VW Tiguan & Renault Koleos

French Kies

Foto: Hans-Dieter Seufert 45 Bilder

Jetzt also auch Renault: Mit dem Koleos bringen die Franzosen ihren ersten SUV auf den Markt. Ob seine Entwickler von der Muse geküsst waren, klärt der Vergleich mit dem Marktführer VW Tiguan.

Was hat sich VW alles anhören müssen: Neben manchem anderem fehlte lange ein kleiner SUV im Programm, obwohl die doch gerade richtig boomen. Mal wieder einen Trend verpennt also. Doch was passiert? Kaum ist der Tiguan auf dem Markt, stürmt er die Zulassungshitliste und ist auf Monate hinaus ausverkauft. Wer später kommt, kann offensichtlich schon aus den Fehlern der anderen lernen.

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Doppeltest Renault Koleos, VW Tiguan
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Nach dieser Logik müsste Renault jetzt richtig abräumen, denn die Franzosen haben sich bei ihrem Koleos nochmals fast ein Jahr mehr Zeit gelassen. Zumindest beim Styling trumpft er aber nicht mit Jetzt-komm-ich-Gehabe auf, sondern schaut mit seiner Knubbel-Nase etwas brav und unbeholfen in die Welt hinaus. Immerhin erleichtert die abgerundete Frontpartie das Erklimmen steiler Böschungen, an denen der getestete Tiguan Sport & Style mit seiner dicken Unterlippe scheitert.

Koleos-Manko: Ganzjahresreifen

Dabei wühlen sich beide jenseits des Asphalts gekonnt durch Matsch und Schotter: Automatisch zuschaltende Allradantriebe sorgen für üppige Traktion, und wenn es mal richtig steil wird, greifen Bergan- und -abfahrhilfen ein. Der Koleos, der sich 60 Prozent seiner Technik mit Nissans X-Trail teilt, fährt per Tastendruck auch als reiner Fronttriebler. Obwohl der Tiguan ebenfalls mit Gelände-Schnauze angeboten wird, entscheiden sich zwei Drittel aller Käufer für die getestete Sport & Style-Variante. In dieser Klasse ertönt der Ruf der Wildnis also nach wie vor sehr leise.

Umso unverständlicher daher, dass der Koleos mit groben Ganzjahresreifen bestückt wird, die auf der Straße zu deutlich längeren Bremswegen führen. Außerdem gehört er zu den wenigen Autos, die sich auf unterschiedlich griffigem Untergrund schwer beherrschen lassen und trotzdem spät zum Stehen kommen. Hier muss nachgebessert werden. Zügiges Fahren macht im Koleos ohnehin nur dann Spaß, wenn es geradeaus geht.

Mit seiner betont weichen Federung hält sich der Koleos bewusst aus dem Wettstreit um den agilsten SUV heraus. Auf ihrer höheren Sitzposition schweben die Insassen beinahe über ruppige Asphaltflicken, Kopfsteinpflaster oder Straßenbahnschienen hinweg. Die komfortable Fahrwerksauslegung wird allerdings mit starken Karosseriebewegungen in Kehren und einem Aufschaukeln auf langen Wellen verkauft.

Hinzu kommt ein nicht ganz eindeutiges Kurvenverhalten, das seinem Fahrer bisweilen ein mulmiges Gefühl bereitet: Nimmt er eine Biegung zu optimistisch oder muss er einem Hindernis ausweichen, schiebt der Koleos über die Vorderräder zum Kurvenrand. Geht er dann erschrocken vom Gas, hat das früh einsetzende ESP alle Hände voll zu tun, sein nach außen drängendes Heck wieder einzufangen.

Tiguan vermittelt mehr Sicherheit

Verbindlicher fährt sich da der straffe Tiguan, der zwar Unebenheiten nicht so geschmeidig übertüncht, seinem Fahrer aber mit weniger Karosserieneigung und neutralerem Eigenlenkverhalten den ein oder anderen Schweißausbruch erspart. Da auch seine Lenkung mehr Fahrbahnkontakt liefert, fühlt sich der Tiguan deutlich sicherer an. Konsens hingegen beim Antrieb: Die zwei Liter großen und rund 170 PS starken Turbodiesel schieben mächtig an und lassen sich mit acht Liter auf 100 Kilometer bereits flott bewegen.

Obwohl sein Name Größe suggeriert, ist der französische Neuling nur zehn Zentimeter länger als der Tiguan. Und von denen ist im Innenraum nichts zu spüren. Zwar genießen die Passagiere vorn ein etwas luftigeres Raumgefühl als im VW, das liegt aber in erster Linie an seinem filigraneren Armaturenbrett. Mehr Platz als viele Kompaktwagen bieten beide jedoch nicht.

Erfreulich die hochwertige Materialanmutung im Renault: Kunststoffe, Schalter und Instrumente wirken teilweise edler als im soliden, aber wenig aufregenden VW. Hinzu kommen nette Kleinigkeiten wie die erstaunlich tiefe Schublade zwischen den Vordersitzen oder Staufächer im Fußraum. Hilfreich ist auch die zweigeteilte Heckklappe, deren Unterteil als mobiles Picknick-Bänkchen oder Laderampe dient: einfach Gepäckstücke mit bis zu 200 Kilogramm auf der Klappe absetzen und in den glattflächigen Kofferraum schieben, fertig.

Soll noch mehr transportiert werden, klappt die Rücklehne mit einem Griff vor, während gleichzeitig die Sitzfläche nach unten abtaucht. Bei so viel Detailliebe wundern die blechern schließenden Türen oder das instabile Gepäckrollo umso mehr. Doch auch der Tiguan unterstreicht seine Ambitionen als Familien- und- Freizeitmobil mit einer verschiebbaren und in der Neigung verstellbaren Rückbank, vielen Ablagen oder der serienmäßig umklappbaren Beifahrerlehne. Ansonsten scheint das Wort serienmäßig bei VW auf dem Index zu stehen.

Koleos klotzt mit Ausstattung

Mit manueller Klimaanlage oder dem Einfach-Radio bewegt sich die Tiguan-Serienausstattung am unteren Limit dessen, was für über 30.000 Euro zumutbar erscheint, während die Luxe-Version des Koleos mit Bi-Xenon-Scheinwerfern, großem Glasschiebedach, Ledersitzen und Bose-HiFi-Anlage klotzt. Ähnlicher Luxus kostet bei VW rund 6.000 Euro Aufpreis und damit schon fast so viel wie ein Dacia Logan. Trotzdem: Renault hat sich mit seinem SUV zwar viel Zeit gelassen, aber längst nicht alles besser gemacht. Die wenig griffigen Reifen und die stark auf Komfort ausgelegte Federung des Koleos führen in Sachen Fahrsicherheit zu einem nicht ganz gelungenen Mix.

Fazit

1. VW Tiguan 2.0 TDi 4Motion
435 Punkte

Der Tiguan fährt agil und sicher, so wie man es von einer Offroadvariante des Golf erwartet. Mit seinem straffen Fahrwerk müssen allerdings beim Federungskomfort Abstriche gemacht werden. Trotz hoher Preise fällt die Serienausstattung zudem sehr bescheiden aus.

2. Renault Koleos 2.0 dCi 4x4
403 Punkte

Mit komfortabler Federung, vielen durchdachten Details und einer luxuriösen Ausstattung sucht der Koleos seinen Platz im boomenden SUV-Segment. Durch sein kritisches Kurvenverhalten und die mäßigen Bremswerte verliert er in puncto Fahrsicherheit allerdings zu viel an Boden.

Technische Daten
Renault Koleos 2.0 dCi FAP 4x4 Luxe VW Tiguan 2.0 TDI CR 4Motion Sport & Style
Grundpreis 34.000 € 32.700 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4520 x 1865 x 1690 mm 4427 x 1809 x 1683 mm
KofferraumvolumenVDA 450 bis 1380 l 470 bis 1510 l
Hubraum / Motor 1995 cm³ / 4-Zylinder 1968 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 127 kW / 173 PS bei 3750 U/min 125 kW / 170 PS bei 4200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 191 km/h 201 km/h
0-100 km/h 10,1 s 9,3 s
Verbrauch 7,5 l/100 km 6,6 l/100 km
Testverbrauch 9,5 l/100 km 9,1 l/100 km
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