Amokfahrer unter Mordanklage

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Der "Amokfahrer von Bad Salzungen" war nach eigenen Angaben bei seiner Tat vor einem Jahr von Angst getrieben. Er habe niemanden töten wollen, sagte der heute 24-Jährige am Montag (29.5.) beim Prozessbeginn vor dem Landgericht Meiningen in Thüringen.

Er ist unter anderem wegen Mordes angeklagt, weil er einen Lkw-Fahrer aus Nordrhein-Westfalen tödlich verletzte. Der 55-Jährige war von der Polizei aufgefordert worden, eine Straßensperre zu errichten, in die der Amokfahrer am 1. April 2005 mit einem gestohlen Laster raste.

Die Staatsanwaltschaft will den Angeklagten dauerhaft in eine psychiatrische Klinik einweisen lassen, sagte Staatsanwältin Susanne Kirchner. Für Verteidiger Ralph Dobrawa geht es dagegen um eine angemessene Haftstrafe. Es sei unverantwortlich gewesen, seinen Mandanten am Tag vor der Tat aus der Psychiatrie zu entlassen.

Der 24 Jahre alte, gelernte Forstwirt äußerte sich zunächst nicht zu den einzelnen Anklagepunkten. Mehrfach störte er jedoch durch Zwischenrufe den Prozess und stand kurz vor dem Ausschluss. Mehrere seiner Fragen an Zeugen wurden vom Gericht als "nicht sachdienlich" zurückgewiesen. Der Prozess wird an diesem Mittwoch (31. Mai) mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt.

Den Laster hatte der Angeklagte morgens einem Kurierfahrer gestohlen. Vor dem tragischen Unfall rammte der Amokfahrer mehrere Autos, Lichtmasten und Gartenzäune und raste in ein Fachwerkhaus. An einer geschlossen Bahnschranke versuchten Polizisten vergeblich, ihn durch vier Warnschüsse in die Reifen zu stoppen. Schließlich sahen die Beamten keine Alternative zur Straßensperre. Der zu Hilfe gerufene Lkw-Fahrer aus dem Sauerland konnte sich jedoch nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen, wurde kurz nach dem Aussteigen vom Laster des Amokfahrers erfasst und starb noch an der Unfallstelle.

Thüringens Innenminister Karl Heinz Gasser (CDU) sprach anschließend von einem Polizeieinsatz, der "außerordentlich unglücklich gelaufen" sei. Ermittlungen gegen zwei beteiligte Polizisten wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung wurden im Februar 2006 eingestellt. Untersucht wird derzeit auch noch, ob der Arzt, der den 24-Jährigen am Tag vor der Tat aus einer psychiatrischen Klinik entlassen hatte, eine Mitschuld trägt. Diese Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen, hieß es.

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