VW Multivan 2.5 TDI im Test

Was hat der TDI Comfortline geändert?

Der neue VW Multivan T5 ist größer und teurer geworden. Im Test der 2,5-Liter-Diesel mit 174 PS.

Nein, es ist keine Liebe auf den ers­ten Blick. Man muss schon genauer hinschauen, um festzustellen: Aha, der neue VW Multivan! Doch dann fallen sie auf, die kleinen, aber feinen Änderungen, die den Neuen vom seit 1990 ge­bauten Vorgänger unterscheiden. Der Transporter der Generation fünf oder einfach T5, wie er intern abgekürzt wird, wirkt jetzt muskulöser und eleganter zugleich. Höher, breiter und stämmiger in der Gestalt, aber ohne all die kleinen optischen Unzulänglichkeiten des T4. Die Laufschienen der Schiebetür verstecken sich jetzt unter dem Blech, die seitlichen Schiebefenster sind nicht mehr einfach nur aufgesetzt, sondern fest integriert, und die Scheinwerfer leuchten aus modischem Klarglas auf die Straße. Wahrlich kein Design-Feuerwerk, das VW da abbrennt. Gefällig wirkt der Neue trotzdem. Wie es sich für eine Liebe auf den zweiten Blick gehört, kommt sie erst mit den inneren Werten. Im Innenraum legt der Multivan seine Schüchternheit ab und zeigt ein völlig neues Gesicht. Kein zweckmäßiges Hartplastikensemble empfängt mehr den Fahrer. Das neue Armaturenbrett umweht dank großzügigen Metalleinlagen (Comfortline-Version) und feiner Gummierung der qualitätsbewusste Charme von Passat und Touareg. Haptisch angenehme Materialien und fein rasternde Regler erheben den Multivan aus der schnöden Transportwelt, ohne dass die Funktionalität darunter leidet. Egal, wo man hindrückt, es tun sich immer wieder neue Fächer auf. Man bräuchte schon Kra­ken­arme, um die Vielzahl an Klappen unter Kontrolle zu bringen.

Für Luxus sorgen auch die optionalen Multimedia-Gerätschaften: ein Navigations­system aus dem Touareg nebst Nokia-Freisprechanlage und digitalem HiFi-­Sound­system. Sogar eine digitale Gegensprech­anlage lässt sich ordern, die mit Hilfe von sechs Mikrofonen die Verständigung über die Busdimensionen hinweg erleichtert. Altgediente Multivan-Fahrer werden bei ersten Fahrten schon einmal ins Leere greifen. Dort wo früher ein mächtiger Schaltstock weilte, herrscht jetzt freier Raum. Den Schaltknüppel versetzten die Ingenieure kurzerhand in das Armaturenbrett. So schaltet sich das Sechsgang-Getriebe jetzt knackig und präzise wie bei einer Limousine. Eine Sechsgang-Automatik ergänzt das Programm im Laufe des Jahres. Im Fond des großen VW, der ab Anfang April bei den Händlern stehen wird, sind die Änderungen nicht ganz so dramatisch. Ab der Comfortline-Version dürfen sich T5-Mitfahrer serienmäßig über einen ausfahrbaren dreh- und schwenkbaren Teleskoptisch freuen. Zusammen mit den ebenfalls schwenkbaren Halogen-Dachleuchten und der optionalen Fond-Klimaanlage herrscht fast Lounge-Atmosphäre. Besonderer Einstiegsluxus wird Passagieren der Highline-Variante zuteil: Hier öffnen sich die jetzt links und rechts orderbaren Schiebetüren per Knopfdruck elektrisch. Die günstigeren Varianten benötigen dafür noch einen starken Arm.

Und damit ist auch schon eine der wenigen kleinen Un­pässlichkeiten am Multivan angesprochen: Speziell am Hang schließen sich die ma­nuellen Schiebetüren und die Heckklappe nur mit entsprechendem Nachdruck. Doch das sind nur Peanuts, wenn man im Multivan dieses ureigene Fahrgefühl hoch oben und kurz hinter der Vorderachse sitzend ­genießen kann. Das straffe, bei wachsender Zuladung harmonischer werdende Fahrwerk erlaubt eine zügigere Fahrweise, als so manchem Transportgut lieb sein dürfte. Es kostet schon viel Selbstdisziplin, das üppige Drehmoment des neuen 174-PS-Turbodiesels nicht auszukosten. Der 2,5-Liter-Fünfzylinder zieht einfach wie ein Stier. Dabei verleugnet der Pumpe-Düse-Motor nicht seine Diesel-Herkunft. Um eine kleine Dimension leiser als der Vorgänger klingt er trotzdem. Nur die Einstufung nach Euro 4-Schadstoffnorm fehlt, wie auch bei den beiden weiteren Dieselmotoren, zum Glück. Die zwei Benziner schaffen die Norm. 25.000 Multivans gingen letztes Jahr an die Kunden, damit hat er in seiner Klasse 70 Prozent Marktanteil. Mit dem gelungenen Nachfolger stehen die Chancen gut, dass die von VW angepeilten 35.000 Vans pro Jahr drin sind – trotz des hohen Preisniveaus.

Fazit

Der neue T5-Multivan ist groß, schwer, gelungen und teuer. Die Bremse überzeugt, Motor und Fahrverhalten begeistern, ebenso die durchdachten Details. Nur Schlaglöcher offenbaren Einschränkungen im guten Federungskomfort.

Technische Daten
VW Multivan 2.5 TDI Comfortline
Grundpreis 42.427 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4890 x 1904 x 1945 mm
KofferraumvolumenVDA 664 bis 4525 l
Hubraum / Motor 2460 cm³ / 5-Zylinder
Leistung 128 kW / 174 PS bei 3500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 188 km/h
0-100 km/h 11,5 s
Verbrauch 7,9 l/100 km
Testverbrauch 11,9 l/100 km
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