VW Passat gegen Toyota Avensis

Kombi-Duell

Foto: Achim Hartmann 23 Bilder

Viel Platz, wenig Verbrauch: Nach diesem Konzept sind sowohl Toyota Avensis Combi als auch VW Passat Variant gestrickt. Die Frage ist nur: Wie kommen die Lademeister mit den Basis-Dieselmotoren zurecht?

Von Familie gesucht: flexibler, treuer und zuverlässiger Begleiter mit Herz für Kinder und Hund. Gibt’s nicht, könnte man meinen, zumindest nicht auf dem Stellenmarkt. Auf dem Automarkt stehen die Chancen jedoch gar nicht schlecht. Denn wer eher nach inneren Werten als nach äußeren Reizen Ausschau hält, findet sie noch – die ganz normalen, praktischen und dienstbaren Kombis, die sich nicht nur dem Transport sportlicher Emotionen verschrieben haben. Sie heißen Toyota Avensis Combi 2.0 D-4D oder VW Passat Variant 1.9 TDI und kokettieren mit sichtbarem Nutzwert, wie schon ihre voluminösen Heckpartien zu erkennen geben. Doch während der Passat selbstbewusst dreinschaut und mit seinem chromblitzenden Grill sogar an den Phaeton erinnert, ist der Avensis Understatement pur. Modische Details sucht man hier – abgesehen von den LED-Leuchten in den Seitenblinkern – vergeblich. Einen Dumpingpreis allerdings auch.

Mit dem neuen Einstiegsdiesel steht der Toyota für mindestens 24 300 Euro in der Liste, bei der getesteten Executive- Version sind es stolze 27 400 Euro. Dass VW für den vergleichbaren Passat Variant 1.9 TDI Comfortline 700 Euro weniger berechnet, ist freilich nur scheinbar ein Vorzug. Denn mit allem ausgerüstet, was der Avensis frei Haus mitbringt (Klimaautomatik, Sitzheizung, Xenonlicht etc.), kommen beim VW rund 3600 Euro hinzu.

Mit seinen etwas üppigeren Dimensionen sammelt er hingegen beim Raumangebot Pluspunkte. Kopf- und Kniefreiheit sind zwar in beiden Modellen zufriedenstellend, doch Menschen mit langen Beinen finden im Passat-Fond mehr Platz. Gleiches gilt für das Gepäck: Statt 520 bis 1500 Liter (Avensis) passen hier 603 bis 1731 Liter ins Heck, und die Zuladung darf 568 statt 432 Kilogramm betragen. Auch die Anhängelast ist größer bemessen (1500 statt 1300 Kilogramm).

Die asymmetrisch geteilten Rücksitze lassen sich jeweils leicht umlegen, wobei im Toyota die Kopfstützen entfernt werden müssen. Störender ist allerdings, dass die Heckklappe nur etwa 1,70 Meter hochfährt und große Menschen Gefahr laufen, sich an ihr den Kopf zu stoßen. Solche Probleme gibt es beim VW kaum, doch da nur die Fondlehne vorgeklappt werden kann, steigt die Ladefläche nach vorn etwas an.
In puncto Materialanmutung und Ergonomie setzt der Passat indes die Maßstäbe. Die Oberflächen wirken hochwertig und penibel verarbeitet, die Bedienungselemente sauber gegliedert und gestaltet. Wermutstropfen sind allein das zu tief platzierte Display des Infotainmentsystems und der hohe Mitteltunnel. Im direkten Vergleich macht das Avensis-Cockpit optisch eher einen tristen Eindruck. Ablagen sind etwas weniger vorhanden, und auch die Bedienung von Klimaanlage, Radio oder Navigation gelingt nicht so intuitiv und schnell wie im Volkswagen.

Ansonsten bewegen sich Verarbeitung und Funktionalität auf gleichem Niveau, auch die Sitze bieten jeweils genügend Seitenhalt und Auflagefläche. Besonders ältere Fahrer werden die höhere Sitzposition im Toyota zu schätzen wissen, die niedrigen Innengeräusche sowieso: Er ist – nicht zuletzt dank aufwendiger Türisolierung und vieler Dämmstoffe – verblüffend leise. Windgeräusche wie beim Passat oder gar die rege Anteilnahme am Schaffen des Motors: Fehlanzeige. Selbst bei hohem Tempo bleibt es ruhig im Innern. Das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit wird verstärkt durch serienmäßige Knieairbags für den Fahrer, die beim VW nicht zu haben sind. Andererseits gibt es dessen optionale Seitenairbags im Fond für den Avensis nicht.

Auch bei den Antriebseinheiten verfolgen die beiden Hersteller unterschiedliche Wege. Im VW lärmt der bekannte 1,9- Liter-TDI mit 105 PS und 250 Nm bei 1900 Umdrehungen, der seine besten Zeiten hinter sich hat: mit nur zwei Ventilen pro Zylinder, der hart nagelnden Dieselverbrennung infolge des Pumpe-Düse-Prinzips und ohne Ausgleichswellen. Zu allem Überfluss stehen die Fahrleistungen in umgekehrtem Verhältnis zur Geräuschentfaltung: Der Vierzylinder hat eine leichte Anfahrschwäche, beschleunigt nur mit Mühe und wirkt obenrum sehr schlapp

Diese Unlust ist beim neuen Avensis-Motor nicht festzustellen: Trotz fehlender Ausgleichswellen läuft der Zweiliter-Vierventiler mit 126 PS wie ein Uhrwerk; beim Spurt von null auf hundert ist er fast zwei Sekunden schneller als der Passat. Schon unter 2000/min zieht er ordentlich durch und lässt sich bis über 5000 Touren drehen. Dazu glänzt er über einen weiten Bereich mit einem Drehmoment von 300 Nm und ist serienmäßig mit einem Partikelfilter ausgestattet, der bei VW extra kostet. Allerdings muss man im Gegensatz zum Passat mit langen Schaltwegen und einer reichlich schwammigen Führung leben.  Ohnehin ist beim Toyota nicht alles so gelungen wie der Motor. Der große Wendekreis (12,2 Meter) und die indirekte Lenkung, die überdies Antriebs- und Fahrbahneinflüsse durchlässt, machen ihn vergleichsweise unhandlich. Sein komfortbetontes Fahrwerk sorgt speziell beim Spurwechsel und in Kurven für deutliche Karosseriebewegungen. Immerhin ist es seit der Modellpflege im Frühjahr 2006 etwas fahraktiver ausgelegt, ohne den Komfort nennenswert zu schmälern.

Der etwas straffere Passat federt dennoch souveräner, lässt sich selbst von hoher Zuladung nicht erschüttern. Mit seinem neutralen Kurvenverhalten und der exakten, gefühlvollen Lenkung bereitet er durchaus Fahrvergnügen – unterstützt vom perfekt abgestimmten ESP und von kräftigen, standfesten Bremsen, die zwar nicht besser verzögern als die im Avensis, aber viel präziser dosierbar sind.

Stellt sich nur noch die Frage, wer denn nun den Job als Familienbegleiter bekommt. Wenn Preis, Ausstattung und ein leiser, kräftiger Motor den Ausschlag geben, wird der Toyota engagiert. Der VW bringt zwar weniger Temperament und mehr Krach in die Bude, überzeugt aber am Ende mit seinem höheren Nutzwert und dem agilen Fahrwerk. 

Fazit

1. Toyota Avensis Combi 2.0 D-4D
469 Punkte

In seinen Kombi- und Fahreigenschaften ist der Avensis klar unterlegen. Dafür entschädigt er mit einem kultivierten, kräftigen und sparsamen Diesel, reichhaltiger Serienausstattung sowie Drei-Jahres-Garantie.

2. VW Passat Variant 1.9 TDI Comfortline
477 Punkte

Mit knappem Vorsprung gewinnt der Passat. Seine Stärken liegen im Fahrwerk, in der Bediensicherheit und im Raumangebot. Der laute 1.9 TDI-Motor wirkt schlapp, empfehlenswerter ist der teurere Zweiliter-TDI.

Technische Daten
Toyota Avensis Combi 2.0 D-4D Executive VW Passat Variant 1.9 TDI Comfortline
Grundpreis 30.450 € 27.675 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4715 x 1760 x 1525 mm 4774 x 1820 x 1517 mm
KofferraumvolumenVDA 520 bis 1500 l 603 bis 1731 l
Hubraum / Motor 1998 cm³ / 4-Zylinder 1896 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 93 kW / 126 PS bei 3600 U/min 77 kW / 105 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h 185 km/h
0-100 km/h 11,5 s 13,3 s
Verbrauch 5,9 l/100 km 6,6 l/100 km
Testverbrauch 7,9 l/100 km 8,3 l/100 km
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