VW Golf GTI und Mini Cooper S

Buddy and Soul

Foto: Hans-Dieter Seufert 20 Bilder

Mini Cooper S und VW Golf GTI. Zwei Kumpel, die gern um die Häuser ziehen und den Mädchen schöne Augen machen. Jeder mit seiner ganz eigenen Masche, aber beide mit Turbo-Kraft.

Manchmal trifft man alte Freunde nach Jahren wieder. Themen: Aussehen, Karriere, Zwischenmenschliches. Parameter, die nicht zwingend parallel verlaufen. Bisweilen verschleift sich der Freak von der letzten Bank, der mit rauchiger Stimme stets ein Rudel langmähniger Begleiterinnen zähmte, im Laufe der Zeit zum glattgebügelten IT-Profi mit Seitenscheitel und Reihenhaus-Kleinfamilie.

Nicht so der Mini. Vom beinharten Urtyp – siehe Paddy Hopkirk, Rallye Monte Carlo und so – mal abgesehen, bleibt sich die zweite Auflage des zeitgenössischen Remakes unter BMW-Ägide treu. So kommt das Längenwachstum vorwiegend dem Vorderwagen und nicht dem Kinderwagen zugute: 160 Liter Standardvolumen quasi als rezeptfreie Antibabypille. Dafür scheint man bei Mini kindliche Freude an der Gestaltung von Details zu haben. Wie kann man es sonst wagen, einen so krass gemixten Innenraum-Cocktail zu servieren?

BMW-gemäße Oberflächen, schmeichelnde Lederpolster auf mäßig seitenhaltigen Sportsitzen sowie Chromringe und schwarzer Pianolack am Armaturenbrett konkurrieren mit einem nachlässig geclipsten Dachhimmel, fühlbaren Gussgraten, Montagespalten oder Klimareglern in der Plastikhaptik von Kinderzimmer-Radiorekordern. Und erst der mittig platzierte Monstertacho: ebenso verspielt wie spiegelnd. Oder die Kippschalter, Toggles genannt: Ein Teil von ihnen sitzt sogar im Dachhimmel, um die optionale Ambientebeleuchtung psychedelisch zwischen Blau und Orange changieren zu lassen.

Mischt man den Jungs und Mädels bei Mini was ins Essen? Keineswegs. Hinter dem Stil steckt Kalkül – und Kalkulation. Das zeigt sich spätestens beim Vergleich mit dem Golf GTI. Wieso Golf, spielt der nicht eine Klasse höher? Wenn man den 21 050 Euro teuren Cooper S mit Klimaanlage, Stabilitätskontrolle, Sportlenkrad, 17-Zöllern und einigem mehr auf GTI-Augen höhe bringt, trennen die beiden nur noch ein paar hundert Euro. Und der golftypische Ingenieurs-Habitus.

Beim GTI ist alles solide gemacht, sauber verarbeitet, vorbildlich ables- und bedienbar bis in die letzte Ecke. Dazu gibt es viel Platz vorn, angemessene Freiheit hinten und maximal 1305 Liter Gepäckvolumen – kinderwagentaugliches Lifestyle-Kombi-Niveau. Eigenständige Instrumente, das unten abgeflachte Lederlenkrad und körpergerechte Schalensitze mit Retrokaro-Muster und zupackenden Wangen sowie dezente Außenkosmetik sorgen aber dennoch für Sicherheitsabstand zur Stangenware.

Bleibt die Hubraum- und Leistungsdifferenz zum Cooper S. Doch bevor sich die Wörthersee-Clique angesichts von 200 PS aus zwei Liter Hubraum siegessicher zurücklehnen kann, bläst der Mini zur Attacke. Buchstäblich. Nach klitzekleiner Verzögerung springt der 175 PS starke 1,6-Liter ans Gas. Sein so genannter Twin-Scroll-Turbolader besitzt in Krümmer und Lader separate Kanäle für jeweils zwei Zylinder, was das Ansprechverhalten fördern soll. Man glaubt es gern.

Beim Tritt aufs Gaspedal drückt der Neue ohne störendes Turboloch durch das komplette Drehzahlband, macht die Bedienung des exakt geführten Schalthebels zum Vergnügen, nicht zur Pflicht. Vergessen das klägliche Kompressorgeheul des durstigen, aber harmlos agierenden Vorgängers, der dafür sorgte, dass man den Ex- Cooper S trotz, aber nicht wegen seines Motors liebte. Das war einmal.

Der S ist aus dem Stimmbruch heraus, brummt sonor, verschafft mit federnder Schubkraft dem Vorgänger eine Beerdigung erster Klasse und beißt dank dem besseren Leistungsgewicht sogar dem 25 PS stärkeren Golf in die Wade.

Ob Beschleunigung oder Durchzug: Der Mini ist dran – oder vorn. Lediglich bei der Höchstgeschwindigkeit zieht ihm der GTI davon. Und beim Klang. Vor allem in oberen Lagen liefert sein Zweiliter-TFSI heiser röhrend eine authentische Reminiszenz an seine frei saugenden Ahnen, um sie gleichzeitig mit stämmiger Drehmomentbasis und unbeschwerter Drehfreude zu brüskieren.

Er enthält sich juvenilen Lenkradzerrens ebenso wie wilder Lastwechselzuckungen, erfüllt Linienwünsche prompt, neutral und dennoch zuverlässig mit zart eindrehendem Heck unter Hilfestellung des feinfühligen ESP. Der Mini gibt dagegen den wilden Hund. Bremst bissiger an, zackt mit der direkten, wie beim Golf elektromechanisch unterstützten Lenkung noch ansatzloser in Kurven, droht dabei stets mit dem Heck, will den Radius verkleinern.

Dabei provoziert er, wie auch beim rabiaten Beschleunigen, des öfteren einen rigorosen Ruck an der Elektronik-Leine. Was – ebenso wie die Stuckerneigung und der unruhige Geradeauslauf auf ungepflegten Pisten – langmähnige Begleiterinnen wohl kaum davon abhalten wird, sich mit ihm einzulassen. Obwohl der ausgewogen-emotionale GTI als Langfrist- Partner eindeutig die besseren Referenzen vorweisen kann.

Fazit

1. Mini Cooper S
462 Punkte

Turbo-Schub statt Kompressor-Geheul: Der neue Motor ist ein Gewinn. Ansonsten gibt sich der Mini wie gehabt. Flink, verspielt, obsessiv - und relativ teuer.

2. VW Golf GTI
489 Punkte

Der Klassiker hat es mal wieder geschafft. Agil, fahrsicher, geräumig und top verarbeitet, zeigt er dem Mini, wer Herr im Haus der sportlichen Kompakten ist.

Technische Daten
Mini Cooper S VW Golf GTI
Grundpreis 21.600 € 25.650 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3714 x 1683 x 1407 mm 4216 x 1759 x 1466 mm
KofferraumvolumenVDA 160 bis 680 l 350 bis 1305 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder 1984 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 128 kW / 175 PS bei 5500 U/min 147 kW / 200 PS bei 5100 U/min
Höchstgeschwindigkeit 225 km/h 235 km/h
0-100 km/h 7,4 s 7,3 s
Verbrauch 6,9 l/100 km 8,0 l/100 km
Testverbrauch 9,9 l/100 km 11,4 l/100 km
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