03/2019, M2K Motorsports Ford GT M2K Motorsports

Die schnellsten Autos der Welt

Mit über 2.500 PS den Rekord geknackt

482,8 km/h: Für normalsterbliche Autofahrer scheint diese Marke extrem weit entfernt zu sein. Nicht so für den amerikanischen Tuner M2K Motorsports, der die Barriere mit seinem Ford GT mit Biturbo-V8 nun gebrochen hat.

Plötzlich ist es geschafft, einfach so. Da bringt ein Tuner einen aufgemotzten Ford GT zu einer Beschleunigungsstrecke im texanischen Nirgendwo, fährt dreimal eine Meile den Asphalt hinunter und darf sich plötzlich Erbauer des schnellsten straßenzugelassenen Autos nennen. So geschehe kürzlich, als M2K Motorsports genau das eben beschriebene Kunststück aufgeführt hat. 300,4 Meilen pro Stunde (mph) hat der 2006er Ford GT erreicht, kurz bevor der Fahrer dessen Bremsfallschirm auslöste. Bedeutet nach metrischem System: 483,4 Kilometer pro Stunde (km/h).

Leistung? Wohl deutlich über 2.500 PS

03/2019, M2K Motorsports Ford GT
M2K Motorsports Ford GT Highspeed-Rekord
3:31 Min.

Wie viel Leistung man dafür braucht? Schwer zu sagen. M2K Motorsports weiß selbst nicht genau, wie viel Power der ursprüngliche, wenn auch heftig getunte 5,4-Liter-V8 des Ford GT hat. Es gibt schlicht keinen Prüfstand, der für so viel Leistung ausgelegt ist. Bei früheren Messungen soll der Motor 2.063 PS erreicht haben, aktuell geht M2K Motorsports von deutlich mehr als 2.500 PS aus. Um das aus dem Ford-GT-Motor herauszuquetschen, verwenden die Texaner zwei Turbolader, die bis zu 3,1 bar Ladedruck aufbauen.

In offizielle Rekordbücher wird es die neue Bestmarke aber wohl nicht schaffen. Dafür hätte der Ford GT in beide Richtungen fahren müssen, woraufhin der Mittelwert in die Wertung gekommen wäre. Deshalb wird wohl Koenigsegg seinen vor etwa anderthalb Jahren aufgestellten Rekord für das weltweit schnellste straßenzugelassene Auto behalten. 457,2 km/h bzw. 277,9 mph schaffte der 1.176 PS starke Agera RS am 4. November 2017 auf einem abgesperrten Highway im US-Bundesstaat Nevada. In der absoluten Spitze fuhr er gar 457,9 km/h schnell.

Koenigsegg Agera RS
Koenigsegg
Koenigsegg Agera RS: mit 277,9 mph (457,2 km/h) offiziell das derzeit schnellste Serienauto der Welt.

300 mph sind nur die Basis

M2K Motorsports ist da einigen namhaften 300-mph-Jägern in die Quere gekommen. Einer von ihnen ist Hennessey. Firmenchef John Hennessey hat seinen neuen Venom F5 dazu auserkoren, die Schallmauer zu durchbrechen. Klar ist, das zeigt auch der M2K Ford GT, dass für das Vorhaben schiere Motor-Power nötig ist. Im Fall des Venom F5 soll diese ein 7,6-Liter-Twinturbo-V8 gewährleisten. Das 1.622-PS-Kraftwerk steckt nicht mehr in einem Lotus-Chassis, wie sie ältere Venom-Generationen nutzten, sondern in einer Eigenkonstruktion. Zudem soll der F5 windschnittiger geworden sein, schließlich strebt John Hennessey nach Höherem: „300 Meilen pro Stunde sind nur so etwas wie die Grundlinie. Das Ziel ist, so schnell zu fahren wie wir können“, sagte der Texaner den britischen Kollegen von „Top Gear“.

Jarod Shelby, der Chef von SSC North America, strebt Ähnliches an. Er hält seine Firma, die früher als Shelby Supercars bekannt war, am besten für dieses Vorhaben gerüstet. Nicht nur, weil der Motor des für die Rekordfahrt vorgesehenen Tuatara, ein Twin-Turbo-V8 mit 5,9 Liter Hubraum, stärker ist als der des Hennessey Venom F5. 1.774 PS leistet das Aggregat, zumindest dann, wenn es mit E85-Ethanol-Kraftstoff gefüttert wird. Das Hypercar soll auch etwas leichter (1.247 statt knapp 1.400 Kilogramm) und aerodynamisch effizienter (cW-Wert von 0,28 statt unter 0,4) sein als der texanische Konkurrent.

Koenigsegg greift mit dem Jesko an

06/2018, Koenigsegg Jesko Cherry Red Edition
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Außerdem könnte SSC etwas früher dran sein als Hennessey. Im Mai 2019 sollen die ersten Autos fertig sein, dann könnte es zum offiziellen Angriff auf die 300-mph-Marke kommen. Hennessey sieht sich erst gegen Ende des nächsten Jahres bereit für das Vorhaben. Allerdings wollen die Texaner bis dahin noch einmal kräftig an der Leistungsschraube drehen. Laut John Hennessey lief sein Motor auf dem Prüfstand bereits mit mehr als 2.028 PS. „Wir werden diese Leitung nicht an die Kunden ausliefern. Aber wir werden so viel aus dem Motor herausholen, wie wir brauchen, um 300 mph zu erreichen“, sagt er im Top-Gear-Interview.

Natürlich muss man den vollmundigen Ankündigungen der Amerikaner mit einer gesunden Skepsis begegnen. Dennoch scheinen sie deutlich konsequenter auf dieses Ziel hinzuarbeiten als die Europäer. Doch sobald sich Hennessey oder SSC in die Nähe der 300-mph-Marke begeben, will auch Koenigsegg bereitstehen. Gründer Christian von Koenigsegg hielt den Agera RS bereits für fähig, das zu schaffen. Nun hat er den neuen, auf dem Genfer Autosalon vorgestellten Jesko zur Verfügung, der bei Simulationen bereits schnell genug fuhr. Allerdings fürchtet Koenigsegg die unkontrollierbaren Aspekte eines solchen Vorhabens, Dinge wie Wind, Tiere, Bodenwellen. „Es ist machbar, aber nicht unser vorrangiges Ziel.“

Temperatur-Stress für die Reifen

Ein anderer limitierender Faktor sind die Reifen. Michelin scheint bisher als einziger Hersteller in der Lage zu sein, die passenden Gummis für derlei Geschwindigkeitsrekorde backen zu können. Aber auch die Franzosen haben so ihre Bedenken, was die 300-mph-Marke angeht. Alles steht und fällt damit, wie lange ein Auto braucht, um diesen Speed zu erreichen: „Falls das Auto zwar schnell 270 Meilen pro Stunde erreicht, aber weitere fünf Minuten bis 300 braucht, dann wird es nicht funktionieren“, sagt Michelin-Produktmanager Eric Schmedding im Gespräch mit „The Drive“. Das Problem: Je länger ein Reifen bei diesem Speed rotiert, desto heißer wird er. Das bedeutet extremen Stress für den Pneu – mit bislang unabsehbaren Folgen.

John Hennessey glaubt allerdings, das Reifenthema im Griff zu haben. Sein Auto sei schließlich leicht und windschlüpfrig genug. Die aktuelle Rekordfahrt von M2K Motorsports im Ford GT hat bewiesen, dass es klappen kann. Hennessey hält das Thema Aerodynamik für das wichtigste beim 300-mph-Unterfangen. Andere wie Ex-Bugatti-Chef Wolfgang Dürheimer halten die Motorleistung für entscheidend. „Um 450 km/h zu erreichen, musst du mindestens 1.500 PS haben, sonst wirst du es nicht schaffen“, wurde er einst zitiert.

Bugatti hält sich raus

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Der Bugatti Chiron hat 1.500 PS, theoretisch müsste er also zu dieser Geschwindigkeit in der Lage sein. Der Luxushersteller aus dem VW-Konzernuniversum beteiligte sich früher rege an allen möglichen Rekordjagden. Der Veyron Super Sport hielt eine Zeitlang mit 268 mph (431 km/h) das Zepter des weltweiten Tempokönigs, bis er vom Hennessey Venom GT abgelöst wurde. Noch vor einem Jahr trieb Ex-Formel-1-Pilot Juan-Pablo Montoya den Chiron in knapp 42 Sekunden von Null auf 400 km/h und zurück zum Stillstand – eine Bestmarke, die nun ebenfalls der Koenigsegg Agera RS (36,44 Sekunden) hält.

Aber statt vom Verlust der Bestmarken angestachelt zu werden, sieht sich Bugatti die Tempobolzerei der Amerikaner und Schweden lieber aus der Ferne an. Ein Angriff auf die Topspeed-Krone steht derzeit nicht auf der Agenda. Dürheimers Nachfolger, der aktuelle Bugatti-Chef Stephan Winkelmann, setzt derzeit andere Prioritäten. Eine naheliegende Interpretation ist aber auch, dass die Bugatti-Leute den Chiron in seiner jetzigen Ausprägung für nicht schnell genug halten, um sich wieder an die Spitze der Bestenlisten zu setzen. Also lassen sie es ganz sein. Die offiziell angegebenen, elektronisch abgeregelten 261 mph (420 km/h) scheint der Bugatti-Klientel ja auch zu reichen – das Auto gilt als ausverkauft. Also toben sich die Amerikaner derzeit alleine aus, Koenigsegg begnügt sich vorerst mit der Beobachterrolle. Und wer weiß, vielleicht fällt die 300 mph-Marke ja bald auch offiziell.

Top 12 Schnellste Serienautos der Welt

Platz Modell Topspeed in mph Topspeed in km/h
1 M2K Motorsports Ford GT (inoffiziell) 300,4 483,4
2 Koenigsegg Agera RS 277,9 457,2
3 Hennessey Venom GT 270,4 435
4 Bugatti Veyron Super Sport 268 431
5 Hennessey Venom GT Spyder 265,6 427,4
6 Bugatti Chiron 261 420
7 SSC Ultimate Aero 256 412
8 Bugatti Veyron EB 16.4 253,8 408
9 Saleen S7 Twin Turbo 248 399
10 Koenigsegg CCR 242 389
11 McLaren F1 241 388
12 Pagani Huayra BC 238 383

Fazit

Nun ist die Schallmauer also durchbrochen, wenn auch erstmal nur inoffiziell. Doch allein die Tatsache, dass 300 mph mit einem straßenzugelassenen Auto möglich sind, dürfte Koenigsegg, Hennessey, SSC und Co. in ihrem Vorhaben bestärken, noch ein bisschen schneller zu sein. Da dürfte bald ein echter Wettstreit starten – mit dem Resultat, dass die 300-mph-Marke auch offiziell fällt.

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