VW Jetta und BMW 320i im Vergleich

Klassenkampf

Foto: Hans-Dieter Seufert 17 Bilder

Premium oder Volkstum? Kann ein VW Jetta auf Golf-Basis dem imageschweren 3er von BMW das Wasser reichen? Mal sehen: Jetta 2.0 FSI contra 320i, die Benziner mit 150 PS im Vergleich.

Hand hoch, wer den neuen VW Jetta auf Anhieb vom neuen Passat unterscheiden kann. Zugegeben, nicht ganz einfach, aber soviel sei verraten: Der Jetta ist kleiner. Wer ganz genau hinsieht, wird zudem entdecken, dass sich hinter der Chromnase eine Golf-Schnauze verbirgt, ein Golf mit Passat-Heck also, annähernd zumindest.

Der Name Jetta stammt aus der VW-Mottenkiste und überlebte bislang nur in den USA, wo er angeblich einen guten Ruf genießt. Hier zu Lande mag er dagegen Gähn- Reflexe auslösen: Jetta, das war der Golf mit dem Präsentier-Kofferraum, der vornehmlich betagtere Käuferschichten begeisterte.

Wenn es gut läuft für den neuen Jetta, könnte sich Letzteres aber durchaus ändern. Tatsache ist, dass die Stufenheckausgabe des Bestsellers in der hier gezeigten Ausführung selbst einem dynamikverwöhnten BMW-Fahrer Respekt abtrotzen dürfte. Illusorisch? Vielleicht, aber lassen wir auch hier doch mal die Kirche im Dorf. Abgesehen vom Prestigefaktor: Was kann ein BMW 320i, was ein Jetta 2.0 FSI nicht kann?

Schon der Zahlenvergleich zeigt, dass der Dreier von VW mit dem echten Dreier auf derselben Stufe steht. Beide sind annähernd gleich groß, gleich schwer und gleich stark: 150 PS aus vier Zylindern mit zwei Liter Hubraum und 200 Nm Drehmoment, beide mit Sechsganggetriebe. Als 2.0 FSI bekommt der Jetta serienmäßig ein Sportfahrwerk, so dass auch querdynamisch der Vergleich nicht hinkt.

Gleichwohl gibt es zwei wesentliche Unterschiede: der BMW ist heck-, der VW frontgetrieben, der BMW kostet laut Preisliste 27.650 Euro, der VW (in Comfortline- Ausführung) 22.500 Euro.

Man muss Geiz nicht geil finden, um angesichts dieser Differenz den Underdog eines zweiten Blickes zu würdigen, zumal auch noch mehr Ausstattung drin ist. Tempomat und Einparkhilfe zum Beispiel werden bei BMW extra berechnet.

Das gilt ebenso für die umklappbaren Rücksitzlehnen, obgleich der Dreier eine Laderaumvergrößerung dringender gebrauchen könnte: Sein Stufenheck fasst nämlich nur 460 Liter, an sich nicht schlecht, aber eben deutlich weniger als die 527 Liter des VW, der auch bei der Zuladung auftrumpft (476 statt 392 Kilogramm).

Da bleibt sich der Jetta also treu – auf so einen Kofferraum kann man stolz sein. Im Passagierraum indes herrscht Gleichstand. Es reicht in beiden Fällen, um vier Erwachsene unverkrampft transportieren zu können. Im BMW sitzt es sich allerdings komfortabler, besonders hinten, wo VWInsassen mit kurzen Sitzflächen und schwach konturierten Lehnen vorlieb nehmen müssen.

Auch im Ambiente lassen sich Unterschiede ausmachen: Der BMW wirkt einen Hauch (aber nur einen Hauch) wertvoller. Im Jetta gleicht der Blick nach vorn jenem im Golf, wobei dem vertrauten Cockpit sachlich nichts vorzuwerfen ist. Leichter lässt sich ein Auto heute kaum bedienen, auch nicht der Dreier, der selbst ohne den optionalen i-Drive etwas Übung erfordert (spitze Finger etwa beim Betätigen des Lichtschalters).

Außerdem fehlt es hier an großräumigen Ablagen – da war BMW schon mal besser. Praktisch und geräumig jedoch sind viele, der Knackpunkt ist hier die Fahrdynamik. Vermag ein braver Jetta dem Platzhirsch von BMW das Revier streitig zu machen?

Zumindest reicht es locker, um ihn herausfordern, was ja schon viel heißt. Das gilt sogar für die von BMW gepachtete Freude am Fahren, denn Lenken macht im Jetta überraschend viel Laune. Er wirkt ausgesprochen handlich, geht ohne Ausflüchte in die Kurven und verkneift es sich, frühzeitig mit dem Bug nach außen zu drängen, was bei Fronttrieblern bekanntlich nicht selbstverständlich ist.

Das Sportfahrwerk hält dabei die Karosseriebewegungen zuverlässig im Zaum, ohne den Komfort zu ruinieren. Es gibt besser gefederte Autos in dieser Klasse, aber ein Golf GTI etwa ist deutlich härter. Störender sind da auf Dauer die Wind- und Abrollgeräusche, gegen die man den BMW im direkten Vergleich schon fast als Leisetreter empfindet.

Komfortabler reist man im Dreier allerdings trotzdem nicht, denn auf die Verwerfungen der Straße reagiert sein Fahrwerk häufig unwirsch, was Autobahnen einschließt. Seine Stärke hingegen ist und bleibt der fahrdynamische Feinschliff.

Die von Antriebseinflüssen freie Lenkung arbeitet noch eine Nuance präziser als die des VW, Kurven nimmt er noch bereitwilliger, was sich in den besseren Werten bei den Fahrdynamikprüfungen widerspiegelt, und auch beim Bremsentest punktet der BMW – alles Vorzüge, die freilich nicht ausreichen, um einen Jetta auch auf öffentlichen Straßen abschütteln zu können.

C’ est la vie, wobei es sich wieder einmal zeigt, dass der Vorteil des Heckantriebs eben erst bei höheren PS-Angeboten so richtig zur Geltung kommt. Im vorliegenden Fall reicht es indes kaum, die Traktionsreserven des Fronttrieblers auszureizen. Beide 150- PS-Motoren gehen munter zur Sache, zeigen aber unten herum wenig Muskeln.

Da wirkt der BMW noch schlapper als der VW, was die Elastizitätswerte bestätigen. Der Krafteindruck hält sich bei dieser Motorisierungsstufe also in bescheidenen Grenzen – wer zügig vorankommen will, muss emsig die Gänge wechseln, was dank der exakten Schaltungen allerdings leicht fällt.

Auf der Habenseite stehen relativ kontofreundliche Benzinkosten. Um die zehn Liter/100 km sind hier das durchschnittliche Maß, wobei der BMW eine Idee weniger verbraucht als sein Herausforderer. Dumm nur, dass beide offiziell nach teurem Super Plus verlangen, geschickt für den Jetta-Käufer hingegen, dass mit dem gesparten Mehrpreis des BMW schon mal rund 3700 Liter abgegolten sind.

Da er sich ansonsten keine wesentlichen Nachteile einhandelt, lässt sich denn auch die entscheidende Frage schlüssig beantworten. Muss es der Dreier sein, wenn es für weniger einen Jetta gibt? Es muss keineswegs. Aber es kann natürlich – wenn man kann.

Fazit

1. VW Jetta 2.0 FSI
483 Punkte

Er ist nicht der Langweiler, für den man ihn halten mag: Er wirkt handlich, ist agil, nicht zu hart gefedert und antrittsstärker als der BMW. Sonstige Stärken: der große Kofferraum und der kleine Preis.

2. BMW 320i
478 Punkte

Das Privileg, im Handling noch eine Idee besser zu sein, lässt sich BMW vergolden. Der schwache Antrieb passt jedoch nicht zum hohen Preis, auch nicht die knausrige Ausstattung. Klares Plus: die Bremsen.

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Technische Daten
VW Jetta 2.0 FSI Comfortline BMW 320i
Grundpreis 23.875 € 28.800 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4554 x 1781 x 1459 mm 4520 x 1817 x 1421 mm
KofferraumvolumenVDA 527 l 460 l
Hubraum / Motor 1984 cm³ / 4-Zylinder 1995 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 110 kW / 150 PS bei 6000 U/min 110 kW / 150 PS bei 6200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 211 km/h 220 km/h
0-100 km/h 9,9 s 9,9 s
Verbrauch 7,8 l/100 km 7,5 l/100 km
Testverbrauch 10,0 l/100 km 9,7 l/100 km
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