VW GTI gegen BMW 123d

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Foto: Hans-Dieter Seufert 38 Bilder

Sprintstarke Kompaktwagen hatten bisher immer einen Benziner unter der Haube. Nun fordert der BMW 123d mit Biturbo-Diesel den Platzhirsch VW Golf GTI heraus.

Wer einen sportlichen Kompaktwagen mit einer Leistung um 200 PS sucht, hat zwei Alternativen, die sich in elementaren Punkten klar und deutlich unterscheiden: den BMW 123d mit längs eingebautem Dieselmotor und Hinterradantrieb sowie den frontgetriebenen VW Golf GTI mit quer installiertem Benziner. Abgesehen von der Kraftstoff- Sorte sind die Unterschiede zwischen den beiden Antriebsaggregaten jedoch geringer, als es auf den ersten Blick scheint. Beides sind Vierzylinder mit zwei Liter Hubraum, Direkteinspritzung und Turboaufladung. Diese technischen Gemeinsamkeiten sind auch ein Grund dafür, dass die Grenzen zwischen den Brennverfahren immer mehr verwischen. So bietet der auf Super Plus ausgelegte Vierventiler im GTI einen ehemals als dieseltypisch bezeichneten Drehmomentverlauf mit einem Maximum von 280 Newtonmeter bereits bei 1800 Umdrehungen, das bis 5000 Touren konstant bleibt. Nur 100 Umdrehungen später liegt die Spitzenleistung von 200 PS an. Vier PS mehr leistet der BMW und übertrumpft das GTI-Aggregat damit knapp – auch in der Leistungsausbeute. Der Motor im 123d ist der erste Diesel mit einer Leistung über der magischen Grenze von 100 PS pro Liter. Mit 4400/min liegt die Nenndrehzahl zudem für einen Selbstzünder ungewöhnlich hoch. Doch selbst wenn die Nadel des Drehzahlmessers beim Beschleunigen ganz dieseluntypisch schon mal locker über die 5000er-Marke hinwegschnellt: mehr als 5200 Touren sind nicht drin. Beim GTI liegt das Limit immerhin bei 6800/min. Das BMW-Triebwerk kontert mit einem maximalen Drehmoment von 400 Nm bei 2000 Umdrehungen. Bereits knapp über Leerlaufdrehzahl legt sich der neu entwickelte Vierzylinder mit Vollaluminium-Kurbelgehäuse mächtig ins Zeug, von Turboloch keine Spur. Vollkommen unaufgeregt und gleichmäßig gibt er seine üppige Leistung ab und vermittelt damit eine Souveränität, wie man sie sonst nur bei großvolumigen Triebwerken empfindet. Das ist das Verdienst der Variable Twin Turbo genannten, aufwendigen Kombination aus zwei Turboladern – einem kleinen, früh ansprechenden und einem großen für maximale Füllung. Der drehfreudige GTI-Motor agiert bei zügiger Fahrweise bissiger, ja sogar hektischer als der BMW-Diesel. Denn sein Leistungseinsatz ist schlechter dosierbar, da der Turbo zunächst leicht verzögert, dann aber umso vehementer anspricht. Wird in dieser Situation das Gaspedal nur leicht gelupft, bricht der Vortrieb stärker ein als erwartet. Typisch Turbo eben. Geht man es dagegen gelassener an, ist mit dem Sport-Golf ebenso schaltfaules und niedertouriges Fahren möglich wie mit dem BMW. Dabei legt das GTI-Triebwerk bessere Manieren an den Tag als der bis etwa 1500 Touren trotz zweier Ausgleichswellen rauer klingende und mit leichten Vibrationen laufende Einser-Motor. Bei höheren Drehzahlen bessert sich die Laufkultur zunehmend. Vom sportlichen Klang des VW-Motors mit seinem wohlklingenden Mix aus Ansaug- und Auspuffgeräuschen ist die Akustik des Diesels aber weit entfernt.

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Turbo-Diesel
Turbo-Benziner

So unterschiedlich sich die beiden Triebwerke anfühlen mögen, die gebotenen Fahrleistungen sind nahezu gleich. Etwas schlechtere Beschleunigungswerte macht der BMW durch flottere Zwischenspurts in den beiden oberen Gängen wieder wett. Einen großen Vorsprung kann der Einser jedoch herausfahren, wenn der GTI an der Tankstelle steht. Denn dem Diesel reichen im Durchschnitt weniger als acht Liter Kraftstoff für 100 Kilometer, etwas mehr als zehn benötigt der Golf. Der BMW bestraft sportliche Fortbewegung zudem weniger heftig. Auf einer ausgedehnten, flotten Runde im direkten Vergleich genehmigte sich der BMW 9,5 Liter Diesel, während der GTI 14 Liter Super Plus konsumierte. Zurückhaltung fällt jedoch schwer, da beide mit überaus agilem Handling locken. Die strikte Trennung von Antrieb und Lenkung beschert dem Einser zwar eine höhere Präzision beim Einlenken, aber bei sehr schnellen Lenkbewegungen untersteuert der Hecktriebler überraschend heftig. Das dürfte zusammen mit der schmaleren Bereifung für das durchweg niedrigere Tempo bei den genormten Fahrversuchen verantwortlich sein – vor allem beim schnellen, doppelten Spurwechsel (ISOWedeltest). Der Golf entwickelt dagegen im Kurvengeschlängel realer Landstraßen mehr Eigenleben, da die Antriebskräfte gehörig an der Lenkung zerren – vor allem auf unebener Piste. Hier offenbart der GTI auch Schwächen in Sachen Richtungsstabilität beim scharfen Anbremsen von Kurven. Umgekehrte Vorzeichen gelten jedoch auf der bewässerten μ-split-Strecke, deren rechte Seite so glatt wie poliertes Eis ist: Der BMW verlangt stärkere Lenkkorrekturen, um beim Bremsen in der Spur zu bleiben. Zudem ist der Bremsweg deutlich länger. Auf trockener Fahrbahn beweisen aber beide, dass ihre Stopper in puncto Wirksamkeit und Ausdauer der hohen Motorleistung gewachsen sind.

Sportliche Ambitionen zeigen auch die jeweils recht straffen Fahrwerksabstimmungen, wobei das Popometer durchaus Unterschiede wahrnimmt. So rollt der GTI über kleine Unebenheiten zwar geschmeidiger hinweg als der Einser, bei hohem Tempo auf der Autobahn wird die Golf-Karosserie aber zum Schwingen in einer für die Magennerven auf Dauer unangenehmen Frequenz angeregt. Die mit zunehmendem Tempo immer besser ansprechende Federung des BMW hält lange Bodenwellen dagegen effektiver von den Insassen fern und wirkt dadurch insgesamt ausgewogener. Entscheidend für den Sieg des BMW ist letztlich der famose Dieselmotor. Der 123d beweist eindrucksvoll, dass man auch mit Diesel im Tank rennen kann wie ein echter GTI. Durch die deutlich niedrigeren Spritkosten spart er auf lange Sicht sogar den nicht gerade bescheidenen Aufpreis gegenüber dem Golf GTI wieder ein.

Fazit

1. BMW 123d
479 Punkte

Der 1er mit stufenaufgeladenem Diesel bietet eine einzigartige Mischung aus souveränem Antrieb und agilem Handling. Zudem ist er angesichts der gebotenen Fahrleistungen sehr sparsam. Ein Nachteil ist das knappe Innenraumangebot.

2. VW Golf GTI
468 Punkte

Der Klassiker unter den sportlichen Kompakten muss sich dem Herausforderer geschlagen geben. Die Unterschiede in den einzelnen Kapiteln sind zwar gering, doch der hohe Verbrauch im Vergleich zum Diesel letztlich den Ausschlag.

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Technische Daten
BMW 123d VW Golf GTI
Grundpreis 32.850 € 25.650 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4239 x 1748 x 1421 mm 4216 x 1759 x 1466 mm
KofferraumvolumenVDA 330 bis 1150 l 350 bis 1305 l
Hubraum / Motor 1995 cm³ / 4-Zylinder 1984 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 150 kW / 204 PS bei 4400 U/min 147 kW / 200 PS bei 5100 U/min
Höchstgeschwindigkeit 238 km/h 235 km/h
0-100 km/h 7,3 s 7,3 s
Verbrauch 5,1 l/100 km 8,0 l/100 km
Testverbrauch 7,9 l/100 km 10,3 l/100 km
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