VW Golf GT 2.0 TDI im Test

Starkes Stück

Foto: Hans-Dieter Seufert 14 Bilder

Mit dem Golf GT 2.0 TDI schickt VW ein heißes Eisen in das Rennen um die Krone des Kompakt-Diesels. Schafft der 170 PS starke Fronttriebler den Spagat zwischen Sportwagen-Temperament, Familien-Limousine und Kleinwagen-Verbrauch?

Golf-Fahrer lieben Leistung. Sogar die Diesel-Freunde unter ihnen. Immerhin wählten 15 Prozent aller Golf TDI-Käufer im vergangenen Jahr das kräftigste Modell, das sie kriegen konnten: den Zweiliter mit 140 PS.

Jenen Dieselmotor also, der vor über zwei Jahren mit Vierventiltechnik auf den Markt kam und sich wegen seines ungewöhnlich kräftigen Antritts und des sportlichen Temperaments rasch den Ruf eines Renn-Diesels eroberte. Nachteil: Der Golf GT schafft zwar die Euro 4-Norm, ist aber im Gegensatz zur älteren, raueren Zweiventil-Ausführung nicht mit Partikelfilter lieferbar. Wem Leistung wirklich alles bedeutet, der bekommt den Filter aber nun automatisch dazu. Denn der neue Star unter den vierzylindrigen TDI-Maschinen, der jetzt den Golf GT beflügelt, hat den Rußfilter stets dabei.

Die Eckdaten des Golf GT

Zwei Liter Hubraum, vier Ventile pro Brennraum, optimierter Turbolader mit verstellbaren Turbinenschaufeln, maximaler Lade-Überdruck 1,5 bar, Pumpe-Düse-Technik der zweiten Piezo-Generation, 170 PS Leistung, 350 Newtonmeter Drehmoment. Zur neuesten Pumpe-Düse-Einspritztechnik gehört unter anderem die Piezo-Steuerung der Injektoren. Sie erlaubt eine sehr genaue Dosierung des Kraftstoffs unter extrem hohem Druck und damit eine höhere Leistungsausbeute und niedrigere Abgas- Emission.

Der Einsatz eines Schaltsaugrohres und eines in der Ölwanne untergebrachten Ausgleichswellen-Moduls sind weitere Besonderheiten dieses Triebwerks. Das Saugrohr bewirkt durch phasenweises Schließen eines Ansaugkanals pro Brennraum einen gezielten Drall der einströmenden Verbrennungsluft und steigert so bei niedrigen Drehzahlen den Wirkungsgrad.

Die beiden mit doppelter Kurbelwellen- Drehzahl gegenläufig rotierenden, von Stirnrädern angetriebenen kurzen Ausgleichswellen eliminieren die unerwünschten Schwingungen zweiter Ordnung um bis zu 80 Prozent. Das Mehrgewicht des Moduls (8 kg) wird durch eine neue Kurbelwelle mit vier statt acht Gegengewichten teilweise kompensiert. So viel zur Technik.Und welchen Nutzen verspricht sie dem Golf GT-Fahrer?

Laut Werksangabe ein deutlich verbessertes fahrdynamisches Potenzial bei gleichzeitig mustergültiger Bescheidenheit im Verbrauch. Aber auch eine klare Steigerung der Laufkultur – bislang eine große Schwäche der Pumpe- Düse-Aggregate. Mit seinem Temperament sprengt der Golf in der Tat alle Fesseln.

Er spurtet in 7,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100

Damit nimmt der Golf GT seinem 140-PS-Pendant in dieser Disziplin über eine Sekunde ab. Auch in der Höchstgeschwindigkeit setzt er sich mit 220 gegenüber 203 km/h klar ab. Allein die Elastizität im sehr lang übersetzten sechsten Gang ist nicht so berauschend. Die Messwerte offenbaren aber nur die halbe Wahrheit. Denn die Art der Leistungsentfaltung ist ebenfalls bemerkenswert. Sie erfolgt schon unterhalb von 2000 Touren explosionsartig und mündet in einen unbändigen Schub, der erst im roten Bereich (ab 4500/ min) abebbt. Wie der Motor mit kaum wahrnehmbarer Verzögerung auf Gas reagiert, wie er mühelos das Drehzahlband hochjagt, wie genügsam er mit Kraftstoff umgeht (Testverbrauch: bescheidene 7,3 L/100 km) – das ist für einen Turbodiesel dieser Leistungsklasse schon aller Ehren wert. Andererseits macht er dem Fahrer die Aufgabe nicht immer leicht. Der vehemente Antritt erfordert speziell bei niedrigen Touren einen gefühlvollen Umgang mit dem Gaspedal, soll die blitzartig dargebotene Leistung nicht unter wildem Flackern der gelben Traktions-Kontrolllampe teilweise verpuffen.

In engen Kehren und bei Nässe sind die Vorderräder ziemlich rasch mit der Aufgabe überfordert, neben Vortriebs- auch noch Seitenführungskräfte zu übertragen. Daran vermögen auch die üppigen 225er-Pneus nichts zu ändern. Ansonsten gibt es an den Fahreigenschaften nichts zu mäkeln. Der straff abgestimmte Golf GT (Sportfahrwerk, tiefer gelegte Karosserie) überzeugt mit guter Handlichkeit, präziser Lenkung, narrensicherem, leicht untersteuerndem Kurvenverhalten und sanft eingreifendem ESP im Grenzbereich.

Allein das ungewohnt weiche Pedalgefühl der standfesten Bremse irritierte bei diesem Testwagen. Mit seinem Komfort hingegen ist kein Staat zu machen. Das liegt sowohl an der Federung, die kleine Unebenheiten mangelhaft absorbiert und bei niedrigem Tempo hölzern wirkt, als auch an dem lauten Abrollgeräusch. Noch deutlich lästiger ist aber die Geräuschkulisse des Motors. Die Behauptung im Pressetext, sein Komfort käme dem eines Sechszylinders nahe, grenzt an Schönmalerei. In Wahrheit liegt einem der Motor mit seinen harten Verbrennungsgeräuschen permanent in den Ohren.

Beim Kaltstart weckt der Golf GT gar Assoziationen an einen Traktor

Unter Volllast erklingt zorniges, lautstarkes Nageln, und im Schiebebetrieb nervt er mit vernehmlichem Schnarren. Die Belästigung erreicht ihren Höhepunkt auf Landstraßen und in der Stadt, wenn die übrigen Fahrgeräusche im Hintergrund bleiben.

Da kann man den Wolfsburgern nur gratulieren, dass sie sich bis zum Ende dieses Jahrzehnts von der Pumpe-Düse-Technik verabschieden. Ein starkes Stück in mehrfacher Beziehung, der Golf GT mit 170-PS-TDI. Zumal auch sein Preis mit fast 25 000 Euro nicht von schlechten Eltern ist.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • –günstiges Raumangebot –gute Funktionalität –solide Verarbeitung –einfache Bedienung
Fahrkomfort
  • –guten Seitenhalt bietende Sportsitze
  • –sehr straffe Federungsabstimmung –lautes Abrollen
Antrieb
  • –sehr gute Fahrleistungen –hohes Durchzugsvermögen –sehr drehfreudig –gutes Ansprechverhalten –exakte Schaltung
  • –sehr laute Verbrennungsgeräusche
Fahreigenschaften
  • –gutmütiges Fahrverhalten –präzise Lenkung –gute Handlichkeit –gut abgestimmtes ESP
  • –schwache Traktion
Sicherheit
  • –gute Sicherheitsausstattung –standfeste Bremsen
Umwelt
  • –günstiger Verbrauch
Kosten
  • –günstige Unterhaltskosten –gute Ausstattung
  • –nur zwei Jahre Garantie

Fazit

Mit dem starken Diesel wird der Golf GT zum Sportler: Er bietet ausgezeichnetes Temperament und gute Fahreigenschaften bei niedrigem Verbrauch. Mangelhafter Geräuschkomfort aber trübt das Bild.

Technische Daten
VW Golf GT 2.0 TDI
Grundpreis 25.826 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4204 x 1759 x 1485 mm
KofferraumvolumenVDA 350 bis 1305 l
Hubraum / Motor 1968 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 4200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h
0-100 km/h 7,9 s
Verbrauch 5,9 l/100 km
Testverbrauch 7,3 l/100 km
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