VW Polo BlueMotion

Blausause

Foto: Hans-Dieter Seufert 14 Bilder

Der VW Polo BlueMotion mit 80 PS und 3,7 Liter Minimalverbrauch ist der sparsamste VW seit dem Drei-Liter-Lupo. Der verbrauchte zwar noch weniger, war aber kein Bestseller. Dieser Polo hat das Zeug dazu.

Warum heißt dieser Polo eigentlich Blue Motion? Blue für blau ist die Hausfarbe von VW. Motion steht für Bewegung – und beweglich ist der Polo Blue Motion. Denn sein Sparkonzept soll besonders lange Touren erlauben: VW verspricht mehr als 1150 Kilometer Reichweite.

Freilich müsste der 45-Liter- Tank dann auch bis zur völligen Neige geleert werden, was kein sinnvolles Unterfangen ist. In der Testpraxis waren es 900 Kilometer bis zum ersten Tankstopp – immer noch beachtlich. 15 750 Euro inklusive serienmäßigem Partikelfilter kostet der Polo Blue Motion, der vom normalen Polo 1.4 TDI mit 80 PS abgeleitet worden ist (siehe Spotlight auf Seite 44).

Teure Werkstoffe wie Magnesium zur Gewichtsreduktion oder ein automatisiertes Schaltgetriebe wie beim Drei-Liter- Lupo sucht man vergebens. VW hat offenbar gelernt, dass die Kunden zwar einen niedrigen Verbrauch wünschen, aber nicht um jeden Preis. Die rollende Sparbüchse darf in der Anschaffung nicht zu teuer sein, und massive Einschränkungen beim Fahrkomfort durch eine unglückliche Getriebeabstimmung werden nicht akzeptiert. Mit drei Maßnahmen soll die Ausstattungslinie Blue Motion, die es künftig auch für andere VW-Modelle geben wird, den Diesel-Verbrauch senken: verbesserter Aerodynamik durch Tieferlegung um zwei Zentimeter, einem neuen Grill und Bugspoiler sowie einer modifizierten Abrisskante am Dach, einer geänderten Getriebe-Abstimmung und schmalen Leichtlaufreifen mit leichten Aluminiumfelgen, die fünf Kilogramm Gewicht einsparen.

Im Polo wird das Paket mit dem 80-PS-TDI-Dreizylinder kombiniert. Es gibt zwar noch einen schwächeren TDI mit 70 PS, aber bei ihm wäre das Sparpotenzial nicht ganz so hoch. Er muss sich beim Beschleunigen des 1,2 Tonnen schweren Polo ziemlich ins Zeug legen und läuft daher viel seltener im Teillastbereich. Gerade hier lässt sich der Verbrauch aber mit einer geänderten Getriebe-Abstufung und reduzierter Drehzahl verringern. Beim Blue Motion-Getriebe sind die Gänge drei, vier und fünf zwischen zwölf und 24 Prozent länger übersetzt. Das bleibt natürlich nicht ohne Einfluss auf die Durchzugskraft, und so schiebt der Kleinwagen nicht ganz so vehement voran wie die Geschwister mit dem Standard-Getriebe. Der Unterschied ist jedoch im Alltag von geringer Bedeutung.

Allerdings ist der vierte Gang definitiv zu lang für den City- Verkehr, obwohl der TDI schon bei Drehzahlen um 1600/min fahrbar ist und bei etwa 1900/min mit kräftigem Turboschub gegen das Image des freudlosen Sparbrötchens anfeuert. Egal ob in der Stadt, auf der Landstraße oder der Autobahn, man fühlt sich mit diesem Auto nicht untermotorisiert.

Es kommt sogar Fahrspaß auf, wenn man den Diesel entgegen seiner Bestimmung zügig drehen lässt und mit der präzise zu schaltenden Gangbox dafür sorgt, dass die Drehzahl nicht unter 2000/min fällt. Freilich ist der Blue Motion-Polo kein sportliches Auto. Die schmale 165er-Bereifung mit ihren lauten Abrollgeräuschen wimmert bei heftiger Beschleunigung und zackiger Kurvenfahrt früh um Gnade.

Man muss allerdings genau hinhören, weil sich der Dreizylinder mit kernigem Laufgeräusch akustisch in den Vordergrund drängelt. Der spezielle Sound hat je- doch auch seinen Reiz. Die eher hemdsärmelige Natur des kleinen TDI wird zudem von leichten Vibrationen unterstrichen, die bei einem Dreizylinder wohl nicht zu vermeiden sind. Feinste Laufkultur kann dieser Antrieb nicht bieten, aber eben extreme Sparsamkeit. Und die ist sogar zu sehen.

Zum Blue-Motion-Paket gehört eine Multifunktions-Anzeige für den Momentan- oder Durchschnittsverbrauch. Hier einen Mittelwert von fünf Liter auf 100 Kilometer erscheinen zu lassen ist ein Klacks und weckt den Ehrgeiz, die Vier-Liter-Grenze zu unterschreiten. Das ist auf der Landstraße kein Problem, selbst wenn man nicht wie eine Wanderdüne unterwegs ist. Andererseits gelingt es kaum, diesen Polo mit mehr als sechs Liter im Schnitt durch die Gegend zu scheuchen, dazu bedarf es langer Autobahnpassagen mit hohem Volllast-Anteil. Für die große Reise ist der Polo jedoch nicht nur wegen seines geringen Verbrauchs prädestiniert.

Auch sein Federungskomfort spricht nicht gegen ausgedehnte Touren. Kleine Verwerfungen im Asphalt werden zwar etwas hölzern überrollt, insgesamt federt und dämpft das Fahrwerk jedoch überzeugend, ohne übermäßige Aufbaubewegungen zuzulassen. Selbst wenn der Polo mit 3,92 Meter Länge nicht zu den ganz großen Kleinen wie der Fiat Grande Punto oder der Peugeot 207 gehört, die beide die Vier-Meter-Marke hinter sich gelassen haben, sitzt man in ihm ohne Raumnot. Zumindest in der ersten Reihe finden zwei Personen mit Gardemaß ausreichend Platz, wahlweise passen vier durchschnittlich große Erwachsene hinein. Prinzipiell sind die Vordersitze, mit speziellem Blue Motion-Bezug, komfortabel. Allerdings fehlt ihnen eine Lordosenstütze.

Das Gepäckraum-Volumen entspricht, wie der Platz auf der Fondbank, dem Klassenstandard und kann durch Umlegen der Rückbanklehne erweitert werden. Dass sich die Rückseite der Lehne ohne Teppich-Kaschierung in lackiertem Blech präsentiert, ist übrigens keine Gewichtspar-Maßnahme, sondern auch beim Trendline-Polo üblich.

Die Bedienung des Spar-Polo entspricht dem typischen VW-Stil und ist narrensicher. Dabei fällt auf, dass man vieles vom scheinbar notwendigen Luxus nicht unbedingt benötigt. Elektrische Spiegel? Nicht beim Testwagen, aber für 117 Euro zu haben. Zentralverriegelung mit Fernbedienung? Nur im 505 Euro teuren Paketpreis Elektrik. Klimaanlage? In diesem August nun wirklich kein Muss, ansonsten ab 860 Euro im Angebot. Auf der Zubehörliste tauchen jedoch nicht nur alle wichtigen Nice-to-have-Goodies auf.

Hier findet sich für 405 Euro auch der Lebensretter ESP, wo er nichts verloren hat, denn er gehört serienmäßig an Bord. Immerhin hat VW für den Polo seitliche Kopfairbags im Programm (440 Euro) – keine Selbstverständlichkeit in der Kleinwagen- Klasse. Trommelbremsen an der Hinterachse sind dagegen nichts Ungewöhnliches, und in diesem Fall auch kein Nachteil, wie die Bremsmessungen zeigen. Der Polo verzögert zwar auf bescheidenem Niveau – ein weiterer Einfluss der Leichtlaufbereifung –, baut jedoch unter Belastung nicht weiter ab. Der Trendline- Polo mit vergleichbarer Bremsanlage kann das kaum besser. Verglichen mit dem exotischen Drei-Liter-Lupo, der für 14 275 Euro Kaufpreis vergleichsweise wenig Auto geboten hat, ist der Polo Blue Motion für 15 750 Euro das deutlich reifere Spar-Konzept.

Bislang wird in Deutschland zwar nur jeder fünfte Polo mit Dieselmotor ausgeliefert, vier von fünf wiederum ohne Partikelfilter, aber Blue Motion könnte das ändern. Mit seinem extrem niedrigen Verbrauch, dem serienmäßigen Rußfilter und den erwachsenen Fahreigenschaften animiert er zum Blaumachen.

Fazit

Der Polo Blue Motion hat ein schlüssiges Konzept: ein bezahlbares, sehr sparsames Auto ohne den Einsatz von zuviel High Tech. Das fehlende serienmäßige ESP kostet den fünften Stern.

Technische Daten
VW Polo 1.0 TSI BlueMotion
Grundpreis 16.475 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3916 x 1650 x 1467 mm
KofferraumvolumenVDA 270 bis 1030 l
Hubraum / Motor 1422 cm³ / 3-Zylinder
Leistung 59 kW / 80 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 176 km/h
0-100 km/h 12,3 s
Verbrauch 3,8 l/100 km
Testverbrauch 5,0 l/100 km
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