VW Touareg V10 TDI im Test

Fifty-fifty

Foto: Reinhard Schmid 9 Bilder

Mit jeder Menge Kraft, aber auch nicht wenig Mängeln absolvierte der VW Touareg V10 TDI nur eine halbe Dauertest-Distanz: Ein Unfall sorgte für das vorzeitige Ende.

Nach 48.500 Kilometern und damit bei knapp der halben auto motor und sport- Dauertest-Distanz erlitt der Touareg V10 TDI ein frühes Ende. Nach einer fatalen, durch ein unachtsam ausscherendes Fahrzeug ausgelösten Berührung einer Leitplanke auf der A 81 kam das Aus nach einem kurzen, aber ereignisreichen Dauertest- Leben: Totalschaden. Bis in die südlichsten Gefilde von Frankreich und Italien war der Touareg zuvor gerollt und hatte sich dabei als überzeugende Reiselimousine gezeigt.

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Dauertest VW Touareg V10 TDI
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Vom ersten Kilometer an beeindruckte der VW durch sein martialisches Drehmoment von 750 Nm. Auch bei Berganfahrten mit voller Beladung wuchtet der Riese souverän seine dann über drei Tonnen Gewicht in Richtung Gipfel. Der Krafteinsatz erfolgt jedoch oftmals mit schier ungestümer, immer wieder überraschender Brutalität. In engen Parklücken oder beim Anfahren mit einem schweren Hänger verlangt der große VW einen sehr sensiblen Gasfuß. Dafür bekommen Überholvorgänge auf der Landstraße eine bemerkenswerte Leichtigkeit. Die Sechsgang-Automatik hat spürbar leichtes Spiel mit der Diesel-Potenz.

Wie sehr der Touareg von seiner Kraft auch innerlich bewegt wird, zeigten immer wiederkehrende Lastwechselschläge im Antriebsstrang. Die hemdsärmelige Akustik des V10-Aggregats ist nichts für Laufruhe-Fanatiker. Im Stand hämmerte der Fünfliter-TDI mit dem Pulsschlag eines großen Schiffsdiesels, bei kräftigem Gaseinsatz pustete sich die Klangkulisse mächtig auf, und es qualmte eine unerfreuliche Rußfahne aus dem Euro 3- Aggregat. Warm gelaufen gleitet der Brummer aber ruhig und gelassen 700 Kilometer am Stück. Nicht, weil der V10-Motor wenig verbraucht hätte, sondern dank des 100-Liter-Tanks. Mit 14,1 Liter Testverbrauch nimmt der Touareg einen kräftigen Schluck aus der Pulle, jedoch wenig im Vergleich zum viel trinkfesteren Porsche Cayenne. Nach 14.152 Kilometern musste der große VW zum ersten Mal eine Werkstatt ansteuern.

Schon einige Zeit zuvor hatte die ESP-Warnleuchte immer wieder eine Systemstörung gemeldet. Ein kleiner Stellmotor für die Quersperre erwies sich als Übeltäter. Im schweren Gelände hätte es mit diesem Fehler an Traktion gefehlt. Gerade dort, wo es steil, steinig oder morastig wird, fühlt sich der SUV-Koloss mit den richtigen Reifen wohl wie ein Wildschwein im Schlammbad. Die Offroad-Fähigkeiten des Touareg überraschten selbst abgebrühte Geländeprofis. Doch die wenigsten Touareg-Fahrer scheuchen ihren großen Beweger wirklich in den Dreck. Das einfach zu reinigende Interieur reagierte jedenfalls auch auf Schmutzattacken während des Dauertests nicht allergisch. Trotz seines edlen Antlitz’ erhielt sich der prächtige Touareg- Innenraum ein ordentliches Maß an Solidität. So wirken zum Beispiel die wuchtigen Ledersitze bei der ersten Sitzprobe etwas zu straff gepolstert, doch mit jedem Kilometer Fahrstrecke gewinnen die mächtigen Sessel an Komfort. Nur der schwache Seitenhalt und der knappe Fondraum wurden über die komplette Dauertestbilanz bemängelt.

Bei rund 24.000 Kilometern ging dann plötzlich das Licht aus. Das Steuergerät des linken Xenon-Scheinwerfers quittierte den Dienst. Kein günstiges Vergnügen: Der Tausch hätte außerhalb der Garantiezeit 502 Euro gekostet. Besonders ärgerlich: Wegen des nicht vorrätigen Steuergeräts musste der VW fast drei Tage in der Werkstatt verbringen.

Fast zeitgleich begannen auch die Probleme mit der Komfort- und Infotainment-Elektronik. Die Zentralverriegelung und das Keyless-go-System spielten dabei die Schlüsselrolle. Mal erkannte der Touareg seine Funkpartner, mal nicht. Zumindest fielen die Systeme nie vollständig aus. Der Fehlerspeicher liefert keine Erkenntnisse. Vorsorglich wurden aber die Batterien im Schlüssel getauscht, und der Touareg startete zu seiner ersten großen Ausfahrt über die Alpen nach Italien. Dabei offenbarte er eine kleine Schwachstelle. Denn im Vergleich zu seinen ausladenden Außen-Dimensionen bleibt das Ladevolumen knapp. Als während einer Fotosession das umfangreiche Kameragepäck aus einem Volvo XC 90 in den großen VW geladen werden sollte, kam der Touareg in arge Platznöte.

Die automobilen Qualitäten legen bei hoher Beladung zu. Rumpelt der Touareg mit seiner Luftfederung (im V10-Modell serienmäßig) im unbeladenen Zustand etwas unbeholfen über Bahnschwellen, so entwickelt er beladen eine erstaunlich sanfte Fürsorge für seine Insassen. Als Sensibelchen erweist sich auch die elektronische Einparkhilfe. In französischen Autobahnmaut- Stationen wimmerte sie laut fiepend vor sich hin.

Noch mehr strapazierte die Nerven aber das unzuverlässige Verhalten des Navigationssystems. Abstürze, Führungs-Verweigerung und eine oftmals verzerrte Ansagestimme machen den sonst guten Eindruck des Blaupunkt-Systems zunichte. Bei Kilometer 42.356 wurde der Touareg dann plötzlich zum Wassertrinker und schluckte innerhalb von wenigen hundert Kilometern literweise Kühlwasser, ohne dass ein Leck ersichtlich gewesen wäre. Eine Undichtigkeit zwischen Ölkühlergehäuse und Motorblock erwies sich als Übeltäter. Keine Trivialität, sondern eine ernsthafte Bedrohung für den großen Diesel. Beim Thema Kosten zeigt der Touareg einen Janus-Kopf: Anschaffung, Wertverlust und Versicherungsprämien verlangen einen kräftigen Obolus. Bei den Betriebskosten hält sich der VW aber für einen SUV dieser Klasse erstaunlich zurück: Noch angemessene Treibstoffkosten und sehr lange Wartungsintervalle reißen kein großes Loch in die Geldbörse.

Zwiespältig ist auch das Fazit: Der Touareg ist ein exzellenter Reisewagen und Kletterkünstler – wenn alles läuft.

Bis auf die am Anfang ständig vorgehende Digitaluhr zeigte mein Touareg R5 TDI auf 18 000 Kilometern bislang keine Defekte oder Ausfälle. Verarbeitung und Qualitätsanmutung liegen auf hohem Niveau. Das Fahrverhalten und der Komfort sind sowohl auf wie auch neben der Straße super. Die leichte Anfahrschwäche ist nur am Anfang gewöhnungsbedürftig, ansonsten ist die Motorisierung aber absolut ausreichend. Ich schätze den Touareg auch als sehr komfortablen Reisewagen mit genügend Platz und Übersicht. Der Verbrauch geht mit Werten zwischen 8,5 und 11 Litern pro 100 Kilometer voll in Ordnung.
Charly Hilpert, 90451 Nürnberg
 

Ich besitze einen der ersten Touareg mit V10-Dieselmotor. Das Auto ist fantastisch, aber leider noch nicht ausgereift. Bisher war noch nichts kaputt, aber wegen diverser Rückruf-Aktionen musste ich mehrmals in die Werkstatt. Auf den bisher gefahrenen 20 000 Kilometern lag der Durchschnittsverbrauch bei 13,4 Litern. Wenn ich nicht schon einen hätte, würde ich mir morgen wieder einen bestellen.
Winfried Rauch, 97490 Haldenwang
 
Ich habe mit meinem Touareg R5 TDIbisher 22 000 Kilometer zurückgelegt. Sehr überzeugt bin ich von Design, Verbrauch und den Fahreigenschaften des Autos. Die Freude wird allerdings durch eine Vielzahl von Qualitätsmängeln erheblich getrübt: verrostete und gebrochene Kupplung, Totalausfall der elektrischen Lordosenstütze am Fahrersitz (sechsmonatige Wartezeit auf Ersatzteil), zeitweiliger Totalausfall des Navigationssystems mit mehreren erfolglosen Software- Updates und einem Kurzschluss der Batterie. Als Fazit bleibt mir nur festzustellen: ein sehr gelungenes Auto, aber zu viele Detailmängel.
Christoph Schäfer, 44982 Bochum

Zusammenfassend kann ich das Urteil über meinen Touareg R5 TDI nach 12 000 Kilometern folgendermaßen fixieren: ein hervorragendes Fahrzeug – wenn es funktioniert. Von Anfang an war ich begeistert von der Bequemlichkeit und der sehr soliden Mechanik sowie der Qualität der Innenausstattung. Nur leider hält die Zuverlässigkeit nicht dem Anspruch der Preisklasse stand: Inzwischen war ich sechs Mal in der Werkstatt, drei Mal davon über den Notdienst. Wären nicht die Probleme, so könnte ich den Wagen uneingeschränkt empfehlen.
Knut Tepe, 82205 Gilching 

CarCheck: Bei der Kundenzufriedenheitsumfrage, die auto motor und sport gemeinsam mit der Schwesterzeitschrift „Auto/Straßenverkehr“ 2004 durchführte, konnte der VW vor allem beim Fahrkomfort, den Fahreigenschaften, dem Platzangebot, dem Styling und der Verarbeitungsqualität überzeugen. Weniger zufrieden waren die Touareg- Fahrer mit Handling, Heizung/Lüftung und den Kosten, die insgesamt als zu hoch eingestuft wurden. Viele VW-Kunden hadern außerdem mit der Zuverlässigkeit ihres Geländegängers. Ausgerechnet der Allrad- Antrieb bereitete sehr viel Ärger.

Die große Defekt- Anfälligkeit lässt den VW Touareg wesentlich schlechter dastehen als die Konkurrenz. Auch mit der Bremsanlage steht es bei den Kunden-Autos nicht zum Besten. Sehr häufig macht der Brems-Assistent Ärger, und auch über Mängel am Bremskraftverstärker wird geklagt. Selbst Sicherheitssysteme wie Gurte oder Airbags tauchen in der Problem-Liste auf. Und die ist lang, denn Luftfederung, Navigationssystem, Sitzverstellung, Autotelefon, Tankanzeige, Bordcomputer oder Regensensor bereiten ebenfalls Kummer. 

Technische Daten
VW Touareg V10 TDI
Grundpreis 71.800 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4754 x 1928 x 1726 mm
KofferraumvolumenVDA 555 bis 1525 l
Hubraum / Motor 4921 cm³ / 10-Zylinder
Leistung 230 kW / 313 PS bei 3750 U/min
Höchstgeschwindigkeit 225 km/h
Verbrauch 12,3 l/100 km
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