Zwei Renntiere aus Süddeutschland

BMW M Coupé gegen Porsche 911: Mit neuem, kräftigerem Motor fordert das M Coupé den ebenfalls erstarkten 911 heraus. Kann der Bayer dem Schwaben die Sportwagen-Krone streitig machen?

Am Anfang leidenschaftlich diskutiert, mittlerweile akzeptiert, aber im Straßenbild kaum vorhanden – so lässt sich das BMW M Coupé beschreiben. Trotzdem: Mit dem neuen M3-Motor ist der Bayer ein würdiger Porsche-Konkurrent. Günstig ist der Zweisitzer auf Basis des Z3 zwar nicht (50.004 Euro) im Vergleich zum Carrera (73.544 Euro) ist er aber ein echtes Schnäppchen.

Das M Coupé präsentiert seine sportlichen Anlagen in einem buckligen Blechkleid, das statt bewundernder häufig mitleidige Blicke auf sich zieht. Doch der Kenner diskutiert nicht das Design – er sitzt hinter dem Lenkrad der intim geschnittenen Fahrmaschine und huldigt dem BMW-Slogan von der Freude am Fahren. Hier nehmen sich beide Kontrahenten wenig. Der im Heck untergebrachte, 320 PS starke Sechszylinder-Boxer katapultiert den Porsche aus dem Stand in 4,7 Sekunden auf 100 km/h. Ein fabelhafter Wert, den das 325 PS starke M Coupé knapp verfehlt. Der Unterschied ist messbar und wird bei zunehmenden Geschwindigkeiten deutlicher, wenngleich in der Praxis nicht spürbar. Im Gegenteil: Ab mittlerer Drehzahl hämmert der BMW los und trompetet sein Temperament ins Land.

Erst wenn der Porsche-Fahrer in den sechsten Gang schaltet und der bullige Boxer den 911 weiter beschleunigt, geht dem M Coupé im kurz übersetzten Fünften die Puste aus: Bei 250 km/h regelt die Elektronik ab, was Punkte in der Antriebswertung kostet.

Auf kurvigen Strecken fällt es dem 911 dagegen schwer, den BMW abzuschütteln. Der bleibt selbst auf nassem Untergrund stoisch neutral, schiebt nie über die Vorderräder. Das M Coupé wieselt durch Kurven aller Art – bis das serienmäßige DSC als Wächter der Fahrstabilität lange vor der Haftgrenze eingreift.

Da ist Porsche die Abstimmung des optionalen PSM deutlich besser geglückt. Die Fahrdynamik-Regelung lässt Schnuppern am Grenzbereich zu, verhindert aber wirkungsvoll ein Eigenleben des Hecks.

Dass der BMW statt eines Motors einen Kofferraum im Heck trägt, erweist sich dagegen im Sinne der Reisetauglichkeit als Vorteil – zugegebenermaßen kein hartes Sportwagenkriterium. Doch mimt das M Coupé bei Bedarf überzeugend den Gran Turismo. Die Federung ist ausreichend nachgiebig, und die hervorragend konturierten Sitze sind komfortabel.

Zwar stört es den echten Porsche-Piloten keineswegs, dass er den größten Teil seines Gepäcks auf den beiden hinteren Notsitzen transportieren muss, und er akzeptiert auch die knochige Federung, aber einen besseren Arbeitsplatz wünscht er sich schon. Die billig wirkenden Blinker- und Scheibenwischerhebel sind irgendwie deplatziert, und selbst ein schmächtiger Fahrer thront nicht zwischen, sondern auf den Wulsten des viel zu eng geschnittenen Sitzes.

BMW, ebenfalls bekannt für großzügige Aufschläge bei den Extras, liefert das M Coupé weitgehend komplett. Die gewöhnlich tadellose bayerische Verarbeitungstradition führt der Zweisitzer allerdings nicht fort. Die Karosserie wirkt weich, das Handschuhfach klappert, die Kofferraumabdeckung wirkt labberig. Zudem lässt die Leistung der Heizung zu wünschen übrig.

So verliert das M Coupé an dieser Stelle Punkte, die ihm bei der Endabrechnung fehlen – zumal der BMW seinen günstigen Preis im Kostenkapitel wegen einer extrem hohen Vollkasko-Prämie nicht entscheidend in Szene setzen kann.

Der Porsche ist dagegen ein echter Siegertyp. Auch wenn er nur knapp vorne liegt – die imageträchtigen Kapitel Antrieb und Fahreigenschaften gewinnt der 911.

Technische Daten
Porsche 911 Carrera
Grundpreis 74.504 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4430 x 1770 x 1305 mm
KofferraumvolumenVDA 130 l
Hubraum / Motor 3596 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 235 kW / 320 PS bei 6800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 285 km/h
Verbrauch 11,0 l/100 km
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