Werkstättentest 2007

Opel hat sich verbessert

Foto: Reinhard Schmid

In der Vergangenheit machte Opel bei Werkstättentests nicht gerade mit überragenden Leistungen von sich reden. In diesem Jahr zeigte sich: Die Rüsselsheimer scheinen aus den Fehlern gelernt zu haben.

Der Ruf von Opel hat in der Vergangenheit schwer gelitten: Erst gab es massive Qualitätsprobleme bei den Autos, bald gefolgt von schlampig arbeitenden Werkstätten. Nachdem die Marke mit ihren Fahrzeugen wieder aus dem Jammertal gekommen war, blieben die Werkstätten im Fokus des Interesses. Wohl nicht zuletzt der Kahlschlag im Händlernetz, gefolgt von Margenkürzungen, hatte für Unruhe in den Betrieben gesorgt. Darunter litt offensichtlich auch die Arbeit an der Hebebühne.

Jedenfalls zeichneten die Ergebnisse der auto motor und sport-Werkstättentests der Jahre 2003 und 2005 kein allzu positives Bild. Nur 58 beziehungsweise 66 Prozent der präparierten Mängel wurden damals korrekt behoben. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich recht ungeniert, schien die Devise zu lauten. Ralf Rösner, Leiter des hausinternen Service-Centers, sagte bei der Nachbesprechung vor zwei Jahren zu, alles dafür zu tun, den "Kunden eine dauerhaft hohe Qualität sowohl bei den Fahrzeugen als auch im Service zu gewährleisten".

Ein Mittel zum Erfolg sollten auch eigene Stichproben vor Ort sein. Entsprechend gespannt konnte man auf das Ergebnis des aktuellen Werkstättentests warten. Nach acht überprüften Betrieben in vier Regionen Deutschlands kann man zumindest sagen: Opel hat sich verbessert. Zwar schafft es mit dem Autohaus Lindenschmid in Tübingen nur ein einziger Betrieb, alle Fehler zu beheben, doch im Großen und Ganzen lässt sich eine Tendenz nach oben feststellen.

Zwei Autohäuser, Heino Niemann in Rostock und Lensch & Bleck in Hamburg, erhielten das Prädikat "nicht empfehlenswert". Zwei weitere schnitten 2007 mit "bedingt empfehlenswert" ab. Immerhin drei Betriebe können nach Auswertung des Tests als "empfehlenswert" bezeichnet werden. Dennoch ist das Ergebnis nicht zufriedenstellend. Denn unterm Strich wurde ein Viertel der vom Kunden bezahlten Arbeit nicht ordentlich ausgeführt.

Dabei sollte es keine Kunst sein, die eingebauten Mängel zu finden. Die sieben Fehler am Opel Astra wurden ausschließlich an Teilen präpariert, die im Rahmen der in Auftrag gegebenen großen Inspektion ohnehin überprüft werden müssen. Wird ein Mangel nicht entdeckt, ist das ein Beleg dafür, dass der Monteur einen Teil der bezahlten Arbeit nicht erledigt hat.

Eines der Grundprobleme beginnt schon bei der Abgabe: Im Idealfall führt der Betrieb eine Direktannahme durch. Ein Arbeitsschritt, den auch Opel seinen Händlern ausdrücklich empfiehlt, so Rösner. Zusammen mit dem Kunden wird der Wagen auf der Hebebühne durchgesehen. In der Regel fallen einem aufmerksamen Mitarbeiter hier schon die ersten Mängel auf.

Das Autohaus Thomas in Fürth hat für diesen Prozess nahezu ideale Bedingungen geschaffen, weil der Meister seinen Arbeitsplatz direkt vor der Hebebühne hat. Das erleichtert die Arbeit ungemein, zumal lange Wege zwischen Auto und Schreibtisch entfallen.

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Außerdem schafft die Direktannahme zusätzliches Vertrauen in die Werkstatt, denn hier hat der Meister die Gelegenheit, anstehende Reparaturen gleich mit dem Kunden abzusprechen und auf Schwachstellen hinzuweisen. Allerdings nützt eine Direktannahme nichts, wenn der Meister nicht bei der Sache ist und etwa beim Beleuchtungs-Check einen defekten Blinker oder später eine verstellte Spritzwasserdüse schlicht übersieht.


Selbst wenn Mängel erkannt werden, ist dies noch kein Garant dafür, dass sie auch ordentlich behoben werden. So scheiterten die Monteure im Nürnberger Autohaus Winter daran, die Waschdüsen richtig auszurichten: Statt nur einer spritzten beide bei der Nachkontrolle viel zu tief. So bekommt man die Scheibe kaum sauber. Auch mit der korrekten Einstellung der Scheinwerfer waren die Nürnberger überfordert, ebenso wie ihre Fürther Kollegen beim Autohaus Thomas und dem Test- Schlusslicht, dem Autohaus Heino Niemann in Rostock: Ein Mal leuchteten nach dem Werkstattbesuch beide Scheinwerfer viel zu nah vor das Auto, ein anderes Mal blendete die korrigierte Beleuchtung den Gegenverkehr.

Bis auf die Rostocker erkannten immerhin alle Betriebe den zu geringen Flüssigkeitsstand im Ausgleichsbehälter der Servolenkung und ergänzten den Verlust. Allerdings versäumten es vier Betriebe, auf den unerklärlichen Schwund hinzuweisen. Das wäre aber der richtige Weg gewesen, um den Astra- Fahrer vor möglichen Folgeschäden zu bewahren.

Bei Thomas wurde der Kunde zwar informiert, aber zu wenig Servoflüssigkeit nachgefüllt. Erfreulich niedrig fiel bei den getesteten Betrieben das Preisniveau für die Inspektionen aus: Zwischen 204,44 und 301,70 Euro bewegten sich die Kosten für Arbeitszeit und Teile. Am teuersten war das Autohaus Dello im nördlich von Hamburg gelegenen Norderstedt, das die Inspektion als Komplettpaket in Rechnung stellt.

Ein All-inclusive- Angebot, das offensichtlich nicht zum Vorteil des Kunden kalkuliert wurde. Die größten Preisschwankungen resultieren vornehmlich aus dem unterschiedlichen Lohnniveau in den vier Test-Regionen: Am teuersten ist der Arbeitslohn im Großraum Nürnberg, gefolgt von Stuttgart und Hamburg. Der strukturschwache Nordosten der Republik erledigt die Inspektion dagegen am billigsten.

Nicht immer günstig fällt die Rechnung für das Motoröl aus: Zwischen 10,29 und stattlichen 20,19 Euro pro Liter wurden hier berechnet. Ein Unterschied von annähernd 100 Prozent. Ärgerlich in diesem Zusammenhang: Das Autohaus Lensch & Bleck in Hamburg füllte zwar nur das Standard-Öl 5W40 in den 1,6-Liter-Vierzylindermotor, kassierte dafür jedoch den höchsten Rechnungsbetrag. Das kann man schon fast als Abzocke betrachten. Dass bei Winter in Nürnberg und Dello in Norderstedt teures 0W40 eingefüllt wurde, treibt dort den Rechnungspreis unnötig in die Höhe.

Allzu viel Mühe, den Kunden vom Vorteil des teuren Schmiermittels zu überzeugen, gab man sich nicht. In Nürnberg wurde die Frage nach dem Öl mit dem Standardsatz: „Wie immer?“ geklärt. Dass beim letzten Kundendienst ein günstigeres 5W40 verwendet wurde, ignorierte der Mechaniker aber, schließlich wurde zuvor auch schon mal das teure Leichtlauf- Schmiermittel eingefüllt. So zahlte der Kunde schließlich 19,79 Euro für einen Liter.

In Hamburg empfahl der Meister schlicht Mobil 1, ohne näher auf Preis oder Eigenschaften einzugehen. Der Liter-Preis ist hier durch die alles umfassende Service-Pauschale auch gut verschleiert. Bei den ausgewechselten Teilen langten die Norderstedter jedoch kräftig zu: So kostet eine Glühlampe für den defekten Seitenblinker bei Dello mit 2,39 Euro mehr als doppelt so viel wie in den anderen Werkstätten, die rund einen Euro in Rechnung stellten.

Fragwürdig ist auch die Praxis bei Krüger sowie Lensch & Bleck, statt der vorgeschriebenen 3,25 Liter Motoröl gleich einen viertel Liter mehr zu berechnen. Wie immer sind auf den Rechnungen diverse Kleinteile wie Dichtungen und Clips aufgeführt. Für Opel-Service-Leiter Rösner schon beim Nachgespräch 2005 „kein guter Stil.“ Schließlich machen solche Posten eine Rechnung unübersichtlich und willkürlich.

Schon etwas mehr als schlechter Stil ist das, was sich ausgerechnet beim Testsieger, dem Autohaus Lindenschmid, auf der Rechnung findet: Ein halber Liter Scheibenwaschkonzentrat mit Frostschutz zum Preis von 2,75 Euro. Im Auto war die Flasche nicht zu finden – bei der Abgabe war der Wasserbehälter randvoll. Fragt sich, wo die Flüssigkeit gelandet ist. Allerdings blieb dies der einzige Fall. In anderen Betrieben wurde entweder bei der Abgabe nachgefragt, ob ein Reinigungsmittel eingefüllt werden soll, oder dieser Punkt wurde angesichts des vollen Behälters von der Auftragsliste gestrichen.


Ungeklärt blieben zwei Vorkommnisse: Sowohl Auto Staiger als auch Lensch & Bleck riefen den Kunden an, um schlechte Nachrichten zu überbringen. Die Schwaben teilten mit, dass eine Feder der Radaufhängung gebrochen sei. Nach Auskunft des Hamburger Betriebs drohe wegen einer Undichtigkeit am Kühlersystem gar ein Motorschaden, so der zuständige Meister. Eine Reparatur sei unumgänglich. In beiden Fällen lehnte der Kunde dies ab. Bei der Abholung war von den vermeintlichen Schäden dann plötzlich keine Rede mehr. Auch auf den Rechnungen und Checklisten fand sich keinerlei Hinweis auf die vermeintlichen kapitalen Mängel.

Offensichtlich haben die Meister die Autos verwechselt und den falschen Kunden angerufen, oder sollte doch Absicht dahinterstecken? Die Strafe folgte auf dem Fuß: Lensch & Bleck rutschte von „bedingt empfehlenswert“ auf „nicht empfehlenswert“ ab, für den hinsichtlich der Arbeitsqualität empfehlenswerten Vertragshändler Auto Staiger blieb ein „Bedingt empfehlenswert“.

Glücklicherweise waren dies Ausnahmen, denn im Vergleich zu den Vorjahren lässt sich eine Qualitätsverbesserung bei Opel feststellen. Umso schwerer wiegen aber Patzer wie die Unfähigkeit, einen Scheinwerfer richtig einzustellen. Eine Arbeit, die eigentlich schon ein Azubi beherrschen sollte.

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