VW Lupo 1.6 16V GTI im Test

Nervöser Straßenfeger

VW Lupo 1.6 16V GTI Test Foto: Hans-Dieter Seufert

In der heißesten Ausbaustufe leistet der kleinste VW 125 PS. Der VW Lupo GTI ist ein nervöser Landstraßenfeger, der einer strengen und kundigen Fahrerhand bedarf.

Der VW Lupo GTI bewegt Köpfe: Genickt wird bei der Vollbremsung oder aus Sympathie. Geschüttelt bei Links-Rechts-Kombinationen oder aus Unverständnis. In den Nacken geworfen beim Beschleunigen oder beim hochmütigen Ignorieren des aufgemotzten Kleinwagens.

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VW Lupo 1.6 16V GTI Nervöser Straßenfeger im Test
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Dabei fällt Wegschauen schwer. Der nur in Rot, Schwarz und Silber erhältliche Volkswagen trägt seine mit 125 PS sehr üppige Motorisierung durch lnsignien der Sportlichkeit auch optisch zur Schau: Der zum Schlund mutierte Frontspoiler hält dem Betrachter mit seinem riesigen zentralen Lufteinlass und den beiden kleineren seitlichen Äquivalenten zur besseren Kühlung der Bremsen ein großes schwarzes Nichts entgegen.

An der Flanke Fällt der Blick unweigerlich auf den breiten Schweller sowie auf die zu aufgeblasenen Backen ausgestellten Radläufe, unter denen Reifen der Dimension 205/45 auf 15 Zoll großen Leichtmetallfelgen reichlich Platz finden. Obwohl die Spur an der Vorderachse im Vergleich zu den zivilen Lupo um 28 Millimeter verbreitert wurde, ist noch Raum für Reifen-Tuning.

Wenig verdienen wird die Veredler-Branche allerdings am Heck. Es wirkt zwar im Vergleich zur Front geradezu glattflächig, aber schon die Kofferraumklappe mündet in einer wulstigen Stoßfänger-/Spoiler-Einheit. Und unter dem mittig platzierten Kennzeichen stechen zwei auffällige Auspuff-Endrohre hervor, die messerscharf am Manta-Manni-Niveau vorbeischrammen.

Immerhin verschonen sie die Umwelt von akustischem Krawall, lärmig wird es nur im Innenraum vor allem auf der Autobahn: Das Ansauggeräusch klingt bei Vollgas nach Luftfilter-Tuning, schon bei 140 km/h im fünften Gang dröhnt der 1,6-Liter-Vierventiler so angestrengt, als ob er am Ende seiner Kraft wäre.

Dabei ist das aus dem Polo GTI bekannte Triebwerk in diesem Bereich noch lange nicht ausgelastet. Erst wenn die Tachonadel optimistisch auf der Ziffer 220 verharrt und der VW Lupo in Wirklichkeit mit 205 km/h über die linke Spur fliegt, ist nach längerem Anlauf die Höchstgeschwindigkeit erreicht.

Solche Tempi machen aus dem auch sparsam zu fahrenden Vierzylinder einen Säufer, der dann ungeniert bis zu 12 Liter Super Benzin pro 100 Kilometer schluckt. Zudem fühlt sich die Rasanz in dem Kleinwagen dramatisch an und mahnt den Piloten zur Wachsamkeit: Der kurze Radstand sorgt in Verbindung mit dem straff abgestimmten Fahrwerk für ein nervöses Eigenleben. Besonders in schnell gefahrenen, welligen Autobahnkurven tänzelt der VW Lupo GTI wie ein Boxer im Ring und erfordert oft Richtungskorrekturen.

So ist es zwar amüsant, in Geschwindigkeitsregionen vorzustoßen, die früher großen Limousinen und Sportwagen vorbehalten waren‚ der wirkliche Spaß beginnt aber an der Autobahn-Ausfahrt. Diese lässt sich in beachtlichem Tempo nehmen, wobei sich der Lupo angenehm wenig zur Seite neigt.

Der Ausflug über leere Landstraßen dritter Ordnung offenbart die wahre Bestimmung des kleinsten GTI aus der Volkswagen-Palette‚ ganz im Sinn des oft zitierten Urvaters, des Golf GTI von 1976.

Dem drehfreudigen, wenn auch rau klingenden Vierventiler die Sporen geben, mit dem exakten und schnell zu bedienenden Fünfganggetriebe hochschalten. mit der gut zu dosierenden und standfesten Bremse verzögern, mit dem perfekt in der Hand liegenden Volant einlenken, und alles von vorn: Da glänzen die Augen sportlich ambitionierter Fahrer.

Was sich auf den Fernstraßen als Nachteil erweist. ist über Land Fun-Faktor Nummer eins: das außerordentlich agile Fahrverhalten. Jede Lenkbewegung fühlt der Lupo präzise aus und vermeidet alle wichtigen Informationen über die Straßenbeschaffenheit. Dabei bietet er für einen Sportler erstaunlich guten Komfort. Einzig die starken Antriebseinflüsse und der unstete Geradeauslauf sind gewöhnungsbedürftig.

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In Kurven bleibt der Fronttriebler lange neutral. bis er deutlich untersteuernd vom Erreichen des Grenzbereichs kündet. Kenner lupfen dann das Gas und bewirken so das Einlenken in die Neutralität. Bei dieser Übung hebt der VW Lupo gern das kurveninnere hintere Rad bleibt dabei aber leicht beherrschbar.

Wer den kleinen Volkswagen allerdings zu sehr um die Ecken scheucht. sollte sich trotz der Stabilitätskontrolle ESP nicht in letzter Sicherheit wähnen: Die elektronischen Helferlein greifen vor allem bei nasser Fahrbahn erst sehr spät bremsend ein und bringen dabei Unruhe ins Fahrwerk; das wild gewordene Wölflein will dann trotz ESP mit wohl überlegten und beherzten Reaktionen an die Leine genommen werden.

Wer den dank Leichtbauweise nach Art des 3-Liter-Lupo auf knapp eine Tonne abgespeckten, aber an PS gewichtigen Kleinwagen im Sportdress schnell bewegen will, sollte ein geübter Fahrer sein. Junge und damit zumeist unerfahrene GTI-Aspiranten wird es ohnehin kaum geben dem stehen schon die Anschaffungskosten von 33 600 Mark sowie hohe und damit teure Versicherungseinstufungen im Weg.

Da tröstet es wenig, dass der Kleine mit ESP, Fahrer- und Beifahrer-Airbags, Servolenkung, Alufelgen, hell leuchtenden Xenonscheinwerfern sowie komfortablen Sportsitzen mit hervorragendem Seitenhalt bis auf Sidebags, Radio und Klimaanlage weitgehend komplett ausgestattet ist.

Jährlich will Volkswagen 5.000 Exemplare des Lupo GTI absetzen. Das sollte gelingen – hoher Preis hin oder her. Schließlich ist der Mini-Sportler mangels Konkurrenz eine Art Monopolist: So klein und schnell ist sonst keiner.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Raumangebot vorn
  • hohe Verarbeitungsqualität
  • funktionale Bedienung
  • knappe Beinfreiheit hinten
  • kleiner Gepäckraum
Fahrkomfort
  • komfortable Sitze mit viel Seitenhalt
  • für einen Sportler guter Federungskomfort
  • hohes lnnengeräusch
Antrieb
  • sehr gute Fahrleistungen
  • exakte Schaltung
  • drehfreudiger Motor
  • rauer Motorklang
  • hohe Antriebseinflüsse in der Lenkung
  • geringe Reichweite
Fahreigenschaften
  • gute Handlichkeit
  • agiles Handling
  • bis zum Grenzbereich sehr gute Straßenlage
  • direkte, exakte Lenkung
  • gute Traktion dank Antriebsschlupfregelung
  • eingeschränkter Geradeauslauf auf schlechten Straßen
  • im Grenzbereich nervöses Fahrverhalten
Sicherheit
  • Fahrer- und Beifahrer-Airbag
  • standfeste Bremsen
  • ESP serienmäßig
  • Xenonscheinwerfer
  • Seitenairbags gegen Aufpreis
Umwelt
  • Schadstoffnorm Euro 4
  • hoher Verbrauch
Kosten
  • gute Ausstattung
  • lange lnspektionsintervalle
  • zwölf Jahre Garantie gegen Durchrostung
  • hoher Preis
  • ungünstige Kaskoeinstufung

Fazit

Hohe Leistung, wenig Gewicht, straffes Fahrwerk, agile Lenkung und standfeste Bremsen – der VW Lupo GTI ist ein echter Sportler. Er besitzt aber einige Schwächen: So ist sein Fahrverhalten zu nervös, der Geradeauslauf eingeschränkt. Und er ist sehr teuer.

Technische Daten
VW Lupo 1.6 16V GTI
Grundpreis 17.200 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3524 x 1640 x 1457 mm
KofferraumvolumenVDA 130 bis 830 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 92 kW / 125 PS bei 6500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 205 km/h
0-100 km/h 8,6 s
Verbrauch 7,0 l/100 km
Testverbrauch 9,8 l/100 km
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