VW Golf, Mazda 3 und Citroën C4

Grund-Gedanken

Foto: Achim Hartmann, Hans-Dieter Seufert 30 Bilder

Rund 1,2 Tonnen Leergewicht und 1,4 Liter Hubraum: Das klingt schwer nach Spaßbremse. Wie lebt man mit den Grundmodellen der Kompaktklasse? Die Antwort geben VW Golf, Mazda 3 und Citroën C4.

Basismotorisierung, wie das schon klingt. Nicht reizvoller jedenfalls als Sättigungsbeilage oder Umsatzsteuervoranmeldung, so spannend wie eine Lokalzeitung von vorgestern und ähnlich begehrenswert wie eine Zweiraum-Wohnung in Bitterfeld. Soweit der erste Abwehrreflex.

Aber gerecht ist das alles natürlich nicht. Nehmen wir den VW Golf. Der hängt uns auf der Autobahn vor allem als TDI im Nacken, führt auf Nebenstrecken und in der Stadt dagegen oft das ruhige Leben der Basisversion. Jeder vierte Käufer eines neuen Golf lässt es mit 80 PS aus 1,4 Liter Hubraum genug sein. Nicht wenige Basis-Liebhaber werden sich gut daran erinnern, dass ein 34 PS starker VW Käfer als vollwertiges Familienauto galt und der 70 PS starke Ur-Golf als Rakete der Kompaktwagen-Klasse.

Das war nicht übertrieben, schließlich wog er fast 400 Kilogramm weniger als die aktuelle Golf-Generation mit ihren 1,2 Tonnen Leergewicht. Moderne Zeiten: Rivalen wie der Citroën C4 und Mazda 3 sind keineswegs leichter. Vor allem kosten sie auch nicht viel weniger als ein Golf, selbst wenn dieser in der gerne gekauften Comfortline-Ausstattung anrollt. Dann bringt er serienmäßig Aluräder und Klimaanlage mit, die beim Mazda ebenso auf der Mehrpreisliste stehen wie das Stabilitätsprogramm.

Das zehrt seinen um 2500 Euro niedrigeren Grundpreis großenteils auf, auch wenn sich VW das CD-Radio extra bezahlen lässt – Mazda und Citroën liefern es gratis. Ganz gleich, auf welchen der drei die Wahl fällt: Am Ende werden ungefähr 18 000 Euro auf der Rechnung stehen. Dennoch sind Golf-Käufer im Vorteil, denn der VW punktet in der Preis-Leistungs-Kalkulation nicht nur mit der umfangreichsten Ausstattung, sondern auch mit den zahlreichsten Möglichkeiten der Individualisierung.

 Ein Schiebedach etwa zählen weder Mazda noch Citroën zu den anbietenswerten Optionen. Einparkhilfe? Fehlanzeige, obwohl die Sicht nach hinten besser sein dürfte. Elektrische Fensterheber hinten, Xenonlicht? Nicht zu haben. Beide bieten sie etwas mehr Leistung als der Golf: 84 PS sind es beim Mazda, 88 beim Citroën. Die Drehmomentkurve zeigt, dass die drei Kompakten mit Maximalwerten zwischen 122 und 133 Newtonmetern nah beieinander liegen. Allerdings wird der volle Schub des C4 bereits bei 3250 Umdrehungen fällig und nicht erst bei 3800 (VW) oder gar 4000 (Mazda).

Doch beim Fahren kommt die Enttäuschung: Die Zahlen lassen einen gefühlten Unterschied vermuten, der im Alltag zur Bedeutungslosigkeit schmilzt. Drei Basismodelle, ein zähes Naturell als größte Gemeinsamkeit: Sie strengen sich redlich an, ohne ihren Benutzer auch nur für einen Augenblick begeistern zu können. Sie scheinen sich eine Welt ohne steile Steigungen und schaltfaule Fahrer zu wünschen. Und tatsächlich wenden sie sich damit an Menschen, die bereit sind, sich ihrem milden Naturell zu unterwerfen.

Käufer der Standardmodelle sollten möglichst auf Kurz- und Mittelstrecken unterwegs sein. Es wäre dienlich, wenn ihr Ehrgeiz auf der Autobahn nicht allzu weit über die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h hinausschießen würde. Eine Eselsgeduld müssen sie manchmal haben, zum Beispiel beim Überholen auf Landstraßen, und möglichst keine Lust auf Familienurlaube in den Alpen. Die drei Kontrahenten entwickeln ausreichendes Temperament im gemäßigten Geschwindigkeitsbereich, ebenso ähneln sie sich in der erschütternd schlechten Elastizität und dem akustischen Unwillen, sobald ihnen hohe Drehzahlen abverlangt werden.

Speziell der VW Golf neigt dazu, seine Passagiere anzudröhnen, wenn seine Kurbelwelle mehr als 4000 Mal pro Minute rotiert. Die Geräuschmessung zeigt zwar, dass der Citroën noch vernehmlicher rumort, sie verschweigt jedoch, dass er einige Nuancen weniger blechern klingt. Die Messwerte beweisen auch, dass sich der Golf etwas temperamentvoller fortbewegt als seine Rivalen. Er steht als tapferster unter den Schwachen da – sieht man von der geringsten Höchstgeschwindigkeit ab. Der Sparsamste ist er dabei nicht. Wirklich genügsam ist keiner der schwer beschäftigten Kompakten: Nur den seismografisch sanften Gasfuß honorieren sie mit Minimal-Verbräuchen unter sechs Litern, realistischer sind Alltagswerte über acht Liter Super auf 100 Kilometer.

Mehr als elf Liter können es werden, wenn sie ein gnadenloser Fahrer über die Autobahn scheucht. Zu viel Honorar für wenig Spaß. Probieren wir es mit Gemütlichkeit. Dabei wäre ein komfortabel abgestimmtes Fahrwerk recht, doch völlige Harmonie offeriert keiner der drei Bewerber.

Der Golf etwa glättet lange Wellen meisterlich, gibt dafür jedoch kurze Fugen und Gullideckel an die Insassen weiter und neigt zum Stuckern. Das kann der weicher gefederte Mazda besser, allerdings bewältigt er längere Unebenheiten nur mit lästigem Nachwippen und neigt auf wüster Piste zum Torkeln. Und der Citroën?

Er stößt auf furchigen Straßen etwas weniger als der Golf, ist aber ebenfalls keine Sänfte. Der C4 fordert von seinen Benutzern das meiste Einfühlungsvermögen: Citroën-Fahrer müssen sich mit dem giftigen Eingriff sowie der Gefühlsarmut seiner Lenkung arrangieren – ebenso wie mit dem schwer ablesbaren LED-Display in der Mitte des Armaturenbretts und der führungsschwachen Schaltung. So viel Verständnis fordern VW und Mazda nicht: Speziell der Golf funktioniert im direkten Vergleich als Automobil ohne Erklärungsbedarf, mit narrensicheren Bedienungselementen und einer Lenkung, deren Gefühlsechtheit der handlich wirkende Mazda 3 nicht toppen kann. Auch in puncto Schaltpräzision hält der Mazda nicht ganz mit.

So bunkert der Volkswagen Punkte, wobei der Abstand zu seinen Konkurrenten im Karosserie- Kapitel noch deutlicher ausfällt als in den fahrdynamischen Disziplinen. Einmal mehr glänzt der Golf mit seinem gepflegten Finish. Der hohe Hartplastik- Anteil in seinem Innenraum zeigt zwar, dass auch seine Väter einem strengen Spardiktat zu folgen hatten, dennoch wirken die Materialien ein gutes Stück gediegener als die etwas freudlosen Mazda- Kunststoffe und manche Citroën-Details.

So hinterlässt der C4 mit einer lockeren Mittelkonsole und einem wackelnden Fahrersitz keinen allzu vertrauenserweckenden Eindruck. Seine schwammige Sitzpolsterung ist schlicht eine Zumutung. Für den Citroën spricht seine Variabilität: Anders als bei seinen Konkurrenten lässt sich nicht nur die Rückbank- Lehne umklappen, sondern auch die Sitzfläche. Das ist praktisch und schafft einen nahezu ebenen Laderaum, mit dem die Mitbewerber nicht dienen. Es nützt in der Praxis nur wenig: Mit 1023 Litern bietet der C4 den kleinsten Maximal- Stauraum an (VW: 1305 Liter, Mazda: 1285 Liter).

Und im Fond des Franzosen fehlt es wegen der ausgeprägten Dach- Einzüge an Kopffreiheit – ein Manko, das weder Mazda noch VW vorzuwerfen ist. Am Ende bleibt dem Citroën nur der dritte Platz hinter dem Mazda, der mit hohen Unterhaltskosten überrascht. Der Sieg des Basis-Golf ist am Ende kein Triumph der Perfektion, wohl aber ein Gebot der Vernunft: Für den VW sprechen die niedrigsten Unterhaltskosten dieses Vergleichs. Noch dazu ist der Basis-Golf ein besonders gefragter Typ beim Wiederverkauf. Passt schon: Gut möglich, dass nicht wenige seiner Käufer mehr Spaß am Sparen als am Fahren haben.

Fazit

1. VW Golf
489 Punkte

Pro: viel Platz, sehr gutes Finish, komplette Sicherheitsausstattung. Weniger gut: dröhniger Motorsound, zu steifbeinige Federung auf kurzen Wellen.

2. Mazda 3
453 Punkte

Nicht geräumiger und temperamentvoller als der Golf, nur auf den ersten Blick billiger. Dafür durstiger und mit viel zu langem Bremsweg bei μ-Split.

3. Citroën C4
441 Punkte

Der knappste Innen- und kleinste Kofferraum, das gewöhnungsbedürftige Handling und die im Vergleich nonchalanteste Verarbeitung werfen den Basis-C4 zurück.

Technische Daten
Citroën C4 1.4i 16V Style Mazda 3 Sport 1.4 MZR Comfort VW Golf 1.4 Comfortline
Grundpreis 18.350 € 15.800 € 18.550 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4260 x 1773 x 1458 mm 4415 x 1755 x 1465 mm 4204 x 1759 x 1485 mm
KofferraumvolumenVDA 320 bis 1023 l 346 bis 1285 l 350 bis 1305 l
Hubraum / Motor 1360 cm³ / 4-Zylinder 1349 cm³ / 4-Zylinder 1390 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 65 kW / 88 PS bei 5250 U/min 62 kW / 84 PS bei 6000 U/min 59 kW / 80 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 182 km/h 169 km/h 168 km/h
0-100 km/h 14,5 s 14,4 s 13,6 s
Verbrauch 6,5 l/100 km 6,7 l/100 km 6,9 l/100 km
Testverbrauch 8,4 l/100 km 8,8 l/100 km 8,5 l/100 km
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