VW Golf GT 1.4 TSI im Test

Doppeldecker

Foto: Hans-Dieter Seufert 11 Bilder

Turbo oder Kompressor? Der neue TSI-Motor von VW besitzt beides. Aber hält der Golf GT mit der Kraft der zwei Lader, was seine Leistung von satten 170 PS verspricht?

Die Zauberformel heißt TSI. Sie bedeutet Direkteinspritzung plus Doppelaufladung, auf Englisch Twincharger, und sie macht wahr, was ansonsten im Leben oft nur ein Wunschtraum ist: Die Größe spielt praktisch keine Rolle mehr.

Wer es nicht glaubt, der soll sich die Zahlen ansehen: Aus einem 1,4-Liter- Motörchen kitzelt VW mittels TSI geradezu unheimliche 170 PS, das sind 121 PS pro Liter. Noch unheimlicher das maximale Drehmoment: 240 Nm, und zwar schon ab 1750/min. Dazu braucht es normalerweise mindestens die 2.2 in der Typenbezeichnung.

Kein hochgezüchtetes Renntriebwerk wohlgemerkt, sondern duldsame, saubere Alltagstechnik, mit der sich VW ab sofort sogar in den Golf traut. Da staunt nicht nur der Laie. Downsizing nennt sich auf Neudeutsch die Idee, die dem neuen TSIMotor zugrunde liegt, und sie wird ohne Zweifel Schule machen. Weniger Hubraum verspricht attraktivere Verbrauchswerte, nicht zuletzt in den gesetzlich vorgeschriebenen Fahrzyklen.

Damit aber der Schrumpfungsprozess nicht zulasten der Dynamik geht, muss an anderer Stelle aufgerüstet werden – Stichwort Aufladung. Genau hier verbirgt sich folglich das Geheimnis der TSI-Technik: Doppelt genäht hält besser – mit anderen Worten: Warum sich mit Turbolader oder Kompressor begnügen, wenn man beides zusammen haben kann? Konkret heißt das, im unteren Drehzahlbereich (bis 2400/min), wo die Vorteile des mechanisch angetriebenen Laders liegen, macht erst mal der Kompressor Dampf, weiter oben bläst dagegen nur noch der Turbo.

Der Übergang ist fließend, wobei dann ab 3500/min der Kompressor abgekuppelt und die Frischluft direkt dem Turbo zugeführt wird. Das erhöht die Effizienz und leuchtet ein, verlangt aber einen nicht unerheblichen Abstimmungs- und Regelungsaufwand.

Auch dass die Sache ins Geld geht, kann man sich leicht vorstellen, selbst wenn der zusätzliche Aufwand von VW offenbar ein wenig schöngerechnet wird: Offiziell kommt der TSI-Motor nicht teurer als ein leistungsgleicher, aber entsprechend größerer FSISauger.

Wie auch immer: Den Kunden braucht die interne Kalkulation nicht zu kümmern, Hauptsache der Preis stimmt. Als Golf GT mit GTI-ähnlicher Ausstattung kostet das TSI-Wunder 22 500 Euro, 2050 Euro weniger als der GTI – kein Schnäppchen also, geht aber in Anbetracht der Leistung noch in Ordnung.

Vorausgesetzt natürlich, die Technik hält, was VW verspricht. Eines lässt sich schon auf den ersten Kilometern bestätigen: Teil eins der TSI-Verheißungen, die Kraft der zwei Lader, nimmt man dem Golf GT widerspruchslos ab. Das Auto setzt sich derart nachdrücklich in Bewegung, dass man meinen könnte, Hubraum sei dehnbar. Ein 1,4-Liter-Aggregat, das soviel Kraft so gleichmäßig und so mühelos aufträgt, übersteigt jedenfalls das allgemeine Vorstellungsvermögen.

Schädliche Nebenwirkungen – zähes Ansprechen etwa, oder gar das berüchtigte Turboloch – sind dem TSI-Motor völlig fremd. Gasgeben beantwortet das kleine PS-Wunder unverzüglich mit sattem Durchzug, der bis zur Drehzahlgrenze von 7000/min anhält. Nur im Drehzahlkeller erinnert eine kurze Gedenkpause an das Schalten und Walten der Twincharger-Mimik.

Freilich soll nicht verschwiegen werden, dass dieses Vergnügen beim Testwagen nicht gänzlich von Dauer war: Eine längere, forciert gefahrene Autobahn-Etappe quittierte er mit deutlichem Ruckeln. Von seiner besten Seite zeigte sich der Kandidat dagegen auf der Messstrecke. 7,8 Sekunden von null auf 100 km/h, da mischt der Golf GT bereits in der Spitzengruppe der Kompaktwagen mit.

Gemessen am Verhältnis von Hubraum zu Gewicht (1357 Kilogramm) ist das ebenso rekordverdächtig wie die Werte beim Beschleunigen in den oberen Gängen: So elastisch war noch kein 1,4-Liter-Auto. Nicht minder untypisch die Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h.

Da wanken dann auch die Säulen der automobilen Folklore. Ist Hubraum womöglich doch zu ersetzen? Ist kleiner plötzlich feiner? Um vollends zu überzeugen, müsste die TSI-Technik auch ihr Sparversprechen einlösen. 20 Prozent weniger als bei einem Saugmotor größeren Hubraums lautet die Ansage, und die Praxis zeigt: Mit einem Durchschnittsverbrauch von 8,2 L/100 km kommt der Golf GT diesem Ziel nahe genug. Wer das Gaspedal streichelt und die Zugkraft nutzt, um oft in den hohen Gängen zu fahren, kann sogar mit der Sechs vor dem Komma rechnen.

Andererseits sollten sich Bleifußartisten keine Illusionen machen: Wer häufig und kräftig reintritt, verzeichnet auch schon mal über zwölf L/100 km, der Vorteil gegenüber einem größeren Sauger schmilzt. Die Versuchung ist zweifellos da. Das Fahrwerk ist beim GT kaum weniger stramm als beim 30 PS stärkeren GTI, was einer sportlichen Fahrweise natürlich Vorschub leistet. Kurvenhandling, Lenkverhalten und Fahrstabilität erreichen denn auch fast das exemplarische Niveau des klassischen Sport-Golf, zumal auch bei den Reifen nicht gespart wurde: Wie beim GTI gehören die 17-Zöller zum Paket.

Bei der optischen Aufmachung schlägt der GT indes leisere Töne an: Seine Front wirkt weniger martialisch, was einem recht sein kann, und auch innen gibt er sich dezenter. Voll GTI-mäßig dagegen der eher schwach ausgeprägte Komfort: Was für Spritztouren noch angeht, erweist sich auf langen Strecken als reichlich strapaziös.

Für den schnellen Trip von Stuttgart nach Hamburg etwa gibt es verlockendere Alternativen, denn selbst auf vermeintlich ebenen Autobahnabschnitten teilt der GT kräftige Stöße aus, von den lauten Abrollgeräuschen ganz zu schweigen. Spätestens in solchen Momenten fragt man sich auch, warum VW einem die Vorzüge des 170-PS-Motors eigentlich nicht in der komfortableren Umgebung einer zivilen Golf-Variante gönnt.

Wer sagt denn, dass Durchzugskraft gepaart mit Sparsamkeit ein Attribut ist, das nur sportlich gestählte Fahrer zu schätzen wissen? Außerdem würde der Verzicht auf die GT-Masche nicht nur auf die Insassen, sondern auch auf den Anschaffungspreis eine heilsame Wirkung ausüben. Der TSI für alle: ein reizvoller, aber leider bislang unerfüllter Traum.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • –gute Platzverhältnisse –solide Verarbeitung –hohe Funktionalität
Fahrkomfort
  • –bequeme Sportsitze –geringe Bedienungskräfte
  • –harte Federung –laute Abrollgeräusche
Antrieb
  • –kräftiges Durchzugsvermögen –gutes Ansprechverhalten –angenehme Laufkultur –exakte Schaltung
Fahreigenschaften
  • –sicheres Kurvenverhalten –agiles Handling –präzise Lenkung –gut abgestimmtes ESP
  • –eingeschränkte Traktion
Sicherheit
  • –sehr gute Bremsen –gute Sicherheitsausstattung
Umwelt
  • –günstiger Verbrauch
Kosten
  • –angemessener Preis –günstige Unterhaltskosten –geringer Wertverlust –gute Ausstattung

Fazit

Der neue Doppelladermotor erfüllt die Erwartungen: Kraft wie ein Großer, aber kleiner Verbrauch bei GTI-mäßigem Handling. Das macht Freude, wird aber durch Nachteile im Komfort erkauft.

Technische Daten
VW Golf GT 1.4 TSI
Grundpreis 23.287 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4204 x 1759 x 1485 mm
KofferraumvolumenVDA 350 bis 1305 l
Hubraum / Motor 1390 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h
0-100 km/h 7,8 s
Verbrauch 7,3 l/100 km
Testverbrauch 8,2 l/100 km
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