VW Passat 2.0 TDI im Test

Wachs-Figur

Foto: Hans-Dieter Seufert 18 Bilder

Groß ist sie geworden, die neue VW Limousine, fast genau so lang wie eine Mercedes E-Klasse. Stilistisch wirkt der Passat nun wie ein kleiner Phaeton und fährt sich fast auch so. Im Test der Zweiliter-TDI mit 140 PS und Rußfilter.

Einen neuen Namen gibt es nicht. Passat, eigentlich ein Tropenwind, hat durch die Mittelklasse von VW eine akustische Gängigkeit erreicht, die man nach über drei Jahrzehnten Bauzeit und rund 13 Millionen produzierten Autos nicht nachzubessern wünscht. Leicht vorstellbar nach der jüngsten Pisa-Studie, dass mancher Schüler in dem Begriff nur noch ein Auto vermutet und nicht jene Äquatorial- Brise, auf die manche Segler vergeblich hoffen. Die fünfte Passat-Generation steht nun vor uns – etwas spät, wie Kritiker der VW-Modellpolitik bemerken. Denn der Passat Nummer vier lahmt im Verkauf.

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Die Zutaten, mit denen die Neuauflage auf Kundenfang geht, sind aus gutem Grund nicht revolutionär. Das Passat- Publikum wünscht keine schrägen Nischen-Konzeptionen, sondern eine brave Limousine. Auch die alte, überkommene Betrachtung, dass viel Auto nicht nur viel Raum, sondern auch eine höhere Rangstufe darstellt, wird nun klarer in die Tat umgesetzt. Wenn schon die deutsche Wirtschaft nicht richtig wächst, dann wenigstens der neue VW. Schon der Vorgänger ist ja kein kleines Auto, aber der Neue legt in der Länge um sechs Zentimeter und in der Breite sogar um sieben Zentimeter zu.

Stattliche 4,77 Meter stehen nun auf der Straße, bei einem relativ bescheidenen Radstand von 2,71 Metern. Das schafft Überhänge vorne und hinten und damit ein Gesamtbild, das durch die optische Präsenz der vielen Kompaktautos im Straßenverkehr einen eigenartigen Nostalgie-Effekt bewirkt. Oder ist es die „spürbare Leidenschaft“, wie der Pressetext dem Karosserie-Kapitel zuleibe rückt? Kaum. Geichwohl lässt die neue Karosse mit ihrem schweren Chromanteil im so genann-ten Wappen-Kühlergrill, einer markanten Seitenlinie und den eigenwillig geformten LEDSchlussleuchten keine Verwechslung mit dem Vorgänger zu.

Diesen alt aussehen zu lassen, ist immer Aufgabe und Begehren einer neuen Linie, und das ist zweifellos geglückt. Die Spaltmaße sind klein, die Karosserie, um gut 50 Prozent torsionssteifer als die des Vorgängers, wirkt nicht nur auf den ersten Blick hochwertig. Von einem Raumwunder spricht man bei Autos immer nur dann, wenn auf knapper Grundfläche viel Platz entstanden ist. So gesehen ist der neue Passat kein Raumwunder, dazu ist er zu groß. Aber, und darauf kommt es an, er bietet ein üppiges Volumen. Früher hätte man gesagt, damit können vier Leute mit viel Gepäck in den Italien- Urlaub fahren. Heute fahren sie wahrscheinlich nur zum Flughafen, aber das wohlige Gefühl, dass man könnte, wenn man wollte, bleibt.

Vor allem das Kofferraum-Volumen findet so schnell nicht seinesgleichen. Es hat um nicht weniger als 90 Liter zugelegt und erreicht nun mit 565 Litern ein wahres Gardemaß, das beispiellos ist. Natürlich lässt sich auch die Rücksitzlehne anteilig klappen, doch wird man das bei solcher Raumfülle selten in Anspruch nehmen. Auch an Beinraum hinten fehlt es nicht; der neue Passat kann es hier mit den meisten ranghöheren und teureren Limousinen aufnehmen. Von einem Plus an Breite hat man dagegen nicht wirklich etwas. Breite schafft vor allem eine stattlichere Außen-Optik, breite Autos wirken wuchtiger und respektvoller. Im Innenraum hat VW mit einem komplett überarbeiteten Cockpit eine ganz neue Welt geschaffen. So sorgen aufpreispflichtige Holzdekor-Einlagen nicht nur für einen Hauch von Bentley. Kaum billiger ist mit 755 Euro das Multifunktionslenkrad mit seinem aalglatten Holzkranz, auch dieses ein Symbol der großen Autowelt. Die Aufpreisliste ist erwartungsgemäß lang, aber schon die Basis namens Trendline bietet Front-, Seiten- und Kopf- Airbags, ESP, elektrische Fensterheber vorn, automatische Heckklappenöffnung, Klimaanlage und die neue elektromechanische Parkbremse. Die gewohnte Hebelei zwischen den Sitzen entfällt, arretiert wird nun mit spitzem Zeigefinger am linken Ende des Armaturenbretts. Was das Auge hier erblickt, zeichnet sich durch elegantes Styling und hohe Funktionalität aus. Solide und gut verarbeitet ist es obendrein – eingeschlossen die so genannte Docking- Station. Einen Zündschlüssel gibt es nicht mehr, stattdessen steckt man eine High-Tech-Metall- Knolle in einen Schlitz und startet und stoppt den Motor per Knopfdruck. Das ist ein bisschen ungewohnt, doch der Rest an Bedienung erfolgt erfreulicherweise ohne Nachdenken und vor allem ohne Kopfschütteln. Die VW-Techniker wollen das Rad in diesem Bereich nicht neu erfinden – alles ist da, wo man es vermutet, alles fasst sich gut an, nirgends sind Rätsel zu lösen, nicht einmal bei der Bedienung der Klimaanlage. Gut so. Der Testwagen hat den 140 PS leistenden Zweiliter- TDI-Motor und einen Rußfilter. Doch es ist der alte Vierzylinder, der Zweiventiler. Den genau gleich starken TDI in aktueller Vierventilversion kann man auch kaufen, aber nur ohne Rußfilter, zwei Ausgleichswellen haben beide. Auf die ausschließlich mit Filter ausgerüstete 170-PS-Version mit Piezo- Pumpe-Düse-Einspritzung muss ohnehin noch einige Monate gewartet werden. Eine merkwürdige Motorenpolitik, die Umweltfreundlichkeit mit alter Technik kombiniert.

Doch kommt es immer drauf an, was man daraus macht. Und das ist auch mit dem alten Zweiventiler nicht so schlecht. Die neue Umhüllung, auf der Waage immerhin fast 1,6 Tonnen schwer, lässt das drehmomentstarke Aggregat mit dem optionalen DSG-Doppelkupplungsgetriebe und seinen sechs Gängen keineswegs veraltet wirken. Die gewohnte Pumpe- Düse-Ruppigkeit ist fast verschwunden, nur noch milde Brummfrequenzen stören gelegentlich etwas die insgesamt gute Laufkultur des Motors. Knapp zehn Sekunden von null auf 100 km/h zeugen von gutem, wenn auch nicht überschäumendem Temperament, das Zusammenspiel mit dem DSG-Getriebe könnte kaum besser sein. Dabei spielt es keine Rolle, ob man alles der automatischen Steuerung überlässt oder manuell eingreift. Vor allem bei schneller Autobahnfahrt ist der Diesel ein angenehmer Partner. Das auch auf Landstraßen niemals lästige, wenn auch nicht besonders wohlklingende Verbrennungsgeräusch tritt hier vollständig in den Hintergrund. Die Phonzahlen bestätigen den subjektiven Eindruck. 69 dB(A) bei Tempo 130 – der neue Passat ist auch wegen geringer Wind- und Rollgeräusche ein leises Auto. Und er hat Komfort. Besonders gut ist der Abrollkomfort gelungen, aber auch mit langen Wellen kommt die Federung gut zurecht. Eine kleine Schwäche besteht nur bei sehr kurzen Unebenheiten. Mit der Fernreise-Tauglichkeit kann man also zufrieden sein, auch die Kurven können ruhig kommen. Mit der Statur der neuen VW-Mittelklasse assoziiert zwar niemand automobile Dynamik in Reinkultur, doch das große Auto lässt sich hier nicht lumpen. Wenig Seitenneigung, keine Lastwechsel, ein nicht übertrieben regelndes ESP und ein neutrales Kurvenverhalten sorgen für Wohlbefinden und Sicherheit. Extrem geräumig, komfortabel, im Innenraum beinahe luxuriös ausgeschlagen und außerordentlich fahrsicher – VW hat es zweifellos verstanden, den Passat über sich selbst hinauswachsen zu lassen. Ein Wind, welcher der Konkurrenz nun kräftig entgegenblasen dürfte.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • sehr gutes Raumangebot gute Qualitätsanmutung großer Kofferraum einfache Bedienung
  • unübersichtliche Karosse
Fahrkomfort
  • gute Sitze gut abgestimmte Federung geschmeidiges Abrollen
  • Schwächen auf kurzen Wellen
Antrieb
  • gute Fahrleistungen befriedigende Laufkultur gutes Durchzugsvermögen perfektes DSG-Getriebe
Fahreigenschaften
  • neutrales Fahrverhalten gute Handlichkeit guter Geradeauslauf exakte Lenkung
Sicherheit
  • gute Sicherheitsausstattung kräftige, standfeste Bremsen
Umwelt
  • schadstoffarm nach Euro 4 günstiger Verbrauch
Kosten
  • günstiger Basispreis sehr lange Inspektionsintervalle

Fazit

VW hat mit dem neuen Passat gute Arbeit geleistet. Er überzeugt mit viel Raum, einfacher Bedienung, guten Fahrleistungen, gutem Komfort und sicheren Fahreigenschaften. Bleibt nur die Frage, wie gut er gefällt.

Technische Daten
VW Passat 2.0 TDI Comfortline
Grundpreis 30.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4765 x 1820 x 1472 mm
KofferraumvolumenVDA 565 l
Hubraum / Motor 1968 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 103 kW / 140 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 206 km/h
0-100 km/h 9,8 s
Verbrauch 6,3 l/100 km
Testverbrauch 8,6 l/100 km
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