Werkstättentest Fiat 2007

Erneutes Debakel für Fiat

Foto: ams

Erneutes Debakel für Fiat beim auto motor und sport-Werkstättentest. Nur ein Betrieb ist empfehlenswert, und im Mittel wurde lediglich die Hälfte der präperierten Mängel an einem Punto beseitigt.

Mit der Werbung ist das so eine Sache. Da lässt Fiat wochenlang über die Radiosender der Republik verkünden: „Wir haben hart an uns gearbeitet, und wir haben viel erreicht.“ Und was ist? Es ist wieder einmal nur die halbe Wahrheit.

Zugegeben: Die Baureihen Grande Punto, Bravo und Fiat 500 haben für die Marke vieles zum Positiven gewendet. Nur ihre Werkstätten haben die Italiener darüber anscheinend völlig vergessen. Kaum vorstellbar, aber nach der desaströsen Leistung der Fiat-Schrauber beim auto motor und sport-Werkstättentest 2004 ist das Ergebnis des diesjährigen Tests noch schlechter ausgefallen.

Vor drei Jahren brachte ein Betrieb das Kunststück fertig, nicht einen einzigen der am Testwagen präparierten Mängel zu erkennen geschweige denn zu beseitigen (Heft 17/2004). Die vollmundigen Ankündigungen bei der Nachbesprechung von Karl Hell, ehemaliger Fiat-Direktor im Bereich Aftersales, machten daraufhin aber Hoffnung auf Besserung (Heft 25/2004). Fiat werde den Aftersales-Bereich umstrukturieren und die Servicequalität weiter ausbauen, hieß es.

Und: "Sie haben den Test zwei Jahre zu früh gemacht", so Hell damals. Doch wer daran geglaubt hat, wird bitter enttäuscht. Schlimmer geht offensichtlich immer. Lediglich eine einzige Fiat-Vertragswerkstatt erzielt das Prädikat "empfehlenswert", drei Autohäuser rasseln sang- und klanglos durch. Dazu gibt es vier Mal "bedingt empfehlenswert".

Die Erfolgsquote aller acht getesteten Werkstätten erreicht im Mittel gerade noch bescheidene 55 Prozent.


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Dabei war und ist der auto motor und sport-Werkstättentest kein Hexenwerk. Um ihn erfolgreich zu bestehen, müssen die Monteure nur ihre Arbeit ordnungsgemäß erledigen. Denn alle am Fahrzeug präparierten Mängel sind im Inspektionsumfang enthalten und eindeutig definiert.


Beim diesjährigen Testobjekt, einem Fiat Punto der Baujahre 1999 bis 2004, waren sieben Fehler eingebaut, die den verdeckt besuchten Betrieben bei der in Auftrag gegebenen großen Inspektion hätten auffallen müssen. Darunter so vermeintliche Kleinigkeiten wie eine ausgehängte Kraftstoffleitung oder ein verstellter Scheinwerfer.

Orientiert sich eine Werkstatt an der Wartungsliste, muss sie die Fehler finden und macht damit nur das, was der Kunde erwartet und wofür er letztlich bezahlt. Zwischen Erwartung und Wirklichkeit klafft bei den Fiat-Werkstätten allerdings eine große Lücke. Besonders die ausgehängte Kraftstoffleitung bereitete den Monteuren große Probleme.

Selbst der mit 24 von 30 möglichen Punkten am besten arbeitende Betrieb, die Brixner GmbH in Leinfelden-Echterdingen, fiel dieser Fehler nicht auf. Als einzige Werkstatt weist sie immerhin auf den Kühlwasserverlust hin und empfiehlt, ihn zu beobachten.

Leider verhindert eine falsche Scheinwerfereinstellung ein besseres Resultat, das sich das Unternehmen aber auch mit dem höchsten Stundenlohn (89,13 Euro inklusive Mehrwertsteuer) teuer bezahlen lässt. Das Autohaus Brixner ist trotz zweier nicht behobener Mängel ein positives Beispiel für den Ablauf von Wagenannahme bis Rechnungserstellung – leider das einzige in diesem Test.

Denn fünf der übrigen Betriebe hielten die Dialogannahme für unnötig. Zur Erinnerung: „Wir haben eine intensive Schulung der Direktannahme gestartet“, war ein weiteres Versprechen von Fiat nach dem letzten Werkstättentest. Davon merkt man nicht viel. Weder das Centro Italia Vogt in Fürth, mit nur fünf Punkten Schlechtester im Test, noch der Auto-Service Köppen in Hamburg oder das Autohaus Filip in Fürth- Bislohe holen das Testfahrzeug zur Annahme auf die Hebebühne.

Das Resultat des Trios: Alle fallen durch. Auffällig: Der Faktor Zeit scheint in Fiat-Werkstätten keine Auswirkungen auf die Leistung zu haben. Während das Centro Italia für die große Inspektion eine Stunde und neun Minuten in Rechnung stellt, benötigt das Autohaus Filip bei nur zwei weiteren gefundenen Fehlern mehr als doppelt so lang.


Zudem schafften es die Mechaniker des Fürther Autohauses, 3,25 Liter Öl zum Höchstpreis von insgesamt 65,56 Euro in den Punto-Motor zu kippen. Den Köppen-Schraubern in Hamburg gelang es hingegen sogar noch, Scheibenreiniger in einen randvollen Wischwasserbehälter zu füllen und sich das mit 2,35 Euro bezahlen zu lassen.

Solche Kassenfüller finden sich auch auf der Rechnung von Auto-Palazzo in Tübingen. 2,59 Euro werden für eine Funktionssicherung berechnet, 3,68 Euro für Kühlerfrostschutz. Der Gipfel war allerdings, dass nach dem Werkstattbesuch der unpräparierte linke Scheinwerfer zusätzlich verstellt war.

An der korrekten Scheinwerfereinstellung scheiterten auch die Rostocker Werkstätten. Italo und Goldbach fallen mit einem „bedingt empfehlenswert“ zudem weniger mit einer fehlerfreien Leistung als mit kleinen Preisen auf. Zum Vergleich: Italo tauscht nur die Wischergummis aus. Zwei zum Preis von 14,85 Euro.

Dagegen zahlt man bei der Niederlassung in Hamburg, dem Testzweiten, für ein einziges Wischerblatt 30,58 Euro. Immerhin glänzte die Hamburger Niederlassung mit gutem Service. Und das können beileibe die wenigsten Fiat-Werkstätten in diesem Test von sich behaupten.

Dabei wollte man doch „mittelfristig wieder in der Bundesliga mitspielen“, so zumindest die Zielvorgabe vor drei Jahren. Im Moment reicht es nicht einmal für die Kreisklasse.

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