VW Sharan VR6 im Test

Carat-Edition ist ihr Geld wert

Mit dem Flaggschiff der Deutschen Bahn kann sich der neue Minivan von VW nicht in allen Dimensionen messen, doch das Sechszylinder-Topmodell Sharan Carat mit 174 PS starkem VR6 verspricht gehobenen Reisekomfort für sechs Personen.

Dieses Auto hat das Zeug zu einer bahnbrechenden Karriere: Als Luxusliner mit Platz, Leistung und Komfort kann es der neue VW Sharan VR6 fast mit dem schnellsten Raumfahrzeug der Deutschen Bahn aufnehmen. Im ICE finden zwar notfalls mehr Passagiere und Gepäck Platz, doch schon wegen der zu erwartenden Parkprobleme ist er für Privatleute nur als gelegentlicher Mietwagen zu empfehlen. Der ähnlich strömungsgünstige (cW-Wert 0,33), aber deutlich kürzere VW Sharan passt hingegen in jede Garage. Mit 4,62 Meter Länge und 1,81 Meter Breite beansprucht er nur wenig mehr Grundfläche als ein Passat.

Diesen überragt er in der Höhe (1,73 Meter) um 25 Zentimeter, während er um 21 Zentimeter unter dem VW Bus bleibt. Zwischen diesen beiden beschreibt er einen dritten Weg: Vom Passat hat er die vier konventionellen Türen, den limousinenhaften Komfort und die reichhaltige Ausstattung, vom Caravelle das hoch aufragende One-box-Design sowie drei Sitzreihen mit vielen Variationsmöglichkeiten. Im Gegensatz zu den fünf serienmäßigen und den zwei aufpreispflichtigen Einzelsitzen der Basisversion CL, die nicht in Verbindung mit dem VR6- Motor geliefert wird, und des mittleren GL ist das Topmodell Carat mit sechs komfortablen Einzelsesseln bestückt. Hier hat, verteilt auf drei Reihen, jeder seine eigenen Armlehnen, Kopfstützen und Dreipunkt- Automatikgurte, einen Fensterplatz sowie genügend Luft und Ellenbogenfreiheit. Eng kann es freilich für großgewachsene Hinterbänkler werden, die wegen des abgerundeten Dachs mit geringerer Bein- und Kopffreiheit leben müssen. mmerhin bietet der VW Sharan in diesem Punkt wie beim Einstieg nach hinten etwas mehr als der Eurovan von Fiat und Co, aber bei weitem nicht die Bequemlichkeit eines VW Bus. Gegenüber dem französischitalienischen Gemeinschaftsprojekt fehlt zudem die Durchstiegsmöglichkeit nach rechts und hinten, weil der Schalthebel wie üblich aus dem Wagenboden und nicht aus dem Armaturenbrett ragt.

Ansonsten beherrscht sein Innenraum das komplette Repertoire an Verwandlungskünsten, die man heutzutage von einem Familien- und Freizeitmobil erwartet. Die Sitze sind groß und bequem, in Längsrichtung weit verstellbar und können bei Bedarf mit einem Handgriff ausgeklinkt, aber wegen ihres hohen Gewichts nicht ganz so leicht umgedreht oder entfernt werden. Mit umgeklappter Rückenlehne dienen sie als Tisch inmitten einer Sitzgruppe, die sich durch die ab GLAusstattung um 180 Grad drehbaren Vordersitze schnell arrangieren läßt. Wie bei Minivans üblich verbleibt mit voller Bestuhlung nur ein kleiner Kofferraum von 256 Liter Volumen. Bei der Ausstattung zeigt sich VW allerdings ungewöhnlich großzügig.

Neben vielen Ablagen hat schon das Basismodell von ABS und zwei Airbags bis zur Zentralverriegelung und einem vollwertigen Reserverad alles Wünschenswerte an Bord, in der Einführungsphase sogar eine Klimaanlage. Wegen der großen Glasflächen und der daraus resultierenden Aufheizung ist sie im VW Sharan unbedingt empfehlenswert, nicht jedoch die 5.625 Euro teurere Carat-Version, die darüber hinaus kaum mehr als Aluräder, Metallic- Lackierung, elektrische Fensterheber und die genannte Sitzkonfiguration mitbringt.

Keine Unterschiede zur Basisversion gibt es bei der guten Verarbeitungsqualität und der funktionalen Bedienung, aber auch bei der schlechten Übersichtlichkeit nach vorne. Daran ändert selbst die serienmäßige Höhenverstellung für Lenkrad und Fahrersitz nichts, die ansonsten kleinen wie großen Fahrern eine entspannte, Pkw ähnliche Sitzposition gestattet. Beim Rangieren stört die etwas schwergängige Lenkung, doch beim Fahren vergisst man wegen der Handlichkeit und Präzision schnell, dass man es mit einem stattlichen und leer immerhin 1.787 kg schweren Automobil zu tun hat. Das macht sich zunächst im hohen Federungskomfort bemerkbar.

Auch grobe Straßenunebenheiten fängt das Fahrwerk geschmeidig ab und verschont die Passagiere von nennenswerten Erschütterungen. Spürbare Vertikalbewegungen der Karosserie bei langen Bodenwellen lassen jedoch erkennen, dass der Wagen hinten unterdämpft ist. Bei voller Zuladung (613 kg) schlägt die Federung bisweilen sogar auf die Blöcke. Dann zeigt der VW Sharan auch leichte Lastwechselreaktionen in Kurven und verliert etwas von seinem guten Geradeauslauf, weil sich die Lenkkinematik durch die Entlastung der Vorderachse verändert.

Ansonsten sorgt das Fahrwerk mit Einzelradaufhängung rundum sowie Querlenkern vorn und Schräglenkern hinten für ein leicht untersteuerndes, stets gutmütiges Kurvenverhalten. Selbst die Bremsen – häufig ein Problem bei Großraumlimousinen – erweisen sich als standfest und dem Gewicht des Wagens angemessen. Das sollte man ebenso vom 174 PS starken VR6-Motor erwarten, der das Spitzenmodell antreibt und in Golf und Passat sehr souverän arbeitet. Auch im übergewichtigen VW Sharan kann man mit seiner Laufkultur und den gebotenen Fahrwerten zufrieden sein, mit seiner Elastizität jedoch nicht. Das maximale Drehmoment von 235 Newtonmetern steht erst bei 4.200 Umdrehungen zur Verfügung, darunter ist wenig Temperament zu verspüren.

Zudem stört ein Ruckeln im Teillastbereich, das vermutlich von einer zu weichen Aufhängung des Antriebsstrangs herrührt. Mit einem Preis von 29.350 Euro bewegt sich der VW Sharan Carat VR6 am oberen Rand seines Marktsegments. Das gilt auch für den Verbrauch (13,2 Liter/100 Kilometer), weshalb ihm nicht nur eine Abspekkungskur, sondern mehr noch ein Motor mit besserem Durchzug im unteren Drehzahlbereich zu wünschen wäre. VW weiß schließlich am besten, wie man einen Renner ohne Intercity- Zuschlag baut: Die bahnbrechende Formel für Erfolg heißt längst TDI.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • Gutes Raumangebot mit vielen Variationsmöglichkeiten
  • zahlreiche Ablagen
  • hohe Funktionalität
  • umfangreiche Serienausstattung
  • hohe Zuladung
  • gute Verarbeitungsqualität
  • schlechte Übersicht nach vorne
Antrieb
  • gut abgestuftes Fünfganggetriebe
  • exakte Schaltung
  • gute Laufkultur
  • durchzugsschwacher Sechszylindermotor mit kernigem Geräusch
  • gute Laufkultur
  • befriedigende Fahrleistungen trotz hohem Leergewicht
Fahrkomfort
  • Hoher Federungskomfort, aber bei Beladung unterdämpft
  • bequeme Einzelsitze mit vielen Verstellmöglichkeiten
  • geringe Windgeräusche
  • starke Aufheizung
  • mäßig bequemer Einstieg nach hinten
Fahreigenschaften
  • Fast neutrales Kurvenverhalten
  • geringe Seitenneigung
  • auch bei hoher Belastung wirksame Bremsen
  • zielgenaue, jedoch beim Rangieren etwas schwergängige Lenkung
  • gute Handlichkeit
Sicherheit
  • hoher Sicherheitsstandard mit zwei Airbags, ABS-Kopfstützen und Automatikgurten für alle Plätze
Kosten
  • reichhaltige Serienausstattung
  • großes Servicenetz
  • teure Anschaffung
  • empfindliche Stoßfänger und Schutzleisten in Wagenfarbe lackiert
  • hohe Unterhaltskosten
  • begrenzte Wiederverkaufschancen
Umwelt
  • relativ hoher Benzinverbrauch
  • großer Materialaufwand aber Stoffe weitgehend wiederverwertbar
Technische Daten
VW Sharan VR6 Carat
Grundpreis 30.090 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4617 x 1810 x 1728 mm
KofferraumvolumenVDA 256 bis 2610 l
Hubraum / Motor 2792 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 128 kW / 174 PS bei 5800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 199 km/h
0-100 km/h 11,7 s
Verbrauch 11,6 l/100 km
Testverbrauch 13,2 l/100 km
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