Golf VI Variant, Gebrauchtwagen-Check, asv0817 Dani Heyne

Golf VI Variant im Gebrauchtwagen-Check

Auch als Gebrauchter ein Klassenprimus?

Er ist der Klassensprecher in der Kompaktklasse, vielfacher Test-Champion und Dauer-Bestseller. Da macht man doch mit einem gebrauchten Golf nichts falsch – oder? KFZ-Meister Wünsch schüttelt den Kopf und erklärt.

Jede Geschichte hat zwei Seiten„, mit diesen fast schon mahnenden Worten begrüßt uns Meister Wünsch zum heutigen Gebrauchtwagen- Check – und zeigt dabei auf die Kombiversion der sechsten Golf-Generation. Er erklärt geduldig: “Der Golf ist und bleibt ein Dauerbrenner, man sieht ihn überall – vor allem ganz vorn in den Verkaufsstatistiken und bei Vergleichstests, weshalb er für viele Autofahrer automatisch ein Typ ist, der keine Fehler macht. Auch als Gebrauchter nicht. Doch das ist leider eher selten der Fall.„ Nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: “Gebraucht ist so ein Golf ein ganz normaler Typ – mit Stärken und Schwächen, wie all die anderen Modelle auch.„

Variant, der praktischste Golf

Wenn man sich die Geschichte des Golf Variant anschaut, möchte man “Typisch VW„ murmeln. Schließlich haben sich die Wolfsburger auch in diesem Fall sehr viel Zeit gelassen, bis sie dem beliebten Kompaktmodell einen praktischen Kombi zur Seite gestellt haben. 1993 war das, da lief der Golf bereits in dritten Generation. Offizieller Grund für den späten Start der Kombiversion: Um dem Passat Variant nicht zu nahe zu kommen.

Seitdem gibt’s vom Golf Variant immerhin schon fünf Generationen. Meister Wünsch schleicht um Kombi Nummer vier, der von 2009 bis 2013 als Neuwagen zu haben war.

Golf VI Variant, Gebrauchtwagen-Check, asv0817
Dani Heyne
Es hat ganze zwei Golf-Generationen gebraucht, bis sich VW zu einem Kombi im kompakten Format durchringen konnte. Der hieß von Anfang an Golf Variant und kam 1993 auf den Markt. Genau, das war zur dritten Generation des Topsellers.

“Schauen wir uns dieses Schmuckstück doch mal genauer an„, murmelt er und umrundet den 4,53 Meter langen Kombi in Zeitlupe. Dabei checkt er nicht nur alle Spaltmaße auf Gleichmäßigkeit, sondern wirft auch einen Blick auf die Fensterdichtungen. Sind die grün verfärbt und tragen leichte Spuren von Moos, parkte der vermeintliche Garagenwagen oft draußen. Außerdem lässt sich bei der gewissenhaften Musterung auch die Frontscheibe auf Steinschläge überprüfen.

“Bei diesem Modell sollte man sich vor allem das Heck genau vornehmen und die Falze der Klappe auf Rost prüfen. Kein Witz, auf Rost! Zweites Problem: An den LED-Rückleuchten können einzelne Leuchtmittel ausfallen, was nicht nur optisch schmerzt, sondern auch finanziell. Die Einheiten können nämlich nur komplett getauscht werden„, erklärt der Meister und ist bereits auf dem besten Weg, den Klassenbesten zu entzaubern.

“Genau diese Problemchen wollen nicht in die Welt der meisten Golf-Fans passen. Dabei sind sie durchaus nicht unüblich„, sagt Torsten Wünsch mit ernster Miene, klappt die Rücksitze um und wundert sich laut, dass der VW hier nicht mehr bietet. “Die Konkurrenz hat da teilweise mehr drauf„, resümiert der Meister, kann an den Sitzen aber keine Beschädigungen feststellen und klappt alles wieder in die Ausgangsstellung. Dann schaut er kurz ins komplett ausgefüllte Scheckheft und startet eine Probefahrt. “Dieser 1.6 TDI mit 105 PS ist für alle optimal, die nicht täglich durch die Republik eilen und keine schweren Anhänger ziehen müssen. In dem Fall wäre der größere Diesel mit 140 PS besser„, fasst Meister Wünsch zusammen und lässt den Selbstzünder erst mal auf Betriebstemperatur kommen, bevor er ihn fordert.

Die Dieselmotoren haben einen Feind

“Der größte Feind aller Dieselmotoren dieser Golf-Generation sind Kurzstrecken„, sagt Meister Wünsch und erklärt weiter: “Das können ihre Dieselpartikelfilter einfach nicht lange ab, denn dann läuft die Regeneration der Systeme nicht an. Die Folgen: Der Partikelfilter setzt sich zu, dadurch steigt der Abgasdruck, was die Elektronik wiederum in Panik versetzt – sie aktiviert die Motorkontrollleuchte und das Notlaufprogramm.„

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Nicht wenige Golf mit genau diesem Problem hatte der Meister bereits zu Gast in seiner Werkstatt, wo er den Selbstzündern via Diagnosegerät eine Zwangsregeneration verordnen kann. “So werden die Partikelfilter mittels Plan B wieder freigebrannt – allerdings sollte das ja eigentlich automatisch funktionieren.„

Zu den Schummeltricks der VW-Dieselmotoren wurde bereits einiges geschrieben, daher an dieser Stelle nur so viel: Beim Kauf eines Gebrauchten sollte auf die bereits durchgeführte Nachrüstung geachtet oder darauf bestanden werden. Zudem sollte bei den Selbstzündern stets nach dem Zahnriemenwechsel gefragt werden, der mit rund 500 Euro zu Buche schlägt.

“Leider sind die leistungsstärkeren Turbobenziner (1.2 TSI und 1.4 TSI) auch keine verlässlichen Kumpel„, bemerkt Meister Wünsch, während er den Variant auf die Hebebühne fährt. “TSI-Motoren aus den Jahren 2009 und 2010 hatten oft Probleme mit den Steuerketten – diese verloren an Spannung oder rissen, was zum Motorschaden führte.„

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Im Variant gab es zwei drehmomentstarke TDI: einen 1.6er mit 90 und 105 PS (Letzteren auch in der Spar-Version Bluemotion) sowie einen Zweiliter mit 140 PS. Alle Versionen laufen serienmäßig mit Schummelsoftware, daher vor dem Kauf klären, ob VW das Modell bereits entsprechend nachgebessert hat.

Halten wir also fest: Beim Thema Motorisierung liefert diese Golf-Variant-Generation keine Glanzleistung ab – egal ob Diesel oder Turbobenziner. Natürlich muss das nicht jeden Motor betreffen, aber es kommt eben vor und lässt sich im Vorfeld nicht überprüfen.

Normale Verschleißsachen

Meister Wünsch betrachtet den Variant inzwischen von unten: “Schaut gar nicht so schlecht aus, der Gute„, stellt er fest und leuchtet mit der Taschenlampe die Aufhängung der Vorderachse ab: “Die Gummilager der Querlenker schlagen gern mal aus, ansonsten sollten die üblichen Verschleißteile inspiziert werden: Achsmanschetten, Bremsscheiben, -klötze und Spurstangenköpfe.„

Gesagt, getan – und nichts zu beanstanden. Auch Rost lässt sich am Unterboden nicht finden. Der Unterbodenschutz ist intakt, alle Bremsleitungen unbeschädigt. Auch beim Auspuff gibt’s vom Meister einen Daumen nach oben: “Die meisten Endschalldämpfer sind mittlerweile aus Edelstahl, die halten ewig.„

Eine Baugruppe schaut sich der Meister am Ende des Checks noch genauer an: den Motorkühler und den Kühler der Abgasrückführung. “Diese Teile werden gern mal undicht, nicht selten durch Steinschläge.„

Und die Preise?

Erstaunlich hoch!

Für einen Golf Variant (Baujahr 2010) mit dem 105 PS starken TDI unter der Haube, der 70.000 Kilometer runter hat, müssen aktuell mindestens 8.000 Euro hingeblättert werden.

Wer keinen Diesel will, für den kommt eigentlich nur einer der temperamentvolleren Turbobenziner infrage – allerdings möglichst nicht älter als Baujahr 2012 wegen der Steuerkette. 1.4 TSI (122 PS) aus diesem Baujahr mit ebenfalls rund 75.000 Kilometer auf dem Tacho beginnen bei rund 9.500 Euro. Beide Beispiele beweisen: Obwohl die Auswahl am Markt groß ist, sind die Preise erstaunlich hoch – eben typisch Golf.

So ist die Marktlage

Sagen wir’s mal so: Knapp wird das Angebot erst mal nicht werden, dafür waren die Verkaufszahlen des Golf VI Variant zu hoch. Entsprechend einfach ist es, ein Exemplar in der näheren Umgebung zu finden. Gefällt es nicht, schaut man einfach das nächste an, ohne weit zu reisen. Nachteil: Die Preise sind trotz des großen Angebotes relativ hoch.

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Fazit

Der Golf VI Variant ist Ihr Typ, wenn Ihnen klar ist, dass der Klassenprimus als Gebrauchter durchaus auch Schwächen hat. In unserem Check wird klar, dass es sich dabei nicht nur um normale Verschleißteile handelt, sondern VW ganz offensichtlich an einigen Stellen zu sehr gespart hat – zum Beispiel an der Rostvorsorge. Zudem ist die Motorenfrage schwer zu klären, da die drehmomentstarken Diesel und Benziner Probleme bereiten können. Was auf der Habenseite steht? Ein geräumiger, sicherer Kombi im kompakten Format mit guten Sitzen, klarer Bedienung und erstaunlich hohem Marktwert.

Das gefällt uns:

Das große Kofferraum-Glück, das hinter der Heckklappe wartet – und den Variant zum praktischsten Vertreter der Golf-Familie macht. Der Rest ist typisch Golf: Er löst kein großes Emotionsfeuerwerk aus, kann aber in so vielen Details glänzen, dass am Ende ein nahezu perfekter Kumpel für den Alltag dasteht. Das Konzept ist ein Dauerbrenner.

Das stört uns:

Volkswagen hat die Kombiversion des Golf (gibt’s seit der dritten Generation) immer etwas stiefmütterlich behandelt. Getreu dem Motto: „Stimmt, den müssen wir auch noch bauen.“ Entsprechend sahen die ersten Versionen aus. Etwas mehr Elan hätte uns Kombi- Fans deutlich besser gefallen und die Produktionszeit der Variant-Modelle verlängert.

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