Werkstättentest Ford 2006

Die Hälfte fällt durch

Foto: Reinhard Schmid

Ford verabschiedet sich nicht nur von seinem Slogan "Die tun was", sondern auch von dem, was man als guten Service bezeichnet. Die Hälfte der getesteten Werkstätten fällt durch.

Feel the difference“, lautet der neue, verheißungsvolle Werbeslogan von Ford. Die Kölner sind sich also bewusst, dass ein gewisser Unterschied – zu wem oder was auch immer – besteht.

Dass der Kunde diesen Unterschied äußerst schmerzhaft zu spüren bekommt, zeigt der diesjährige Werkstätten-Test nachhaltig. Nicht einmal die Hälfte der präparierten Mängel wurde entdeckt, was Ford das schlechteste Ergebnis seit 1997 beschert. Lag die magere Erfolgsquote in den Jahren 1997 und 2003 bei 53 Prozent, sinkt sie in diesem Jahr auf den historischen Tiefstand von 49 Prozent. Gleich vier Mal fällt das Urteil nicht empfehlenswert aus – hier wurde also bei der Arbeit eindeutig gepfuscht. Dabei hätte man einfach die Arbeitsanweisungen sorgfältig befolgen müssen.

Alle sieben von auto motor und sport präparierten Mängel finden sich auf der Wartungs-Checkliste wieder. Häufig unbekümmert abgehakt und abkassiert, aber nicht korrekt beseitigt. Besondere Probleme bereiteten den acht Autohäusern die fehlerhaften Sicherheitsgurte, die verstellten Scheinwerfer und der Kühlwasserverlust.

Nur Testsieger Autohaus Motor-Elektrik in Werdau ging der Ursache auf den Grund und gab auch den entscheidenden Hinweis, den Kühlwasserpegel zur Vermeidung eines Motorschadens im Auge zu behalten. Das ebenfalls empfehlenswerte Autohaus Werlich in Burscheid brachte als Einziger im Test die sicherheitsrelevanten Gurte in Ordnung. Unterschiedlich geht es bei Ford auch mit der Inspektionsbezeichnung zu. Wurde bei der Abgabe des Mondeo stets eine große Inspektion gewünscht, weichen die Einträge auf der Rechnung und diese wiederum von den Kreuzen im Service-Scheckheft ab. Von Durchsicht über große und kleine Inspektion sowie Sicherheitskontrolle oder beispielsweise 40 000er-Service ist alles vertreten. Dabei hatten die Test-Mondeo einheitlich zwischen 40 000 und 50 000 Kilometer auf dem Tacho. Wer soll da den Überblick behalten?

Kassenfüller bieten weiteres Konfliktpotenzial auf der Rechnung. Beim Berliner Autohaus Müller füllte man ungefragt einen Ölzusatz mit ein, und bei Ewald in Erding sowie dem Auto-Service- Team in Unterschleißheim wird für die umweltgerechte Entsorgung von Öl und Filter abkassiert. Übrigens unzulässig, wenn die neuen Produkte dort gekauft werden. Auch die von Ewald extra berechneten Schmierstoffe sind generell schon im Grundpreis der Inspektion enthalten.

Das erschreckendste Resultat im diesjährigen Ford-Werkstätten-Test liefert das Auto-Service-Team aus Unterschleißheim ab. Dem Schlusslicht im Test gelingt es mit nur fünf von 30 möglichen Punkten nicht einmal, zwei Mängel vollständig abzustellen. Selbst beim abgesenkten Reifenluftdruck, bei dem alle anderen Betriebe punkten, schleicht sich ein Fehler ein. Das Ersatzrad wird mit einem deutlich zu hohen Druck befüllt.

Die defekte Nebelschlussleuchte bemerkt hier wie bei Gerstmann – mit kaum besseren sieben Punkten – niemand. Bei einer dermaßen geringen Erfolgsquote erscheint der zweithöchste Rechnungsbetrag geradezu als Hohn, wenn auch zusätzlich Bremsflüssigkeit und Zündkerzen erneuert wurden. Zu allem Überfluss kann auch der Service nicht überzeugen. Eine Direktannahme entfällt, die Rechnungspositionen bleiben unkommentiert, und der Mondeo wartet, auf der Straße geparkt, auf seinen Besitzer. Ein alarmierender Zustand. Aber „the difference“ lässt sich bei Ford auch positiv erfahren.

So kann man – zumindest bei Betrachtung dieses Testfeldes – die beiden Werkstätten mit dem Prädikat empfehlenswert durchaus als Lichtblick sehen. Mit jeweils 23 Punkten in der Arbeitsleistung sind Werlich und Motor-Elektrik zwar nur knapp an einem ergänzenden „bedingt“ vorbeigestreift, bieten aber einen vorbildlichen Service. In beiden Betrieben bittet der freundliche Meister zur Direktannahme.

Im Falle Motor-Elektrik sogar mit einer Gründlichkeit, dass viele der präparierten Mängel direkt beim Check auf der Hebebühne im Beisein des Kunden auffallen. Die Frage nach einem Ersatzwagen oder dem Fahrangebot durch das Autohaus und zusätzliche kostenlose kleinere Arbeiten gehören hier wie dort zum guten Ton. Beim Testsieger wird ein Kostenvoranschlag für den undichten Stoßdämpfer gemacht und auf den unter die Gewährleistung fallenden, sich anbahnenden Rostbefall an den Türfalzen hingewiesen. Werlich legt noch einen Waschgutschein drauf, wechselt Glühlampe und Wischerblätter ohne Lohnkosten und macht auf den abgelaufenen Verbandskasten aufmerksam.

Es geht also doch. Auch ART Automobile tauscht die Glühlampe der Nebelschlussleuchte lohnfrei aus und stellt den Mondeo frisch gewaschen auf den Hof. Die abgefahrenen Bremsbeläge sind der Werkstatt einen Anruf wert gewesen, das eingerissene Wischerblatt hingegen nicht. Erst bei der Abholung kommt der Hinweis, dass dieses ausgetauscht werden sollte. Eine gründliche Direktannahme hätte solche Probleme vorab beseitigen können. In vier Werkstätten besichtigt der Meister zusammen mit dem Kunden den Mondeo bei der Abgabe.

Das Auto- Service-Team, Diermeier, ART Automobile und Gerstmann verzichten darauf. Doch gerade hier sollten die Autohäu ser mehr Engagement zeigen. Bei einem Vorab-Check fallen viele Mängel sofort im Beisein des Kunden auf. Lästige Rückrufe oder Austausch von Teilen ohne Erlaubnis lassen sich so vermeiden. Zusätzlich erhält der Kunde gleich das gute Gefühl, dass man sich sorgfältig um sein Auto kümmert. 49 Prozent Erfolgsquote ernüchtern.

Bei einer derart großen Diskrepanz zu dem, was man ein optimales Werkstattergebnis nennen könnte, stellt sich die Frage, ob Werkstatt-Slogans wie „Sie kommen als Kunde, und wir verabschieden Sie als Freund“ nicht lächerlich wirken. Schließlich bekommt der Kunde hier in vielen Fällen das Gefühl, schlicht und ergreifend über den Tisch gezogen worden zu sein.

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