Scania LKW  IAA 2016 Scania

Abgasmanipulation bei Lkw

Über 300 Fahrer wurden 2018 erwischt

Manipulierte Harnstoff-Katalysatoren in Lkw gefährden die Gesundheit und sorgen für Mautausfälle. Die Grünen sprechen von systematischem Abgasbetrug.

Das Bundesamt für den Güterverkehr (BAG) hat 2018 bei seinen Straßenkontrolldiensten an 13.298 Fahrzeugen Lkw die ordnungsgemäße Funktion der Abgasreinigung per SCR-Kat (AdBlue-Einspritzung) kontrolliert. Darunter hätten sich 3.583 deutsche Fahrzeuge und 9.715 sogenannte „Gebietsfremde“ befunden. Beanstandet worden seien davon 311 Fahrzeuge, darunter elf deutsche Fahrzeuge und 300 Fahrzeuge aus dem Ausland. Experten gehen allerdings davon aus, dass die Dunkelziffer weitaus höher liegt.

Verschiedene Manipulationsszenarien

Festgestellt wurden dabei verschiedene Manipulationen an der vorgeschriebenen Abgasreinigung. Um das für die Abgasreinigung benötigte AdBlue einzusparen, werde beispielsweise durch den Einsatz von Emulatoren eine funktionierende AdBlue-Anlage simuliert, heißt es in einer Antwort des Bundestags auf eine Anfrage der Grünen. Die AdBlue-Dosiereinheit könne so ausgeschaltet oder komplett ausgebaut werden, ohne das im zentralen Steuergerät ein Fehler angezeigt werde. Diese Emulatoren werden auf gängigen Internetverkaufsplattformen für rund 100 Euro angeboten

Festgestellt worden seien auch Manipulationen an der Temperatursensorik des Fahrzeugsystems durch den unzulässigen Einbau von Widerständen. Da die AdBlue-Reagenz bei etwa 11 Grad unter null zu kristallisieren beginne, sei zur Vermeidung einer Beschädigung des Motors eine Abschalteinrichtung zulässig, schreibt die Regierung. Dem System wurden dabei immer extrem tiefe Temperaturen vorgegaukelt worden. Eine dritte Manipulationsvariante setzt auf ein geänderte Steuerungssoftware.

Einsparungen sind gering

Wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, bringt das Abschalten der AdBlue-Einspritzung zwar keine Riesen-Einsparungen, doch in der Summe läppert es sich. Pro hundert Kilometer Fahrt senkt der illegale Adblue-Verzicht die Kosten demnach um ein bis zwei Euro. Bei hunderttausend Kilometern kämen demnach 1.000 bis 2.000 Euro an Ersparnis zusammen. Wer allerdings solche Systeme einsetzt, verliert die Betriebserlaubnis für seinen Lkw sowie die Garantie.

Mit einer manipulierten Abgasreinigung wird die Umwelt mehr belastet als erlaubt, zudem wird die emissionsbasierte Mautgebühr zu niedrig berechnet.

Ohne AdBlue werden Lkw ausgebremst

Moderne Lkw sind technisch gegen einen Betrieb ohne AdBlue abgesichert. Wie unsere Schwesterzeitschrift „Eurotransport“ zusammenfast, haben die Hersteller über alle Fahrzeugmarken hinweg die erforderlichen Sanktionen entsprechend implementiert. Schon seit Euro 5 gilt, dass die Bordelektronik die Motorleistung um 25 bis 40 Prozent (je nach Fahrzeugmasse) verringert, sollte die selektive katalytische Reduktion ausbleiben. Mit 60 bis 75 Prozent – je nach Fahrzeugmasse – weniger Drehmoment geht es dann weiter bis zur nächsten Füllstation. Euro 6-Lkw werden final sogar auf Tempo 20 heruntergebremst, sollte der Fahrer die AdBlue-Warnung ignorieren.

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