VW Passat gegen Mercedes C 220

Rennzeichen D

Foto: Hans-Dieter Seufert 29 Bilder

Wer eine sparsame Diesel-Limousine mit Raum, Kraft und Temperament sucht, findet im bewährten Mercedes C220 CDI mit 150 PS und im VW Passat mit dem neuen 170-PS-TDI zwei attraktive Alternativen.

Mittelklasse-Diesel aus deutscher Produktion sind die Renner. Und das ist durchaus doppeldeutig zu verstehen. Denn sie rangieren nicht nur in der Zulassungsstatistik weit oben, sondern können mit Leistungen von 150 PS und mehr auch auf der Straße richtig flott bewegt werden.

Das trifft vor allem auf den Passat TDI mit dem roten „I“ auf dem Heckdeckel zu. Denn dessen Zweiliter- Vierventiler leistet dank piezogesteuerten Pumpe-Düse-Injektoren nunmehr 170 PS. Nachdem sich das Triebwerk schon im Golf bestens in Szene setzen konnte (siehe Heft 7/2006), muss es nun beweisen, wie es zu der größeren und schwereren Limousine passt.

Als Maßstab dient dabei der seit Jahren bewährte Mercedes C 220 CDI, dessen 2,2- Liter-Common-Rail-Aggregat 150 PS leistet. Trotz der geringeren Leistung muss man für die C-Klasse mehr Geld hinblättern: Knapp 32 600 Euro werden für das Basismodell Classic mit Sechsgang-Handschaltung fällig, während der Passat 2.0 TDI in der Sportline- Ausführung für 29 125 Euro zum Test antritt. Passend dazu präsentiert sich auch der Motor im Passat von seiner sportlichen Seite.

Denn er zeichnet sich besonders durch eine bei manchen Dieselmotoren vermisste Drehfreude aus. Hier hat man bei 4000 Touren nicht das Gefühl, gegen eine Gummiwand zu fahren. Im Gegenteil: Wer den roten Bereich ignoriert, kann den Vierzylinder mühelos auf fast 5000/min beschleunigen. Trotzdem kommt auch die Paradedisziplin moderner Turbodiesel, der bärenstarke Durchzug, nicht zu kurz. Hier nimmt er dem Mercedes wertvolle Sekunden und damit Punkte ab. Ganz zu schweigen vom deutlich flotteren Spurtvermögen des Power-TDI. Besonders der vehemente Antritt bei Drehzahlen unter der 2000er-Marke ist bemerkenswert.

Allerdings gelingt es nicht immer, die überfallartig einsetzende Leistung gefühlvoll zu dosieren, was Beifahrer mitunter um eine ruhigere Fahrweise bitten lässt. Auch akustisch drängt sich das Pumpe- Düse-Triebwerk mit seinem härter klingenden Verbrennungsgeräusch manchmal aufdringlich in den Vordergrund. In seiner Abstufung perfekt auf den Motor abgestimmt ist das knackig und exakt schaltbare Sechsganggetriebe.

Auch die Mercedes-Schaltbox harmoniert prächtig mit dem CDI-Motor, Punktabzug gibt es jedoch wegen des nicht so präzise geführten Schalthebels und der längeren Wege. Dafür entfaltet der Mercedes-Vierzylinder seine Kraft kultivierter und harmonischer.

Er muss sich aber – obwohl beim Fahrer subjektiv nie das Gefühl von Leistungsmangel aufkommt – nicht nur beim Temperament dem TDI geschlagen geben, sondern auch beim Verbrauch. Besonders dem Passat gebührt in dieser Disziplin mit 7,7 Liter je 100 Kilometer angesichts der gebotenen Leistung hohe Anerkennung. Zudem gibt es bei VW für weniger Geld nicht nur mehr Leistung, sondern auch mehr Platz als im Mercedes. Das verwundert nicht, ist doch die Mercedes C-Klasse schon von ihren äußeren Abmessungen her das deutlich kleinere Auto. Besonders in der zweiten Reihe erreicht das Platzangebot im Passat beinahe Oberklasse- Format.

Auf allen Plätzen genießt man im VW außerdem ein luftigeres Raumgefühl. Darüber hinaus sitzen die Passagiere im VW-Fond kommoder als im engen Heckabteil des Mercedes. Auf den vorderen Sitzen verhält es sich umgekehrt. Die bei der Sportline-Ausstattung serienmäßigen Sportsitze des VW können im Komfort nicht mit den bequemen Mercedes- Sesseln mithalten. Das straff gepolsterte Passat-Gestühl stützt zwar den Rücken auch bei dynamischer Fahrweise sehr gut ab, störend ist aber die harte Sitzvorderkante, die unangenehm gegen die Unterseite der Oberschenkel drückt.

Auf annähernd gleichem Niveau bewegen sich die beiden Kandidaten wiederum bei der funktionalen Gestaltung der Cockpits. Die Instrumente sind klar ablesbar, die meisten Schalter gut erreichbar. Der Vorteil des elektronischen Schlüssels beim Passat, der zum Starten in einen Schlitz gesteckt und gedrückt werden muss, erschließt sich allerdings nicht. Im Mercedes-Innenraum geht es sehr gediegen zu. Hier zeigt sich die Ausgereiftheit der C-Klasse durch ordentliche Verarbeitung und stimmige Materialauswahl. Das ist beim VW nicht unbedingt der Fall – angefangen beim Hartplastik für Teile der Türverkleidung bis hin zu dem gewöhnungsbedürftigen Material- und Farbmix durch die grauen und silbernen Einlagen im Metall-Look in der ansonsten in Schwarz und Beige gehaltenen Armaturentafel.

Das soll vielleicht jung und dynamisch wirken, passt aber nicht zusammen. Viel eher treffen diese Attribute auf das Fahrverhalten zu, auch weil zum Serienumfang des Passat Sportline ein Sportfahrwerk gehört.

Sogar im flotten Kurvengeschlängel auf kleinen Nebenstraßen merkt man kaum, dass man eine ausgewachsene Limousine mit mehr als 1,5 Tonnen pilotiert. Die elektrische Servolenkung spricht spontan an und vermittelt eine gute Rückmeldung. Das Kurvenverhalten ist weit gehend neutral, und auch bei abrupten Lastwechseln kommen keine bösen Überraschungen auf den Fahrer zu. Die Kehrseite der Medaille: Die straffe Abstimmung des Sportfahrwerks schränkt das Ansprechverhalten der Federung vor allem auf kurzen Bodenunebenheiten stark ein. Das ist besonders bei langen Strecken auf der Autobahn auf Dauer sehr störend. In puncto Abrollkomfort reicht der Passat ebenfalls nicht an die C-Klasse mit ihrer geschmeidig arbeitenden Federung heran.

Erwartungsgemäß wirkt der Mercedes nicht so agil wie der VW, obwohl auch die C-Klasse nach der Modellpflege an Fahrpräzision gewonnen hat. Die Lenkung arbeitet aber indirekter und weniger zielgenau als die des VW. Außerdem baut die Karosserie in Kurven deutlich mehr Seitenneigung auf.

So geht dieses Mal das Duell VW gegen Mercedes am Ende zugunsten des rund fünf Jahre jüngeren und deutlich geräumigeren Passat aus. Großen Anteil daran hat aber auch der neue, temperamentvolle Motor, mit dem der Passat zum Renner unter den deutschen Mittelklasse-Dieseln avanciert.

Fazit

1. VW Passat 2.0 TDI Sportline
516 Punkte

Der Passat punktet vor allem mit seinem üppigen Raumangebot, dem starken, sparsamen Motor sowie dem günstigeren Preis. Beim Komfort überzeugt das Sportfahrwerk nicht, beim Handling schon.

2. Mercedes C 220 CDI Classic
492 Punkte

Die Stärke der C-Klasse ist der hohe Fahrkomfort in Verbindung mit guten Fahreigenschaften. Dem Motor fehlt es im direkten Vergleich an Leistung. Größtes Manko ist die knapper geschnittene Karosserie.

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Technische Daten
Mercedes C 220 CDI Classic VW Passat 2.0 TDI Sportline
Grundpreis 32.828 € 31.025 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4526 x 1728 x 1426 mm 4765 x 1820 x 1472 mm
KofferraumvolumenVDA 455 l 565 l
Hubraum / Motor 2148 cm³ / 4-Zylinder 1968 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 110 kW / 150 PS bei 4200 U/min 125 kW / 170 PS bei 4200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 224 km/h 223 km/h
0-100 km/h 9,7 s 8,3 s
Verbrauch 6,4 l/100 km 6,2 l/100 km
Testverbrauch 8,2 l/100 km 7,7 l/100 km
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