Werkstättentest Volvo 2007

Die Hälfte nicht empfehlenswert

Foto: Reinhard Schmid

Bei den Volvo-Betrieben klaffen Wunsch und Wirklichkeit zum Teil deutlich auseinander: Die Hälfte der in diesem Jahr getesteten Werkstätten ist nicht empfehlenswert.

"Wir leben und atmen Volvo, wir kennen unsere Fahrzeuge wie die eigene Westentasche. Und dieses Wissen kommt den Kunden zugute – egal, ob bei der planmäßigen Inspektion oder einer komplizierten Fehlersuche." Soweit die blumige Fiktion auf der Volvo-Internetseite. Einen realen Einblick in die Kompetenz der Volvo-Vertragswerkstätten liefert der auto motor und sport-Werkstätten-Test, dem sich in diesem Jahr acht Betriebe unterziehen mussten.

Auf dem Programm stand jeweils der vorgeschriebene große Kundendienst an einem V40. Bereits vor sechs Jahren mussten sich acht Volvo-Dependancen prüfen lassen – mit verheerendem Ergebnis: Nur zwei Probanden konnten überzeugen, fünf waren nicht empfehlenswert. Der damalige Testverlierer behob nur einen von sieben präparierten Mängeln am Testwagen, einem 850 Kombi.

Spannend zu sehen, ob die Volvo-Schrauber in den vergangenen Jahren dazugelernt haben und nun die Scharte aus dem Schwedenstahl wetzen. Um es vorwegzunehmen: Es gelang nur zum Teil. Keiner der acht verdeckt besuchten Betriebe erreicht die maximale Punktzahl. Vier von ihnen kassieren sogar ein blamables "nicht empfehlenswert". Beschämend angesichts des überschaubaren Schwierigkeitsgrades der gestellten Aufgaben. Es genügt, sämtliche Punkte auf der Wartungs-Checkliste gewissenhaft abzuarbeiten. Die präparierten Mängel sind zum Teil sicherheitsrelevant, jedoch durchweg leicht zu finden.

So leicht, dass sie selbst einem Laien sofort auffallen müssten, wie etwa der Defekt der Nebelschlussleuchte, das eingerissene Wischerblatt oder der zu geringe Pegel im Kühlmittel-Ausgleichsbehälter. Wenn man denn danach sehen würde. Und am genauen Hinsehen scheint es bei den Profis zu mangeln. Fünf von acht Mechanikern übersehen zum Beispiel, dass ein Gurtband im Fond verdreht und der Anschlagniet entfernt wurde. Zwei entwirren zwar die Gurte, montieren aber keinen neuen Niet. Nur der Mechaniker des Autohauses Plütt arbeitet an dieser Stelle hundertprozentig.

Auch andere Standard-Aufgaben stellen die Werkstätten vor Probleme. So gelingt es weder Kroymans in München noch Jung in Pfaffenhofen, den Scheinwerferstand korrekt einzustellen. Was das dezente Nord-Süd-Gefälle unterstreicht, denn die beiden Betriebe aus dem Raum München liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die rote Laterne des diesjährigen Volvo-Werkstätten- Tests.

Sie geht schließlich nach Pfaffenhofen. Dort, im Autohaus Jung, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Mag die schmucklose, prall mit Kundenautos gefüllte Werkstatt im Stil der siebziger Jahre noch einen hemdsärmeligen Charme ausstrahlen, bei der abgelieferten Arbeitsleistung hört der Spaß auf. Drei Mängel bleiben unentdeckt, zwei werden nur unvollständig behoben. Dafür leistet sich Jung einen vergessen geglaubten Klassiker unter den Kassenfüllern: den des ungefragt eingefüllten Kraftstoffzusatzes. Kostenpunkt in diesem Fall: 8,41 Euro. Immerhin fällt die Rechnung mit 339,64 Euro inklusive des bei diesem Testwagen vorgeschriebenen Zahnriemenwechsels noch erträglich aus.

Jung liegt damit etwa auf einem Level mit dem Rest der getesteten Werkstätten. Die Kosten der großen Inspektion bleiben – bis auf zwei Ausnahmen – durchweg unter der 300-Euro-Marke. Dabei gibt es durchaus Schwankungen im Rahmen der Einzelposten. So schlägt die Wechselmenge Motoröl mit Beträgen zwischen 59,76 und 92,39 Euro zu Buche. Noch heftigere Differenzen treten beim Service zutage. Hier könnte besonders das Autohaus Jung noch ein wenig feilen. So bekommen die Kunden weder bei der Abgabe eine Auftragsbestätigung noch bei der Abholung die Rechnung überreicht. Die gibt es erst auf Nachfrage.

Auch einen Annahmecheck des Wagens hält man für entbehrlich. Schlüssel abgeben, kurz den Inspektionsrahmen besprechen, fertig. Rein, raus in zwei Minuten. Sicher, mancher Kunde mag über die schnelle Erledigung der Formalitäten froh sein, doch anbieten muss man den intensiven Check schon. Zumal er vorgeschrieben ist und auch bezahlt wird. Außerdem lassen sich dabei Missverständnisse bezüglich des Arbeitsumfangs ausräumen, und der Kunde erhält einen detaillierten Überblick über den Zustand seines Wagens.

Freundliche Begrüßung am Tresen, intensive Annahmedurchsicht des V40 durch den Meister, ausführliche Besprechung der gefundenen Mängel bei der Abholung inklusive nützlicher Hinweise auf beginnenden Verschleiß einiger Komponenten. Zudem ersetzt man bei Bloch kostenlos eine Radventilkappe, wäscht den Wagen und parkt ihn schließlich sogar im Schatten, „damit er sich nicht so aufheizt“. Ähnlich zuvorkommend behandelt man den Kunden im Autohaus Nordland. So fragt der Mitarbeiter bei der Annahme nach schon erfolgten Eigenleistungen, etwa nachgefülltes Wischwasser, zum anderen lässt er dem Kunden die Wahl des verwendeten Motoröls. Und nach der Erläuterung der Rechnung begleitet der kommunikative Berater den Kunden zum Wagen, gibt ihm das Gefühl guter Betreuung.

Ähnlich positiv setzen sich die Autohäuser Liebhaber, Plütt, Koch und Lindenberg beim Thema Kundennähe in Szene. Ob freundlich-intensives Kundengespräch plus Kaffee bei der Annahme, ausführliche Erläuterung durchgeführter Arbeiten und entdeckter Mängel oder kostenlose Motor- und Wagenwäsche: Hier klappt es. Plütt wechselt darüber hinaus die Räder des Kombis und überprüft das Kühlsystem, ohne etwas dafür zu berechnen; Liebhaber montiert kostenlos eine neue Kennzeichenhalterung vorn. Koch und Plütt sind zudem die beiden einzigen Werkstätten im Test, die den zu geringen Kühlmittel-Pegel nicht nur beheben, sondern den Kunden auch ausdrücklich darauf hinweisen und ihm eine weitere Kontrolle empfehlen.

Eine gelungene Inspektionsleistung besteht schließlich aus der Kombination von Arbeitsleistung, Service und Kommunikation mit dem Kunden. Und trotz teilweise ordentlicher Leistungen klafft bei einigen Volvo-Vertretungen noch ein deutliches Loch zwischen Fiktion und Wirklichkeit.

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