VW Polo 1.4 16V Highline im Test

Grüner Bereich

VW Polo 1.4

Für manchen VW-Fahrer ist der Polo der wahre Volkswagen. 100.000 Kilometer mit dem VW Polo 1.4 zeigen, wie gut man mit einem modernen Kleinwagen unterwegs ist und was das kostet.

Fast zwei Jahre ist er in Diensten der Redaktion, ein metallicblauer Polo in Highline-Version und mit jenem 75 PS starken Konzern- Vierzylinder, der in der Ottomotoren- Hierarchie über den beiden Dreizylindern mit 55 und 65 PS liegt. Der optisch unauffällige Viertürer ist mit ein paar auch in Highline-Version nicht serienmäßigen Extras, wie CD-Wechsler, Radio-Navigation oder Tempomat, ein 20 000- Euro-Auto. Die Klimaanlage muss im Juli 2002 noch mit fast 1200 Euro extra bezahlt werden. Inzwischen gehört die einfache, Climatic genannte Anlage zum Serienumfang, die Climatronic kostet 280 Euro Aufpreis.

Erfreulicherweise ist der Testwagenpreis über die Jahre sogar gesunken. Das ändert nichts daran, dass ein besser ausgestatteter Polo teuer ist und, wie hier erlebt, mit rund 55 Prozent Wertverlust nach Ablauf der 100 000 Kilometer überdurchschnittlich an Wert einbüßt. Schätzpreis 9112 Euro – nebenbei wieder einmal ein Beweis dafür, dass sich hoher Ausstattungsumfang beim Wiederverkauf nicht lohnt.

Der Preis ist nicht kleinwagengemäß, da stellt sich natürlich die Frage, ob der neue Polo überhaupt ein Kleinwagen ist. Schon das Gewicht von fast 1,2 Tonnen gibt da eine andere Antwort. Hier steht, beinahe genauso groß wie einst der Golf II , ein vollwertiges Auto auf den Rädern, das schon dem Golf IV Konkurrenz in den eigenen Reihen beschert und gewiss den einen oder anderen auch vom aktuellen Golf weglocken wird.

Das Erwachsensein dokumentiert sich nicht nur in dem guten Raumangebot, sondern es zeigt sich auch in der Befindlichkeit der Karosse. Stünde da nicht bleich die Ziffer 104 750 auf dem Zähler, man könnte den Dauertest-Polo nach dem letzten Durchgang in der Schnellwäsche auch auf nur 27 000 Kilometer schätzen. Ein leichter Modergeruch ist das offensichtlichste Zeichen der Alterung – nichts klappert, nichts graunzt, die Standard gewordenen Kunststoff-Materialien im Interieur zeigen ihre gewohnte Gräue. An Ablagen herrscht kein Mangel, auch dies lernt man bei einer 100 000-Kilometer- Dienstreise zu schätzen. Zwar hat der Fahrersitz im Lauf der Zeit nachgegeben, doch dies ändert nichts am sehr guten Sitzkomfort und der ausgezeichneten Seitenführung.

Auch hier ist nichts kleinwagenhaftes zu erkennen, erst recht nicht beim überragenden Federungskomfort – mit der beste, den man in dieser Klasse einkaufen kann. Die komfortable Abstimmung der Polo-Federung ist es auch, die zusammen mit den guten Sitzen für aus geprägte Fernreise-Präferenz sorgt. Von Stuttgart nach Mailand, von Hamburg nach München, dies alles lässt sich ohne Strapazen erfahren.

Der Vierzylinder mit seinen vier Ventilen pro Zylinder ist auch im Komfortsinn eine adäquate Antriebsquelle, unaufdringlich im Geräusch, schwingungsarm, leistungsmäßig allerdings nicht gerade ein Reißer. Aber er hängt gut am Gas und ist drehfreudig. Man kommt zusammen mit dem gut gestuften Fünfganggetriebe zügig voran und, wie die Störungsliste zeigt, auch immer ans Ziel. Ein einziges Mal wird die Sache mit dem Ankommen allerdings eng. Rund dreiviertel der Distanz sind schon zurückgelegt, da meldet sich der Motor zusammen mit der schrillen Motorwarnleuchte nach dem Kaltstart morgens nur mit wenigen Zylindern. Die VW-Werkstatt in Essen liegt lediglich einen Kilometer entfernt und kann noch mit eigener, geschmälerter Kraft angelaufen werden. Eine defekte Zündspule ist die Ursache – ohne sofortige Hilfe wäre der Polo wohl auf der Strecke geblieben.

Es ist nicht der einzige außerplanmäßige Werkstatt- Aufenthalt. Schon bei knapp 13 000 Kilometern muss ein Fensterheber erneuert werden, bei 19 700 wird den Wassereinbrüchen ins Interieur auf den Grund gegangen. Das Abdichten der Karosserie im Kotflügelbereich ist mit 618 Euro der dickste Posten bei den Reparaturkosten, wäre er nicht auf Garantie gegangen. Das gelegentliche Aufleuchten der Motorwarnlampe am Armaturenbrett ist bis zum Zündspulen-Defekt nur adrenalintreibend, aber in Wahrheit ohne Belang. Zwei Mal fallen Glühlampen aus – Zehn-Euro-Rechnungen. Doch dann, gegen Ende der Distanz, wieder etwas Ernstes. Der Anlasser macht unpassende Geräusche und wird, vorsichtshalber und ohne wirklich zu versagen, ausgetauscht.

Die Störungsliste liest sich gleichwohl undramatisch. Nicht alle Volkswagen , die den Dauertest absolvieren, kommen so gut weg. Der Polo beweist, was auch Opel mit dem Corsa immer bewiesen hat, nämlich dass die kleinsten Modelle meist die zuverlässigsten sind. Da ist man nicht gram, wenn zum Schluss noch der Schalthebel getauscht wird, zum Preis von 61 Euro. Er ist nicht zerbrochen, sondern in seiner Einfassung immer scharfkantiger geworden und beginnt, Hände aufzuschlitzen. Auch die Kupplung hat gehalten, trotz einer Eigenart, die nicht nur dem Fahrer, sondern auch ihr selbst das Leben schwer macht. Das Zusammenspiel zwischen Gasgeben und Einkuppeln erfordert Aufmerksamkeit. Oft wird beim Anfahren unnötig viel Gas gegeben und damit Verschleiß gefördert. Ende der Mängelliste und Rügen, Katastrophen fehlen.

Die insgesamt befriedigende Zuverlässigkeit wird wirkungsvoll ergänzt durch eine einfache Bedienung und eine effektive Heizung und Klimaanlage. Wie üblich bei nicht allzu kraftvoll motorisierten Autos spürt man ihr Agieren. Bei vollem Kühleinsatz geht der Motor schwerer – im Übrigen hat er, wie die Leistungsmessungen zu Beginn und am Ende beweisen, an Spurtkraft noch etwas zugelegt. Mit 14 Sekunden von null auf 100 km/h kann man gut leben, ein Durchzugswunder ist der kleine Vierventiler dagegen nicht. Wie üblich setzen hier die Diesel die Maßstäbe. Knapp acht Liter Superbenzin sind es pro 100 Kilometer im Test, aber es können mit zurückhaltendem Gasfuß auch nur sechseinhalb sein. Mit rund dreieinhalb Litern ist die Ölnachfüllmenge vernachlässigbar gering, und nicht besonders hoch liegen auch die Kosten für die alle 30 000 Kilometer fälligen Inspektionen, jeweils einen Ölwechsel eingeschlossen. Beim ersten Service sind es 241 Euro, beim letzten (km-Stand 90 685) 317 Euro. Erfreulicherweise findet sich der Posten für einen Zahnriemenwechsel nicht in der Kosten-Aufstellung. VW schreibt bei diesem Triebwerk nur eine Sichtkontrolle bei 90 000 Kilometern vor, aber keinen Wechsel.

Die Reifen halten überdurchschnittlich lange. Mit den Dunlop SP Sport der Erstausrüstung läuft der Polo über 50 000 Kilometer. Nur ein Mal werden Bremsbeläge und Scheiben vorn erneuert (km 60 469). Die Gesamkosten liegen im Rahmen und betragen gut zehn Cent pro Kilometer. Herausragend wirtschaftlich ist der Polo nicht, aber er hat auch nicht enttäuscht, schon gar nicht mit seinen Reisequalitäten, die Mittelklasse-Format haben. „Der Polo ist ein echter Golf“, notiert einer seiner Benutzer ins Fahrtenbuch. Kompliment.

Abgastest: Innerhalb der Grenzwerte - Der VW Polo wurde nach den EU4-Bestimmungen typgeprüft und zugelassen. Er muss damit jene Schadstoffgrenzwerte einhalten, die etwas milder ausgefallen sind als die ursprünglich einmal geplanten Limits, die auch Basis der bis 1998 geltenden ersten D4-Regelung waren.

Weil auch der Fahrzyklus für die Abmessungen modifiziert wurde, ist die EU-4 trotzdem etwa doppelt so streng wie die alte D4: Die 40 Sekunden Leerlauf vor der Messung, in denen sich Motor und Kat schon etwas anwärmen konnten, sind weggefallen. Außerdem müssen nach Euro 4 zertifizierte Autos über eine Onboard-Diagnose verfügen und einen Kalttest bei –7°C bestehen. Die Abgasmessung am Ende des Dauertests auf dem Rollenprüfstand der TÜV Automotive GmbH (Unternehmensgruppe TÜV Süddeutschland) in Böblingen ergab die folgenden Werte (Limits in Klammern): Kohlenmonoxid (CO): 0,37 (1,0) Gramm pro Kilometer, Kohlenwasserstoffe (HC) 0,10 (0,10) Gramm pro Kilometer und Stickoxide (NOX) 0,06 (0,08) Gramm pro Kilometer. Damit besteht der Polo den Abgastest.
 
 
Das Abdichten der Karosserie ist der teuerste Posten in der Reparatur-Bilanz. Er wurde als Garantiefall geregelt

Mit gehobener Ausstattung hat mein Polo 1.4 TDI einen Listenpreis von knapp 19 000 Euro erreicht. Meine Erwartungen in die gelieferte Qualität und Verarbeitung habe ich entsprechend hoch angelegt. Diese Erwartung erwies sich jedoch leider als falsche Einschätzung: Ich hatte eher ein Montagsauto erwischt.
Jochen Limberger, 61476 Kronberg
 
Bei der Innenausstattung gibt es nichts zu meckern, denn in Sachen Materialqualität und -verarbeitung ist VW schon immer ein Vorbild.
André Wild, 75331 Engelsbrand

Bei meinem Polo 1.2 gab es von Anfang an Probleme. Die Türen musste man mit Gewalt zuwerfen, damit sie schließen. Nach einem Werkstattaufenthalt ist das Problem teilweise behoben, aber die Heckklappe schließt nach wie vor schwer. Außerdem funktioniert die Aufrollautomatik der vorderen Gurte schlecht, und die Bezüge der Sitze mussten bereits nach 2000 km gewechselt werden, weil sie aussahen, als hätten sie bereits 100 000 Kilometer mit übergewichtigen Fahrgästen hinter sich. Schlimmer jedoch der Dreizylindermotor. Er musste nach immer stärker werdenden Geräuschen beim Anlassen nach 2000 Kilometern Laufleistung gewechselt werden. Ab und zu treten diese Geräusche aber auch beim neuen Motor auf. Zufrieden bin ich bestenfalls mit der Werkstatt. Mit dem Auto keineswegs.
Kerstin Hanns 08626 Marieney
 
Ich fahre seit Januar 2004 einen Polo 1.4 Highline und fühle mich im Gegensatz zu meinem vorherigen Auto, einem Renault Twingo, wie im siebten Himmel. Zwischen diesen beiden Fahrzeugkategorien liegen Welten.
Christian Pallmann 90451 Nürnberg
 
Ich bin Vielfahrer und mit meinem Polo 1.9 TDI bislang 48 300 Kilometer unterwegs gewesen. Während der ganzen Zeit war bislang kein einziger außerplanmäßiger Werkstattaufenthalt notwendig, auch die angeblich anfällige Elektrik erwies sich als problemlos.
Thomas Klumpp 75180 Pforzheim

Seit Oktober 2002 fahre ich einen Polo mit 55 PS und habe 11 000 Kilometer zurückgelegt. Schon auf der Rückfahrt von der Auto-Stadt Wolfsburg traten Mängel auf. Der Geradeauslauf war mangelhaft, der Scheibenwischermotor lief laut, und im Armaturenbrett traten Knistergeräusche auf. Die Kofferraumklappe muss kräftig zugeschlagen werden, und der Gurt könnte besser aufrollen.
Rolf Jahrmann, 49124 Georgsmarienhütte
 
Das Auto ist nach 19 500 gefahrenen Kilometern absolut zuverlässig und von sehr guter Qualität.
Angelika Wolf-Olczok, 85051 Ingolstadt
 
Ich würde mir dieses Auto jederzeit wieder kaufen. Die Verarbeitung und der Fahrkomfort sind für diese Klasse hervorragend. Umso erstaunlicher sind einige Mängel: Bei Gaswegnahme bei Tempo 60 ist ein spürbares Ruckeln vernehmbar. Das Lenkrad lässt bei jeder Drehung ein einer alten Schranktür ähnelndes Quietschen vernehmen. Der engagierte VW-Betrieb hat sich stets um Fehlersuche bemüht, ohne aber die Mängel beseitigen zu können.
Matthias Knaust, 35781 Weilburg
 
Die Klappe im Armaturenbrett wurde schon drei Mal ausgewechselt, weil sie nie zu blieb. Das Sicherheitsgurtschloss hinten hat sich in seine Einzelteile aufgelöst, nach 5000 Kilometern hat sich der Luftmengenregler verabschiedet. Den größten Ärger bereitet das Radio mit Navigationssystem, weil die Höhen weggehen und dann alles sehr dumpf klingt.
Robert Stieglmaier, 89073 Ulm

Dieser Ärger mit dem Auto und damit auch mit VW macht meine Frau langsam, aber sicher krank. Ich selbst ernte immer wieder ungläubiges Kopfschütteln, wenn ich unsere unerfreulichen Erlebnisse mit dem Polo schildere.
Karl-Josef Baumeister, 45470 Mülheim-Ruhr

Vor- und Nachteile

  • Sehr guter Federungskomfort
  • Gutes Raumangebot
  • Viele praktische Ablagen
  • Wenig Windgeräusche
  • Guter Qualitätseindruck
  • Sehr einfache Bedienung
  • Wirksame Klimaanlage
  • Sehr gute Sitze
  • Vibrationsarmer Motor
  • Gut ablesbare Instrumente
  • Sichere Fahreigenschaften
  • Geringer Ölverbrauch
  • Kleines Handschuhfach
  • Tempomat schlecht zu bedienen
  • Kupplung schlecht zu dosieren
  • Ablagefächer in Türen zu niedrig
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Technische Daten
VW Polo 1.4 16V Highline
Grundpreis 17.200 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3743 x 1632 x 1418 mm
KofferraumvolumenVDA 245 bis 975 l
Hubraum / Motor 1390 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 55 kW / 75 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 168 km/h
Verbrauch 7,5 l/100 km
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