VW Multivan 2.5 TDI im Test

Blue Motion

VW Multivan 2.5 TDI

Der VW Multivan verband im Dauertest Transportkompetenz mit Sparsamkeit. Bei der Zuverlässigkeit hat die Großraumlimousine jedoch keine Fortschritte gemacht.

Als der niederländische VW-Importeur Ben Pon vor 60 Jahren mit ein paar Strichen in seinem Notizbuch die Idee eines VW-Bus skizzierte, konnte er nicht ahnen, was daraus einmal werden würde. Etwa ein T5 Multivan Comfortline mit 174 PS, sieben Sitzen, Lederausstattung, Dreizonen- Klimaautomatik, Navigationssystem und Gegensprechanlage. Diesem Luxus-Transporter blickt die auto motor und sport-Redaktion nach rund 100.000 Kilometern im Dauertest mit weinendem Auge hinterher.

Ähnlich war es vor fünf Jahren mit dem T4 Multivan TDI, obwohl dieses Modell mit teurer Wartung und vielen Kundenproblemen – etwa wegen brechender Spannrollen – in puncto Zuverlässigkeit nicht in jeder Hinsicht überzeugen konnte. Das damalige Dauertest- Exemplar blieb jedoch von gröberen Malaisen verschont und verließ die Redaktion ehrenhaft mit einem zweiten Platz in der klassenbezogenen Mängelindex- Liste – im Gegensatz übrigens zu einem acht Jahre zuvor geprüften T4 Caravelle mit 2,5-Liter-Benziner, der während der Testdistanz durch ausgeprägte Pannenfreude auffiel.

Es kam dieses Mal zwar nicht ganz so dick, trotzdem erreichte der im März 2005 (zwei Jahre nach seiner Markteinführung) angetretene Dauertest-T5 im auto motor und sport-Mängelindex nur Rang neun.

Unter seiner Haube knurrt wie beim T4 ein Fünfzylinder-Reihenmotor. Beim Neuen flog allerdings der anfällige Zahnriemen raus. An seine Stelle traten Stirnräder, die Schluss machen mit brechenden Zahnriemen-Spannrollen. Mit Pumpe-Düse-Einspritzung kommen 174 PS und 400 Newtonmeter Drehmoment heraus. Beim Testwagen allerdings auch noch relativ viel Dieselruß, denn einen Partikelfilter gibt es erst seit Januar 2006 (Serie). Im Rahmen dieser Modellpflege stattete VW die T5-Baureihe überdies mit neuer Wasserpumpe mit optimierter Abdichtung sowie verbessertem Anlasser aus.

Mit einem defekten Anlasser beginnt dann auch die Mängelhistorie des auto motor und sport-T5. Er streikt bei Kilometer 29 456, Ersatz kostet 359 Euro. Danach herrscht Ruhe – bis Redakteur Alexander Bloch vor dem Söldener Gletscher von einem leistungsverweigernden Motor und einer Bremse ohne Servounterstützung festgesetzt wird: Eine Unterdruckleitung hatte sich gelöst.

Nach deren Befestigung in der Werkstatt liefert der Fünfzylinder wieder Power satt. Wie üblich allerdings mit einer kleinen Anfahrschwäche, die speziell in beladenem Zustand oder an Steigungen stört. Auch sanftes Anfahren des Handschalters erfordert Akkuratesse. Im Hängerbetrieb kann dabei die Kupplung schon mal in Stress geraten. Selbst wenn die joystickartige, knackige Sechsgangschaltung einen enormen Sprung zur schludrig geführten Fünfgangbox des Vorgängers darstellt, verwaltet die optional erhältliche Sechsgangautomatik das Drehmoment bekömmlicher. Immerhin kann der T5 nicht nur knapp 700 Kilogramm zuladen, sondern bis zu 2500 Kilogramm an den Haken nehmen.

Bereits leer wiegt der opulent ausgestattete Multivan 2,3 Tonnen, und so entsprechen seine Fahrleistungen trotz Leistungsplus in etwa denen des 350 Kilogramm leichteren Dauertest-Vorgängers. Der Durchschnittsverbrauch stieg um 0,7 auf nunmehr 10,6 Liter. Sanftmütigen genügten 8,5 Liter, Schnelle pumpten 13,1 Liter auf 100 Kilometer durch die Düsen. Angesichts der Transportkapazität und des Elans des Multivan respektabel.

Langstrecken sind kein Problem, gern auch mit zügigem Durchschnittstempo, wie Einträge in den Bordkarten dokumentieren. Sie preisen neben dem kräftigen Motor, der großen Reichweite (über 750 Kilometer), der wirksamen Klimatisierung und dem angenehmen Geräuschniveau auch den ordentlichen Federungskomfort. Dieser wird lediglich getrübt durch das unwillige Ansprechen auf kurze Unebenheiten sowie die ausgeprägte Wankneigung, speziell in schnell gefahrenen Kurven. Die Fahrsicherheit leidet nicht darunter, der T5 bewahrt stets die Contenance, bietet nach Transporter-Maßstäben sogar limousinenartige Handlichkeit und Präzision. Passen muss der Großraum- Van allerdings vor kleinen Waschanlagen und Parkhäusern.

Durchweg Lob kassiert dafür das überragende Raumangebot. Egal ob sieben Personen, größere Posten Reifen und Messequipment oder kleinere Einrichtungsgegenstände zu befördern sind: Der Multivan schreckt vor nichts zurück. Nebenbei bietet er mit seinen opulenten, doppelstöckigen Türablagen und diversen weiteren Staufächern nutzbaren Raum für täglichen Kleinkram. Der ausklappbare Flaschenhalter in der Mittelkonsole löste sich allerdings mehrfach in seine Bestandteile auf. Manch anderes Kunststoffteil suchte ebenfalls das Weite, etwa die Abdeckung der Sitzbankverriegelung. Doch bis auf ein Knistern aus dem Armaturenbrett und einen abgegriffen wirkenden Lenkradkranz überstand das Interieur die Dauertest-Strapazen problemlos. Als unnötig kompliziert erwies sich das Sitzkonzept. So ist die Bank nicht einfach vom Heck aus verschiebbar, sondern muss aus Sicherheitsgründen vorher von innen durch Flachlegen der Lehne entriegelt werden. Über den Ausund Einbau fluchen selbst gusseiserne Multivan-Fans: Die Bank ist 89 Kilogramm schwer, sperrig und bietet keine hilfestellenden Griffe. Dagegen erscheint selbst die Demontage der 39 Kilogramm schweren Einzelsitze wie Kardiosport. Zumal das sogar solo klappt, obwohl VW auch hier einen Helfer empfiehlt. Am besten einen geduldigen Puzzler, denn nach Aus- und Einbau der Sitze müssen noch kleine Aluminiumabdeckungen in die Bodenschienen gepfriemelt werden.

Eine ähnlich hakelige Sache ist das Verschieben von Bank und Sitzen, etwa beim Präparieren der Liegefläche. Um im T5 bequem zu nächtigen, muss man allerdings das so genannte Multiflex- Board mit Polsterauflage ordern, das die Fläche schlaftauglich verlängert. Eine Verlängerung der Mängelliste verursachte bei Kilometerstand 53 224 die linke Schiebetür durch latentes Hakeln. Nach Einstellung in der Werkstatt lief es für sie wieder besser. Bei dieser Gelegenheit gab es auch einen neuen Sensor für die vordere Einparkhilfe, da er bisweilen ohne Grund anschlug. Ebenso wie zwei seiner Kollegen, die bei Kilometerstand 67 782 ersetzt werden mussten – Folgen einer mangelhaften Serie. Ähnlich wie bei der Wasserpumpe, die rund 22 000 Kilometer später nach Kühlmittelverlust gewechselt werden musste.

Allesamt Probleme, an denen viele T5 laborieren, wie die Leserzuschriften sowie Foreneinträge zeigen. Gleiches gilt für diverse Mängel an den Schiebetüren – sowohl den voll-elektrischen als auch den konventionellen. Dem schlechten Einrasten in geöffnetem Zustand sowie schabenden Geräuschen beim Öffnen kam man beim Testwagen mit neuen Führungsschienen bei.

Wobei der Autor eine Lanze für den T5 brechen möchte: Rissen frühere Bulli- Schiebetüren beim Zuschmettern ganze Wohnblocks aus dem Schlaf, ziehen sie sich heute elektromotorisch leise ins Schloss. Aktive Nachbarschaftspflege für 280 Euro extra. Und ein Klacks angesichts eines Grundpreises von damals 41 900 Euro, der sich nach ausführlicher Nutzung der reichhaltigen Aufpreisliste beim Testwagen auf fast 58 000 Euro, aktuell sogar 61 600 Euro steigerte.

Ein Goodie könnte man sich sparen: Das Navigationssystem enttäuschte durch langsames Rechnen, mäßige Kartendarstellung und gelegentliche Desorientierung. Außerdem verlangte es allein für Deutschland zwei Daten-CD. Auch wenn VW seit Juni 2005 auf DVD umgestellt hat, bleibt ein schaler Beigeschmack angesichts des Preises von über 4000 Euro inklusive Soundsystem und Gegensprechanlage. Letztere begeisterte bei Einsätzen des T5 als Shuttle-Bus. Über Mikrofone und Lautsprecher können Passagiere vorn und hinten digital gesteuert kommunizieren, ohne selbst zum Laut-Sprecher zu werden. Dennoch: Teure Extras steigern den Wertverlust, der VW büßte über die Distanz fast 51 Prozent ein. Hinzu kommen partiell hohe Unterhaltskosten, etwa aufgrund des Reifenverschleißes. Vor allem die 17-Zöller mit hohem Tragfähigkeitsindex gehen ins Geld. Günstiger sind die Inspektionen. 30 000-Kilometer- Intervalle und das Entfallen der teuren Zahnriemen-Wartung entschädigen für das kostenintensive Longlife-Öl.

Das Fazit ist zwiespältig: Die inneren Werte des Multivan überzeugen, die Dauerhaltbarkeit enttäuscht. Leser Willberg bringt es auf den Punkt: „Der Multivan wäre toll – wenn er funktionieren würde.“

Unser Multivan hat in 26 Monaten 108 000 Kilometer hinter sich gebracht. In diesem Zeitraum ist er drei Mal liegengeblieben (Batterie leer) und hat fast keinen Tag vollständig funktioniert. Defekte gab es an der Alarmanlage, der Standheizung, der Wasserpumpe (zwei Mal), den elektrischen Schiebetüren und dem Navigationssystem. Der T5 war unzählige Male in der Werkstatt, wurde zwei Mal zerlegt (neue Steuergeräte, Kabelbäume) und funktioniert dennoch nicht. Auch die Gewährleistung ist unbefriedigend. Selbst wenn ein Defekt wiederholt repariert wurde, verweigerte VW bereits wenige Tage nach Ablauf der Zweijahresfrist die Kulanz. Dennoch: Der Multivan wäre toll – wenn er funktionieren würde.
Michael Willberg, 82327 Tutzing
 
Ich fahre den Multivan Comfortline mit 174-PS-TDI seit eineinhalb Jahren. Er ist ein begeisterndes Familienfahrzeug mit viel Platz, kräftig motorisiert, komfortabel und verhältnismäßig sparsam. Unerfreulicher sind die Mängel – trotz der kompetenten Betreuung durch meine Werkstatt. Ein Auszug aus der Problemliste: rubbelnde Kupplung, defektes Schiebedach, Softlack des Fahrertürgriffs löst sich, Schiebetüren klappern und sind mit zu wenig Toleranz eingepasst, Undichtigkeit im Bereich der Heckklappe, defekter CD-Wechsler, defekte Freisprecheinrichtung, Verkleidungen von A- und C-Säule lösen sich, und der Fahrersitz kippelt.
Jan Bartlau, 30938 Burgwedel

Das einzig Positive am Multivan ist der kräftige 174-PS-Diesel mit seinem günstigen Verbrauch zwischen acht und zehn Litern. Der Rest ist Grauen: Die Heckklappe schließt schwer, die Heizung arbeitet unregelmäßig, die vorderen Fenster verursachen Windgeräusche, der Rückwärtsgang lässt sich nicht mehr einlegen, nach Regen sind die Fensterrollos der zweiten Reihe nass. Ganz zu schweigen von den schweren Einzelsitzen, der Tortur beim Ausbau der Dreierbank sowie klemmenden oder sich lösenden Kunststoffverkleidungen. Ersparen Sie mir die Antwort auf die Frage, ob ich diesen Typ jemals wieder kaufen würde.
Jürgen Siemes, 41747 Viersen
 
Seit Januar 2005 hatten wir richtig „Spaß“ mit unserem T5. Neben einem Auslösen der Alarmanlage bei geringen Erschütterungen und einem Knallen des Zusatzheizers, das ein neues Steuergerät und einen neuen Zuheizer erforderte, nervten feuchte Scheinwerfer ebenso wie Störungen des Scheibenwischers, die den Austausch des Wischermotors und des Steuergerätes nötig machten. Ein Wassereinbruch in der Beifahrertür konnte nach 15 erfolglosen Werkstattbesuchen endlich beseitigt werden. Außerdem verriegelte das Schloss der Heckklappe nicht mehr und musste ausgetauscht werden, ebenso wie die Cockpiteinheit, nachdem es beim Öffnen von Fahrer- und Beifahrertür blinkte.
Heiko Staatz, 96450 Coburg
 
Der T5: eine gelungene Symbiose aus Fahrfreude und Enttäuschung. Seit Juli 2004 fahren wir einen TDI mit 174 PS und Automatikgetriebe. Auf 47 000 Kilometern hatten wir einen Durchschnittsverbrauch von 10,4 Litern. Der T5 zeichnet sich durch extrem entspanntes Fahren aus, die Qualität ist gegenüber dem T4 allerdings schlechter geworden. Nach 10 000 Kilometern war die Wasserpumpe defekt, 12 000 Kilometer später ließ sich der Rückwärtsgang nicht mehr einlegen. Bei 46 000 Kilometern war die Pumpe-Düse-Einheit defekt, außerdem ist die Instrumentenbeleuchtung ausgefallen. Wir hatten noch nie ein Fahrzeug, bei dem sich Licht und Schatten so die Waage halten. Von der Gleichgültigkeit, die VW und der Händler an den Tag legen, ganz zu schweigen.
Dieter Lang, 64342 Seeheim-Jugenheim

Nach 115 000 problemlosen T4-Kilometern bereitet mein T5 Highline, Baujahr 12/2003 mit 174 PS, permanent Probleme: Die elektrische Schiebetür öffnet selbständig während der Fahrt, Wasserpumpe defekt, vorderer Stabi durchgerostet, Steuergeräte für Freisprechanlage, Parkhilfe, Alarmanlage und Standheizung ausgetauscht, Tausch mehrerer Parksensoren, Ersatz der Zuheizer-Glühkerze, um der Rauchentwicklung beizukommen, Tausch des Navigationsgerätes ohne Erfolg, denn das neue Gerät findet keine Satelliten mehr. Hinzu kommen zwei Ausfälle wegen entladener Batterie. Danach steigt die Bordspannung über 15 Volt. Der Tausch von Lichtmaschine und Regler hilft nicht, sondern erst ein Ersatz der Instrumenteneinheit.
Stephanie Ebner, 70599 Stuttgart 

 

Abgastest: Alle Abgaswerte innerhalb der Norm
Alles in Ordnung auch nach 100 000 Dauertest-Kilometern: Bei der vom TÜV Süd in Böblingen  urchgeführten Abgasmessung nach Euro 3 zeigt sich, dass der Multivan alle gültigen Grenzwerte unterbietet. Der Testwagen muss allerdings ohne einen Partikelfilter auskommen, der erst seit Januar 2006 im Programm ist (bei Fünfzylinder-TDI Serie).

Einmal liegengeblieben, ein zweites Mal mit Anlasserproblemen gerade noch in die Werkstatt gekommen – mit vier außerplanmäßigen Boxenstopps erreicht der T5 Multivan nur einen enttäuschenden neunten Platz im auto motor und sport-Mängelindex. Damit liegt er weit hinter seinem Vorgänger T4, der es zum Ende seiner Laufzeit auf Rang drei gebracht hat.

Vor- und Nachteile

  • enormes Platzangebot
  • guter Qualitätseindruck
  • komfortable Federung
  • bequeme Sitze
  • einfache Bedienung
  • viele sinnvolle Ablagen
  • gute Übersicht
  • kultivierter, kräftiger und sparsamer Motor
  • exakte Schaltung
  • präzises Handling
  • wirksame Klimaanlage
  • günstige Wartungskosten
  • Sitzbank sehr schwer, Einzelsitze schwer auszubauen
  • Verschieben von Sitzen und Bank manchmal hakelig
  • Verarbeitungsmängel im Detail
  • Anfahrschwäche
  • Antriebseinflüsse
  • Seitenwind- und Spurrillenempfindlichkeit
  • spürbare Wankneigung
  • hoher Reifenverschleiß
  • hoher Preis
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Technische Daten
VW Multivan 2.5 TDI Comfortline
Grundpreis 41.946 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4890 x 1904 x 1945 mm
KofferraumvolumenVDA 664 bis 4525 l
Hubraum / Motor 2461 cm³ / 5-Zylinder
Leistung 96 kW / 131 PS bei 3500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 164 km/h
Verbrauch 9,2 l/100 km
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