VW Touran im Test

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Foto: VW 5 Bilder

Vom 14. März an startet offiziell der Verkauf des neue Kompakt-Van von Volkswagen in Deutschland. Das erste Derivat des nächsten Golf soll vor allem Opel Zafira und Renault Scénic Käufer abspenstig machen.

Als hätte er es geahnt: „Spät kommt Ihr, …“ lässt Friedrich Schiller in „Wallenstein“ seinen Illo sagen und trifft damit exakt den neuen VW Touran. Während die Konkurrenz von Opel und Renault bereits die zweite Kompaktvan-Auflage anschiebt, betritt VW mit dem Touran auf Basis des Golf V Neuland. Da muss er schon sehr gut sein, wenn er als Spätzünder noch mithalten will. Das technische Rüstzeug da zu hat er jedenfalls. Fahrschemel an Vorder- und Hinterachse versprechen eine gute Geräuschdämmung, die neue Vierlenker-Hinterachse soll unter allen Bedingungen guten Komfort und perfektes Fahr-verhalten garantieren. Damit der Touran auch Platz bietet, wie sich das für einen Van gehört, wurde der Radstand gegenüber dem des im Oktober startenden Golf V um sechs Zentimeter verlängert. Der in der aufpreispflichtigen siebensitzigen Version zum Test angetretene Touran mit Trendline-Ausstattung und 115 PS starkem 1,6-Liter-Benzin-Direkteinspritzer will keine Konkurrenz für den größeren Sharan sein: Wird die dritte Sitzreihe zur Nutzung hochgeklappt, dann schrumpft der verbleibende Kofferraum auf Lupo-Format. Ganz hinten können eigentlich nur Kinder sitzen. Wollen probeweise Erwachsene achtern Platz nehmen, sind Gelenkigkeit und Kletterkünste gefragt. Bedrohlich nahe ist da schon der Dachhimmel. Bei einer artgerechten Verwendung des jüngsten Volkswagens mit eingeklappter dritter Sitzreihe wandelt sich das Bild. Fünf Passagiere finden gut Platz, wenngleich sie hinten auf sehr schmalen Sitzen dicht beieinander und auch aufrechter als in einer Limousine sitzen. Immerhin finden sie zum Abstellen der Füße üppig Raum unter den Vordersitzen. In dieser Konstellation schwillt das Gepäckabteil zu einem Format, nach dem sich die Besitzer üblicher Limousinen die Finger lecken: fast 700 Liter Volumen und über 550 Kilogramm mögliche Zuladung. Ist die Touran-Besatzung nur zu zweit unterwegs, können durch den Ausbau der Sitze in der mittleren Reihe bei Bedarf sogar knapp zwei Kubikmeter Laderaum verfügbar gemacht werden.

Die von einem Auto dieser Gattung erwartete Variabilität und Transportleistung bietet der Touran also locker. Doch damit handelten sich die Konstrukteure ein paar Widerwärtigkeiten an anderer Stelle ein. Die Hinterachse muss viel Zuladung verdauen können, ohne dass Fahrkomfort und Fahreigenschaften leiden. Keine leichte Aufgabe. Doch VW hat einen Kompromiss gefunden, der überzeugt. Abrollgeräusche und Fahrwerks-Poltern sind akustisch sehr gut gedämpft, der Federungskomfort ist prima, speziell bei voller Beladung. Die relativ straffe Abstimmung lässt allerdings, wenn der Touran-Fahrer allein unterwegs ist, vor allem von hinten kurze Stöße recht trocken, aber nicht hart durch kommen. Der Touran kennt keine Stuckerneigung. Die Seitenneigung der Karosserie in Kurven bleibt sehr gering, und schwammige Torkelbewegungen sind dem VW trotz der hohen Bauform gänzlich fremd. Was sich hier abzeichnet, findet bei forcierter Kurvenfahrt eine eindrucksvolle Bestätigung: Das Touran-Fahrwerk ist ausgesprochen sportlich ausgefallen. Es lässt hohe Querbeschleunigungen zu und genehmigt sich erst bei voller Beladung ein spürbar nach außen drängendes Heck, speziell, wenn die Fuhre im Slalomtest aufgeschaukelt wird. Angenehm, dass die Sitze nicht nur mit Seitenwülsten am Sitzpolster für guten Seitenhalt sorgen, sondern auch mit der hoch gezogenen Lehne, welche die Schulter gut abstützt. Entscheidenden Anteil an der ungewöhnlichen Mühelosigkeit, mit welcher sich der Touran um jede Ecke zirkeln lässt, hat die Lenkung – und das, obwohl sie mit einer elektromechanischen Servounterstützung arbeitet, die bisher gemeinhin als Garant für unbefriedigende Lenkeigenschaften galt. Das Geheimnis der hier eingesetzten Double-Pinion-Lenkung: Der Servomotor greift nicht auf die Lenksäule, sondern über ein eigenes Ritzel direkt auf die Zahnstange zu. Das hält die Kräfte am Lenksäulen-Ritzel klein und damit dessen Reibung, was – wie bei den in diesem Punkt vergleichbaren hydraulischen Lenkungen – einen besonders feinfühligen Fahrbahnkontakt ergibt. Auch sind kaum Antriebseinflüsse an dieser Lenkung zu spüren. Mit genauso viel Sportlichkeit kann der 1,6 Liter große Benzin-Direkteinspritzer mit 115 PS nicht dienen, dafür sind die 1538 Kilogramm Leergewicht einfach zu viel. 12,1 Sekunden dauert der Spurt aus dem Stand auf Tempo 100, bei Bedarf rennt der Touran 186 km/h schnell. Werte, mit denen es sich allerdings durchaus leben lässt.

Dabei weiß das Triebwerk mit guter Drehfreude und verhalten kerniger Tonlage auch akustisch zu gefallen, zumal sich die Karosserie in keinem Drehzahlbereich zu irgendwelchen lästigen Dröhneffekten hinreißen lässt. Etwas störend tritt bisweilen die elektrisch beaufsichtigte Drosselklappe in Erscheinung, kurz E-Gas. Wird zum Schalten das Gas weggenommen, verharrt der Motor zu lange auf hohem Drehzahlniveau, gelegentlich ruckelt er milde. Das bei den FSI-Modellen serienmäßige Sechsganggetriebe schaltet sich mit kurzen Wegen vorbildlich leicht und exakt, wobei der Sechste, zumindest in Verbindung mit dem 1,6-Liter, eher Schongangcharakter hat. 8,9 Liter Super Plus-Benzin hat der Touran im Test konsumiert – im Hinblick auf das hohe Gewicht ein akzeptabler Wert. Nur als vorzüglich können die Bremsen eingestuft werden, die hervorragend und ohne nennenswerte Ermüdung arbeiten und sich zudem perfekt dosieren lassen. Vor allem auch das gleichmäßige und ruckelfreie Lösen der Bremse gelingt auf Anhieb. Klar, der Touran ist, bei VW nichts Neues, mit 22 125 Euro nicht ganz billig. Dafür ist er aber auch zeitgemäß komplett ausgestattet. Viele Extras, die früher extra gekostet haben, sind im Grundpreis drin: Das Radio mit CD-Player gehört dazu, ebenso die Fernbedienung für die Zentralverriegelung. Sechs Airbags lauern auf den großen Knall, und die Gurtstraffer können bei Bedarf, etwa bei einem Überschlag, mehrfach aktiv werden. Möglich wird dies durch das elektrische Funktionsprinzip, das auch eine präzisere Dosierung der Anzugskräfte erlaubt als die alte Pyrotechnik. Wer heute noch keinen Kompaktvan hat, kann sich also entspannt zurücklehnen. Das Warten auf den Spätzünder hat sich ganz offensichtlich gelohnt.

Technische Daten
VW Touran 1.6 FSI Trendline
Grundpreis 23.225 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4391 x 1794 x 1635 mm
KofferraumvolumenVDA 695 bis 1989 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 85 kW / 115 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 186 km/h
0-100 km/h 12,1 s
Verbrauch 7,4 l/100 km
Testverbrauch 8,9 l/100 km
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