Werkstättentest VW 2007

Preise gut, Leistung schlecht

Foto: Reinhard Schmid

Günstiges Preisniveau, aber insgesamt nicht zufriedenstellendes Ergebnis für Volkswagen. Die Inspektionskosten für einen Golf TDI sind rund 20 Prozent niedriger als 2005 - zwei Betriebe fallen aus dem Rahmen.

Die gute Nachricht für Golf-Besitzer: In Zeiten stetig steigender Werkstattkosten überrascht es, dass der Inspektionspreis bei einem Golf IV von durchschnittlich rund 156 Euro 2005 auf 122 Euro zurückgegangen ist.

Gewiss ein Indiz dafür, dass sich Volkswagen gegen die wachsende Konkurrenz der freien Werkstattketten neu aufgestellt hat. Für die attraktiveren Servicepreise sorgen die so genannten Fokusangebote, mit denen die Wolfsburger Zentrale ihren rund 2.500 deutschen Vertragspartnern unterstützend unter die Arme greift.

Das aktuelle Service-Leistungspaket erstreckt sich auf Inspektionen für Fahrzeuge ab einem Alter von fünf Jahren. Wie VW betont, entscheiden die jeweiligen Handels-und Servicebetriebe aber prinzipiell über die Inspektionspreise, von Volkswagen kommen lediglich unverbindliche Preisempfehlungen.

Nicht einhergegangen mit der Verbesserung der Kostensituation sind allerdings die Fortschritte bei der Verbesserung der Arbeitsqualität in den VW-Betrieben, wie der diesjährige Werkstättentest von auto motor und sport nachhaltig zeigt.
Anlässlich der Nachbesprechung 2005 versprach sich Arno Kalmbach, nach wie vor Leiter Service Deutschland, von speziellen Schulungsprogrammen für die Serviceberater einen Schub nach vorn.

Mit dem Ergebnis im Jahr 2005 war er nicht zufrieden, denn "unsere Kunden können erwarten, dass alle Fehler gefunden werden". Dem war auch 2007 nicht so: Die Erfüllungsquote lag in den acht getesteten VW-Betrieben mit 75,8 Prozent noch unter dem Niveau von 2005 (77 Prozent) und 2003 (77,2 Prozent). Autohäuser, in denen der Kunde erleben kann, dass die Inspektionsarbeiten, die er zu 100 Prozent bestellt und auch bezahlt, auch zu 100 Prozent erledigt werden, scheinen unverändert die Ausnahme.
Volkswagen platzierte sich beim diesjährigen Werkstättentest zwar in vorderster Reihe, zum alles in allem nicht zufriedenstellenden Resultat tragen in erster Linie zwei Betriebe bei: So wird bei der Max Moritz GmbH & Co. KG in Reutlingen keiner der sieben präparierten Mängel korrekt beseitigt, was zur Bewertung "nicht empfehlenswert" führt.

Im Pinneberger Autohof Reimers stellen die Monteure zwar die Scheinwerfer vorschriftsmäßig ein und korrigieren den zu niedrigen Luftdruck im Ersatzrad. Zudem schmieren sie wie gefordert die Türfeststeller und den Motorhaubenfanghaken und justieren die Scheibenwaschdüse erfolgreich.

Unbemerkt bleibt aber die ausgehängte Bremsleitung. Außerdem ist der zu niedrige Kühlwasserstand für den Betrieb weder Anlass, nach dem Grund zu forschen, noch den Golf-Besitzer anzuhalten, den Wasserpegel in nächster Zeit im Auge zu behalten.

Wasser auch auf die Mühlen von Kalmbach, der 2005 anmerkte, dass die Annahme des Fahrzeugs "oft der kritische Punkt ist, dem weitere Fehler bei den Reparaturarbeiten folgen". Dennoch musste eine Direktannahme auch 2007 als großes Ereignis angesehen werden, das lediglich bei vier Betrieben (Autozentrum Leypoldt in Filderstadt, Hahn + Lang in Stuttgart-Degerloch, Autohaus Travag in Rostock und Tiedtke in Hamburg) auf dem Programm stand.

Verglichen mit den beiden Schlusslichtern setzen die übrigen sechs Vertragshändler positivere Akzente: Fünf (VW-Zentrum Nürnberg-Marienberg, Autozentrum Leypoldt, Travag Autohaus in Rostock, Biemann in Erlangen sowie Hahn + Lang) schließen mit dem Prädikat „empfehlenswert“ ab.

Das mit "sehr empfehlenswert" beurteilte Autohaus Willy Tiedtke verfehlt die Maximalpunktzahl nur deswegen, weil es die Monteure versäumen, nicht nur die Türfeststeller, sondern auch den Motorhaubenfanghaken zu schmieren. Tiedtke ist im Übrigen der einzige Betrieb in der VW-Runde, der nach dem Grund für den Kühlwasserverlust forscht und, wie er den Kunden informiert, dabei keine Undichtigkeit entdeckt.

In den übrigen sieben Werkstätten wird lediglich kommentarlos Wasser aufgefüllt, ohne den Fahrer zu informieren und ihm in nächster Zeit eine regelmäßige Kontrolle des Wasserstands zu empfehlen. Ebenfalls höchst unterschiedlich gehandhabt wird der Prüfpunkt Probefahrt: Max Moritz verzichtet gänzlich darauf, im Autohaus Rostock dehnt man die Kontroll-Tour nach Abschluss der Inspektionsarbeiten hingegen auf 17 Kilometer aus.

In der Regel liegen die Distanzen zwischen drei und sechs Kilometern. Gleiches Bild bei der Erläuterung der Rechnung. Während bei Max Moritz eine Kassiererin den Job des Meisters übernimmt, ist in den sieben anderen Betrieben bei der Abholung des Golf ein Serviceberater zugegen, der nicht nur die durchgeführten Arbeiten und die einzelnen Rechnungspunkte kommentiert, sondern auch auf demnächst anstehende Reparaturen hinweist.

In diesem Zusammenhang als vorbildlich zeigt sich das Autohaus Rostock: Der Meister fährt den Golf vor der Bezahlung nochmals auf die Hebebühne, um auf die defekte Schallschutzwanne hinzuweisen. Bereits während der Durchführung der Inspektion wird die Kommunikation mit dem Kunden in der Regel ernst genommen.

Das Autohaus Hahn + Lang schließlich weist auf ein schwergängiges Handbremsseil hin. In drei Fällen gab es zudem erfreuliche Nachrichten an der Kasse: Max Moritz und Tiedtke gewähren unaufgefordert einen Nachlass von 54,96 Euro beziehungsweise 56,57 Euro auf den Rechnungsbetrag, bei Hahn + Lang fiel die Gesamtsumme 16,71 Euro niedriger aus.

Weniger spendabel zeigen sich hin- gegen das Autohaus Travag in Rostock und der Autohof Reimers in Pinneberg. Obwohl der zur Inspektion angemeldete Golf IV in beiden Fällen deutlich mehr als fünf Jahre auf dem Buckel hat, ist beim Inspektionspreis von einem Fokusangebot keine Rede mehr. Unerfreulich nicht nur für den Golf-Besitzer, sondern auch deswegen, weil sich die eingangs erwähnte Kostenbilanz bei entsprechender Kulanz der beiden Autohäuser am Ende etwas positiver gestaltet hätte.

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