VW reif für den Aufstieg?

Mit dem W8-Motor will VW den Stars der oberen Mittelklasse Paroli bieten. Ein Vergleich des Passat W8 mit dem BMW 540i und dem Mercedes E 430 zeigt, ob es gelingt.

Im 275 PS starken Passat W8 bietet VW alles das, was auch die prestigeträchtigeren Spitzenmodelle der oberen Mittelklasse vorweisen können. Mehr sogar, denn auf einen serienmäßigen Allradantrieb muss man bei den vergleichbaren Modellen von BMW und Mercedes verzichten. Und das, obwohl diese rund 20.000 Mark mehr kosten. Bleibt die Frage, ob die beeindruckende Papierform des Passat W8 ihn tatsächlich zu einem gleichwertigen Widersacher für BMW 540i und Mercedes E 430 macht.

Beide tragen ihre Zylinder in klassischer V-Formation, aber in Hubraum und Leistung haben sie nur unwesentlich mehr zu bieten als der erheblich preisgünstigere VW: 4,4 Liter und 286 PS der BMW, 4,3 Liter und 279 PS der Mercedes. Deutlicher fällt allerdings der Unterschied im Drehmoment aus: Während sich das kompakte W-Triebwerk im Passat mit 370 Nm begnügt, verzeichnet die Konkurrenz 440 (BMW) und 400 Nm (Mercedes).

Und schon nach wenigen Metern Fahrt wird klar, dass die drei Achtzylinder echten Antriebsluxus bieten. Am meisten überrascht dies im Passat. Wo sonst die Leistungserzeugung nicht zu überhören ist, herrscht plötzlich gespenstische Ruhe. Da kann es der W8-Motor schon fast mit dem Mercedes aufnehmen, dessen V8-Motor zu Recht als Vorbild an Laufkultur gilt, während der BMW die Insassen deutlich mehr an den Vorgängen unter der Haube teilhaben lässt.

Üppige Kraftreserven dagegen sind nicht die Sache des Passat W8. Während die Konkurrenten schon im unteren Drehzahlbereich hurtig Fahrt aufnehmen, lässt sich der W8 unerwartet viel Zeit. Der Schwung kommt erst bei höheren Drehzahlen, aber auch dann reicht er nicht, um den Power-Limousinen von BMW und Mercedes Paroli zu bieten. Vor allem im oberen Geschwindigkeitsbereich fällt der Passat deutlich zurück, und die Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h bleibt in der Praxis graue Theorie. Und dies wird nicht zuletzt durch die Abstufung der Fünfgangautomatik erschwert. Der fünfte Gang ist zu lang übersetzt, was den Vortrieb beeinträchtigt und zugleich dafür sorgt, dass der Automat bei schneller Autobahnfahrt häufig den vierten aufsucht.

Gelassener, weil kraftvoller, gibt sich dagegen der BMW: Die gleiche Getriebeabstufung steht ihm in Anbetracht der höheren Leistungsreserven ausgezeichnet. Außerdem wechselte der Testwagen die Gänge erfreulicherweise weniger hektisch als frühere Exemplare. Kritik verdient aber das träge Ansprechen auf Kickdown-Befehle. In gewohnter Perfektion dagegen tritt der Mercedes-Automat auf: sanft, diskret und optimal abgestimmt. Unterwegs sind es vornehmlich BMW und Mercedes, die den Passagieren das Gefühl geben, erster Klasse zu reisen. Auch bei schneller Fahrt bleiben ihre Geräuschkulissen gepflegt, und Straßenunebenheiten größeren Ausmaßes werden von den gut gedämpften Federungen ohne Turbulenzen ausgebügelt.

Dass sich der neue W8-Motor im Passat ganz schön anstrengen muss, um im direkten Vergleich Schritt zu halten, zeigt sich auch an der Tankstelle: Pro 100 Kilometer genehmigt er sich im Durchschnitt 14,8 Liter, bei schonungslosem Gebrauch des Gaspedals sogar bis zu 19 Liter. Damit übertrifft er deutlich den BMW (14,3 L/100 km) und noch deutlicher den Mercedes, der sich mit 13,3 L/100 km begnügt.

Was die Fahrwerke anbelangt, sorgt gerade die beim E 430 gern gekaufte Avantgarde-Ausstattung mit tiefer gelegter Karosserie dafür, dass der Mercedes-Testwagen kurze Bodenwellen deutlich weniger geschmeidig verarbeitet als der diesbezüglich immer noch vorbildliche BMW. Auch VW konnte den Versuchung nicht widerstehen, und lieferte den Testwagen mit einem Sportfahrwerk, was den Komfort sicher nicht fördert. Schließlich hält auch der Geräuscheindruck nicht das, was der säuselnde W8-Motor verspricht: Wind- und Abrollgeräusche beanspruchen das Phonmessgerät bei höheren Geschwindigkeiten deutlich mehr als im BMW oder Mercedes.

Die positive Seite der Medaille zeigt sich bei schneller Kurvenfahrt, wo der Passat auf ebener Fahrbahn mit einem Höchstmaß an Fahrstabilität aufwartet. Er folgt präzise und ohne lästiges Untersteuern der Lenkung und meistert heftige Fahrmanöver derart souverän, dass selbst in kritischen Situationen nur selten das serienmäßige ESP einschreitet.

Freilich sind es bekanntlich nicht nur die Faktoren Fahrstabilität und Traktion, die beim Fahren Freude machen. Und wieder einmal ist es der BMW, der hierzu den passenden Anschauungsunterricht bietet. Seine exakte, gefühlvolle Lenkung, die Leichtfüßigkeit in Kurven und das von der Beschaffenheit der Straße unbeeindruckte Fahrverhalten lassen eine Finesse in der Abstimmung erkennen, die weder Passat noch Mercedes erreicht. Der E 430 agiert in Kurven spürbar schwerfälliger und zeigt auch im Geradeauslauf leichte Schwächen.

Den Punktesieg des E 430 können diese Einschränkungen allerdings nicht verhindern. Alles in allem ist er nun mal der Beste.

Technische Daten
Mercedes E 430 Avantgarde BMW 540i VW Passat W8
Grundpreis 54.317 € 54.900 € 44.375 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4818 x 1799 x 1443 mm 4775 x 1800 x 1435 mm 4703 x 1746 x 1461 mm
KofferraumvolumenVDA 500 l 460 l 400 l
Hubraum / Motor 4266 cm³ / 8-Zylinder 4398 cm³ / 8-Zylinder 3999 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 205 kW / 279 PS bei 5750 U/min 210 kW / 286 PS bei 5400 U/min 202 kW / 275 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 250 km/h 250 km/h
0-100 km/h 7,1 s 8,3 s
Verbrauch 10,8 l/100 km 12,3 l/100 km 13,1 l/100 km
Testverbrauch 14,3 l/100 km 14,8 l/100 km
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