VW Touran 2.0 TDI Highline im Test

Schmuck-Anstieg

Foto: VW 15 Bilder

Mit der Modellpflege erhält der bisher emotionslose VW Touran eine glänzende Halskette um den Kühlergrill. Die 170-PS-Variante des Zweiliter-TDI soll mit 350 Nm Drehmoment für ordentlich Druck sorgen.

Führerlos wirbelt das Lenkrad herum, der Touran schlägt einen Haken nach rechts, dann nach links, als wolle er einen Drift abfangen. Doch alles spielt sich bei Schrittgeschwindigkeit ab: Nahezu selbstständig rangiert der VW-Van in die Lücke. Deutlich spektakulärer als das Facelift des Bestsellers ist seine Einparkhilfe namens Park Assist (siehe Spotlight Seite 30). Ab März wird sie für 670 Euro in der Preisliste stehen. Ein weiterer Schritt auf dem Weg in die Unselbstständigkeit des modernen Fahrers? Zumindest fördert VWs Park Assist nicht gerade das Einsehen, dass zur Beherrschung eines Autos auch korrektes Einparken gehört.

Wer andererseits die täglichen, vom Misserfolg gekrönten Kurbel-Dramen in der Stadt miterlebt, muss erkennen: Zur Schonung von Reifenflanken, Stoßleisten, Kupplungen und Geduld der Nachfolgenden ist der elektronische Einpark- Helfer bestens geeignet. Für VW wird der Park Assist zum Alleinstellungs-Merkmal. Kein anderer Van bietet sich im Grenzbereich des Stadtverkehrs so dienstbeflissen an, keinem anderen wird künftig so viel stille Dankbarkeit entgegenströmen. Man muss nicht schön sein, um Erfolg zu haben.

Der Touran hat es bewiesen, frei nach der Schokoladen- Werbung: quadratisch, praktisch, gut. Die Attraktivität des Familien-Golf beruht auf seinen inneren Werten. Und da gibt es wenig Grund zu Änderungen – die Modellpflege beschränkt sich im Wesentlichen auf Äußerlichkeiten.

Nun erhält sein gedeckter Anzug einen Samtkragen, was ihn zum Auffälligen unter den Unauffälligen erhebt: Kunststoff in Chromoptik bringt Glanz ins vormals matte Allerweltsgesicht, betont den neuen Wappen-Kühlergrill, lässt den Touran um 16 Millimeter wachsen. Und rückt ihn derart geschmückt auch optisch in die Region des Preises: ab 20 460 Euro und damit sogar 190 Euro günstiger als bisher – zumindest für eine Weile, bis VW die Erhöhung der Mehrwertsteuer einkalkulieren wird. Immerhin bleibt der Touran ebenso wie der Opel Zafira noch knapp unter der psychologisch wichtigen Marke von 21 000 Euro.

Eine Überlegung ist dagegen das Doppelkupplungs-Getriebe DSG wert (1675 Euro). Es verschleift die Schaltvorgänge zur Unkenntlichkeit, leistet sich aber anders als bisherige Modelle einen störenden Schluckauf beim zügigen Anfahren – die automatisierte Kupplung schließt mit einem leichten Ruck, was sich vor allem beim Einparken am Berg nur mit sensiblem Gasfuß abmildern lässt. Das schmälert den Komfortcharakter des DSG.

Dennoch wird der Touran als TDI mit DSG zum Kilometer-Fresser. Das Fahrwerk bietet einen erstklassigen Kompromiss aus Komfort und Agilität: Hinter der unscheinbaren Van-Fassade steckt ein spitzbübischer Kurven-Räuber – der Touran kann mehr, als die chauffierte Familie verträgt. ESP Plus muss selten einspringen, allenfalls als Traktionskontrolle auf nassem Asphalt.

Seit Mai verfügt der Fahrdynamik-Wächter über Gespann- Stabilisierung und Gegenlenk-Empfehlung beim Bremsen auf einseitig rutschigem Belag; kurzes Zucken der elektromechanischen Lenkung gibt dem Fahrer dann die Richtung vor. Auch sonst ist der Touran ein Leitwolf. Die Richtung, in die er mit seinem nun markanteren Gesicht im Van- Markt marschieren wird, ist unschwer zu prognostizieren: weiterhin nach vorn. Wer wollte diesem VW den Führungsanspruch streitig machen?

La Ola, Beifallsstürme oder Glückwünsche an den stolzen Besitzer wird der Neue selbst nach dem Lifting kaum auslösen. Die kantige Grundform eines flachen Lieferwagens bleibt bestehen, mit ihr glücklicherweise sämtliche positiven Auswirkungen: deutlich mehr Platz als im Plattform-Bruder Golf, etwa zum Montieren von drei Kindersitzen nebeneinander, optional eine dritte Sitzreihe mit zwei im Wagenboden versenkbaren Klappstühlen (660 Euro).

Alles klappt, faltet und schiebt hervorragend, der Konfigurations-Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt. Nicht zuletzt gestattet der Touran eine angenehm hohe, den Überblick fördernde Position des Fahrers. Damit wären die Anforderungen an einen Van erfüllt, allerdings macht sich der Regensensor (optional) im Sichtfeld unter dem Innenspiegel breit. Mit dem Umbau von gegen- auf gleichläufige Scheibenwischer will VW dies künftig beheben – leider erst ab dem nächsten Modelljahr. Man muss schon nach solch kleinen Schwächen fahnden, um beim Touran fündig zu werden.

Mit einem Marktanteil von 18,3 Prozent ist er seit Anfang 2003 zu Recht Deutschlands Van Nummer eins. Neue Varianten im Antriebsregal sollen den Vorsprung weiter ausbauen. So steht der doppelt aufgeladene Benzin-Direkteinspritzer mit 1,4 Liter Hubraum jetzt mit 140 PS und mit 170 PS demnächst zur Wahl. Bereits seit einem halben Jahr liefert VW den gleichstarken Zweiliter- TDI (ab 30 175 Euro, mit Partikelfilter). Er quadriert den Diesel-Kreis: höhere Leistungsausbeute bei niedrigerer Abgas- Emission.

Als sensible Kraftmeier erzeugen die Piezo-Einspritzventile bis zu fünf Mal pro Arbeitstakt winzige Kraftstoff-Tornados mit bis zu 2200 bar – Technik-Faszination im Verborgenen. Buchhalter-Naturen erfreut, dass der Vierzylinder im Schnitt nur 8,4 Liter/ 100 km durch die Düsen pumpt; Vollzeitsparer drücken das Ergebnis sogar bis auf 5,3 Liter herunter. Der potenteste ist derzeit auch der leiseste Vierzylinder-TDI, doch die sanftere Common-Rail-Konkurrenz entlarvt den Zweiliter noch immer als unwirschen Knurrer. Er lohnt die 875 Euro Aufpreis zur bereits deftig anschiebenden 140-PS-Version nicht – die zusätzlichen 30 Nm verschwinden in der Wahrnehmungs-Unschärfe.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gute Platzverhältnisse
  • hohe Variabilität
  • solide Verarbeitung
  • übersichtliche Bedienung
  • A-Säule und Regensensor versperren die Sicht
Fahrkomfort
  • guter Federungskomfort
  • bequeme und straffe Sitze
  • vernehmbare Knurr-Geräusche unter Volllast
Antrieb
  • gute Fahrleistungen
  • ordentliches Ansprechverhalten
  • schnelle DSG-Schaltung
  • Vibrationen ab 2500/min
  • Anfahr-Ruckeln (DSG)
Fahreigenschaften
  • neutrales Kurvenverhalten
  • agiles Handling
  • hohe Fahrsicherheit
  • präzise Lenkung
Sicherheit
  • standfeste Bremsen
  • ESP serienmäßig
  • Gespann-Stabilisierung
Kosten
  • relativ geringer Wertverlust
  • niedrige Unterhaltskosten
  • hoher Anschaffungspreis
Umwelt
  • Partikelfilter serienmäßig
  • angemessener Verbrauch

Fazit

Das Gute trotz Änderungen: Im Wesentlichen betrifft die Modellpflege die Optik. Der 170-PS-TDI zieht kaum besser als die 140-PS-Version, das DSG ruckt beim Anfahren. Sonst nahezu perfekt.

Technische Daten
VW Touran 2.0 TDI Highline
Grundpreis 34.275 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4407 x 1794 x 1635 mm
KofferraumvolumenVDA 600 bis 1913 l
Hubraum / Motor 1968 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 4200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 212 km/h
0-100 km/h 8,4 s
Verbrauch 6,9 l/100 km
Testverbrauch 8,4 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Neues Heft
Top Aktuell Racechip Hyundai i30 N - Tuning - Kompaktsportwagen Racechip-Hyundai i30 N im Test 320 Tuning-PS im Kompakten
Beliebte Artikel MTM-AUDI R8 V10 PLUS 802 SUPERCHARGED, Exterieur MTM-Audi R8 V10 Plus 802 im Test Am Limit des Machbaren Porsche 911 GT3 RS, Exterieur Porsche 911 GT3 RS im Test Mit Wolllust Richtung Begrenzer
Gebrauchtwagen Angebote
Anzeige
Sportwagen Subaru WRX STI Diamond Edition Subaru WRX STI Diamond Edition 354 PS aus Südafrika Speed Buster BMW M5 BMW 5er-Tuning Bis zu 747 PS im M5 sind möglich
Allrad Jeep Gladiator JT Pickup Jeep Wrangler Gladiator (2019) Erste Bilder durchgesickert Toyota Tundra Kalifornien Toyota Tundra im Waldbrand-Einsatz Retten bis das Rücklicht schmilzt
Oldtimer & Youngtimer Mercedes 230 SL Pagode (1965) Wiesenthal Mercedes-Sammlung Wiesenthal Von der Pagode bis zum Pullman Porsche Carrera GT Werksrestaurierung Porsche Classic Carrera GT 13 Jahre alt, aber jetzt fabrikneu
Promobil Knaus Sun TI Die Top 10 der Hersteller Welche Marke ist am beliebtesten? Heckzelte Heckzelte für Campingbusse Stülpen oder hängen?
CARAVANING Wohnmobile an Tankstelle Sprit sparen mit dem Gespann Tipps für eine sorgenfreie Reise Campingplatz Oakdown Campingplatz-Tipps Südengland Traumhafte Urlaubsorte