VW Passat 3.2 FSI Variant im Test

Wind of Chance

Foto: Hans-Dieter Seufert 14 Bilder

Ein neuer VW Passat Variant mit 250 PS und permanentem Allradantrieb: Ist der 3.2 FSI 4Motion nur wieder ein Nischentyp für Understatement-Fanatiker? Oder doch endlich das starke Argument gegen die etablierten Mitbewerber?

Noch ist er stärker als die Fantasie der gut motorisierten Überholspur-Benutzer. Sie rechnen partout nicht mit einem Passat, der auch über Tempo 200 stur dranbleibt. Und der dann, nachdem sein Fahrer einige Zeit damit verbracht hat, seine Geduld zu strapazieren, doch vorbeizieht.

Sicher, den Vorgänger gab es als Achtzylinder namens W8 – in homöopathischen Dosen, weshalb er schon fast vergessen ist. Ein Schicksal, das der neue Ober-Passat nicht teilen soll: Ihn drückt ein 250 PS starker Sechszylinder- Motor mit Benzin-Direkteinspritzung an. Auf Anhieb erkennbar ist das allerdings nur daran, dass sich ein Passat V6 im Rückspiegel schneller vergrößert als seine volkstümlicheren Kollegen. Provozierend schneller, wie der alltägliche Umgang mit dem neuen Leistungsträger verrät.

Die Verblüffung der Umwelt ist nicht billig: Der stärkste Passat Variant kostet mindestens 36 135 Euro, es gibt ihn erst ab dem mittleren Comfortline- Ausstattungslevel. Aber wirklich passen will es zu einem Sport-Kombi mit Premium-Ambitionen nicht: Details wie das nüchterne Plastik-Volant ohne Multifunktions-Tasten und auch die etwas tristen Stoffpolster legen den Blick in die Mehrpreis-Liste nah. Oder gleich die Wahl des Highline-Pakets – für 2240 Euro extra. Unter 40 000 Euro werden V6-Käufer jedenfalls kaum wegkommen. Und selbst dann bleibt der Gala-Passat ein Auto, das seine bodenständige Herkunft verrät. Er ist rundum solide verarbeitet, aber nicht raffiniert: Hartes Plastik und nicht vollkommen präzise eingepasste Edelholz-Applikationen – Serie bei Highline, Option bei Comfortline – beweisen es. Immerhin gehört der permanente Allradantrieb namens 4motion zur Serienausstattung: Er verteilt die Antriebskräfte neuerdings nicht mehr per Torsen-Differenzial, sondern mit Hilfe einer Haldex-Kupplung.

Die Passagiere bekommen das nicht mit – bis der starke Passat sich wie ein Maniac durch Schlamm und Schnee wühlt. Auch die milderen Modelle mit 140-PS-TDIund 150-PS-FSI-Motor gibt es als Allrad- Version, allerdings nur gegen 1725 Euro Aufpreis und nicht in Verbindung mit dem automatischen DSG-Getriebe, das bei der 250-PS-Version ausschließlich zu haben ist. Vor allem: Der Seitenblick zum Wettbewerb zeigt, dass gleich starke Groß-Kombis in der Regel rund 10.000 Euro teurer sind.

Einen Audi A6 3.2 FSI Quattro Avant mit Automatik gibt es nicht unter 48 000 Euro. Und nur dem ebenfalls deutlich teureren T-Modell der E-Klasse gelingt es, das stattliche Kofferraumvolumen des Passat zu toppen.

Die Gepäckhöhle ist trotz der Raumforderungen des Allradantriebs nicht viel kleiner geworden: 588 Liter Basis-Kofferraum sind noch immer ein ausgezeichneter Wert, ebenso wie über 1000 Liter Erweiterungspotenzial. Auch das generöse Raumangebot für die Passagiere nähert den Passat an die Premium-Klasse an – ebenso wie seine Anhängelast von 2200 Kilogramm. Allerdings muss sich der 3,2-Liter- Motor auch mit einem Leergewicht von gut 1,7 Tonnen befassen. Es ist ihm anzumerken, dass er nicht dem entspanntesten Job nachgeht. Gerade das Marktsegment der großen Kombis ist es ja, in dem der massive Schub großer Dieselmotoren die Wahrnehmungs-Maßstäbe verschoben hat. Tatsächlich entwickelt schon der etwas antiquierte 140-PS-TDI mit Partikelfilter, eine populäre Antriebsquelle des Passat-Programms, fast ebenso viel maximales Drehmoment wie das Spitzen-Triebwerk: Es sind 320 Newtonmeter statt 330 beim 3.2, nur lässt sie der Ölbrenner schon bei 1800 Umdrehungen auf die Vorderräder los, während der V6 seine Erfüllung erst findet, wenn die Kurbelwelle bereits 2750 Mal rotiert. Darunter wirkt er, ganz in der Tradition sportlicher Antriebe, etwas uninspiriert.

Der Blick auf seine Elastizitätswerte hellt die Laune in etwa so auf wie ein Spätherbsttag in Delmenhorst. Der V6 legt stattdessen Wert darauf, getreten zu werden, hält damit das automatisierte Doppel-Kupplungsgetriebe bei temperamentvoller Gangart auf Trab wie einen Assistenzarzt im Krankenhaus-Notdienst und steigert das leise Hauchen seiner Aussprache in ein heiseres Grummeln. Gestresste Motoren klingen zwar anders, aber richtig leise geht es an Bord des Passat nicht zu. Zumal den Insassen bei Geschwindigkeiten über 160 km/h auch noch der Wind ein Lied erzählt. Dass sich der volle Einsatz lohnt, zeigen die Beschleunigungswerte.

Ein Golf GTI erreicht die 100er-Markierung aus dem Stand erst zwei Zehntel nach dem Passat Variant: Der benötigt genau sieben Sekunden.

Und es würde, logisch, schon den Golf R 32 brauchen, um dem Passat 3.2 FSI mit seiner Höchstgeschwindigkeit von 243 km/h dauerhaft davonzufahren. Allerdings darf auf sein Leistungskonto auch ordentlich eingezahlt werden – in der Währung Super Plus: Phlegmatikern mag es zwar gelingen, die Zehn-Liter-Grenze zu unterbieten, aber bereits flüssige Fernfahrten fordern zwölf bis 13 Liter. Wer das Gaspedal häufiger in die Auslegeware stemmt, verbrennt 15 Liter und mehr.

Den schnellen Reiseschnitt stört ein Aktionsradius von nur rund 500 Kilometern. Dabei sind gerade die großen Törns seine Stärke, weil er auch in der Spitzenversion zu den geschmeidig federnden und betont komfortablen Typen zählt. Forciertes Landstraßen-Glühen hingegen zeigt deutlich, dass er keiner Leistungssportler-Dynastie entstammt: Speziell die Reaktion seiner Lenkung wirkt eine Spur zu verzögert. Ein Meister des leichtfüßigen Handlings ist er nicht, aber ein fahrsicheres Auto: Schnelle Kurven geht er harmlos untersteuernd an, Extrem-Lastwechsel lassen ihn ganz kurz mit dem Heck zucken, bevor das ESP mit sanfter Entschiedenheit einschreitet.

Das Wort „aber“ wird in seinem Leben eine gewisse Rolle spielen: Ein reizvolles Auto ist er, aber kein wirklich betörendes. Ein Schnäppchen, aber eines für Besserverdiener. Ein Multifunktions-Werkzeug für Genießer des Understatements: nicht vollkommen, aber fast aufreizend dezent. Man muss auf der linken Spur wohl nicht ständig mit ihm rechnen: Das allerdings lässt sich auch zu seinen Vorzügen zählen.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • –sehr großzügige Platzverhältnisse –großer Kofferraum –solide Verarbeitung
  • –nach vorne unübersichtlich
Fahrkomfort
  • –harmonische Federungsabstimmung –bequeme Sitze
  • –Windgeräusche bei hohem Tempo
Antrieb
  • –sehr gute Fahrleistungen –schnelle, ruckfreie Gangwechsel –hohe Anhängelast
  • –relativ kleiner Aktionsradius (ca. 500 Kilometer)
Fahreigenschaften
  • –sehr gute Traktion –sichere Fahreigenschaften
  • –etwas indifferente Lenkung
Sicherheit
  • –standfeste Bremsen –umfangreiche Sicherheitsausstattung
Umwelt
  • –hoher Verbrauch (Super Plus)
Kosten
  • –attraktiver Preis –lange Wartungsintervalle
  • –relativ hoher Wertverlust zu erwarten

Fazit

Ein reizvolles Nischenmodell: Der Passat Variant V6 FSI 4Motion bietet starke Fahrleistungen, hohen Wohnwert und guten Komfort. Vergnügliches Handling und Sparsamkeit sind seine Stärken nicht.

Technische Daten
VW Passat Variant 3.2 V6 FSI DSG 4Motion Comfortline
Grundpreis 39.400 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4774 x 1820 x 1517 mm
KofferraumvolumenVDA 588 bis 1716 l
Hubraum / Motor 3168 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 184 kW / 250 PS bei 6250 U/min
Höchstgeschwindigkeit 243 km/h
0-100 km/h 7,0 s
Verbrauch 10,1 l/100 km
Testverbrauch 13,3 l/100 km
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