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Peugeot 308 SW BlueHDi 150 Allure im Dauertest

Ein Franzose für die Ewigkeit?

Peugeot 308 SW BlueHDi 150 Allure, Exterieur Foto: Björn Gramm 16 Bilder

Nach längerer Pause trat vor zwei Jahren mit dem 308 SW wieder ein Peugeot zum Langzeit-Test an. Wie hat sich der beliebte Kombi geschlagen?

12.02.2018 Michael von Maydell Kommentare

Wenn bei französischen Autos von eigenwilligen Lösungen die Rede ist, geht es in der Regel um Modelle von Citroën und nicht jene der Konzernschwestermarke Peugeot – so zumindest das Klischee. Und von außen sieht der in Chronosgrau-Metallic lackierte Peugeot 308 SW, der innerhalb von knapp zwei Jahren die Dauertestdistanz von 100.000 Kilometern abgespult hat, mit seinem langen Radstand und dem harmonisch an- gefügten Kombiheck denn auch vielmehr ausgewogen-elegant als bemüht eigenwillig aus.

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Peugeot 308 SW BlueHDi 150 Allure, Exterieur
Peugeot 308 SW BlueHDi 150 Allure im Dauertest 100.000 km mit beliebtem Kombi
auto motor und sport 23/2017
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Viel Schelte für das Cockpit

Doch das ändert sich, sobald sich die Türen öffnen und der Blick auf den Arbeitsplatz des Fahrers fällt. Kenner der Materie wissen es schon: Es geht um die nahe der Frontscheibe positionierten Instrumente mit gegenläufigem Drehzahlmesser, das putzige, im Durchmesser ungewöhnlich kleine Lenkrad und die auf ein Mindestmaß an Tasten reduzierte Cockpit-Gestaltung.

Peugeot 308 SW BlueHDi 150 Allure, Interieur Foto: Ingolf Pompe
Angenehm viel Platz auf allen Sitzen. Weniger erfreulich: Das kleine Lenkrad und die hakelige Bedienung mit trägem Touchscreen.

Besonders vermisst wurden separate Regler für die Klimaanlage. Über den Touchscreen soll sich viel bedienen lassen, da er aber oft nicht auf den ersten Tipp reagiert und die Menüführung nicht sonderlich eingängig ist, fängt sich der 308 mächtig Kritik ein. Schade, denn ansonsten meisterte der Kombi diesen Dauertest sehr ordentlich.

Angetreten mit 150 PS starkem Zweiliter-Diesel samt SCR-Katalysator in der sehr umfangreichen Allure-Ausstattung, stand der Kombi mit einem Basispreis von 27.900 Euro in der Liste. Extras wie Metallic-Lack, Navigation, DAB und das bis zum Schluss knarzfreie und von vielen Kollegen geschätzte Panorama-Glasdach steigerten den Endpreis auf 30.130 Euro.

Sein erster längerer Ausflug führte den 215 km/h schnellen Franzosen auf die Messstrecke nach Lahr. Dort bewies er mit guten Sprint- und Bremswerten viel Tatkraft. Es folgten viele weitere Touren, und neben der erwähnten Kritik an der Bedienphilosophie mehrten sich lobende Zeilen über Platzangebot und Antrieb. Selbst mit drei Erwachsenen im Fond geht es nicht zu eng zu, das Gepäckabteil bietet mit mindestens 610 Litern genug Stauraum für die große Reise, und eine – wenn auch etwas zu enge – Durchlade erhöht die Praxistauglichkeit. Beim Umklappen der Lehne per Fernentriegelung taucht die Sitzfläche mit ab – so entstehen ein nahezu ebener Ladeboden und Platz für bis zu 1.660 Liter, der sich dank 507 kg Zuladung auch tatsächlich nutzen lässt.

Wenn wir schon gerade im Kofferraum sind: Für Unmut sorgte hier der neben dem Reserverad untergebrachte und daher schwer zugängliche AdBlue-Tank. Er fasst nur 17 Liter und musste zwischen den Inspektionen auch selbst befüllt werden. Vollbeladen, nachts bei Minustemperaturen? Wirklich kein Vergnügen. 70,3 Liter Harnstoff verbrauchte der Diesel über die Testdistanz. Immerhin: Mit der im September absolvierten Modellpflege des 308 hat Peugeot inzwischen kräftig nachgebessert. Der AdBlue-Einfüllstutzen sitzt jetzt neben dem Dieselzulauf unter der Tankklappe.

Viel Lob dagegen für den Diesel

Neben AdBlue verbrannte der BlueHDi 6.256,1 Liter Sprit – macht auf 100.000 Kilometern einen vorbildlich niedrigen Testverbrauch von 6,3 l/100 km. Geruhsam bewegt sind auch Werte um die fünf Liter leicht zu erreichen. Überhaupt hinterlässt der mit 370 Nm kräftig aufgestellte Vierzylinder einen guten Eindruck. Er arbeitet laufruhig und leise, schiebt bullig an, schwächelt nicht bei voller Beladung. Zudem lieferte er bei zunehmender Laufleistung immer bessere Werte. Der Sechsgang-Schaltbox mit dem im Winter eiskalten Chromschaltknauf könnte etwas mehr Präzision aber nicht schaden.

Peugeot 308 SW BlueHDi 150 Allure, Exterieur Foto: Ingolf Pompe
Nur mühsam lässt sich der 17 Liter große AdBlue-Tank unter dem Ladeboden befüllen.

Wenig Anklang fanden zudem die – auch auf der Autobahn – spitz ansprechende Lenkung sowie das unangebracht straff ausgelegte Fahrwerk. Insbesondere mit den 17-Zöllern mit flachem 45er-Querschnitt reicht der 308 konsequent jede Fuge kaum gefiltert an die Insassen weiter. Entspannte Ruhe kommt so beim Reisen trotz des kultivierten Motors nicht auf.

Etwas feinfühliger erwies sich der Franzose nur beladen oder mit aufgezogenen Michelin Energy Saver in der Dimension 205/55 R 16. Von den optional angebotenen 18 Zoll großen Rädern kann man nach unseren Erkenntnissen nur abraten. Hier sei noch erwähnt, dass sich der geliftete 308 leider ähnlich herb gibt.

Überzeugender fällt hingegen die Materialqualität des für Peugeot so wichtigen Modells aus. Klar finden sich hier und da einige Kratzer auf den Kunststoffen, und der von Staubsaugern bearbeitete Ladeboden kann seine Abnutzung nicht verbergen. Ansonsten hält sich der Verschleiß im Interieur sehr in Grenzen. Die Stoffsitze sind so bequem wie am ersten Tag, und dank der zahlreichen soliden Chromeinsätze wirkt der 308 nach 100.000 Kilometern unverändert nobel, zumal bis zum Schluss nichts knarzt. Abgesehen von kleinen Steinschlagspuren an der Front präsentiert sich der Kombi auch äußerlich fast wie neu.

Bis 80.000 km ohne Probleme

Lange Zeit bereitete auch die Zuverlässigkeit keine Sorgen. Unbeeindruckt spulte der Franzose die Kilometer runter. Nach 30.000 Kilometern stand der erste Ölwechsel an, bei Tachostand 56.966 gab es wieder frisches Schmiermittel, dazu Luft- sowie Kraftstofffilter und neue Bremsbeläge vorn. Da sich die Wartungskosten sehr im Rahmen halten (insgesamt 933 Euro), fallen auch die Kilometerkosten mit 9,5 Cent erfreulich niedrig aus. Ein Opel Astra Sports Tourer 2.0 CDTi schlug mit 13,2 Cent schon deutlich stärker zu Buche.

Peugeot 308 SW BlueHDi 150 Allure, Exterieur Foto: Natalie Diedrichs
Trotz des mäßigen Federungskomforts ein guter Reisewagen. Auch dank niedrigen Kilometer-kosten von 9,5 Cent.

Doch dann, bei Kilometerstand 79.278, zwangen fiese Kratzgeräusche an der hinteren Bremsanlage den 308 außerplanmäßig in die Werkstatt. Was war passiert? Die Beläge links waren komplett verschlissen, deren Metallrücken kratzte quasi schon an den Scheiben. Grund: Der bis dato so zuverlässige Kombi verfügt nicht über Bremsverschleißsensoren. Peugeot empfiehlt hier laut Handbuch, gelegentlich den Pegel der Bremsflüssigkeit zu checken. Für Otto Normalkombifahrer schwierig; Sensoren wären hier klar die sinnvollere Lösung.

Schade – denn so benötigte der Peugeot noch neue Bremsscheiben (macht 386 Euro) und kassierte 1,5 Mängelpunkte im Dauertestindex. Die restlichen 20.000 Kilometer bis zum Testende absolvierte er hingegen wieder völlig problemlos und rangiert somit im Mängelindex vor Opel Astra und VW Golf Variant. Ein tolles Resultat, mit dem der zuverlässige Franzose auch jene überzeugt, die sich mit dem eigenwilligen Cockpit nicht anfreunden können.

Vor- und Nachteile

  • gutes Platzangebot
  • bequeme Sitze
  • viele Ablagen
  • großer Kofferraum
  • üppige Ausstattung
  • gute Verarbeitung
  • kaum Verschleißerscheinungen
  • kultivierter Dieselmotor
  • gute Fahrleistungen
  • niedriger Verbrauch
  • niedrige Unterhaltskosten
  • sicheres Fahrverhalten
  • mäßiger Fahrkomfort
  • nervöse Lenkung
  • unübersichtliche Instrumente
  • komplizierte Bedienung
  • großer Wendekreis
  • Tankklappe nicht in Zentralverriegelung integriert
Technische Daten
Peugeot 308 SW BlueHDi 150 Allure
Grundpreis28.850 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4585 x 1804 x 1472 mm
KofferraumvolumenVDA610 bis 1660 l
Hubraum / Motor1997 cm³ / 4-Zylinder
Leistung110 kW / 150 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit210 km/h
Verbrauch3,9 l/100 km
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    930.engineering, was nützt das pubertär anmutende Aufgeblähe, wenn anschließend nur heiße Luft kommt?

    Das nächste Mal besser erst mal überlegen und dann schreiben.

    Nabob 20. Februar 2018, 15:50 Uhr
    Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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