Winterreifentest 2008

Reifendimension 225/55 R 16H

Foto: Frank Herzog 16 Bilder

Er kommt jedes Jahr, auch wenn das scheinbar immer wieder überrascht: der Winter. Mit welchem Reifen ist man am besten gerüstet? auto motor und sport hat zehn Reifenpaarungen der Dimension 225/55 16 H unter die Lupe genommen.

Was muss ein guter Winterreifen können? Die Ansichten der Hersteller gehen da, wie die Bewertungstabelle auf der nächsten Seite zeigt, weit auseinander. Manche legen höchsten Wert auf bestmöglichen Grip im Schnee, andere favorisieren überzeugende Fahreigenschaften auf nasser und trockener Straße. Die Punktwertung von auto motor und sport gibt eindeutige Auskunft, welcher Reifen in der Summe aller Eigenschaften das beste Ergebnis erzielt.

Sie ermöglicht es dem Leser aber auch, einen Reifen nach den ganz persönlichen Bedürfnissen auszusuchen. Wer im norddeutschen Flachland wohnt und nicht daran denkt, zum Wintersport in die Alpen zu fahren, wird Traktion und Fahrverhalten auf Schnee nicht an erster Stelle einstufen. Am besten ist natürlich der Alleskönner.

Diesem Ideal kommt der Dunlop Winter Sport 3 D sehr nahe, der nach der jüngsten Überarbeitung erheblich besser abschneidet als in früheren Tests. Er überzeugt auf dem Mercedes E 280, der wegen seines ausgeglichenen Fahrverhaltens eine sehr gute Basis für die Reifenbeurteilung darstellt, durch ein rundum gelungenes Schneeverhalten: problemlos bis in den breiten, sich gutmütig ankündigenden Grenzbereich, mit exakten Lenkreaktionen und gutem Bremsvermögen.

Energiepreis-Situation

Auf Nässe erlaubt sich der Dunlop ebenfalls keine Schwäche, nur auf Trockenheit zeigt er, dass Bestwerte unter allen Bedingungen nicht möglich sind. So ist der Rollwiderstand, der angesichts der CO2-Problematik und der Energiepreis-Situation zunehmend an Bedeutung gewinnt, noch weit vom Niveau der besten Reifen entfernt.

Einen ähnlich hohen Standard wie der Dunlop beweist der Continental. Nur sein mäßiges Abschneiden beim Aquaplaning-Test verhindert, dass er den Dunlop in der Gesamtpunktwertung noch übertrifft. Ganz nach vorn schiebt sich auch der Pirelli, der im Zuge der üblichen Modellpflege ebenfalls eine messbare Verbesserung erkennen lässt.

Im Schnee ist er sogar der einsame König – mit einer Traumpunktzahl von 98 bei 100 möglichen Punkten. Dazu kommen gute Nässe-Eigenschaften, aber auch Einschränkungen auf trockener Straße wie das nicht befriedigende Federungsverhalten und das vergleichsweise laute Abrollgeräusch. Dem Trio der besonders Empfehlenswerten folgt ein breites Mittelfeld.

Schneetests

Der Michelin präsentiert sich auf nasser und ganz besonders auf trockener Straße als sehr fahrsicherer Reifen, fällt aber bei den Schneetests durch langen Bremsweg, nur mäßige Traktion sowie ein unruhiges, durch heftige Lastwechselreaktionen geprägtes Verhalten auf. Der neue Vredestein erzielt unter allen Bedingungen gute, wenn auch nicht herausragende Ergebnisse.

Der Nokian ist gut auf nasser und trockener Straße, fällt aber auf Schnee wegen seines langen Bremswegs zurück. Auch das Fahrverhalten auf Schnee überzeugt nicht: Mit dem finnischen Reifen zeigt sich der Mercedes wenig spurstabil und neigt in Kurven zum Übersteuern.

Das ESP, das bei den Fahrversuchen ausgeschaltet wird, um den Reifeneinfluss besser erkennbar zu machen, wird damit gut fertig. Aber der häufige Eingriff auf niedrigen Reibwerten führt zwangsläufig zu einer unharmonischen Fahrweise – und das bei Geschwindigkeiten, bei denen die besten Schneereifen noch ohne Hilfe der Fahrwerkselektronik ihre Spur ziehen.

Subjektiver Eindruck

Der aus dem Hause Continental stammende Speed Grip des österreichischen Herstellers Semperit bleibt weit von seinem Bruder TS 810 entfernt – allerdings auch im Preis, der aber nicht in die auto motor und sport-Wertung eingeht, weil da nur sicherheitsrelevante Eigenschaften zählen. Enttäuschend sind vor allem seine Fähigkeiten auf Schnee. Gegenüber dem bestplatzierten Pirelli verliert er auf dem Handlingkurs ganze zwei Sekunden, wobei das nur mäßige Bremsvermögen ebenso eine Rolle spielt wie die unbefriedigende Traktion.

Die separate Traktionsmessung, die auf ebener Strecke durchgeführt wird, unterstreicht den subjektiven Eindruck: Der Semperit landet auf dem letzten Platz. Bei Nässe und Trockenheit erzielt er noch ordentliche Resultate. Ein ganz ähnliches Bild ergibt sich bei Yokohama und Bridgestone. Deren Eigenschaften auf Schnee sind ebenfalls unbefriedigend.

Vor allem der in beiden Fällen viel zu lange Bremsweg kostet Punkte. Und während der Yokohama noch mit einem geringen Rollwiderstand glänzt, ist der Bridgestone in diesem Punkt weit vom aktuellen Stand der Reifentechnik entfernt. Bleibt der Pneumant, was überrascht, denn er stammt wie der diesjährige Testsieger Dunlop aus dem Goodyear- Konzern. Der Pneumant präsentiert sich als der mit Abstand preisgünstigste Reifen im Test. Aber dafür muss man eine ganze Reihe von Nachteilen in Kauf nehmen.

So ist das Bremsvermögen auf nasser und trockener Straße mäßig, auch das schwammige, stark zum Untersteuern tendierende Fahrverhalten kann nicht überzeugen. Nur auf Schnee schlägt sich der Pneumant mit seiner guten Traktion ganz wacker. Doch in der Gesamtwertung schneidet er über 20 Prozent schlechter ab als der beste Reifen im Test. Angesichts solch gravierender Unterschiede kann von empfehlenswert keine Rede mehr sein.

Ein hervorragendes Fahrverhalten mit hoher Lenkpräzision auf trockener Straße, guter Komfort, geringer Rollwiderstand und sehr gute Aquaplaning-Eigenschaften sind die Pluspunkte des Michelin Primacy Alpin 3. Kritik gab es für die geringe Traktion und den langen Bremsweg auf Schnee.


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