VW Touran 1.6 FSI im Test

Innen hui, außen naja

Neben Multivan und Sharan bietet VW nun auf Basis des nächsten Golf den kleineren Kompaktvan Touran an. Welche inneren Werte bietet das äußerlich so unscheinbare neue Modell? Im Test: der 1.6 FSI.

Lange hat es gedauert, bis VW mit dem Touran in den Zweikampf der kompakten Vans eingreift, der vor allem von Renault Scénic und Opel Zafira ausgefochten wird. Doch während VW noch ein Neuling ist, steht vom Trendsetter aus Frankreich von 1996 bereits die zweite Auflage in den Startlöchern. Und Opel hat beim Zafira nach vierjähriger Laufzeit ein Facelift auf dem Programm. Anders als Opel und Renault möchte VW seinen Kunden jedoch nicht diktieren, ob maximal fünf oder sieben Personen einen Sitzplatz finden. Der Touran, ab 14. März im Handel, offeriert beide Möglichkeiten. Fünf Sitze sind Standard, die beiden Plätze in der dritten Reihe kosten 595 Euro Aufpreis. Trotzdem ist der Touran im Basispreis rund 1000 Euro teurer als ein serienmäßig siebensitziger Zafira. Zudem dürften selbst die meisten als Siebensitzer georderten Touran mit weggeklappten Sitzen Nummer sechs und sieben unterwegs sein, wovon das Ladevolumen deutlich profitiert. So wächst der Kofferraum vom Sparformat eines VW Lupo auf stattliche 695 Liter. Werden die Sitze der zweiten Reihe ausgebaut, stehen sogar 1913 Liter zur Verfügung. Beim reinen Fünfsitzer sind es maximal 1989 Liter. Wie sitzt es sich im Falle eines Falles denn nun ganz hinten? Für die Kurzstrecke akzeptabel. Die Beine sind stark angewinkelt, die Sitzflächen zu kurz, und die Füße kollidieren mit den Gestellen der Sitze in der zweiten Reihe. Auch der Zustieg in den Fond gestaltet sich beschwerlich, so dass die hinteren Sitze eher Junioren statt Senioren zugemutet werden sollten. Jenseits der maximalen Passagierkapazität spielt beim Touran die Variabilität eigentlich die wichtigere Rolle. Eine von zahlreichen Innenraum-Varianten ist der Viersitzer. Dazu wird der mittlere Sitz ausgebaut, dann werden die beiden äußeren Sitze um einige Zentimeter nach innen versetzt. Zum üppigen Beinraum gesellt sich eine komfortable Schulterfreiheit. Man wünscht sich lediglich etwas mehr Oberschenkelauflage. Aus- und Einbau der Sitze gehen leicht von der Hand. Zudem muss man kein Gewichtheber sein, um die knapp 16 Kilogramm schweren Sitze zu tragen. Platz nehmen zur Probefahrt! Als Erstes fallen die wohlgeformten Vordersitze auf, deren Sitzflächen – im Gegensatz zu denen des VW Touareg – nicht zu schmal geschnitten sind. Die Lehnen reichen sehr hoch und unterstützen den Rücken bis hinauf zu den Schultern an den richtigen Stellen.

Ein großer Verstellbereich – sowohl horizontal als auch vertikal – ermöglicht zusammen mit dem in Höhe und Reichweite verstellbaren Lenkrad eine für jede Statur passende Sitzposition. Der Blick fällt auf ein Cockpit, das keinerlei Rätsel aufgibt. Die Bedienelemente sind zwar neu gestaltet, befinden sich aber an gewohnter Stelle und lassen sich intuitiv betätigen. Die Instrumente sind klar ablesbar und schnörkellos. Das gilt für die gesamte Armaturentafel, die in ihren grauen Farbtönen jedoch etwas trist aussieht. Das macht sich aber qualitativ nicht negativ bemerkbar. Die Oberflächen wirken vielmehr hochwertig, nichts klappert, und alles ist gut verarbeitet. Zur Basis-Ausstattung gehören unter anderem eine fernbedienbare Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber vorne und ein CD-Radio. Auch die Sicherheitsausstattung ist mit ESP, sechs Airbags, Dreipunktgurten für alle Sitzplätze und Isofix-Kindersitzhalterungen bei den äußeren Sitzen der zweiten Reihe erfreulich komplett. Darüber hinaus stehen noch die sportliche Trendline- (1025 Euro) sowie die luxuriöse Highline-Ausstattung (3375 Euro) zur Wahl. Nur bei letzterer ist die halbautomatische Klimaanlage Climatic serienmäßig, die ansonsten 1075 Euro kos-tet. Für die vollautomatische Zwei-Zonen-Climatronic werden 1345 Euro Aufpreis fällig (bei Highline 270 Euro). Eine von drei Motorisierungen, die zum Verkaufsstart zur Verfügung stehen, ist der hinlänglich bekannte 1,9-Liter-Pumpe-Düse-TDI mit 100 PS. Er erfüllt im Touran genauso die Euro 4-Norm wie der 1,6-Liter-FSI mit 115 PS und der neue 136 PS starke Zweiliter-Vierventil-TDI. Ab Mai bestellbar ist – als einziger mit Fünfganggetriebe – ein 1,6-Liter-Benziner mit 102 PS (19.950 Euro). In der zweiten Jahreshälfte erweitert ein Zweiliter-FSI mit 150 PS das Angebot. Als Alternative zur serienmäßigen Sechsgangschaltung werden für die Diesel das Direktschaltgetriebe DSG sowie für die FSI-Modelle eine Sechsgangautomatik (Tiptronic) angeboten. Der Basis-Diesel erweist sich als angenehme Antriebsquelle. In gewohnter Manier tritt er aus niedrigen Drehzahlen kräftig an und dreht leicht bis über 4.000 U/min. Dass der Motor sein Arbeitsprinzip dabei deutlicher kundtut als vergleichbare Common-Rail-Diesel, ist auch nichts Neues. Fraglich ist aber, wie das Aggregat mit der hohen möglichen Zuladung von bis zu 660 Kilogramm fertig wird.

Es darf dabei aber auf die Unterstützung durch das sehr gut abgestufte Sechsganggetriebe bauen. Außerdem ist der Schalthebel exakt geführt, die Schaltwege sind kurz, und die Gänge rasten sauber ein. Ebenfalls von der betont sportlichen Sorte – und das ist die größte Überraschung – ist das Fahrverhalten des Touran. Das verwundert umso mehr, als der kompakte VW-Van über eine elektromechanische Servolenkung verfügt – eine Technik, die bislang wenig überzeugen konnte, weil das Lenkgefühl immer etwas synthetisch wirkte. Anders dagegen im Touran. Bei der neu entwickelten, so genannten Double-Pinion-Lenkung befindet sich der Elektromotor direkt am Lenkgetriebe. Der Eingriff auf die Zahnstange erfolgt über zwei Ritzel. Das Ergebnis ist ein präzises Lenkgefühl, das mit den besten herkömmlichen Servolenkungen vergleichbar ist. An dem insgesamt für diese Fahrzeugkategorie ungewöhnlich agilen Fahrverhalten dürfte aber auch die neue Vierlenker-Hinterachse großen Anteil haben. Da diese Einzelradaufhängung bei allen Ablegern der Golf V-Familie eingesetzt wird, ist zu erwarten, dass sich der künftige Golf noch dynamischer bewegen lässt als der Touran. Denn der Radstand des Golf V ist 60 Millimeter kürzer als beim Touran, und der Schwerpunkt ist tiefer. Außerdem müssen bei der Feder-Dämpfer-Abstimmung weniger Kompromisse als beim Touran eingegangen werden, der wegen der hohen Zuladung auch bezüglich der Federwege größere Reserven bereithalten muss. Diese Kompromisse äußern sich beim nur mit dem Fahrer besetzten Touran in einer ziemlich straffen Abstimmung. Auf Querfugen neigt der Touran zum Stuckern. Insgesamt geht der gebotene Federungs- und Abrollkomfort aber in Ordnung, zumal sich das Ansprechverhalten mit steigender Zuladung noch verbessern dürfte. Angesichts der sich schon beim ersten Zusammentreffen andeutenden Qualitäten des Touran erscheint die Zahl von 80.000 Stück, die VW in diesem Jahr in Deutschland noch verkaufen möchte, nicht übertrieben optimistisch. Spät kommt er, aber er kommt.

Fazit

Der neue Touran ist ein überzeugender Kompaktvan mit viel Platz und begeisternden Fahreigenschaften. Komfort und Variabilität sind weitere Stärken. Als Siebensitzer ist er nur bedingt einsetzbar. Der FSI-Motor ist nicht erste Wahl.

Technische Daten
VW Touran 1.6 FSI
Grundpreis 21.450 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4391 x 1794 x 1635 mm
KofferraumvolumenVDA 695 bis 1989 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 85 kW / 115 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 186 km/h
Verbrauch 7,4 l/100 km
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