Werkstättentest Nissan 2007

Micra-Delle

Foto: Reinhard Schmid

Nissan konnte auch beim diesjährigen auto motor und sport-Werkstättentest nicht überzeugen. Mit einer Erfolgsquote von 51 Prozent nähern sich die Japaner ihrem bisherigen Negativrekord aus dem Jahr 1994.

"Er kann. Sie kann." Aber Nissan kann offenbar nicht. So müsste der bekannte Slogan des Automobilbauers heißen, wenn man sich die Inspektionsergebnisse des diesjährigen Werkstättentests von auto motor und sport anschaut. Drei der acht getesteten Autohäuser sind "nicht empfehlenswert".

Weitere vier erreichten nur ein mittelmäßiges "bedingt empfehlenswert". Eine einzige Werkstatt schnitt mit dem Prädikat "empfehlenswert" ab. Eigentlich hätten die Nissan-Werkstätten aus ihren schlechten Ergebnissen bei den Werkstättentests in der Vergangenheit lernen sollen. Stattdessen übersahen sie häufig selbst simple Fehler bei den präparierten Micra-Modellen.

Dabei ist es eigentlich keine Kunst, beim Werkstättentest gut abzuschneiden. Wenn sich die Monteure einfach an ihre Wartungspläne halten würden, wäre ihnen ein gutes Resultat schon so gut wie sicher. Die Realität sieht anders aus – selbst bei vermeintlich alltäglichen Arbeiten wie dem Überprüfen und Einstellen der Scheinwerfer scheiterten einige Mechaniker an den Test-Micra.

Die Autohäuser Roos in Nürtingen und Thomsen in Norderstedt bemerkten offenbar keinen Mangel. Bei Lepadusch in Kirchheim erkannten die Mechaniker zwar das falsche Scheinwerferbild, schafften jedoch das Kunststück, das Licht fehlerhaft einzustellen.
Auch der Beckengurt, der unter den Sitz gesteckt war, fiel bei Lepadusch keinem Monteur auf. Kein Wunder, dass es bei den drei Autohäusern Roos, Thomsen und Lepadusch nur zu einem "nicht empfehlenswert" reichte. Manche Fehler wären bereits bei einer ordentlichen Direktannahme auf der Hebebühne im Beisein der Tester aufgefallen.

Mit Ausnahme des Testsiegers Aventi Salis aus Nürnberg fand die in den Werkstätten jedoch nicht statt. Die Autohäuser Anders sowie Poweleit & Proske im Großraum Rostock ließen das Auto zwar von einem Mechaniker auf der Bühne durchsehen, aber der Meister schrieb währenddessen mit dem Kunden den Auftrag.

Eine vorbildliche Direktannahme sieht anders aus. Die Inspektion der Sicherheitsgurte bereitete nicht nur den Schlusslichtern im Test Schwierigkeiten. Zwar förderten bis auf zwei Ausnahmen alle Werkstätten den unter die Sitzbank gesteckten Beckengurt wieder zu Tage, den fehlenden Gurtclip ersetzte jedoch keine.

Häufig waren alle Gurte sogar ordentlich in die Gurtschlösser gesteckt. Warum selbst dabei nicht auffiel, dass der Clip zur Arretierung des Gurtes fehlte, bleibt unverständlich. Lediglich das Autohaus Poweleit & Proske verwies auf der Rechnung auf den fehlenden Knopf, ohne ihn allerdings zu ersetzen. Ebenso tauchte dort der unbegründete Vermerk „Scheinwerfer kann nicht eingestellt werden“ auf.

Doch damit nicht genug: Auch Öl- und Schmiersystemreiniger sowie Kraftstoffsystemreiniger für insgesamt 27,49 Euro wurden ungefragt eingefüllt und in Rechnung gestellt. Als Begründung kam bei der Erläuterung der Rechnung lapidar der Hinweis auf ein der Werkstatt unbekanntes Fahrzeug.

Was die Mittelchen bezwecken sollten, bleibt unklar. Ebenfalls kreativ zeigten sich die Autohäuser in Bad Doberan und Rostock. Mit viel Einsatz versuchte der Meister bei Poweleit & Proske, eine Bremsenwartung für rund 30 Euro schmackhaft zu machen.

Die Bremsen sollten dadurch wesentlich länger halten und eine bessere Funktion erreichen. Dreist dagegen die Vorgehensweise beim Autohaus Anders. Dort wurde bei dem Fahrzeug mit rund 33 500 Kilometer Laufleistung einfach ungefragt eine Bremsenwartung für 27 Euro durchgeführt. Selbst der Motoröl- und Filterwechsel wurde mit 6,66 Euro separat berechnet, obwohl ein erweiterter Wartungsdienst mit zweieinhalb Arbeitsstunden durchgeführt wurde.

Das nahe gelegene Autohaus Poweleit & Proske berechnete dafür im Vergleich nur 1,7 Stunden inklusive Schmiermitteltausch. Krasse Unterschiede gab es auch bei den Kosten für das eingefüllte Motorenöl. Bei Poweleit & Proske standen für 3,1 Liter Motoröl mit der Viskosität 10W-40 etwa 24 Euro auf der Rechnung.

Drei Liter dieser Viskositätsklasse waren dagegen bei Anders mit rund 55 Euro verbucht. Allerdings großzügigerweise inklusive Altöl-Entsorgung, wie in der Rechnung nachzulesen war. Der Slogan „Alles Anders. Aber gut.“ des Autohauses klingt angesichts dieses fragwürdigen Geschäftsgebarens eher wie Hohn. Gerade bei Neukunden spielt für die Werkstattbindung neben der geleisteten Arbeit auch die Freundlichkeit eine wichtige Rolle.
Bei Poweleit & Proske wurden die wartenden Tester vom Meister zunächst grußlos ignoriert. Bei der Abholung bekamen sie auf die Frage nach dem Standort des Autos von der jungen Dame an der Kasse nur ein barsches "Sie stellen ja vielleicht Fragen" mit auf den Heimweg.

Solche Unfreundlichkeiten waren aber die Ausnahme, denn wenngleich die meisten Werkstätten nicht mit ihrer Arbeitsleistung glänzten, so waren die Mitarbeiter doch meist freundlich und hilfsbereit. Auffällig auch, dass offenbar nahezu alle Micra von der gleichen Krankheit befallen sind.

Ganz so dringlich schien die Reparatur dann auch nicht zu sein, denn bis auf den Testsieger Aventi Salis begnügten sich die anderen mit einem Hinweis auf der Rechnung oder einem entsprechenden Kostenvoranschlag.

Aventi Salis wollte das Fahrzeug mit defekter Bremsanlage jedoch nicht vom Hof fahren lassen. So wurden auf Wunsch die entsprechenden Zylinder getauscht und die Altteile in einer Schachtel im Beifahrerfußraum deponiert. Dieser Austausch war nach genauer Begutachtung gerechtfertigt.

Das Autohaus Aventi Salis war denn auch der einzige Lichtblick bei den getesteten Werkstätten. Von der Fahrzeugabgabe mit Direktannahme bis zur Abholung lief dort alles nahezu perfekt ab. Der Kunde war der sprichwörtliche König.

Der Berater machte bereits bei der Überprüfung auf der Hebebühne auf diverse Kleinigkeiten wie Reifenverschleiß aufmerksam und entdeckte die ersten präparierten Fehler. Der positive Eindruck wurde bei der Abholung noch verstärkt.
Das Fahrzeug wartete nach Rückfrage kostenlos gewaschen und ordentlich geparkt auf seine Abholung. Der Berater erläuterte ausführlich die durchgeführten Arbeiten und entfernte die Schonbezüge aus dem Wagen. Die telefonisch abgeklärten Zusatzarbeiten ließ er sich nachträglich unterschreiben und kopierte auch den Personalausweis des Abholers, da dieser nicht der Fahrzeugbesitzer war.

Am Innenspiegel baumelte gar ein kleiner Anhänger, der den Fahrer auf die Überprüfung von Spiegel- und Sitzeinstellung hinwies – kein Blendwerk, wie die Nachprüfung ergab. Mit 24 von 30 möglichen Punkten erhielt Aventi Salis ein "empfehlenswert" und sicherte sich damit zugleich den Titel des Testsiegers beim Nissan-Werkstättentest.

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