VW Polo gegen Fiat Panda 4x4

Schön Cross

Foto: Uli Jooß 27 Bilder

Seit dem Frühjahr 2006 sind die Crossover-Versionen von VW Polo und Fiat Panda 4x4 auf dem Markt. Heraus kamen jeweils mit der Zusatzbezeichnung "Cross" versehene Lifestyle-Autos für alle, denen ein Kleinwagen zu profan ist.

Crossover-Modelle – jene Mixturen mit einem Schuss Geländewagen – liegen voll im Trend. Selbst in der kleinen Klasse geht es anscheinend nicht mehr ohne. Da werden sogar Kleinwagen wie der Fiat Panda und der VW Polo mit Offroadern gekreuzt.

Heraus kommen jeweils mit der Zusatzbezeichnung „Cross“ versehene Lifestyle-Versionen für all jene, denen ein einfacher Kleinwagen zu profan ist. Panda 4x4 Cross und Cross Polo mögen augenscheinlich zwar nach dem gleichen Muster gestrickt sein, es gibt aber einen entscheidenden Unterschied: Während der Polo nur die Optik von einem Geländewagen geerbt hat, besitzt der Panda zudem einen Allradantrieb, der ihn für gelegentliche Ausflüge in unbefestigtes Terrain qualifiziert und auf Schnee Vorteile bietet.

Bei Schlupf an der Vorderachse wird automatisch über eine ins Hinterachs- Differenzial integrierte Visco- Kupplung der Hinterradantrieb zugeschaltet. Außerdem rollt der Panda Cross serienmäßig auf schmalen 175/ 65er-Reifen auf 15-Zoll-Alurädern – ab Werk ausschließlich mit traktionsförderndem M+S-Profil. Die 215/40er- Hochgeschwindigkeitsreifen auf schicken 17-Zoll-Alufelgen (ebenfalls Serie) weisen den Cross Polo hingegen eher als Boulevard-Kreuzer aus.

Beiden gemeinsam wiederum ist die höher gesetzte Karosserie, eine Dachreling, mehr (Panda) oder weniger üppige (Polo) seitliche Kunststoff- Beplankungen sowie spezielle Stoßfänger, jeweils mit angedeutetem Unterfahrschutz in Alu-Optik. Beim Panda Cross zieren zudem doppelte Rundscheinwerfer mit serienmäßiger Reinigungsanlage die Frontpartie. Und auch am Heck unterstreichen insgesamt vier runde Rückleuchten die burschikose SUV-Optik. Beim Cross Polo entsprechen Scheinwerfer und Heckleuchten den übrigen Polo-Modellen.

Dafür bietet der grundsätzlich viertürige VW sehr bequeme Sportsitze sowie diverse, Cross-spezifische Accessoires im Innenraum. Wie der Panda Cross beweist auch der Cross Polo beim Interieur Mut zur Farbe. Sitze und Türverkleidungen sind jeweils passend zur trendigen Außenlackierung bunt bezogen, wobei die Materialien und die Verarbeitung im VW einen höherwertigen Eindruck hinterlassen als im Fiat. Beim Preis herrscht nahezu Gleichstand. 16 800 Euro werden für den Cross Polo mit dem 70 PS starken 1,4- Liter-Dreizylinder-Diesel fällig. 50 Euro weniger berechnet Fiat für den gleich starken Panda 4x4 Cross mit dem knapp 1,3 Liter großen Vierzylinder- Diesel.

Beide müssen ohne Partikelfilter auskommen. Neben dem Allradantrieb hat der Panda dem Cross Polo eine umfangreichere Serienausstattung voraus. Dazu zählen Klimaanlage, CD-Radio, Bordcomputer und elektrisch verstellbare Außenspiegel. ESP ist aber weder beim Polo noch beim Panda Standard.

Für den VW kann es aber zumindest gegen Aufpreis geordert werden, beim Fiat besteht diese Option nicht. Der bietet lediglich eine elektronische Differenzialsperre, die durchdrehende Räder beim Anfahren auf losen Untergründen über Bremseneingriffe abbremst und so die Traktion verbessert. Auf trockenem Asphalt stellt die angesichts von 1,2 Tonnen Leergewicht bescheidene Motorleistung die Haftreserven der Reifen aber weder beim Panda noch beim Polo ernsthaft auf die Probe. So sind auch die Fahrleistungen alles andere als temperamentvoll. Knapp 17 Sekunden dauert es bei beiden, bis Tempo 100 erreicht ist. Jenseits dieser Marke geht es noch zäher voran.

Auch Zwischenspurts im vierten und fünften Gang verlangen einen geduldigen Fahrer. Dabei vermittelt die dieseltypische Kraftentfaltung im Stadt- und Überlandverkehr rein subjektiv aber nicht den Eindruck, untermotorisiert zu sein. Gleichwohl sind durchaus Unterschiede in der Leistungs-Charakteristik vorhanden. Hat der Vierzylinder im Panda erst seine Anfahrschwäche überwunden, legt er für einen Diesel gleichmäßig bis zum Drehzahllimit von 4900 Touren zu. Der Dreizylinder im Polo tritt hingegen bereits bei niedrigeren Drehzahlen kräftiger an, dafür geht ihm früher die Puste aus. Dazu passt die längere Übersetzung des VW-Getriebes, das sich zudem präziser schalten lässt und besser abgestuft ist als die Fünfgang-Box des Panda.

Hier stört vor allem der große Sprung zwischen dem zweiten und dem dritten Gang. Aufgrund der vergleichsweise kurzen Übersetzung des fünften Ganges ist vor allem auf der Autobahn das Drehzahlniveau des kleinen Fiat-Allradlers deutlich höher. Dadurch steigt der Geräuschpegel des ohnehin nicht besonders leisen Motors noch weiter an. Unangenehm sind vor allem die Dröhngeräusche, die durch Resonanzen bei verschiedenen Drehzahlen entstehen.

Verglichen damit sind längere Autobahnetappen mit dem Cross Polo eine Wohltat, obwohl der Dreizylinder für sich betrachtet auch kein Muster an Laufkultur darstellt, aber wesentlich wirkungsvoller gedämmt ist. Ähnliches trifft auch für den Fahrkomfort zu.

Während die Federung des Polo fast alle Straßenunebenheiten schluckt, reagiert der Panda Cross nur sehr widerspenstig auf Bodenwellen jeder Art. Erst mit zunehmender Beladung und bei höherem Tempo verbessert sich das Ansprechverhalten. Die Überlegenheit des Cross Polo setzt sich bei den Fahreigenschaften fort. Wo der VW spontan und neutral einlenkt, will der zunächst untersteuernde Panda mit Nachdruck auf Kurs gebracht werden. Wenig hilfreich ist die zwar ausreichend exakte, aber sehr indirekt übersetzte elektromechanische Servolenkung. Der Panda 4x4 bleibt jedoch auch ohne ESP bei den Fahrdynamik- Tests stets gut beherrschbar und überrascht nicht mit unvorhersehbaren Reaktionen. Die Bremsen des Panda erweisen sich zwar als standfest, weil sie auch bei hoher Beanspruchung nicht nachlassen, der Bremsweg aus 100 km/h ist aber immer drei bis vier Meter länger als beim Polo.

Daran dürften allerdings die schmalen Winterreifen beim Panda im Vergleich zu den Breitreifen des Cross Polo nicht ganz unschuldig sein. Um festzustellen, dass der Panda deutlich kleiner als der Polo ist, braucht man keine Messgeräte. Während der VW schon fast Kompaktklasse- Maße aufweist, ist der Panda ein echter Kleinwagen. Besonders bemerkbar macht sich das in der Innenbreite, wo sich Fahrer und Beifahrer beim Panda sehr nahe kommen. In der zweiten Reihe fällt vor allem die geringere Kniefreiheit gegenüber dem Polo auf.

Auch beim Kofferraum und der Zuladung hat der Polo die Nase vorn. Das gilt ebenfalls beim Verbrauch. Allerdings sind beide keine Sparwunder. 6,8 Liter Diesel je 100 Kilometer beim Cross Polo und 7,4 beim Panda Cross sind eindeutig zuviel für diese Klasse. Sieg auf der ganzen Linie für den Cross Polo also.

Er ist zweifellos der bessere Kleinwagen in diesem Vergleich. Der Charme des Panda 4x4 Cross besteht dagegen in der konsequenteren Umsetzung der Kreuzung zweier Fahrzeugkonzepte. In diesem Fall eines Kleinwagens mit einem leichten SUV.

Fazit

1. VW Cross Polo 1.4 TDI
496 Punkte

Das Lifestyle-Auto verbindet die ausgewogenen Eigenschaften der Polo-Baureihe mit einem trendigen Auftritt. Zu bemängeln sind aber der zu hohe Verbrauch und dass ESP nicht serienmäßig an Bord ist.

2. Fiat Panda 1.3 Multijet 16V 4x4 Cross
415 Punkte

Der kleine Allradler hat hier keine Chance: Das Raumangebot ist knapp, die Sicherheitsausstattung mager, der Motor zu laut, der Verbrauch zu hoch, der Federungskomfort dürftig, ESP nicht erhältlich.

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Technische Daten
VW CrossPolo 1.4 TDI Fiat Panda 1.3 16V Multijet 4x4 Cross
Grundpreis 17.725 € 18.070 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3925 x 1671 x 1499 mm 3581 x 1611 x 1643 mm
KofferraumvolumenVDA 270 bis 1030 l 200 bis 855 l
Hubraum / Motor 1422 cm³ / 3-Zylinder 1248 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 51 kW / 69 PS bei 4000 U/min 51 kW / 70 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 160 km/h 150 km/h
0-100 km/h 16,9 s 16,6 s
Verbrauch 4,9 l/100 km 5,3 l/100 km
Testverbrauch 6,8 l/100 km 7,4 l/100 km
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