VW Tiguan 1.4 TSI im Test

Folgs-Wagen

Foto: Hans-Dieter Seufert 40 Bilder

Kompakte Geländewagen stehen hoch im Kurs, das Segment boomt. Im Windschatten von Toyota RAV4 und Co. folgt nun endlich der neue Tiguan von VW. Test der Einstiegsversion mit 150 PS.

Spät, aber nicht zu spät – so lautet ein Motto der VW-Modellpolitik. Vor allem, wenn es neue Nischen zu besetzen gilt, fallen Entscheidungen sehr zögerlich oder werden gar auf die lange Bank geschoben. Beispiele gefällig? Der Minivan Touran kam ebenso mit großer Verspätung auf den Markt wie der hoch bauende Golf Plus und der Cross Golf.

Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Die späte Geburt hat den Erfolg dieser Modelle bislang nicht verhindert. Auch der VW-Beitrag zur Klasse kompakter Soft-Geländewagen kommt mit gehörigem Verzug: 14 Jahre nach dem Debüt des Marktmachers Toyota RAV4 und immer noch vier Jahre nach dem BMW X3, der zur Zeit in diesem Segment das Maß der Dinge ist.

Im kleinen Bruder des VW Touareg, der den aus Tiger und Leguan gebildeten Kunstnamen Tiguan trägt, erwächst dem BMW aber ein ernsthafter Konkurrent. M it einer Länge von 4,46 Metern liegt der VW zwischen RAV4 (4,40 m) und X3 (4,57 m), im Anschaffungspreis dagegen auf dem Niveau des Toyota.

26 700 Euro kostet die Einstiegsversion mit 150 PS starkem Benziner, während BMW für den vergleichbaren X3 rund 8000 Euro mehr verlangt. An seiner Preiswürdigkeit kann es nicht liegen, dass der Tiguan unterwegs viel Aufsehen erregt. Wohl aber an seiner ansehnlichen, wohlproportionierten Karosserie mit sanft ansteigender Gürtellinie, Lichtkanten in den Flanken und kräftig profilierter Motorhaube.

Auf martialisches Offroad-Beiwerk verzichtet sie gänzlich. Das kommt gut an und macht den hochbeinigen VW – Bodenfreiheit 195 Millimeter – auch für jene Klientel interessant, die mit Ausflügen ins Grüne absolut nichts im Sinn hat. Wer ins Gelände will oder muss, dem bietet VW mit dem Typ „Track & Field“ eine Variante mit eigenständiger Frontpartie und größerem Böschungswinkel vorn (28 statt 18 Grad) an.

Sie verfügt über einen soliden, aber unauffälligen Unterfahrschutz, schwarze Dachreling, Türstoßleisten in Wagenfarbe, Leichtmetallräder, Kompass-Anzeige und eine Offroad-Taste zur Aktivierung spezieller Assistenzsysteme für den Geländeeinsatz. Der Aufpreis für dieses Paket, mit dem auch der Testwagen bestückt war, beträgt 1175 Euro.

Wäre da nicht die hohe Position, die man in den straff gepolsterten, guten Halt vermittelnden Sportsitzen (einschließlich Lederausstattung 2385 Euro extra) einnimmt, würde nichts an einen Offroader erinnern. Das Armaturenbrett ist vorbildlich gegliedert, mit übersichtlichen Instrumenten bestückt sowie mit einem hoch angeordneten und damit gut im Blickfeld liegenden 6,5-Zoll- Bildschirm des Infotainment-Systems ausgerüstet.

Die Kunststoffmaterialien wirken keinesfalls billig, sie sind fingerfreundlich und gut verarbeitet. Keine Frage, dieses Interieur stünde auch einem Golf gut zu Gesicht. Praktisch ist es obendrein, das zeigen Drehregler für die Klimaanlage, die kombinierte Tasten- und Touchscreen- Bedienung der Kommunikationszentrale (siehe Spotlight), zahlreiche Ablagen für allerlei Kleinkram, mehrere Flaschenhalter in Türen und Mittelkonsole, Klapptischchen an den Sitzlehnen sowie die hohe Variabilität.

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Es gibt umklappbare Beifahrer- und Rücksitzlehnen sowie eine geteilte Fondbank mit um 16 Zentimeter verschiebbaren Hälften. Die sich beim Klappen automatisch absenkenden Sitzflächen ermöglichen eine fast ebene Ladefläche, sofern der höhere Gepäckraumboden geordert wird (215 Euro), unter dem sich Notrad und Staufächer befinden.


Vorbildlich auch die respektable Stehhöhe unter der weit öffnenden Heckklappe. Das Raumgefühl lässt sogar auf der nochmals etwas höher angeordneten Rücksitzbank keine Wünsche offen, sofern man akzeptiert, dass der Tiguan hinten in der Mitte nur einen Notsitz bietet. Viel Platz für vier Personen also, ebenso für deren Gepäck (505 Liter).

Maximal fasst der VW klassenübliche 1510 Liter, bei umgelegter Beifahrersitzlehne sogar Sperrgut bis 2,50 Meter Länge. Ein besonders durchdachtes Detail ist die ausklappbare Anhängerkupplung für stolze 750 Euro: Sie fällt per Seilzug aus ihrem Versteck und wird mit dem Fuß mühelos arretiert.

Auch Zuladung (508 kg) und Zuglast (gebremst 2000 kg) sind lobenswert. Als Einstiegsmotor fungiert der im Testwagen installierte, nur 1,4 Liter große Direkteinspritzer mit Doppelaufladung (Kompressor und Turbo) und 150 PS.

Größere Benziner mit 170 und 200 PS sollen im Frühjahr 2008 folgen. Anders als etwa im Golf, in dem dieser 1,4-Liter- Motor überzeugte, hat er in dem einschließlich Fahrer über 1,7 Tonnen wiegenden Tiguan einen sehr schweren Stand. In der Beschleunigung auf Tempo 100 verfehlte der VW mit 10,9 Sekunden die Vorgabe des Werkes um 1,3 Sekunden.

Zudem geben die ungewohnte Anfahrschwäche, eine oft zögerliche Gasannahme auch bei mitt- leren Drehzahlen, die das Triebwerk zugeschnürt erscheinen lässt, die schlechte Elastizität im ellenlangen sechsten Gang und vor allem das starke Ruckeln der offensichtlich zu weich gelagerten Antriebseinheit nach Schaltvorgängen mit schnellen Gaswechseln Anlass zu Kritik.

Weder die gute Drehwilligkeit noch die geringe Geräuschentwicklung oder die leichte Schaltbarkeit des ausreichend präzisen Sechsganggetriebes vermögen diese Schwächen aufzuwiegen. Das schafft auch der Verbrauch nicht: Er ist mit durchschnittlich 11,2 Liter Super pro 100 Kilometer keineswegs zeitgemäß.

Die Minen der Fahrer hellen sich erst wieder auf, wenn kurvenreiche Landstraßen in Sicht kommen. Hier ist der Tiguan in seinem Element.

Erstaunlich neutral und mit geringer Wankneigung meistert er Biegungen aller Art, wobei sein 4motion-Allradantrieb sowie die optionale, üppige 18-Zoll-Bereifung (235/50 für 1050 Euro) permanent ausgezeichnete Traktion sicherstellen.


Mit seinem überaus gutmütigen Fahrverhalten, das er auch seiner sehr verwindungssteifen, absolut knisterfreien Karosserie verdankt, und einer geradezu sportlichen Agilität weckt der Tiguan auf Anhieb Vertrauen. Seine Lenkung arbeitet präzise, stoßfrei und bietet ausreichende Rückmeldung.

Die vom Golf GTI stammenden Bremsen verzögern spurtreu und lassen sich gut dosieren, neigen aber bei sehr hoher Beanspruchung zu leichtem Fading. Die „Track & Field“-Version besitzt eine Offroad-Taste, die gleich mehrere im Gelände nützliche Fahrhilfen aktiviert.

Dazu gehören etwa die Änderung der Gaspedalkinematik zur feineren Dosierbarkeit des Drehmoments, bei geringstem Schlupf per Bremseingriff aktiv werdende elektronische Sperren, mit höherer Pulsfrequenz regelndes ABS sowie der Bergabfahrassistent. Dem muss man blind vertrauen, denn er schaltet sich sofort ab, wenn man bremst, Gas gibt oder Tempo 20 erreicht.

Diese Helferlein sind nützlich, können aber nicht das Sperren-Equipment eines Hardcore-Geländegängers ersetzen, was auch keiner erwartet. Sehr wohl erhofft man sich aber einen ordentlichen Federungskomfort, schließlich ist die Straße das Hauptrevier des Tiguan. Damit kann er nur bedingt dienen, weil der Langsamfahrkomfort sehr zu wünschen übrig lässt.

Kurze Unebenheiten kommen weitgehend ungefiltert bei den Passagieren an, erst bei höherem Tempo teilt er Stöße in gemilderter Form aus. Zudem stört die Stuckerneigung auf Querrillen. Fairerweise sei nicht verschwiegen: Windund Fahrgeräusche sind sehr niedrig, zudem rollt der VW trotz seiner üppigen Bereifung angenehm leise ab.

Bei aller Detailkritik steht außer Zweifel: Auch dieser spät geborene VW macht seinen Weg. Es ist wohl nur eine Frage kurzer Zeit, bis sich der Folgs- Wagen zum Erfolgs-Wagen mausert.

Fazit

Kompakter SUV mit überzeugenden Alltagstalenten, narrensicherem Fahrverhalten und sehr guter Handlichkeit. Der unelastische, durstige Motor und Komfortschwächen trüben die Fahrfreude.

Technische Daten
VW Tiguan 1.4 TSI 4Motion Track & Field
Grundpreis 28.675 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4457 x 1809 x 1686 mm
KofferraumvolumenVDA 470 bis 1510 l
Hubraum / Motor 1390 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 110 kW / 150 PS bei 5800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 192 km/h
0-100 km/h 10,9 s
Verbrauch 8,3 l/100 km
Testverbrauch 11,2 l/100 km
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