VW Golf 1.5 TGI BlueMotion im Test
Wie gut ist der Golf mit Erdgasantrieb?
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Im Herbst präsentiert VW die achte Auflage seines Bestsellers Golf. Kurz vor Schluss führen die Wolfsburger allerdings noch eine neue, ökologisch sehr interessante Antriebsvariante ein: den TGI mit Erdgasantrieb.
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Diesen erkennt man äußerlich nur an kleinen blauen Elementen und der Beschriftung. Er bleibt eben ein Golf.
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Keine sichtbaren Endrohre: Der Golf spielt auch optisch den Sparsamen, leistet mit nun 130 PS trotzdessen ausreichend Vortrieb.
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Öko-Spaß: Der TGI fährt zwar nicht lokal emissionsfrei wie seine Elektro-Brüder, doch entstehen bei der Verbrennung von CNG deutlich weniger CO2 und NOX als bei Benzin und Diesel.
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Sitze und Lenkrad bieten vielfältige Verstellmöglichkeiten für eine perfekte Sitzposition.
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Auch der Innenraum ist typisch Golf: Aufgeräumtes Cockpit, sehr übersichtliche Instrumentierung, nur eine Hinweisleuchte für das Fahrlicht fehlt.
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Unter Tacho und Drehzahlmesser befindet sich im TGI je eine Tankuhr für CNG und Benzin. Die Reichweitenanzeige wird ebenfalls getrennt.
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Die Bedienung des Top-Infotainment funktioniert bis auf die fehlenden Drehknöpfe einwandfrei. Die Lenkradheizung kostet 135 Euro extra.
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Das Sechsgang-Schaltgetriebe bereitet ebenso viel Freude wie die fein abgestimmte Lenkung. Davor befindet sich ein etwas schlecht erreichbarer USB-Anschluss im praktischen Ablagefach.
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Auch hinten keine Überraschungen: Die Rückbank bietet Platz wie jeder andere Golf der siebten Generation.
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Beim Kofferraum hingegen sieht die Sache schon anders aus. Das Standardvolumen schrumpft von 380 auf 291 Liter, ...
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... da die beiden großen der drei CNG-Tanks unterm Ladeboden wohnen.
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Hinterm Tankdeckel sitzen zwei Einfüllstutzen: Links der für CNG, rechts der für Benzin.
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Beim Tanken hört der Spaß nicht auf: Die Spritkosten gegenüber einem vergleichbaren Benziner halbieren sich beinahe.
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Mit den 16 Zoll großen Energiesparreifen federt der TGI mehr als manierlich. Die erzielten Bremswege ergeben ebenfalls keinen Grund zur Klage.
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Unter der vorderen Haube löst der 1,5 Liter große Vierzylinder den bisherigen 1.4 TGI ab. Anders als der gleich große Benziner verzichtet der TGI dabei auf eine Zylinderabschaltung.
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Die blauen Akzentteile und Schriftzüge gibt es beim TGI serienmäßig. Die LED-Scheinwerfer sind das erst ab der Ausstattungslinie Highline, kosten ansonsten 1.085 Euro Aufpreis.
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Für Vielfahrer: Der Erdgas-Golf rechnet sich mehr, umso mehr man ihn bewegt. Dann lohnen auch die 3.000 Euro Aufpreis zum herkömmlichen Verbrenner.

Kurz vor dem Modellwechsel führt VW im Golf noch eine neue Erdgas-Variante mit mehr Leistung und Reichweite auf Basis des 1.5 TSI ein. Kommt das Beste zum Schluss?

Im Herbst präsentiert VW die achte Auflage seines Bestsellers Golf. Das hält die Wolfsburger aber nicht davon ab, das Angebot der Generation sieben kurz vor Schluss noch um eine neue, ökologisch sehr interessante Antriebsvariante zu erweitern. Irgendeine Form der Elektrifizierung spielt dabei keine Rolle, reduzierte Emissionen hingegen schon: VW spendiert dem Golf eine neue Erdgasversion mit mehr Leistung und höherer Reichweite im CNG-Betrieb (Compressed Natural Gas).

Damit fährt der TGI zwar nicht lokal emissionsfrei wie seine batteriebetriebenen Brüder e-Golf und GTE, doch bei der Verbrennung von CNG entstehen deutlich weniger CO2 und NOX als bei Benzin und Diesel. Auch Ruß und Feinstaub sind kaum im Abgas enthalten, sodass der TGI keinen Partikelfilter benötigt, um die Grenzwerte der Euro 6d-Temp zu unterbieten. Unter der vorderen Haube löst der 1,5 Liter große Vierzylinder (EA 211 evo) den bisherigen 1.4 TGI ab. Die Leistung steigt von 110 auf 130 PS, während das maximale Drehmoment von 200 Nm unverändert bleibt, nun aber von 1.400 bis 4.000/min und damit noch etwas früher und länger anliegt als beim Vorgänger. Anders als der gleich große Benziner verzichtet der TGI auf Zylinderabschaltung, setzt jedoch auf das effizienzsteigernde Miller-Brennverfahren und einen VTG-Turbolader mit variabler Turbinengeometrie.

TGI nun mit quasi-monovalentem Antrieb

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Unter Tacho und Drehzahlmesser befindet sich je eine Tankuhr für CNG und Benzin. Die Reichweitenanzeige wird ebenfalls getrennt.

Im Cockpit deuten nur die beiden Tankanzeigen darauf hin, dass der TGI sowohl mit CNG als auch mit Benzin betrieben werden kann. Solange sich Erdgas in den nun insgesamt drei CNG-Tanks befindet, fährt der TGI ausschließlich damit. Sehr praktisch: Der Bordcomputer zeigt die Restreichweite für CNG und Benzin getrennt an. Da der TGI im Erdgasbetrieb viel weniger Kosten verursacht, fährt man mit Benzin nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt – das kann bei knapp 900 Erdgastankstellen in Deutschland schon mal passieren. Dagegen hilft ein möglichst großer CNG-Vorrat an Bord. VW hat ihn beim Golf 1.5 TGI deshalb auf 17,3 Kilogramm erweitert. Das sind zwar nur 2,3 kg mehr als bisher, aber das erhöht die CNG-Reichweite auf Basis des Testverbrauchs um 50 auf 376 km. Die lassen sich – anders als beim reinen E-Auto – auch problemlos bis auf den letzten Kilometer nutzen. Schließlich bleibt der TGI dann nicht stehen, sondern schaltet unmerklich auf Benzinbetrieb.

Allerdings hat der nun größere CNG-Vorrat nicht nur Vorteile: Gleichzeitig schrumpft aus Platzgründen der Inhalt des Benzintanks von vorher 50 auf nun neun Liter – bei Reisen in Länder mit schlechter CNG-Versorgung muss der TGI dann spätestens nach rund 150 km wieder Benzin tanken. Weiterer Nachteil: Wegen der Gastanks unter dem Ladeboden entfällt dieser Teil des Gepäckraums. Zum einen schrumpft dadurch das Stauvolumen von 380 auf 291 Liter. Zum anderen passt die Hutablage nicht mehr unter den Ladeboden, wenn sie bei vorgeklappter Rücksitzlehne im Weg ist. Immerhin entsteht dabei eine ebene, nur leicht nach vorn ansteigende Ladefläche. Darüber hinaus bleibt das Raumangebot unverändert gut, schließlich ist auch der TGI vor allem ein Golf – mit seinen vielen Vorzügen und wenigen Nachteilen.

Auch mit Erdgasantrieb ein typischer Golf

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Mit den 16 Zoll großen Energiesparreifen federt der TGI mehr als manierlich. Die erzielten Bremswege ergeben ebenfalls keinen Grund zur Klage.

Das beginnt schon beim Einsteigen, die Position hinter dem weitreichend verstellbaren Lenkrad auf den feinen, allerdings optionalen Sportsitzen passt wie angegossen. Ebenso die Bedienung, bis auf die fehlenden Drehknöpfe beim Top-Infotainment und den etwas schlecht erreichbaren USB-Anschluss im praktischen Ablagefach unten in der Mittelkonsole vor dem Schalthebel. Mit diesem dirigiert der Fahrer ohne Mühe ein Sechsganggetriebe, dessen Bedienung ebenso viel Freude bereitet wie die fein abgestimmte Lenkung. Eine Fahrmodi-Taste sucht man hingegen vergebens, sie gibt es für den TGI genauso wenig wie adaptive Dämpfer. Mit den 16 Zoll großen Energiesparreifen federt der TGI jedoch auch so sehr manierlich, die erzielten Bremswege ergeben ebenfalls keinen Grund zur Klage. Nur in Kurven, die der Golf mit seiner unerschütterlichen Fahrsicherheit gerne mal flotter unter die Räder nimmt, beginnen sie frühzeitig zu pfeifen.

Beim Tanken hört der Spaß nicht auf

Mit Erdgas zu fahren, bedeutet keineswegs Verzicht auf Fahrspaß, wie der TGI zeigt. Damit man die Mehrleistung spürt, will der 1,5-Liter gedreht werden, erst oberhalb von 2.000/min schiebt er den Golf richtig an. Das Aha-Erlebnis folgt an der Tankstelle: 4,6 kg/100 km verbrennt der TGI im Testmittel, 4 kg sind problemlos möglich. Da ein Kilo CNG fast 50 Prozent mehr Energie enthält als ein Liter Super, aber etwa 20 Prozent weniger kostet, halbieren sich die Spritkosten beinahe gegenüber einem vergleichbaren Benziner. Zu schön, um wahr zu sein? Nicht für Vielfahrer, für sie lohnen sich auch 3.000 Euro TGI-Aufpreis.

Vor- und Nachteile

  • Platz wie in jedem anderen Golf
  • überdurchschnittlicher Fahrkomfort
  • viele praktische Ablagen
  • sehr sicheres Fahrverhalten
  • umfangreiches Assistenzangebot
  • günstiger Verbrauch und niedrige Emmissionen
  • sehr günstig im Unterhalt
  • Gepäckraum schrumpft von 380 auf 291 Liter
  • ablenkende Navi-Bedienung
  • teuer in der Anschaffung (28.260 Euro)

Fazit

Für den VW Golf 1.5 TGI BlueMotion gilt: Viel fahren – je mehr, desto eher amortisiert sich der üppige Aufpreis. Dazu bietet er klassisches Golf-Aroma mit überschaubaren Einschränkungen.