VW Polo 1.4 TDI im Test

Werk Nase

Foto: Achim Hartmann 14 Bilder

Eine neu gestylte Frontpartie ist die auffälligste Änderung am neuen VW Polo. Das Nasen-Facelift geht einher mit einer Motorenmodifikationen. Der 1,4-Liter-Dreizylinder-Einstiegs-TDI leistet nun 70 PS statt 75 PS.

Schau mir in die Augen. Der neue Polo, die Nummer fünf in der bis 1975 zurückreichenden Typologie, tut dies nun ganz anders als der Vorgänger, der grundsätzlich das gleiche Auto ist. Das Brave mit unschuldigen Kleinwagen-Augen ist weg. Die Lampen sind nun trapezförmig, die neu gestaltete Frontpartie, stilistisch am neuen Passat angelehnt, sorgt für einen komplett anderen optischen Auftritt. Der Blick ist selbstbewusster, auch aggressiver. Lassen wir die Frage, ob der Polo zusammen mit den neu gestylten Heckleuchten schöner geworden ist, unbeantwortet.

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Der Alte sieht jetzt älter aus – so gesehen ist das Facelift geglückt. Zwei Zentimeter mehr Außenlänge sind ebenfalls dabei herausgesprungen. Von ihnen hat man nichts, eher schon von den neu gezeichneten Instrumenten und dem Vierspeichen- Lenkrad mit seinem dicken Kranz. Es gibt bereits in der Basisversion Trendline serienmäßig einen Bremsassistenten und optional eine Reifendruckkontrolle, ESP ist erst ab 100 PS Motorleistung Serie und kostet sonst 400 Euro extra. Auch entbehrliche Dinge wie das Nachleuchten des Abblendlichts nach Abstellen des Motors mit der nach Oberklasse klingenden Bezeichnung Coming- home-Funktion können den Wagenpreis weiter nach oben treiben, hier mit 156 Euro.

Einen Partikelfilter für den Basis- Diesel gibt es auch gegen Aufpreis nicht – noch nicht. Die Filter sind in Vorbereitung. Immerhin erfüllen alle Dieselmotoren die Euro 4-Norm, auch der kleine Dreizylinder mit 1,4 Liter Hubraum, der sich seit Jahren nicht nur im Polo, sondern auch im Lupo und Audi A2 verbreitet hat. Bislang trat der extreme Langhuber, der mit 95 Millimetern in Alt-Jaguar- Bereiche vorstößt, im Polo nur in der 75-PS-Version an. Nun hat man, warum auch immer, gesplittet, in 70 Pferdestärken wie beim Testwagen und in 80. Akustisch hat sich nichts geändert.

In einer Welt zunehmend kultivierterer Common- Rail-Direkteinspritzer wirkt der Zweiventiler mit der ungeraden Zylinderzahl immer landmaschinenhafter, und auch unter Last, beim Beschleunigen, ist sein Geräusch gewöhnungsbedürftig.

Es liegt nicht nur an der kleinen Zylinderzahl, sondern auch an dem mit hohem Druck einspritzenden Pumpe-Düse-Verfahren. Zumal in den unteren Gängen fühlt man sich als echter Maschinist, wobei Liebhaber einer kräftigen Verbrennungsartikulation durchaus einen subjektiven Reiz gewinnen mögen.

Objektiv ist das Triebwerk einfach laut. Doch kein Nachteil ohne Vorteil. Auch der durch ein anderes Motormanagement gedrosselte Dreizylinder verblüfft durch eine spontane Kraftentfaltung und kräftiges Durchzugsvermögen, sobald sich die Drehzahlmesser-Nadel in Richtung 2000 bewegt. Mit einem maximalen Drehmoment von 155 Nm bei nur 1600 Umdrehungen stellt sich subjektiv Lebhaftigkeit ein, zumal das leicht und exakt schaltbare Fünfgang- Getriebe gut gestuft ist.

Trotzdem liegt die gemessene Beschleunigungdeutlich hinterdergefühlten. Die objektiven Fahrleistungen, die der 1173 Kilogramm schwere neue Polo mit dem 70-PS-Motor erreicht, liegen nämlich unter jenen der alten 75-PS-Version. Bis Tempo 100 nimmt sich der Polo nun 15,3 Sekunden Zeit (75 PS: 13,8) und bleibt damit um sieben Zehntel hinter der Werksangabe zurück. Auch die Elastizität hat gelitten. 18 Sekunden vergehen bei der Beschleunigung von 80 auf 120 im großen Gang, vorher waren es 14. Das Drehzahlniveau ist niedrig. 100 km/h entsprechen im fünften Gang gerade 2500 Umdrehungen.

Das lässt auch Raum für Tempo-Räusche an Autobahngefällen, wo die Tachonadel leicht 180 und mehr anzeigt. Man ist also auch im schwächsten Polo-Diesel nicht langsam und gut für hohes Durchschnittstempo.

Doch man hat diese Version ja nicht deswegen gewählt, schon gar nicht wegen der Ruppigkeit des Motors, sondern wegen der Ökonomie. Der Gedanke an sie war es letzlich ja auch, der die VWKonstrukteure dazu ermunterte, den obligaten vierten Zylinder einfach wegzulassen.

Hinzu kommt als eine Art psychologischer Effekt, dass Economy-Triebwerke meist dazu ermuntern, mit dem Gasfuß vorsichtiger zu sein, im Verbrauch neue Bestmarken zu setzen. Die Verbrauchsrunde von auto motor und sport wird so zurückhaltend gefahren, und das Ergebnis kann sich sehen lassen: nur knapp über vier Liter pro 100 km. Der Testverbrauch liegt, bei häufigerem Ausnutzen der Leistung, jedoch deutlich höher und ist mit 5,9 Litern nicht rekordverdächtig.

Das Befinden im neuen Polo ist nicht viel anders als im alten. Der satte Klang der Türen, die ordentliche Verarbeitung und die klare und übersichtliche Bedienung schaffen eine Behaglichkeit, zu der auch die bequemen, mit jugendlicher wirkenden Bezügen versehenen Sitze entscheidend beitragen.

An den Abmessungen innen hat sich nichts geändert. Auch im Fond offeriert der Polo ausreichend Platz für zwei Personen, das Kofferraum-Volumen beträgt 270 Liter. Hier blieb alles beim Alten. Dass man sich trotzdem nicht wie im Vorgänger fühlt, liegt an einer anderen Akzentuierung des Fahrwerks.

Zu den herausragenden Merkmalen des alten Polo zählte sein Federungskomfort, davon hat der aktuelle leider zugunsten von etwas mehr Fahrdynamik abgeben müssen. Vor allem auf der Autobahn ist der Komforteindruck schlechter geworden, auch wenn das Gesamtergebnis noch befriedigt. Die Untersteuerneigung ist reduziert, das Einlenken leichter.

Wo ist der Fortschritt? Ihn bietet der neue Polo gegenüber dem Vorgänger unter dem Strich nicht, in Komfort und Leistung sind Abstriche zu verzeichnen. So bleibt als wichtigster Unterschied die neue Nase. Sie muss es nun richten.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Raumangebot gute Verarbeitung funktionelle Bedienung übersichtliche Instrumente
Fahrkomfort
  • bequeme Sitze geringe Windgeräusche
  • im Vergleich zum Vorgänger schlechterer Komfort
Antrieb
  • spontane Gasannahme gut gestuftes Getriebe
  • mäßige Fahrleistungen lautes, aufdringliches Motorgeräusch
Fahreigenschaften
  • sehr gute Handlichkeit feinfühlige Lenkung guter Geradeauslauf sehr sicheres Kurvenverhalten
Sicherheit
  • Sidebags serienmäßig
  • ESP nur optional durchschnittliche Bremsleistung
Umwelt
  • geringer Minimalverbrauch
  • Partikelfilter noch nicht lieferbar
Kosten
  • lange Service-Intervalle hoher Wiederverkaufswert
  • hoher Preis

Fazit

Sachlich hat sich, von der Agilität abgesehen, beim Polo nichts verbessert. Der Motor hat an Elan verloren, der Komfort gelitten. Mäßige Bremsen, ESP nur optional, Rußfilter noch nicht lieferbar – das kostet den vierten Stern.

Technische Daten
VW Polo 1.4 TDI Trendline
Grundpreis 15.280 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3916 x 1650 x 1467 mm
KofferraumvolumenVDA 270 bis 1030 l
Hubraum / Motor 1422 cm³ / 3-Zylinder
Leistung 51 kW / 69 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 164 km/h
0-100 km/h 15,3 s
Verbrauch 4,6 l/100 km
Testverbrauch 5,9 l/100 km
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