Werkstättentest Audi 2006

Vier top, drei flop

Runde fünf im auto motor und sport-Werkstätten-Test mit einem zwiespältigen Ergebnis für Audi: Vier Betriebe liefern ein sehr gutes Resultat ab, drei sehen die rote Karte und sind "nicht empfehlenswert".

Eigentlich ist es kein Hexenwerk, den Werkstätten-Test von auto motor und sport mit Bravour zu absolvieren: Kundendienst-Meister und Monteure müssen nur das tun, was der Kunde mit dem Inspektionsumfang in Auftrag gegeben hat und wofür er zahlt. Die Redaktion baut in die jeweiligen Testwagen nur Fehler ein, die im Rahmen der Inspektion gefunden werden müssen.

Die Bandbreite reicht von sicherheitsrelevanten Merkmalen wie verstellten Scheinwerfern oder zu geringem Luftdruck bis zum eingerissenen Scheibenwischergummi. Dabei sollte aber der gesamte Ablauf von der Wagenannahme über die penible Abarbeitung des Wartungsplans in der Werkstatt bis hin zur Übergabe und Rechnungserstellung stimmig sein.

Die Realität sieht allerdings, wie die aktuelle Testreihe zeigt, häufig anders aus. Zufall oder doch eher das Resultat eines durchdachten Service-Konzepts innerhalb des Betriebs? Vier der von auto motor und sport getesteten Audi- Vertragshändler, Autohaus von Keitz in Solingen-Ohligs, Autohaus Löffler in Reichenbach, das Audi Zentrum Zwickau und Autohaus Ernst Hütter in Garching, führten eine professionelle Direktannahme mit einer intensiven Besichtigung des Wagens auf der Hebebühne durch.

Entsprechend das Resultat: Alle vier Autohäuser schlossen mit dem Prädikat "sehr empfehlenswert" ab. Bei diesem Quartett hielt auch die Arbeitsleistung der Monteure in der Werkstatt Schritt mit der mustergültigen Fahrzeug-Annahme und Besichtigung. Ähnlich kompetent verlief die Direktannahme im "empfehlenswert" beurteilten Audi Zentrum Leverkusen. Schon bei der Terminvereinbarung erkundigte man sich, ob der Kunde während der Inspektion einen Leihwagen wünsche.

Dass der linke Scheinwerfer nach der Inspektion weiterhin zu hoch eingestellt war, und der zu niedrige Kühlwasserstand zwar bemerkt, der Kunde aber nicht informiert und zur weiteren Kontrolle angehalten wurde, verhinderte allerdings eine noch bessere Zensur. Zwei der drei übrigen Betriebe, Mahag West in München und das Audi Zentrum Berlin-Marzahn, die unter dem Strich mit der Beurteilung "nicht empfehlenswert" abschlossen, schenkten sich dagegen die Möglichkeit, den Audi A4 gemeinsam mit dem Kunden auf einer Hebebühne zu inspizieren.

Dass sich der Kunde bei dieser Gelegenheit vom optischen und technischen Zustand seines Wagens überzeugen kann, war ihnen gleichgültig. Bei der dritten Werkstatt, dem Autohaus Neufahrn, wurde der Vorab-Check nur oberflächlich ausgeführt, da sich der Service- Meister nicht an den vereinbarten Abgabetermin hielt und bereits ein anderer Kunde wartete. Entsprechend bestellt war es auch hier um die Qualität in der Werkstatt – es wurden nur zwei von sieben Mängeln korrekt beseitigt.

Dieses Trio vermasselte Audi die Tour, „höchste Qualität im Service zu bieten“, wie es Serviceleiter Manfred Fiedler nach dem Werkstätten-Test 2004 als Zielsetzung vorgegeben hatte. Auch zwei Jahre später ist die Premium- Marke diesem Anspruch nicht ent- scheidend näher gekommen: 2004 lag die Erfüllungsquote der acht getesteten Audi-Betriebe bei 70,8 Prozent, aktuell sind es 74,6 Prozent.

Ein Paradebeispiel dafür, wie es eigentlich nicht sein sollte, lieferte der Münchner Audi-Vertragspartner Mahag West ab. Bei der Fahrzeug-Abgabe stürzen gleich mehrere Kunden auf den gestressten Servicemeister ein, der froh ist, den Raum nicht verlassen zu müssen, um den von uns zur Inspektion angemeldeten A4 auf der Hebebühne zu inspizieren. Die voraussichtlichen Inspektionskosten beziffert er auf 770 Euro.

Nach dem Einwand des Kunden, dass ihm dies reichlich teuer vorkomme, schaut er nochmals in seinen Computer und reduziert den Betrag um 190 Euro. Am Ende stehen stolze 535,64 Euro auf der Rechnung für eine Longlife-Inspektion mit Mobilitäts-Garantie, die eigentlich keine Inspektion war. Denn korrekt ausgeführt wurden nur der Wechsel des defekten Scheibenwischers und die Überprüfung des Luftdrucks.

Ansonsten korrigiert der Monteur nur noch den zu niedrigen Kühlwasserstand, er sucht aber nicht nach der Ursache für den Verlust und gibt keinen Hinweis, dass der Besitzer den Kühlwasserpegel zur Vermeidung eines Motorschadens in nächster Zeit im Auge behalten sollte.

Unverständlich bleibt auch der schlichte Vermerk des Autohauses auf der Rechnung, dass das rechte Abblendlicht ohne Funktion sei. Warum man sich nicht in der Lage sah, die defekte Birne zu ersetzen, sondern den A4 in verkehrsuntauglichem Zustand auf die Reise schickte, bleibt ein Rätsel. Prompt gerät der einäugige A4 bei der Rückfahrt in ein heftiges Gewitter.

Mit gerade einmal zehn Punkten belegt die Filiale der Münchener Automobil- Handel Haberl GmbH & Co. KG den letzten Platz in der Rangliste der getesteten Audi-Werkstätten. Nur unwesentlich besser sah es bei der Schlussabrechnung für das Audi Zentrum Berlin (zwölf Punkte) und für das Autohaus Neufahrn (15 Punkte) aus.

Zwei der drei Betriebe (Mahag West und Audi Zentrum Berlin) entdeckten weder die defekte Innenleuchte noch das ausgehängte ABS-Sensorkabel. Den in der Wartungsliste enthaltenen Punkt „Schmieren der Heckklappenscharniere“ ignorierten die drei einhellig. Die Ehre der Bayern rettet das erst nachträglich in das Achterfeld gelangte Autohaus Hütter in Garching mit dem besten Ergebnis.

Alle sieben präparierten Mängel wurden korrekt behoben – und das zu einem vergleichsweise günstigen Preis, denn in dem Inspektionslohn von 191,75 Euro ist der Preis für das Castrol-Motoröl bereits enthalten. Die Schmierstoff-Kosten differierten zwischen 59,76 Euro für 3,6 Liter im Autohaus Löffler in Reichenbach und 82,45 Euro im Audi Zentrum Leverkusen.

Testsieger Hütter profitierte davon, dass sich ein Vertragshändler in Berlin nicht an die Auftragserteilung gehalten hatte und anstelle der großen Inspektion nur einen Ölwechsel durchführte. Deshalb wurde der Betrieb aus dem Test herausgenommen. Die frühere Unsitte, bei Werkstatt-Rechnungen um die 400 Euro Kassenfüller wie Scheibenreiniger oder Schmiermittel einzusetzen, ist zwar rückläufig.

Allerdings konnte es sich das ansonsten vorbildliche Audi Zentrum Zwickau – das ebenso wie Hütter die Maximalpunktzahl erschraubte – nicht verkneifen, die Position Scheibenklar zum Preis von 1,43 Euro auf die Rechnung zu setzen. Kurios deswegen, weil der Behälter bei der Abgabe des Wagens randvoll gefüllt war. Neben dem geringfügig höheren Inspektionspreis war dies dafür verantwortlich, dass das nüchtern ausstaffierte Audi Zentrum Zwickau in diesem Jahr schlussendlich knapp am Gesamtsieg in der Audi-Runde vorbeischrammte.

Neues Heft
Top Aktuell Winterreifentest 2018, Fahrversuche Winterreifen-Test 2018 11 Winterpneus im Vergleich
Beliebte Artikel Diesel Nachrüstung SCR-Kat VW Passat EU6-Diesel-Nachrüstung im Test City-sauber dank SCR oder GPS-Software Haendlertest, ams1116 E-Mail-Händlertest 2017 Antwortet das Autohaus?
Gebrauchtwagen Angebote
Anzeige
Sportwagen McLaren 720S Spider McLaren 720S Spider Supersportwagen als Cabrio Nissan GT-R50 by Italdesign Nissan GT-R50 by Italdesign 990.000 Euro-Sportwagen zum 50ten
Allrad Audi SQ5 3.0 TFSI Quattro, Exterieur, Heck SUV Neuzulassungen November 2018 Audi und Porsche unter Druck Erlkönig Land Rover Defender 110 Erlkönig Land Rover Defender (2020) Der Landy kehrt zurück!
Oldtimer & Youngtimer Aston Martin Heritage EV Concept Aston Martin Heritage EV Concept Elektroantrieb für Klassiker BMW 507 Graf Goertz Die teuersten Promi-Autos 2018 2,6 Millionen für Goertz-507
Promobil Mitmachen und gewinnen Movera Cleanmaxx Handstaubsauger Ford Nugget Plus Ford Nugget Plus im Test Campervan mit Heck-Bad
CARAVANING Mitmachen und gewinnen Movera Cleanmaxx Handstaubsauger Campingplatz-Tipp Costa Verde Campingplatz-Tipp Portugal Orbitur-Camping Rio Alto