600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 184 km/h 190 km/h
0-100 km/h 12,1 s 12,4 s
Verbrauch 7,1 l/100 km 7,3 l/100 km
Testverbrauch 8,5 l/100 km 9,0 l/100 km
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