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Winterreifentest

205/55 R 16

Foto: Frank Herzog 25 Bilder

Zwölf klassische Winterreifen sowie zwei Ganzjahresreifen der Dimension 205/55 R 16 treten im Test auf Schnee, bei Nässe und bei Trockenheit gegeneinander an. Getetstet wurde im Norden Schwedens auf einer Mercedes C-Klasse.

12.10.2007 Götz Leyrer

Der vergangene Winter ließ viel zu viel Milde walten. Wie der nächste wird? Machen Sie es wie die Reifentester von auto motor und sport, ziehen Sie einfach in den Norden Schwedens. Da ist der Winter noch sicher. Schnee gibt’s reichlich und Kälte auch. So muss es sein, wenn die Bedingungen für einen vergleichenden Test stimmen sollen.

Die Schweden würden über jeden lachen, der glaubt, ohne Winterreifen durch das weiße Halbjahr zu kommen. Das zählt auch wahrhaftig nicht zu den Empfehlungen, die Sie von auto motor und sport bekommen werden. Aber der Gedanke hat etwas Verführerisches. Sollten die Winter in Mitteleuropa tatsächlich wärmer werden, könnten es ja auch so genannte Ganzjahresreifen tun.

Die sollen unter allen Bedingungen eine gute Figur machen, wenngleich kein Hersteller behaupten wird, das Ei des Kolumbus geknackt zu haben. Spezialisten sind besser auf ihrem Gebiet, doch kann der bei der Reifenkonstruktion erzielte Kompromiss ja durchaus akzeptabel sein.

Zusätzlich zum Zwölfer-Feld der reinen Winterreifen, die hier zum Test antreten, sind deshalb auch zwei Allrounder dabei: Der Goodyear Eagle Vector, jüngste Version eines seit vielen Jahren angebotenen Ganzjahresreifens, sowie der brandneue Quatrac 3 des niederländischen Herstellers Vredestein, der im Gegensatz zu den übrigen Konkurrenten den Speedindex V (bis 240 km/h) aufweist.

Er ist seit September in neun Dimensionen im Handel, zwei davon sind Runflat- Ausführungen mit Notlaufeigenschaften. Was können die sogenannten Alleskönner? Der Goodyear schiebt sich in der Gesamtwertung mitten hinein ins Feld der Winterreifen und erhält damit das Prädikat empfehlenswert.

Der Vredestein schneidet weniger überzeugend ab. Er kann zwar den Winterreifen von Falken noch hinter sich lassen, verdient sich aber mit seiner Gesamtpunktzahl nur „Bedingt empfehlenswert“. Den Knackpunkt bilden die Nässe- Eigenschaften.

Hier ist der Goodyear um Längen besser, wobei nicht nur das Aquaplaning-Verhalten, sondern vor allem das Bremsvermögen den Ausschlag geben. Auf trockener Straße sind die beiden Reifen annähernd gleichwertig – mit leichten Vorteilen für den Goodyear wiederum bei der Bremsprüfung. Beide bieten sehr sichere, problemlose Fahreigenschaften, wie sich vor allem beim neu ins Testprogramm aufgenommenen Spurwechsel nach ISO-Norm zeigt.

Im Schnee schlagen sich die Ganzjahresreifen ordentlich. Wer nur selten mit weißen Straßen rechnen muss, kann mit dem Gebotenen leben. Allerdings: An die Fähigkeiten der wirklich guten Winterreifen kommen beide erwartungsgemäß bei weitem nicht heran. Der Goodyear Vector bremst zwar ganz ausgezeichnet, bietet aber eine Traktion, die um 25 Prozent schlechter ist als die des vom gleichen Hersteller stammenden Winter-Spezialisten Ultra Grip 7.

Kein Reifen fürs Gebirge also. Der Vredestein bringt die Kraft zwar etwas besser auf den Boden, hat aber gegen reinrassige Winterreifen ebenfalls keine Chance. Die Empfehlung, die Punktetabelle genau zu studieren und die Kaufentscheidung von den erwarteten Einsatzbedingungen abhängig zu machen, gilt auch für die Palette der getesteten Winterreifen.

Was hier weit hinten landet, braucht man gar nicht erst in Betracht zu ziehen – auch wenn der günstige Preis locken sollte. Das gilt speziell für den japanischen Falken, der zwar weit preisgünstiger ist als die Produkte der so genannten Premium-Hersteller, aber auf keinem Gebiet überzeugende Leistungen liefert. Nur auf trockener Straße kann er einigermaßen mithalten, doch allein schon das Bremsvermögen bei Nässe und auf Schnee als besonders sicherheitsrelevante und deshalb sehr hoch bewertete Kriterien genügen, um sein Punktekonto auf ein nicht mehr akzeptables Niveau abzusenken.

Der Falken ist denn auch der einzige Reifen im Testfeld, der mit „Nicht empfehlenswert“ abschneidet. Semperit Speed Grip, Yokohama Winter drive und Vredestein Snowtrac („Bedingt empfehlenswert“) erzielen zwar ein insgesamt weit besseres Ergebnis, verlieren aber ebenfalls den Anschluss an die Topreifen. Obwohl alle drei im unteren Preissegment rangieren, sind die Euro-Differenzen längst nicht so groß, dass sie als Argumentationshilfe dienen könnten.

Auf den ersten Blick scheint die Sache klar: Wer sich den Goodyear Ultra Grip 7 auf die Felgen ziehen lässt, kann nichts falsch machen. Der erzielt die höchste Gesamtpunktzahl dank ausgewogener Eigenschaften unter allen Bedingungen. Vor allem auf Schnee ist er der Meister: Er bietet die beste Traktion, lässt sich bis in den Kurvengrenzbereich gutmütig und problemlos fahren und leistet sich auch bei den Bremsversuchen keine Schwäche.

Auf trockener Straße landet der Goodyear ebenfallsweit vorn. Hier schlägt ihn zwar der Michelin, der mit den besten Fahreigenschaften und dem geringsten Rollwiderstand die traditionellen Stärken des französischen Herstellers bestätigt, im Schnee jedoch wegen seiner mangelnden Traktion keine Chance gegen den Goodyear hat.

Der Continental Winter Contact TS 810 kommt in der Gesamtwertung bis auf einen Punkt an den Goodyear heran, erhält aber trotzdem nicht mehr die Auszeichnung „Besonders empfehlenswert“, weil er sehr einseitig ausgelegt ist. Nässe, das betonen auch seine Entwickler, hatte bei der Konzeption klare Priorität.

Der Conti erzielt auf den bewässerten Teststrecken denn auch derart gute Ergebnisse, als hätte die Konkurrenz das Reifenbauen verlernt. Wo andere auf dem Handlingkurs sich schon schlingernd an der Haftgrenze bewegen, fährt er wie auf Schienen. Beim Beschleunigen bringt er die Kraft mit Abstand am besten auf die Straße. Und beim Bremsen krallt er sich den Asphalt, als sei die Straße trocken. Schon dem Zweitbesten, dem Hankook Icebear, nimmt er drei Meter ab.

Auch auf Schnee ist der Conti gut, der Pferdefuß zeigt sich auf trockener Straße. Im ISO-Wedeltest landet er ganz hinten, und nach dem Handlingtest zeigt der sichtbar erhöhte Verschleiß, dass es keine Reifen-Wunder gibt. Im Mittelfeld der mit „Empfehlenswert“ benoteten Reifen sind die Differenzen relativ gering. Bester ist hier noch der Dunlop SP Wintersport 3 D, der vor allem auf Schnee gute Eigenschaften bietet, aber durch das eingeschränkte Bremsvermögen bei Nässe und die nur durchschnittlichen Aquaplaning-Eigenschaften hinter die Spitzenreiter zurückfällt.

Der Pirelli Sottozero, ebenfalls ein guter Schneereifen, verschenkt beim Nassbremsen ähnlich viele wertvolle Punkte. Das Gleiche gilt für Firestone Winterhawk und Nokian WR. Dass es nicht immer ein teurer Premium-Reifen sein muss, beweist schließlich der Hankook Icebear. Er schiebt sich mit ausgewogenen Eigenschaften mitten hinein ins Feld der Nobelmarken. Respekt, auch wenn’s nicht für einen Platz auf dem Siegertreppchen reicht.

Übersicht: Winterreifentest
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