VW Touran und Seat Altea

Altea Ego

Foto: Hans-Dieter Seufert 30 Bilder

Schick und sportlich oder seriös und siebensitzig: Trotz verwandter Technik bieten Seat Altea und VW Touran ein echtes Kontrastprogramm für Van-Käufer. Zum Familientreffen treten beide mit dem neuen 170-PS-TDI an.

Wann ist ein Van ein Van? Wenn er groß ist, geräumig und flexibel zu nutzen – so haben wir es gelernt. Ja, meint Seat, das auch, aber sportlich muss er sein und ein Typ, der gegen das Diktat der Norm rebelliert. Wie Tennis-Altmeister John McEnroe: Beide sind „in null Komma nichts auf hundertachtzig“ (Werbetext), und als FR mit dem neuen, auf 170 PS und 350 Nm erstarkten Zweiliter- TDI soll der Altea noch schneller auf Touren kommen als der Ex-Profi nach einer Fehlentscheidung des Linienrichters.

Schön wär’s ja, doch die wahre Herausforderung lauert nicht auf dem Centercourt, sondern im Elternhaus. Denn die große Mutter VW schickt den Touran mit ähnlichen Genen und dem gleichen Dieselmotor ins Rennen. Rein äußerlich scheinen beide hingegen in einer anderen Liga zu spielen. Während der kastenförmige VW mehr auf Nutzwert als auf optische Reize setzt, spricht der Seat mit seiner schwungvollen Linie und dem coupéhaften Heck auch jene an, die sich mit klassischen Vans bislang nicht anfreunden konnten. Attraktive Zutaten wie die große Frontschürze mit Wabengitter, 17-Zoll-Alufelgen, zwei verchromte Endrohre sowie Sportsitze und -lenkrad sollen speziell beim FR jeden Hauch von Pampers-Bomber wegwischen, und zum deutlich niedrigeren Preis erhalten Altea-Fahrer frei Haus auch noch Klimaautomatik und CD-Radio. Dass ihr Auto schon im Normalfall fast 300 Liter weniger Gepäck und mit umgeklappten Rücksitzen nur magere 1320 statt 1989 Liter schluckt, dürften sie ebenso leicht verschmerzen wie die nicht lieferbare dritte Reihe, auf der sich im Touran gegen Aufpreis (660 Euro) zwei weitere Kinder unterbringen lassen.

Angesichts der mageren Staureserven, der spärlichen Ablagen und einer bescheidenen Innenraum- Variabilität, wie sie heute jeder Kleinwagen bietet, bleibt allerdings vom Van-Konzept kaum mehr übrig als die hohe Sitzposition und der bequeme Einstieg. Hinzu kommen funktionale Nachteile wie die schlechte Übersichtlichkeit rundum, eine hohe Ladekante, fehlende Stoßleisten sowie der nicht in die Zentralverriegelung integrierte Tankdeckel.

In diesen Punkten schneidet der Praktiker von VW durchweg besser ab. Seine großen, klaren Instrumente, die geschäumten Kunststoffe und die sehr solide, knisterfreie Karosserie untermauern zudem den Eindruck, dass konventionelle Lösungen meist eine längere Halbwertszeit haben als modische. Aber auch weniger Flair: Selbst in der teuren Highline-Version wirkt der Touran sehr brav, nüchtern, deutsch, während sich Seat sichtlich bemüht, beim Fahrer „auto emoción“ aufkommen zu lassen. Eine Sitzlehne wie ein Schraubstock im Rücken, weiß hinterlegte Zifferblätter und Verkleidungen im Karbon-Look vor Augen, ein griffig-dickes Lenkrad- Schalthebel-Duo zu Händen: Das weckt selbst in kühlen Nordlichtern den Torero. Erst recht, wenn unter der Fronthaube der starke Pumpedüse- Vierzylinder mit Piezo-Technik, erhöhtem Ladedruck und optimierter Lader-Geometrie den Stier gibt. Er schnaubt und knurrt schon im Stand, schüttelt sich ein wenig und stürmt nach Überwinden des Trägheitsmoments wie von der Tarantel gestochen davon. Allerdings müssen Gas und Kupplung beim Anfahren gefühlvoll dosiert werden, um den Motor nicht abzuwürgen. Und wenn die Drehzahl unter 1800/ min fällt, hilft meist nur Herunterschalten, um wieder zügig Fahrt aufzunehmen. Da geht das Basistriebwerk mit 140 PS spürbar harmonischer und beim Beschleunigen im großen Gang sogar druckvoller zur Sache. Ähnlich die Lage im Touran 2.0 TDI.

Auch hier stirbt der Motor beim Anfahren leicht ab und kommt aus Kurven heraus zäh in Schwung, die 123 Kilogramm Mehrgewicht drücken zusätzlich aufs Temperament. Im Gegenzug ist er akustisch weniger dominant als der Altea, dessen kerniges Laufgeräusch auch bei hohem Autobahntempo stets präsent bleibt. Immerhin kann man mit beiden sehr flott und durchaus lustvoll unterwegs sein, zumal auch der Umgang mit dem exakten, gut geführten Sechsgang-Schaltgetriebe Freude bereitet und selbst der Verbrauch (Testmittel 8,6 und 8,8 L/ 100 km) nicht den Spaß verdirbt. Noch eins drauf setzt der Seat mit seiner sportlichen Fahrwerksabstimmung.

Die härteren Gummilager, neu abgestimmte Stabilisatoren und eine direktere Lenkung lindern typische Van-Leiden wie Wankbewegungen oder Untersteuern. Besonders auf flott gefahrenen Landstraßen ist der Altea FR in seinem Element. Agil, mit geringer Seitenneigung und gutem Grip gesegnet, zeigt er bei forcierter Gangart Talente, die Vans normalerweise abgehen. Schade nur, dass die elektromechanische Lenkung leichte Stöße durchlässt und die straffe Federung mit teils katapultartigen Erschütterungen Wagen und Insassen ständig in Bewegung hält.

Dabei fördert der Wechsel in den Touran schnell zu Tage, dass es auch ohne übertriebene Härte geht. Er lenkt zwar nicht ganz so spitz ein und untersteuert in Kurven stärker, ist aber genauso fahrsicher und im Fahrdynamik-Test kaum langsamer. Vor allem eignet er sich deutlich besser für Familienausflüge, weil seine schluckfreudige Federung und das niedrigere Geräuschniveau auf großer Fahrt eine Wohltat sind. Selbst die beim Testwagen montierte 17-Zoll-Bereifung samt Sportfahrwerk (425 Euro extra, beim Altea FR Serie) ändert nichts an diesem Eindruck. Mit seiner verstärkten Bremsanlage kommt der Seat allerdings etwas früher zum Stillstand, während beide beim Verzögern auf unterschiedlich griffigem Untergrund zwar problemlos die Spur halten, aber reichlich lange Anhaltewege brauchen. Da steht der Altea nicht wirklich besser da, und auch in der Umweltbilanz (Partikelfilter jeweils Serie) gibt es kaum Unterschiede. Seine schlechtere Kostenbilanz (Kaskoprämien, Verschleißteile, Wiederverkauf) macht sogar den Vorteil des günstigen Kaufpreises wieder zunichte. Als Van im klassischen Sinne – so viel steht fest – hat der Altea gegenüber dem geräumigeren, komfortableren und praktischeren Touran jedenfalls wenig Chancen.

Denn um mit diesem Rebellen im Van-Gewand glücklich zu werden, muss man wie John McEnroe nicht nur harte Schläge austeilen, sondern auch einstecken können.

Fazit

1. VW Touran
499 Punkte

Geräumig, komfortabel und rundum ausgewogen setzt sich der Touran an die Spitze. Der neue TDI-Motor ist zwar kräftig, aber nicht sehr harmonisch.

2. Seat Altea
472 Punkte

In allen typischen Van-Kriterien steht der Altea schlechter als der VW da. Das Plus an Agilität und Temperament geht zu Lasten von Komfort und Laufkultur.

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Technische Daten
Seat Altea 2.0 TDI FR VW Touran 2.0 TDI Highline
Grundpreis 26.867 € 29.650 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4325 x 1768 x 1568 mm 4391 x 1794 x 1635 mm
KofferraumvolumenVDA 409 bis 1320 l 695 bis 1989 l
Hubraum / Motor 1968 cm³ / 4-Zylinder 1968 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 4200 U/min 125 kW / 170 PS bei 4200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 208 km/h 214 km/h
0-100 km/h 8,6 s 9,2 s
Verbrauch 6,2 l/100 km 6,6 l/100 km
Testverbrauch 8,8 l/100 km 8,6 l/100 km
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