06/2019, Sauber-Mercedes C9 Replika Johan Ackermann Johan Ackermann / Facebook

Sauber-Mercedes C9 und BMW V12 LMR

Südafrikaner baut Le Mans-Replikas

Man kann sich natürlich für viel Geld einen Rennwagen kaufen und ihn aufwändig für die Straße zulassen. Man kann ihn aber auch einfach selber bauen – so hat es Johan Ackermann aus Südafrika gemacht.

Es heißt, jeder Mann braucht ein Hobby. Wenn das stimmt, dann übererfüllt Johan Ackermann sein Soll. Schaut man sich das Facebook-Profil des Südafrikaners an, dann scheint er ein großer Katzenfreund zu sein. Und ein Freund historischer Le Mans-Autos obendrein, denn dort finden auch auch Bilder des BMW V12 LMR von 1999 und des Sauber-Mercedes C9 von 1989. Doch wer genauer hinsieht, der erkennt: Es handelt sich nicht um die Originalautos, die Ackermann irgendwo fotografiert hat. Es handelt sich um Nachbauten, die er selbst gefertigt hat.

Chassis und Karosserie aus eigener Hand

Den Gruppe-C-Silberpfeil hatte Ackermann bereits 2012 soweit vollendet, dass er damit auf die Straße konnte. Richtig gelesen: Das Auto verfügt über eine Straßenzulassung. Seitdem hat er den C9 weiter perfektioniert, ihm zum Beispiel die passenden Sponsorenaufkleber und die richtige Startnummer verpasst. Beim Sauber-Doppelsieg in Le Mans 1989 war es schließlich das Auto mit der 63, das das Fahrertrio Jochen Mass, Manuel Reuter und Stanley Dickens zum Gesamtsieg steuerte. Und wenn man schon eine Rennwagen-Replika baut, dann doch jene eines siegreichen Autos. Und die ist so gut gelungen, dass sogar Teamchef Peter Sauber per Brief dazu gratulierte.

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Diese Post hätte es sicher nicht gegeben, wenn der Nachbau dem Original nicht so ähnlich sehen würde – und wenn Ackermann das Projekt nicht so aufwändig umgesetzt hätte. Das Rohrrahmen-Chassis und die Karosserie aus glasfaserverstärktem Kunststoff hat er nämlich komplett in Eigenregie erschaffen. Um die Optik passend hinzubekommen, musste der Mann aus Johannesburg mehrfach die Flex ansetzen und das Dach umgestalten. Nach 16 Monaten war er weitgehend fertig und der etwa eine Tonne schwere C9-Nachbau stand auf seinen Rädern. Später, nachdem das Auto verkauft war, musste der Mann aus Johannesburg jedoch nochmal ran: Mark Burger, der Käufer, war schlicht zu groß für den Silberpfeil. Erst als Ackermann Chassis, Bodengruppe und Sitze anpasste, war Burger in der Lage, den C9 zu fahren.

Sauber-Mercedes C9 mit 3,2-Liter-V6-Biturbo

Natürlich wird die Replika nicht vom echten Sauber-Mercedes-Antriebsstrang befeuert. In dessen Chassis sitzt ein doppelt turbogeladener 3,2-Liter-V6-Motor, der zwar weit von den 800 PS des Fünfliter-Turbo-V8 des echten Sauber-Mercedes C9 entfernt ist. Aber die 375 PS und maximal 450 Newtonmeter des Ersatz-Triebwerks sollen die Replika im Maximalfall trotzdem auf fast 300 km/h beschleunigen. Gleichzeitig soll das Auto einfach zu fahren sein, auch weil Ackermann die Lenkung relativ komfortabel ausgelegt hat.

06/2019, BMW V12 LMR Replika Johan Ackermann
Johan Ackermann / Facebook
Sowohl der Gitterrohrrahmen als auch die Glasfaser-Karosserie sind Marke Eigenbau.

Doch irgendwann war das Auto komplett fertig und allein die Katzen konnten Ackermanns Bedürfnis nach Beschäftigung nicht befriedigen. Also startete er sein nächstes Projekt: Ein Auto, das Audis erfolgreicher Le Mans-Ära Tribut zollt und von einem Fünfzylinder-Turbo angetrieben wird. Als er dabei nicht so recht weiter kam und die Frustration stieg, ersann Ackermann eine andere Idee: Ein Nachbau des 1999er Le Mans-Siegerautos BMW V12 LMR, das Joachim Winkelhock, Pierluigi Martini und Yannick Dalmas überraschend zum Triumph führten. Was naheliegt, schließlich war Ackermann lange als Testfahrer und Ingenieur für BMW tätig.

BMW V12 LMR mit dem Motor des BMW 750i E38

Die Antriebsquelle des Original-Rennwagens war ein Sechsliter-Zwölfzylinder-Motor. Das Triebwerk der Replika sollte diesem Motor möglichst ähnlich sein. Also besorgte Ackermanns Partner bei diesem Projekt, Manie Coetzee, einen BMW 750i der Baureihe E38 als Spenderauto. Der wurde von einem 326 PS starken 5,4-Liter-V12 angetrieben. Dieser sitzt wie bereits beim Sauber C9 als Mittelmotor im Eigenbau-Chassis. Auch die Karosserie wird wieder aus Glasfaser-Werkstoff laminiert.

Äußerlich sieht die BMW V12 LMR-Replika zwar schon komplett aus, die Sponsoren-Beklebung ist bereits originalgetreu aufgebracht. Auch der Motor läuft inzwischen. Allerdings haben Ackermann und Coetzee noch ein paar Probleme zu beseitigen. So scheint eine Zylinderkopfdichtung beschädigt zu sein, ein Riemen quietscht arg laut und der Auspuffsound könnte nach dem Geschmack der Südafrikaner auch noch ein bisschen emotionaler sein. Aber das scheinen im Vergleich zum Gesamtaufwand recht überschaubare Probleme zu sein. Deshalb dürfte einem Tribute-Rennen zwischen Ackermanns Sauber-C9 und dem BMW V12 LMR nicht mehr viel im Wege stehen. Und wer weiß, vielleicht gesellt sich demnächst noch eine Audi-Replika hinzu.

06/2019, BMW V12 LMR Replika Johan Ackermann
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Fazit

Respekt vor so viel Enthusiasmus, Hingabe und Detailversessenheit. Denn wer hätte nicht Lust, mit diesen Le Mans-Nachbauten mal eine Runde um den Block oder gar mehrere auf der Rennstrecke zu drehen? Bleibt zu hoffen, dass der Audi auch bald fertig wird und Ackermann seinem Hobby noch lange treu bleibt. Uns fallen da noch einige Le Mans-Legenden ein, die es wert wären, von ihm nachgebaut zu werden.

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Hier kommt eine Replika im Design der 50er mit der Technik der 60er.

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