XC 90, Range Rover Sport, Grand Cherokee

Fat for Fun

Foto: Foto: Achim Hartmann 28 Bilder

Über zwei Tonnen schwer und mit rund 300 PS starken V8-Benzinern ausgerüstet, garantieren Jeep Grand Cherokee, Range Rover Sport und Volvo XC 90 einen vollformatigen Auftritt. Nicht nur auf Asphalt.

Mittagspause in der Kiesgrube. Stille. Baggerpiloten und Kipperfahrer beißen in ihre Vesperbrote, ein einsamer Spatz badet im Grundwassertümpel. Plötzlich hält er inne, sieht sich aufgeregt um – der Boden beginnt zu vibrieren. Erst kommt der Donner, dann der Blitz: Jeep Grand Cherokee 5.7 Hemi Limited, Range Rover Sport V8 SE und Volvo XC 90 V8 Executive in Parallelfahrt. Viel Gas, wenig Abstand. Natürlich nur fürs Foto. Prasselnder Kies und bollernde V8 – fehlt nur noch, dass die Piloten Yippie-Yeah rufen.

Hier, im leichten bis mittelschweren Gelände, fühlen sich die SUV ebenso wohl wie ihre Treiber. Können sie doch ungestört planieren, driften, wühlen, mit Steinen oder Wasser spritzen, ein bisschen gründeln oder an Steilauffahrten kraxeln. Am leichtesten gelingt selbst Neulingen die Offroad- Nummer im Range Rover Sport. Per Drehschalter in der Mittelkonsole bringt sich der Brite für die zu bewältigende Aufgabe zuverlässig in Stimmung. Vorbei ist es mit selbstbewusst zur Schau getragener Erfahrung beim richtigen Zeitpunkt der Wahl automobiler Steigeisen. Fünf Programme passen Motormanagement, Lenkunterstützung, Automatikgetriebe, Mitten- und Hinterachsdifferenzialsperren sowie die Luftfederung an. Dank Terrain Response reagiert der Range etwa beim kräftezehrenden Tiefsandwühlen bissiger auf Kommandos als beim kniffligen Felsenklettern. Ebenfalls hilfreich: kontrollierter Bremseneingriff beim Bergabrodeln und die per Luftfederung anzuhebende Karosserie beim Überwinden von Hindernissen.

Gegen dieses Techno-Paket sieht der Jeep auf dem Papier blass aus, aber sein Allradantrieb mit elektronisch ge- steuerter Unterstützung (Quadra Drive II) wuchtet ihn dennoch trotzig durch die Pampa. Sicher, die ausladende Karosserie und das Gewicht eines Kleinlasters stempeln auch den Grand Cherokee nicht gerade zum sehnigen Rubicon-Eroberer, doch wer per Hebelchen Geländeuntersetzung und Quersperren an den einzelnen Achsen aktiviert sowie das ESP ausschaltet, der kann dem Range Rover auf den Fersen bleiben. Zumal die hintere Starrachse so freudig verschränkt, dass meist erst die restlos aufgebrauchte Bodenfreiheit am Weiterkommen hindert.


Unterfahrschutz? 210 Euro. So etwas ist beim Volvo XC 90 erst gar nicht im Programm, der coole Schwede liebt es asphaltöser. Na ja, ein schlammiger Waldweg darf es ruhig sein. Hier reicht der per Haldex- Kupplung geregelte Allradantrieb aus, fällt der Verzicht auf zusätzliche Geländehilfen kaum ins Gewicht. Allerdings drehen beim schwungvollen Anfahren erst einmal kurz die Vorderräder durch, bevor sich das System sortiert und die überschüssige Kraft an die Hinterräder weiterleitet. Das gilt auch für den Asphaltsprint, bei dem der 315 PS starke V8 den Volvo in 8,4 Sekunden auf Tempo 100 presst. Der Quereinbau bedingt einen engen Zylinderwinkel von 60 Grad, doch Ausgleichswelle und die um 30 Grad versetzten Hubzapfen der Nockenwelle bemühen sich mit Erfolg um oberklassige Laufkultur.

Ganz nebenbei erinnert der 4,4-Liter sogar noch an seine Herkunft, schließlich baut Entwicklungspartner Yamaha ganz erfolgreich Motorräder und Musikinstrumente. Wen wundert es da, dass der drehfreudige Japan-V8 spontan anspricht, virtuos durchzieht und eine kehlige Melodie intoniert? Der Jeep kontert typisch amerikanisch mit schierer Macht, und zwar der des Hubraums. 5,7 Liter produzieren 500 Newtonmeter Drehmoment. Whopper statt Sushi.

 Angesichts des brachialen Anfahrmoments sei dem Hemi sogar die etwas eingeschränkte Drehfreude verziehen. Für den Volvo langt es nämlich trotzdem, für den Range Rover sowieso. Der fühlt sich an, als hätte er Wackersteine gefrühstückt. Mit 2523 Kilogramm wiegt der Brite rund sechs Zentner mehr als die Konkurrenz – auch keine Magermodels. Klar, dass unter dieser Bürde selbst ein an sich munterer V8 in die Knie geht und sich ungeniert fast 20 Liter Super reinzieht. Und nach 299 PS fühlt sich der 4,4-Liter ebenfalls nicht an, nach Sport schon gar nicht. Dafür kooperiert er hervorragend mit der passend reagierenden Sechsgangautomatik.

Das ist eine Problemzone des Volvo, dessen lang übersetzter sechster Gang zwar das Drehzahlniveau senkt, bei wechselnden Tempi jedoch zu gestresster Schalthektik führt. Unpassend wie das Karosserieknarzen, das den gediegenen Eindruck des ausgewogen federnden, kalkulierbar lenkenden XC 90 konterkariert.

Aus dem Vollen geschnitzt wirkt dagegen der Range Rover, dessen breiter Mitteltunnel vorn für intime Cockpitatmosphäre sorgt. Obwohl seine Luftfederung kurze Un- ebenheiten nur störrisch absorbiert, enthält er sich selbst auf zerfurchten Straßen störender Karosseriegeräusche. Allerdings schwächelt die Bremse, nach dem zehnten Folgestopp braucht der Brite fünf Meter mehr als der Volvo. Und drei mehr als der Jeep, der neben Abmessungen und der Anhängelast von 3,5 Tonnen (Volvo 2,25 Tonnen) nur wenig mit dem Range gemeinsam hat. Statt Gediegenheit serviert er großzügige Passungen, billig wirkenden Kunststoff und rutschige, wie mit Teflon beschichtete Lederbezüge.

Immerhin sorgen kleine Fensterflächen und Holzdekor für einen gemütlichen Ambiente-Mix aus Trapperhütte und American Diner. Gemischte Gefühle auch beim Federungskomfort: Straff gefedert und weich gedämpft setzt der Jeep seine Passagiere auf welligen Strecken heftigen Vertikalbewegungen aus. In Kurven tritt kräftiges Wanken hinzu, die gefühllose Lenkung erstickt den Rest an Dynamik-Anflügen. Aber wer will Grand Cherokee und Konsorten schon wie gestochen durch die Gegend treiben, wo es für den zügigen Asphalteinsatz zweifellos kompetentere und sparsamere Alternativen gibt. Für einen vollformatigen, achtzylindrig bollernden Auftritt mit Geländeoption allerdings kaum.

Fazit

1. Volvo XC 90
465 Punkte

Wenn sich nordische Eleganz mit einem drehfreudigen und klangstarken V8 paart, sieht man über die mäßige Geländetauglichkeit des geräumigen XC 90 gern hinweg.

2. Range Rover Sport
448 Punkte

Das hohe Gewicht dämpft den Elan des soliden, eleganten Briten mit den nützlichen Geländefahrhilfen. Dafür ist der V8 enorm durstig, die Bremse fadingempfindlich.

3. Jeep Grand Cherokee
430 Punkte

Der Ami bietet muskulöse Optik, einen wuchtigen V8 sowie ordentliches Offroad-Talent zum fairen Preis. Verarbeitung und Fahrkomfort hinken allerdings hinterher.

Technische Daten
Jeep Grand Cherokee 5.7 V8 Hemi 4x4 Limited Range Rover Sport V8 SE Volvo XC90 V8 7-Sitzer Executive
Grundpreis 55.390 € 67.900 € 72.660 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4750 x 1870 x 1740 mm 4788 x 1928 x 1784 mm 4807 x 1898 x 1784 mm
KofferraumvolumenVDA 978 bis 1909 l 450 bis 2013 l 249 bis 1837 l
Hubraum / Motor 5654 cm³ / 8-Zylinder 4394 cm³ / 8-Zylinder 4414 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 240 kW / 326 PS bei 5000 U/min 220 kW / 299 PS bei 5500 U/min 232 kW / 315 PS bei 5850 U/min
Höchstgeschwindigkeit 208 km/h 209 km/h 210 km/h
0-100 km/h 8,3 s 10,0 s 8,4 s
Verbrauch 15,4 l/100 km 15,1 l/100 km 13,5 l/100 km
Testverbrauch 17,8 l/100 km 18,4 l/100 km 16,4 l/100 km
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