VW Passat Variant 2.0 TDI im Test

Platz-Segen

Foto: Achim Hartmann 18 Bilder

Wichtiger als die Limousine war beim VW Passat immer schon der Kombi. Die Version mit dem Zweiliter-TDI-Motor und Partikelfilter zeigt, wie gut der neue Variant gelungen ist.

Wer Passat sagt, meint meistens Variant. Offensichtlich wird der Mittelklasse-VW erst mit dem Kombi-Heck für das Gros der Kunden so richtig interessant. Verkaufszahlen der vorangegangenen Modellreihen belegen diese Aussage, denn zeitweise wurden vier Mal so viele Variant-Modelle wie Limousinen verkauft.

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Damit das Interesse an der Stufenheck-Version dennoch nicht völlig erlahmt, greift VW zu einem Kunstkniff: Erst wird ausschließlich die Limousine angeboten, der Kombi folgt dann einige Zeit später. Beim aktuellen Modell ist es nicht anders. Ab August kommt der Variant zu den Händlern, zunächst mit drei Benzinund zwei Dieselmotoren. Die Preise beginnen bei 22 900 Euro.

Wer einen Diesel mit Partikelfilter möchte, der muss zur 140-PS-Version greifen. Nach einer VW-Einschätzung werden das die meisten Kunden tun. Auch der Testwagen wird von diesem Motor angetrieben und ist mit dem Comfortline- Paket ausgestattet – er kostet 28 310 Euro. VW-typisch mager fällt die Serienausstattung aus, wenn man einmal von den Sicherheitsextras absieht.

In der Zubehör-Preisliste vermisst man freilich wenig, wobei das 2670 Euro teure DVD-Navigationssystem leider keine CDs abspielt. Soll Musik vom Silberling kommen, muss man den CDWechsler für 340 Euro mitbestellen. Der wird immerhin im Handschuhfach montiert und nicht, wie bei Konkurrenzmodellen, im Kofferraum. Widmen wir uns zunächst der Schokoladenseite des Variant: seinem Heck. Während der lange hintere Überhang der Limousine auf Kritik stößt, wirkt er beim Kombi harmonisch und wie das Versprechen für Platz in rauen Mengen.

Den gibt es tatsächlich, denn das Passat-Gepäckabteil fasst bis zu 1731 Liter. Aber Platz ist nur die halbe Miete, wenn er sich erst unter Verrenkungen nutzen lässt. Gute Kombis erleichtern das Beladen durch eine niedrige Ladekante und eine gleichermaßen ebene wie breite Ladefläche ohne starke Einzüge durch störende Fahrwerksdome.

So wie der Passat: Seine 40 zu 60 geteilte Rückbank-Sitzfläche kann aufgestellt werden, so dass sich nach Umlegen der ebenfalls teilbaren Lehne ein völlig ebener Ladeboden ergibt. Die hinteren Kopfstützen müssen dazu entfernt werden.

Damit sie nicht lose im Auto herumliegen, kann man sie in spezielle Halterungen stecken. Unter dem hinteren Bereich der Ladefläche befindet sich ein weiteres Staufach: die Ersatzradmulde. Ein Reifenflickset – Reifen mit Notlaufeigenschaften gibt es gegen Aufpreis – macht ihre Nutzung als Gepäckraum möglich. Ausklappbare Haken an den Kofferraum- Seitenwänden erleichtern außerdem den Transport von Einkaufstüten.

Viel weitreichender sind jedoch die Möglichkeiten, die das aufpreispflichtige Gepäckmanagement-Paket bietet. In zwei soliden Aluminiumschienen lassen sich vier massive Zurrösen an beliebiger Stelle fixieren. Dazu gibt es eine Alu-Teleskopstange und einen flexiblen Spanngurt zum Sichern von Gepäck. Leider entpuppen sich die Plastikhalter dieser Teile als wenig stabil. Ob sie den hohen Belastungen, wie sie bei einem Unfall auftreten, gewachsen sind, darf bezweifelt werden.

Viel Platz verführt dazu, bis zum maximalen Gesamtgewicht Gepäck ins Heck zu laden. Die Fahrsicherheit des Variant leidet darunter aber nicht. Bei sehr zügig angegangenen Kurven, in denen plötzlich verzögert werden muss, zeigt er zwar Lastwechselreaktionen und übersteuert ganz leicht, bevor das ESP sanft zu regeln beginnt, aber es fehlt jede Tücke. Ohne Zusatzgewicht im Kofferraum verhält sich der Variant sehr ähnlich, allerdings drängt das Heck dann eine Spur weniger nach außen.

Mit viel Last auf der Hinterhand verschlechtert sich zwar die Traktion beim Herausbeschleunigen aus Kurven, bei einem Familienkombi ist dies allerdings leicht zu verschmerzen. Ohnehin bremst die Antriebsschlupf- Regelung durchdrehende Räder wirkungsvoll ein. Viel Gewicht an Bord bringt jedoch auch Vorteile, denn der Federungskomfort verbessert sich etwas. Nicht dass sich an der Fahrwerksabstimmung viel aussetzen ließe, der Kombi- Passat glättet die Straßenoberflächen mit großem Geschick.

Aber unbeladen stuckert die Vorderachse leicht über Kanaldeckel hinweg. Packt man nun ordentlich Last ins Auto, überrollt er auch solche Verwerfungen geschmeidiger. Übrigens ohne bei groben Löchern in der Chaussee bis auf die Gummipuffer durchzuschlagen. Zum guten Federungskomfort passen die kommoden Sitze. Viel Oberschenkel-Auflage, bequeme, aber nicht zu weiche Flächen und Lehnen zusammen mit dem sehr großen Verstellbereich lassen kleine wie große Passagiere eine langstreckentaugliche Sitzposition finden. Der Fahrersitz ist auch in der Basisausführung mit einer elektrischen Lordosenstütze ausgestattet.

An Platz für vier Erwachsene herrscht im Passat kein Mangel. Im Fond ist zudem mehr Kopffreiheit vorhanden als in der Limousine. Dass die Kopffreiheit gegenüber dem Vorgänger über den Vordersitzen um vier Zentimeter reduziert wurde, stört erst ab einer Körpergröße von über zwei Metern. Die Armaturentafel ist bereits aus dem Stufenheck-Modell bekannt. Sie ist funktional und trotzdem elegant gestaltet, gut verarbeitet und stellt auch Passat-Novizen nicht vor unlösbare Bedienprobleme.

Zwei Eigenarten weist die neue Generation allerdings auf. Sie verfügt über eine elektrische Parkbremse, die per Knopfdruck an der linken Seite des Armaturenbretts aktiviert wird. Gegen Aufpreis lässt sich die E-Bremse mit einer Zusatzfunktion kombinieren, die das Zurückrollen beim Anfahren am Berg verhindert.

Rechts vom Lenkrad findet sich das zweite ungewohnte Element. Nicht etwa ein Zündschloss sitzt hier, sondern ein Schlitz, in den sich ein Sender im doppelten Streichholzschachtel- Format drücken lässt, um den Motor zu starten. Der hinterlässt im Testwagen einen zwiespältigen Eindruck. Er ist zwar auf der einen Seite kräftig und harmoniert gut mit dem präzise schaltbaren Sechsganggetriebe, überrascht aber andererseits mit einer Anfahrschwäche, die deutlicher ausfällt, als man dies von modernen Dieseln gewohnt ist.

Allerdings ist dieser Motor mit seinem Zweiventil-Zylinderkopf auch schon eine angejahrte Konstruktion. VW hat zwar außerdem eine ebenfalls 140 PS starke Zweiliter-Vierventil-Alternative im Programm, aber die wird nicht mit Partikelfilter angeboten. Die Befürchtung, dass der Rußfilter den Verbrauch stark nach oben treiben könnte, ist unbegründet.

Der Variant konsumiert im Testmittel moderate acht L/100 km, sein Minimal-Verbrauch liegt sogar bei vorbildlich niedrigen 4,8 L/100 km. Leider brummt der Zweiliter-Vierzylinder fast über das gesamte Drehzahlband mehr oder weniger unangenehm, was auch deshalb auffällt, weil die Wind- und Abrollgeräusche niedrig sind.

Immerhin sind kaum Vibrationen zu spüren. Alles in allem ist der Passat Variant komfortabel wie eine Limousine, verfügt über ein Ladevolumen, das manchem Van gut stehen würde, und hat einen niedrigen Verbrauch auf Kompaktwagen- Niveau. Eine ganz eigene Interpretation von Variabilität.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • –sehr gute Platzverhältnisse –großer Kofferraum –solide Verarbeitung –hohe Zuladung
  • –nach vorn unübersichtlich
Fahrkomfort
  • –guter Federungskomfort auch voll beladen –bequeme Sitze
  • –leichtes Vorderachs-Stuckern
Antrieb
  • –gute Fahrleistungen –gutes Ansprechverhalten –exakte Schaltung
  • –Anfahrschwäche –brummiger Lauf
Fahreigenschaften
  • –neutrales Kurvenverhalten –gute Handlichkeit –präzise Lenkung mit guter Rückmeldung
Sicherheit
  • –standfeste Bremsen –gute Sicherheitsausstattung
Umwelt
  • –sparsamer Verbrauch
  • –Partikelfilter gegen Aufpreis
Kosten
  • –relativ geringer Wertverlust –lange Wartungsintervalle
  • –magere Serienausstattung

Fazit

Viel Platz, hohe Zuladung, gute Verabeitung und sämiger Federungskomfort sprechen für den Passat Variant. Sein Motor ist zwar sparsam, aber brummig, was ihn den fünften Stern kostet.

Technische Daten
VW Passat Variant 2.0 TDI Comfortline
Grundpreis 30.000 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4774 x 1820 x 1517 mm
KofferraumvolumenVDA 603 bis 1731 l
Hubraum / Motor 1968 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 103 kW / 140 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 206 km/h
0-100 km/h 10,7 s
Verbrauch 6,1 l/100 km
Testverbrauch 8,0 l/100 km
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